Preppy Style – Der traditionelle Ostküsten-Lifestyle

Der Preppy Style wurde ursprünglich geprägt von den Schülern und Absolventen der neuenglischen Elitegymnasien, den auf die Universität vorbereitenden Preparatory Schools. Was hierzulande oftmals auf einen bestimmten Modestil reduziert wird, umfasst in der eigentlichen Bedeutung den ganzen Lebensstil der nordamerikanischen Ostküsten-Oberschicht, deren Angehörige WASPs genannt werden: „White Anglo-Saxon Protestants“, also weiße, protestantische Amerikaner englischer Abstammung.

Um die Zugehörigkeit zur gehobenen, deutlich konservativ eingestellten Schicht zu demonstrieren und sich gleichzeitig von anderen Bevölkerungsgruppen abzugrenzen, hat der Preppy oder Prep einen ganz besonderen Lifestyle.

Der-Preppy-Style

Für den Preppy Style typische Outfits von Ralph Lauren.

Abgesehen vom wohlhabenden Elternhaus – gewissermaßen Grundvoraussetzung, auch wenn niemals über materielle Dinge gesprochen wird und Understatement Lebenseinstellung ist – ist die Bildung ein ganz zentrales Thema: In renommierten Privatschulen, meist in Internaten (Boarding Schools), wird man schon früh auf die Universität vorbereitet, am begehrtesten sind Studienplätze an den altehrwürdigen Unis der sogenannten Ivy League, ursprünglich nur der Name der Football-Liga von Harvard, Princeton, Yale und Columbia. Später kamen noch die Universitäten Brown, Cornell, Dartmouth und Pennsylvania dazu. Für die Bezeichnung „Ivy„, also Efeu, kommen zwei Erklärungen in Frage: die Uni-Gebäude sind einerseits mit Efeu bewachsen, „Ivy“ ist aber auch die englische Aussprache der römischen Zahl 4 (IV), was die vier Gründungsmitglieder bezeichnet.

Der typische Prep übt ganz bestimmte Berufe aus: Jurist, Investmentbanker, Unternehmer, Senator, Berufs-Ehefrau, Berufs-Geschiedene, Profi-Golfer oder Profi-Tennisspieler, Restaurateur, Inneneinrichter, Caterer, Party Planner oder Immobilienmakler(für High-Class-Immobilien selbstverständlich), um nur einige zu nennen. Er arbeitet niemals als IT-Experte, Meteorologe oder Arzt (er möchte schließlich nicht mit fremden, kranken Menschen zu tun haben, dementsprechend gibt es Ausnahmen, zB. die orthopädische Chirurgie).

Einen unsportlichen Prep wird man selten finden, gilt es doch von klein auf, bestimmte Sportarten zu betreiben: Man interessiert sich für Lacrosse, Tennis, Hockey, Segeln, Squash, Cricket, Polo, Golf, Rugby, Krocket, Reiten und Ballett (wobei es aber besonders bei letzterem als unpreppy gilt, ein gewisses Niveau zu überschreiten und eine Künstlerkarriere anzustreben).

Wichtig sind auch die Urlaube: Der Prep verbringt seinen Sommer am liebsten im eigenen Ferienhaus, bevorzugte Plätze sind die Hamptons, Nantucket Island, Cape Cod, St-. Martha’s Vineyards , die Bahamas und die Virgin Islands, zum Schifahren trifft er sich mit Freunden in Vermont, Aspen oder den Schweizer Alpen. Überhaupt stehen Europa-Reisen hoch im Kurs, werden hier doch Kulturdenkmäler besichtigt oder Kunstkurse belegt und somit die wichtige Allgemeinbildung gefördert.

Was den sonstigen Lifestyle der Preppies anbelangt, gibt es Ähnlichkeiten zu ihren Cousins auf den britischen Inseln: Hochhaltung von traditionellen Werten, Wichtigkeit der Familie, Liebe zu den Tieren. Wie bei den Wohnsitzen englischer Landadeliger fühlen sich die WASPs in Häusern im traditionellen Stil wohl. Symmetrie bei der Einrichtung, ein ererbter Look und ein gemäßigter Mustermix sind auch hier die Themen. Ihre Nachmittage verbringen sie in Country Clubs. Monogramme werden nicht nur auf Hemden, Strandtaschen und Handtücher gestickt, sondern man speist auch vom mit den Initialen versehenen Silberbesteck. Mudrooms, in denen von der Barbourjacke, den Gummistiefeln und Sportgeräten alles, was man für ein richtiges Landleben braucht, zu finden ist, erfreuen sich dies- und jenseits des Atlantiks großer Beliebtheit.

