Der Gentlemen’s Club

Was wäre England ohne die altehrwürdige Tradition des Gentlemen’s Club, eine Vereinigung von meist männlichen Angehörigen der Upper Class? Der älteste ist der 1695 gegründete White’s Club, viele andere folgten. In der Viktorianischen Ära gab es fast 900 Clubs, heute sind es nicht mehr annähernd so viele, doch hauptsächlich zwischen Pall Mall und St. James’s Street in London finden sich auch jetzt noch viele renommierte Vereinigungen, so zum Beispiel das Athenaeum, der Beefsteak Club, Brooks’s, Boodle’s oder der Carlton Club.

Athenaeum_Club,_London_-_Nov_2006 Gentlemen's Club

Der Athenaeum Club in London: Einer der prestigeträchtigsten Gentlemen’s Clubs für Kunst und Kultur.

Fanden sich die Herren der Upper Class im 18. Jahrhundert hauptsächlich zum Kaffeetrinken ein, wurde der Club bald darauf schon als „zweites Zuhause“ angesehen. Man konnte hier entspannen, sich mit Gleichgesinnten in mondäner Atmosphäre treffen, essen oder in einem der Schlafräume übernachten, wollte man sich zum Beispiel nach einer langen Ballveranstaltung die Fahrt aufs eigene Anwesen auf dem Lande nicht mehr zumuten. Manch ein Gentleman soll den Großteil seiner Ehejahre lieber im Club als im trauten Heim verbracht haben.

Die Gründerväter der verschiedenen Clubs waren Männer der Upper Class mit ähnlichem Background, gleichen Ansichten und Interessen. Neben Clubs für Aristokraten wie Boodle’s, Pratt’s, White’s oder Brooks’s gibt es zahlreiche Vereinigungen der Absolventen von Cambridge und Oxford, Literaturclubs, Clubs, deren Mitglieder hochrangige Militärs sind und vieles mehr. Manche Clubs nehmen seit geraumer Zeit auch Frauen auf.

Doch wie wird man in einen der exklusiven Londoner Herrenclubs aufgenommen? Von ungeheurem Vorteil ist es natürlich, in England zu wohnen. Man sollte auch ehrlich mit sich sein und gewissenhaft evaluieren, ob ein Briefmarkensammler- oder Fussballverein nicht besser zu einem passen. Soweit so gut, aber sind die Grundvoraussetzungen erfüllt, tun sich sogleich weitere Schwierigkeiten auf: Ein Fauxpas wäre es nämlich, selbst um Aufnahme zu bitten. Man wartet, bis man vom Club gebeten wird, beizutreten. Dazu braucht es zwei Clubmitglieder, den proposer und den seconder, die einen neuen Kandidaten vorschlagen. Finden sich dann genügend Mitglieder, die die Aufnahme befürworten, kann man sich zum Kreis der Auserwählten zählen. Als extrem unfein gilt es, ein befreundetes Clubmitglied wegen der Aufnahme zu belangen, so zumindest die Theorie. Bestechung ist natürlich ohnehin ein Tabu. Abgelehnt zu werden ist ebenso peinlich wie einen Kandidaten vorgeschlagen zu haben, der sich später als unwürdig erweist. Zu viele Dinge im Leben sind käuflich, die Aufnahme in einen Club ist es nicht.

Zutritt zu einem Gentlemen’s Club haben aber nicht nur die Mitglieder, sondern alle, die von einem Mitglied dorthin eingeladen werden. Solch eine Einladung ist keine geringere Ehre als in das Zuhause des betreffenden Herrn gebeten zu werden. Erwähnenswert ist noch, dass man dem Personal in einem Club niemals Trinkgeld gibt. Es handelt sich schließlich um einen Club und kein Hotel.

Selbstverständlich gibt es auch in anderen Ländern Member-Clubs, wo sich die Wirtschaftselite, die Reichen und Mächtigen dieser Welt zum mehr oder weniger gemütlichen Zusammensein und zum Sehen und Gesehen werden finden. In der Schweiz sind da etwa der Corviglia Club, der Cresta Club oder der Club of Nine, um nur einige zu nennen. In Österreich ist der bekannteste der St. Johanns Club, hervorgegangen aus der Vereinigung katholischer Edelleute. Der Großteil der Mitglieder entstammt ehemals adeligen Familien.

Dann gibt es noch unzählige Service-Clubs, die sich wohltätigen Zwecken widmen, zum Beispiel die Rotarier, Soroptimisten, der Lions Club und viele mehr.

Brooks's

Brooks’s in der Londoner St. James’s Street: Mitglieder sind Adelige und Diplomaten.

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Die Bar im Londoner Savile Club: Vertreter von Kunst bis Wissenschaft finden sich hier.

Wer sich für den Lifestyle der britischen Upper Class interessiert, dem empfehle ich unter anderem meine Artikel „U or Non-U?„, „Der Sloane Ranger – Vertreter der britischen Upper Class„, „Styling-Regeln für den Sloane Ranger„, „Nobelviertel in London„, „British Interior Style – Der britische Wohnstil„, „Das Chesterfield-Sofa“ und „Ein Badezimmer im British Style„. Buchrezensionen findet ihr auf diesen Seiten: „Claires Bibliothek: Snobs„, „Claires Bibliothek: Cooler Faster More Expensive: The Return of the Sloane Ranger„, „Claires Bibliothek: Eine Klasse für sich„, „Claires Bibliothek: Englische Liebschaften“ und „Claires Bibliothek: The Official Sloane Ranger Handbook„.

Was haltet ihr von solchen Clubs?

2 Gedanken zu „Der Gentlemen’s Club

  1. Hallo,

    ich bin einem so wunderbar verschlafenen Nest, dass ich ehrlich gesagt, nicht weiss , ob es in D auch sowas gibt, könnte es aber vermuten. Aus einem Bericht weiß ich, dass in Adelskreisen immer so Kennenlernparties gibt, ob sich doch noch jemand findet.

    Aber wenn´s gefällt, ich hätte im Moment für sowas keine Zeit.

    Ich weiß, die Zeit nimmt man sich , ich bin da aber noch nicht …, arbeite aber dran.

    Schönen Sonntag Abend , Sue

    • Liebe Sue,
      Ich denke, diese Art Clubs gibt es wohl überall.
      Haha, das hast du schön gesagt. „ob sich doch noch jemand findet“ ;-)
      Liebe Grüße,
      Claire

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