Claires Bibliothek: To Marry An English Lord

Heute möchte ich euch in der Rubrik „Claires Bibliothek“ ein schon etwas älteres Buch vorstellen, was ich besonders allen anglophilen Ladies, und mit einem Augenzwinkern, allen, die noch auf der Suche nach ihrem Traumprinzen sind, ans Herz legen möchte.

To Marry An English Lord“ von Gail Maccoll und Carol McD. Wallace ist im Jahr 1989 wie das „Official Preppy Handbook“ bei der Workman Publishing Company New York erschienen. Die broschierte englischsprachige Ausgabe umfasst 403 Seiten und kann hier bestellt werden.

To Marry An English Lord

Mit einem etwas ironisch anmutenden Unterton beschreibt dieses Buch, wie man ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann, Allianzen zwischen reichen amerikanischen Erbinnen und englischen Aristokraten zu fördern. Dieses Vorgehen sollte bis in die Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts anhalten, war doch das Vermögen der „American Heiresses“ sehr nützlich, wenn man ein imposantes Anwesen am Land und oft auch noch ein Stadthaus in London unterhalten und standesgemäß führen musste.

Auf vielen hübsch verzierten Seiten, die manchmal ein wenig an Zeitungsartikel erinnern, unzähligen Abbildungen und kleinen Infoboxen über das comme il faut der damaligen Zeit bekommt man einen guten Überblick über die gesellschaftlichen Gepflogenheiten des Großbritanniens der Viktorianischen und Edwardianischen Epoche im Vergleich zu dem viel liberaleren Lebensstil und den schier unbegrenzt scheinenden finanziellen Möglichkeiten der Oberschicht jenseits des Atlantiks. Dieses Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Welten zeigt sich aber nicht nur bei den ungezwungenen, gebildeten und unabhängigen jungen Amerikanerinnen auf der einen Seite und den wohlbehüteten, lediglich von Gouvernanten, manchmal mehr schlecht als recht unterrichteten, englischen Adelstöchtern, sondern auch am Beispiel der königlichen Familie selbst: Die sittenstrenge Queen Victoria im direkten Kontrast zu ihrem doch sehr freiheitsliebenden, Amerika-affinen Sohn Prince Edward Albert.

Etliche reiche Erbinnen, darunter Töchter aus der Vanderbilt und der LaRoche Familie werden porträtiert auf ihrem Weg von der privilegierten Amerikanerin zur englischen Adeligen. Nicht immer gelang freilich das Vorhaben, sich einen Duke oder Earl zu angeln, ohne Weiteres. Auch die mitunter bittere Erkenntnis, nur des Geldes wegen geheiratet worden zu sein oder ein großartiges amerikanisches Anwesen mit jedem erdenklichen Komfort gegen ein zugiges altes Schloss mit fragwürdigen sanitären Einrichtungen in der englische Provinz getauscht zu haben, machte den gesellschaftlichen Aufsteigerinnen zu schaffen. Kurzum, manchmal musste ein sehr hoher Preis dafür bezahlt werden, Duchess zu werden. Und war das erst einmal geglückt, ließen die Ressentiments der angeheirateten noblen Verwandtschaft meist auch nicht allzu lang auf sich warten.

To Marry An English Lord“ ist ein kurzweiliges Buch, das treffend und in amüsantem, manchmal klatschpressenhaften Ton die Gegebenheiten des Heiratsmarkts der damaligen Zeit beschreibt. Ich habe es gern gelesen und mir mitunter die Vorgeschichte von Cora Crawley, der amerikanischen Erbin, die in Julian Fellowes Serie durch Heirat zur Countess of Grantham geworden ist, ausgemalt.

Kennt ihr das Buch? Könnt ihr das Vorhaben der reichen Amerikanerinnen, einen englischen Adeligen zu heiraten, nachvollziehen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.