Die Liebe zu Tieren findet Ausdruck im Halten von Hunden – nein, Katzen sind leider unpreppy -, wobei aber unbedingt beachtet werden muss, dass nur ganz bestimmte Rassen als preppy gelten Auf keinen Fall sollte der beste Freund des Menschen nämlich in eine Handtasche passen. Mit einem Labrador oder einem Retriever ist man immer auf der sicheren Seite, verpönt ist es auch, Hunde in irgendeiner Form zu bekleiden oder andere Accessoires als ein schlichtes Halsband zu verwenden.

Man gibt sich konservativ auch in der Wahl der Kleidung, die sich am Chic der Schuluniformen orientiert: Kaschmir-Twinsets, Polo- und Rugbyshirts, Faltenröcke, Oxford-Blusen, Chinos, Blazer mit Ellbogenpatches, Cricket- und Zopfpullover, Pullunder, viel Tweed, Tartan, Seidentücher und Perlen gehören in jede Preppy-Garderobe. Nicht zu vergessen ist auch die besonders in tropischen Ferienresorts tragbare Mode (Resort Wear): hauptsächlich pinkfarbene und grüne Kleidchen im Stil von Lilly Pulitzer. Der Prep achtet immer auf gutes, dem Anlass angepasstes Schuhwerk: Loafer, Bootsschuhe und Gummistiefel spielen eine ebenso große Rolle wie Ballerinas und Pumps. Prep-Ausstatter sind unter anderem Brooks Brothers, Ralph Lauren, Tommy Hilfiger, L.L. Bean, Lacoste, Gant, Burberry, Barbour sowie Lilly Pulitzer, neuerdings aber auch das meiner Meinung nach zu hippe und stylische Label J.Crew.

Der Prep ist nicht nur sportlich und naturbewusst, sondern zeigt seine Natürlichkeit auch dadurch, dass sich die jungen Damen nur dezent schminken und die Haare am liebsten offen oder mit Haarbändern, die auf das jeweilige Outfit abgestimmt werden, tragen.

Jedoch grenzt er sich nicht nur durch seine Kleidung, außergewöhnlich gute Schulbildung und seine konservative Lebenseinstellungen von anderen Schichten ab, sondern auch durch ein ganz spezielles Vokabular, penible Einhaltung der Etiketteregeln und durch die Tatsache, dass er äußerst gut sozial vernetzt ist. Man erkennt ihn meist auch schon an seinem Vor- bzw. Nachnamen. Von Vorteil ist, wenn ein Ahne gleichen Familiennamens schon mit der Mayflower nach Amerika gekommen ist und man damit quasi einen „Beweis“ für die noble Abstammung hat. Beliebte Vornamen sind die traditionellen, konservativen, wie zB. Caroline, Elizabeth, Beatrice, Serena bzw. Alistair, Graham, Sebastian oder Stuart. Gern werden dann Abkürzungen (Spitznamen) verwendet, die mit dem eigentlichen Namen nicht viel zu tun haben.

Ikonen des Preppy Styles sind neben John F., Jacqueline und Caroline Kennedy, Grace Kelly und Audrey Hepburn, heute z.B. Schaupielerinnen wie Gwyneth Paltrow oder Reese Witherspoon, die Miller Sisters oder auch Michelle Obama. Bekannte Vertreterinnen des englischen Pendants zum Prep, dem Sloane Ranger, sind die verstorbene Prinzessin Diana und Catherine, die Herzogin von Cambridge.

Was haltet ihr vom Preppy Style?

Lest auch meinen Artikel „The Official Preppy Handbook„, die „Prep-Bibel“ von Lisa Birnbach. Bald folgt auch eine Rezension von „True Prep. It’s a Whole New Old World“; wer sich outfitmäßig an den Vertreterinnen dieses Stiles orientieren möchte, findet hier die „Styling-Regeln für die Preppy Lady„. Wenn ihr euch für das englische Pendant, den Sloane Ranger interessiert, empfehle ich euch meinen Artikel „Der Sloane Ranger – Vertreter der britischen Upper Class„.

