Claires Bibliothek: Leben an der Goldküste. Aus dem Tagebuch einer Privilegierten

Heute möchte ich euch keinen Stilratgeber vorstellen, sondern einen amüsanten Roman, der an der Zürcher Goldküste spielt. Dieses Buch habe ich schon gelesen, bevor ich selbst hierher zog. Kürzlich habe ich es mit viel Vergnügen noch einmal gelesen.

Katharina Wille-Guts „Leben an der Goldküste. Aus dem Tagebuch einer Privilegierten“ wurde 2004 im Zytglogge Verlag geschrieben und umfasst 192 Seiten (Amazon).

Wille-Gut, die unerkannt bleiben möchte, wuchs selbst in einer Goldküstengemeinde auf, nach einem abgebrochenen Ethnologiestudium und verschiedenen Jobs, unter anderem als Galeristin, Model und PR-Assistentin, heiratete sie standesgemäß und kümmert sich heute ausschließlich um Haus, Garten, Kinder, Mann und sich selber. Oder lässt kümmern…

Buch-Leben

Die Hauptbeschäftigung im Leben der 41jährigen Protagonistin ist Shopping. Darüber hinaus bleibt für sie wenig zu tun, wird doch der Haushalt von einer zuverlässigen Kraft geführt, der Garten wird zwei Mal wöchentlich vom Gärtner betreut, die Kinder sind tagsüber in der Schule und für Dinner- und Geburtstagsparties wird einfach eine Cateringfirma engagiert. Sie lebt an der Goldküste, bevorzugte Wohngegend am Zürichsee zwischen Zollikon und Meilen, die sich durch hohe Immobilienpreise und einen niedrigen Steuerfuß auszeichnet.

Doch dunkle Wolken ziehen am Goldküstenhimmel auf: „Jetzt liest du die ganze Zeit diese Hochglanzhefte à la ‚Beautiful Interiors‘ und bist nicht mal in der Lage, selber ein paar Stühle um einen Tisch zu drapieren“, echauffiert sich der Ehemann nicht zu Unrecht, denn sogar die Inneneinrichtung ihrer Tessiner Ferienvilla überlässt Nina Professionisten.

Nachdem sie beim Einkaufen wieder einmal sehr über die Stränge geschlagen hat, lässt Eric ihr die goldene Kreditkarte sperren, schickt sie zur Therapie bei einem Psychiater und gesteht ihr nur mehr ein kleines Taschengeld zu, das bei weitem nicht ausreicht, um ihrer Shoppingsucht zu frönen. Gelangweilt beginnt sie auf Anraten ihres Psychiaters, Tagebuch zu schreiben, in dem sie ihren Unmut über Ehemann, Kinder, Freundinnen und die kleinen Belanglosigkeiten des Lebens kundtut.

Gibt es doch viele Probleme: Der nächste Kindergeburtstag muss organisiert werden, vor den Freundinnen muss vertuscht werden, dass man kein Geld mehr zur Verfügung hat, und schließlich stellt sich auch noch heraus, dass das Töchterchen die Aufnahmsprüfung ins Gymnasium trotz unzähliger Paukeinheiten im Lernstudio nicht geschafft hat, im Gegensatz zu allen ihren Freundinnen. Dumm, dass im Freundeskreis alle von deren Versagen wissen, aber zumindest die Öffentlichkeit muss getäuscht werden, indem die gewählte Sekundarschule möglichst in der Nähe des Gymnasiums liegt. So bleibt wenigstens der Schulweg gleich, und niemand merkt, welches Schulhaus das Mädchen eigentlich betritt.

Schließlich besinnt sich Nina aber auf Ihre Begabung, das Kochen, und geht ihren eigenen Weg…

Leben an der Goldküste. Aus dem Tagebuch einer Privilegierten“ ist ein leichter und witziger Sommerroman, den man auch gut an den Strand oder See mitnehmen kann. Der Schreibstil von Wille-Gut ist einfach, die Sätze sind kurz und im Präsens geschrieben, bei den mit einigen Sarkasmen gewürzten Tagebucheinträgen von Nina kommt schon mehr Pep in die Sache. Es wimmelt zwar von Klischees; wenn man aber an der Goldküste lebt, stellt man jedoch sehr schnell fest, dass das „Leben“ hier großteils ähnlich abläuft.  „Aber auch in Designerküchen wird nur mit Wasser gekocht“, wie es so schön im Buch heißt.

Dieser Roman bietet eine kurzweilige Lektüre; wer kein literarisches Meisterwerk sucht, ist mit „Leben an der Goldküste. Aus dem Tagebuch einer Privilegierten“ (Amazon) bestens beraten.

Kennt ihr das Buch? Falls ja, wie findet ihr es?

4 Gedanken zu „Claires Bibliothek: Leben an der Goldküste. Aus dem Tagebuch einer Privilegierten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.