Gated Communities: Ein luxuriöses Leben hinterm Stacheldrahtzaun

Vor vielen Jahren, gerade nach Abschluss meines Soziologie-Studiums, habe ich eine längere Zeit in Kolumbien verbracht. Dort durfte ich das Konzept der Gated Communities kennenlernen, denn viele Studenten bzw. deren Eltern, junge Akademiker und Expats haben in sogenannten conjuntos cerrados – bewachten Siedlungen – gewohnt.

Da es bis heute in Österreich keine wirklichen geschlossenen Oberschichtghettos gibt, war ich einerseits abgeschreckt von der Tatsache, dass sich die Reichen in mit elektrisch aufgeladenen Stacheldrahtzäunen und von bewaffneten Securities beschützten Privatanlagen zurückziehen, andererseits aber auch voller Verständnis im Bewusstsein, dass es in Ländern, in denen es eine hohe Kriminalitätsrate und ein extremes Arm-Reich-Gefälle gibt, oft als die einzige Möglichkeit erscheint, sich abzuschotten.

Dieses Thema hat immer eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt, daher möchte ich euch heute ein paar Fakten zum kolumbianischen conjunto cerrado bzw. dem country – dem argentinischen Pendant – erzählen.

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Alphaville – Eine Gated Community nahe der brasilianischen Metropole São Paulo, Foto von Wikipedia. Viele dort lebende Expats werden täglich vom Privatchauffeur ins Office in der ca. eine Autostunde entfernten Metropole gebracht.

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Die sozialen Netzwerke und Privatsphäre – Was verraten wir alles über uns?

Lange habe ich überlegt, diesen Artikel zu veröffentlichen, da er polarisiert und vermutlich auch einige Leserinnen meines Blogs und vor allem Instagram-Userinnen vergrämen wird. Die Soziologin in mir hat sich aber durchgesetzt, auch wieder einmal ein kontroverses Thema, das nichts mit Stil zu tun hat, anzusprechen.

Seit ungefähr einem Jahr findet ihr countess_claire auf Instagram, und der Umgang mit der Privatsphäre dort und in anderen sozialen Netzwerken ist immer etwas, was diskutierenswert ist.

Wir geben freiwillig Informationen über uns preis

Wir verwehren uns zwar alle dagegen, „gläserne Menschen“ zu sein, empören uns darüber, dass Krankenkassendaten weitergegeben werden, ereifern uns, weil Kundenprofile gespeichert werden, echauffieren uns, wenn mit unseren Adressen reger und vermutlich äußerst lukrativer Handel getrieben wird, und doch ist  George Orwell’s Zukunftsvision aus seinem 1948 geschriebenen Roman „1984“ schon längst Realität geworden. Das Seltsame und gewissermaßen Paradoxe sind nämlich die sozialen Netzwerke: wir geben freiwillig Informationen über uns preis („ich habe ja schließlich nichts zu verbergen“), die zusammengesetzt aber ein mehr oder weniger komplettes Profil der Persönlichkeit darstellen.

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Generation Biedermeier – Die Neospießer

Vor längerer Zeit wurde ich in Instagram auf einen Artikel im deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ aufmerksam gemacht. Das Thema hat mich sofort gefesselt, geht es doch um die Generation junger Studenten, die einem allzu konservativen Lebensstil frönen und Traditionen hochhalten. „Neospießer“ eben.

Solltet ihr den Artikel noch nicht kennen, könnt ihr ihn hier finden: „Neue Bürgerlichkeit bei Studenten: Die Neo-Spießer„.

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Neospießer spielen Golf, gehen auf die Jagd und tragen Perlen.

 

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Eine soziologische Betrachtung: Warum kleiden wir uns wie? Teil 2

Wer kennt folgende Situation nicht: Man steht vor dem Kleiderschrank und überlegt, was man heute wieder anziehen soll. Ich werde von meinen Leserinnen zwar oft gefragt, was sie zu welchem Anlass tragen sollen, was angemessen für diese oder jene Gelegenheit ist bzw. was überhaupt Stil ausmacht. Ich möchte mich daher den soziologischen Fragestellungen „Warum tragen wir überhaupt bestimmte Sachen und andere nicht?“ und „Warum kleiden wir uns wie?“ widmen. Den ersten Teil findet ihr hier.

Um seinen eigenen Stil zu haben, muss man nicht unbedingt mit der Mode gehen. Man kommuniziert mit seiner Kleidung; seiner Hülle, die einem ein Image verleiht, egal, ob man den neuesten Trends entsprechend, klassisch oder (un)bewusst unmodern gekleidet ist. Wesentlich sind auch die Marken bzw. Designer, die alle einen bestimmten Stil repräsentieren.

Es ist nicht möglich, mit seiner Kleidung kein Statement zu setzen. Auch hier gelten die Worte des berühmten österreichischen Soziologen und Kommunikationswissenschaftlers, Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren“.

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Schon die Wahl der Kinderkleidung sagt etwas aus.

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Eine soziologische Betrachtung: Warum kleiden wir uns wie? Teil 1

Wer kennt folgende Situation nicht: Man steht vor dem Kleiderschrank und überlegt, was man heute wieder anziehen soll. Ich werde von meinen Leserinnen zwar oft gefragt, was sie zu welchem Anlass tragen sollen, was angemessen für diese oder jene Gelegenheit ist bzw. was überhaupt Stil ausmacht. Nun möchte ich mich auf meinem Blog in einer zweiteiligen Miniserie den soziologischen Fragestellungen „Warum tragen wir überhaupt bestimmte Sachen und andere nicht?“ und „Warum kleiden wir uns wie?“ widmen. 

Schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich einer der ersten Soziologen, Georg Simmel, mit diesem Thema auseinandergesetzt. Er stellte die These auf, dass wir uns aufgrund von sozialen und zeitlichen Aspekten einer bestimmten Mode unterwerfen oder auch nicht. Zu seiner Zeit orientierte man sich an der Oberschicht, die sich – sobald die unteren Gesellschaftsschichten ihren Stil erfolgreich kopiert hatten – wieder neuen Ideen zuwandte.

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Dies trugen Damen der Oberschicht zu Georg Simmels Zeiten (Anfang 20. Jahrhundert).

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