25 Gedanken zu „Preppy Style – Der traditionelle Ostküsten-Lifestyle

  1. Liebe Claire, super!! Das hat mir gefehlt, jetzt kann ich endlich etwas anfangen mit dem Preppy Style. Vielen Dank.
    Muss schon sagen, gefällt mir gut, dieser Stil. Aber ich sehe schon, um dazuzugehören, hab ich einfach den falschen Vornamen… :-)

  2. Liebe Claire!
    An diesem Stil gefällt mir, dass man die einzelnen Teile lange Jahre tragen kann. Alles passt zusammen und man sieht immer gut damit aus (finde ich jedenfalls). In diesem Jahr musste ich leider meinen sieben Jahre alten Dufflecoat ( ähnlich wie der ganz rechts auf dem Foto) ausrangieren und nun bin ich auf der Suche nach einem Ersatz. Es gibt Kleidungsstücke, die liebt man einfach.
    LG von Rosie

    • Liebe Rosie,
      Da muss ich dir zustimmen, mir gefällt es auch, wenn Kleidung klassisch ist. Trends interessieren mich nur, wenn sie mir zufällig auch gefallen. Wegen dem Dufflecoat schau‘ doch mal beim British Shop oder Frankonia, da gibt es ganz hübsche Exemplare von Barbour, Brigitte von Schönfels ua.
      Liebe Grüße,
      Claire

  3. Liebe Claire,
    Gratulation, dass Du gut recherchierte und inhaltlich niveauvolle Beiträge schreibst, wissen wir ja. Aber dass Du auch ein paar wunderbare zynische Seitenhiebe verteilen kannst, ist neu für mich. Herrlich humorvoll und mit Augenzwinkern, ein wahrer Lesegenuß. Bitte mehr davon.
    Herzliche Grüße – S

    • Liebe Sanne,
      Vielen Dank, dieses Kompliment freut mich ganz besonders! Ja, es gibt tatsächlich noch unentdeckte Seiten an mir ;-) Ein bisschen hat natürlich die verwendete Literatur auf mich abgefärbt.
      Liebe Grüße,
      Claire

    • Liebe Mini,
      Vielen Dank für deine lieben Worte. Mir hat es auch großen Spaß gemacht, diesen Artikel zu schreiben.
      Liebe Grüße,
      Claire

    • Liebe Jasmin,
      Danke für deinen Kommentar! Der Preppy Style ist natürlich traditionell-konservativ, spießig (mode- u. lifestyletechnisch) hat für mich aber eine andere Bedeutung.
      Liebe Grüße,
      Claire

  4. Ich bedanke mich für diesen sehr informativen und wirklich interessanten Artikel! Und ich musste herzlich lachen über die Berufs-Ehefrau und die Berufs-Geschiedene. :)

    Liebe Grüße,

    Anna

    die schon lange als stille Leserin mit dabei ist. ;)

    • Liebe Anna,
      Bitte gern, dieser Artikel hat mir besonders großen Spaß gemacht.
      Außerdem freue ich mich sehr, dass du heute keine stille Leserin bist!
      Wobei ich übrigens betonen möchte, dass ich nichts gegen nichtberufstätige Ehefrauen/Mütter habe (ich bin selber eine), aber ich denke, wir wissen, was gemeint ist ;-)
      Liebe Grüße,
      Claire

  5. Hallo,

    freue mich schon auf deine Buchvorstellungen… und dein Beitrag war wieder sehr informativ. Man sieht aber auch immer gut angezogen mit dem Preppystil aus.

    Mein Sohn hatte letzte Woche einen schweren Fahrradsturz mit Folgen , ist nun aber schon wieder wohlauf mit einem halben Schneidezahn (bleibend).Deshalb war ich etwas wenig vertreten.

    Heute kam endlich unser H&M Paket an, mein Sohn hatte sich in eine Cabanjacke verliebt!!! Sieht ziemlich preppy aus, wenn es schlimm kommt, macht er von sich aus noch ein Scheitel. Er ist erst 11, hat aber genaue Vorstellungen von dem, was er anzieht.

    Bin jetzt auf deine Buchvorstellungen sehr gespannt.

    LG Sue

    • Liebe Sue,
      Das tut mir aber leid wegen des Unfalls, alles Gute für die weitere Zahnbehandlung.
      Ich bin auch der Meinung, dass dieser Style wunderbar zu kombinieren ist!
      Buben- (und Männer-) Frisuren mit Scheitel können schon cool aussehen, wenn sie richtig gestylt werden, aber auch ziemlich bieder, wenn man’s nicht gut macht. Viel Glück ;-)
      Liebe Grüße,
      Claire

  6. Hallo Claire!
    Vielen Dank für Deinen humorvollen und informativen Artikel. Ich mag all Deine Artikel und bei diesem fühlte man auch Deine Freude daran.
    Schön geschrieben.

    Ich trage einen Mix aus Equestrian & Preppy Style. Hmm… wie nennt man das dann? Unter Preppy verstehe ich, dass die Wappen und Namen (Uni, Schule, Club) offen auf den Kleidern getragen werden. ich mag die Farben und ich trage diesen Stil aber ohne Monogramme und Wappen und nicht als vollständiges Outfit, so dass es nicht offensichtlich als Preppy eingestuft werden kann (hoffe ich ;-), denn ich fühle mich hierfür zu alt!) Obwohl ich nur ein Poloshirt mit Wappen von RL, auf Grund der fantastischen Passform, doch als einzige Ausnahme super gern trage, dann aber nur in der Freizeit.

    Eine Frage hätte ich doch, Du meinst doch die Marke Gant nicht Gang – oder?

    LG, Anita

    • Liebe Anita,
      Vielen, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!

      Equestrian und Preppy Style – Mix? Sehr schön, aber wie man das speziell nennt, weiß ich nicht, vielleicht doch einfach preppy, denn das Reiten ist ja eine bevorzugte Sportart der Preppies, und dementsprechend auch die dazugehörende Kleidung.
      Warum fühlst du dich zu alt für den Preppy Style pur? Die amerikanischen Preppies bleiben ja diesem Stil auch treu, wenn sie Schule und Uni schon verlassen haben ;-)

      Ja, das mit den Wappen und Monogrammen : es ist schon so, dass diese auf die Kleidungen gestickt werden (Schuluniform, Uniwappen etc.), aber genauso authentisch ist dieser Stil ohne Wappen. Ich selbst habe Markennamen nicht gern so deutlich auf meiner Kleidung, und wenn, dann nur klein (Big RL-Pony kommt nicht in Frage).

      Danke wegen dem Hinweis, natürlich habe ich Gant gemeint. Immer diese Autokorrektur, ich muss doch einmal herausfinden, wie man sie ausschaltet. Ich hab’s ausgebessert.

      Liebe Grüße,
      Claire

  7. Liebe Claire!

    Ein wunderbar geschriebener, durchdachter und humorvoller Beitrag.
    Mir persönlich gefällt dieser Stil besonders gut da er sich gut kombinieren läßt.
    Bin auf deine Buchpräsentation schon neugierig.

    Schöne Tage!
    Liebe Grüße Doris

  8. Liebe Claire,

    wieder ein informativer, stilsicherer Beitrag, vielen Dank!
    Ich freue mich schon auf die angekündigten Fortsetzungen.

    Viele Grüße
    Amalia

  9. Hallo Claire! Ich liebe diesen Stil und ziehe mich so ähnlich an wie auf dem Foto. Ist einfach klassisch und edel. Und ich finde deinen Artikel so witzig geschrieben, ich habe sooo gelacht!

  10. Liebe Clair,

    zu deinem perfekt recherchierten Beitrag fällt mir vor allem eins ein: sehr lehrreich. Vielen dank dafür. Mittlerweile tragevich selber nur noch selten Polohemden, Bootschuhe und Faltenröcke. Aber das war mal anders. Der Stil hat mich persönlich besonders während des Studiums geprägt, da BWLer und Juristen häufig diesen Stil verfolgen.

    Alles Liebe an dich und einen schönen Sonntag

    Deine Lara

    • Liebe Lara,
      Vielen Dank für dein Kompliment, wenngleich ich hoffe, dass mein Artikel nicht zu lehrreich im Sinne von schulmeisterlich geklungen hat, sondern man die Ironie ein bisschen gespürt hat.
      Ja, das stimmt, auch in Österreich haben viele Jus- und BWL-Studenten diesen Kleidungsstil verinnerlicht.
      Dir auch eine schöne neue Woche!
      Liebe Grüße,
      Claire

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