Tischsitten oder die Kunst, sich bei Tisch richtig zu benehmen, Teil 4

Dies ist der vierte und letzte Teil der Serie über die Tischsitten. Die ersten drei findet ihr hier, hier und hier.

  • Essen mit Händen

Man isst nicht mit den Händen, sondern benützt das Besteck. Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Es gibt zwar einige Ausnahmen wie zB. das Essen von Schalen- und Krustentieren, Miesmuscheln oder Artischokenblättern; das Brathendl ist aber keine! Ein guter Anhaltspunkt sind übrigens Fingerschalen, die mit lauwarmem Wasser und einer Zitronenscheibe, um Fettreste von den Fingern zu entfernen, gefüllt sind. Falls sich diese am Tisch befinden, darf man ohne Weiteres die Hände benützen. Brot als Beilage wird selbstverständlich auch mit der Hand gegessen.

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Vollendete Tischmanieren oder ein kleiner Streit darüber, wer sich zuerst bedient?

  • Das richtige Servieren

Speisen werden grundsätzlich von rechts serviert, wenn diese schon fertig angerichtet am Teller liegen. Soll sich der Gast selbst bedienen, wird alles von links gereicht und nach rechts weitergegeben. Von links werden auch fertige Platten präsentiert, von denen der Gast sich selbst nimmt. Leere Teller werden von rechts weggenommen, ebenso nicht benötigte Weingläser. Gläser werden von rechts gereicht, beim Nachschenken werden sie übrigens nicht vom Tisch gehoben. Salat wird auf Salattellern, Brot auf Brottellern von links serviert.

  • Andere Länder, andere Sitten

Dass auch Barack Obama die linke Hand beim Essen unter dem Tisch lässt, ist bekannt. Diese Verhaltensweise, die besonders in den USA gebräuchlich ist, soll noch aus Zeiten, zu denen man stets eine Waffe bei sich trug, stammen. Die Linke lag also stets unter dem Tisch, um so schneller die Pistole erreichen zu können. Schmatzen und Rülpsen ist zB. in China ein Zeichen, dass es gut geschmeckt hat und keineswegs ein Fauxpas. In Großbritannien führt man den Löffel nicht wie bei uns von vorn in den Mund, sondern seitlich.

  • Beendigung der Mahlzeit

Ganz einfach: das Essen ist beendet, wenn die Gastgeberin ihre Serviette links neben den Teller legt und aufsteht, was man auch Aufheben der Tafel nennt. Die Gäste erheben sich dann ebenfalls und führen nicht etwa angefangene Gespräche weiter. Die Herren stehen übrigens zuerst auf, um den Damen eventuell behilflich sein zu können. Auch wenn die Dame zwischendurch ihren Platz verlassen möchte, zeigt es von Stil, wenn sich die Herren ebenfalls erheben. Denkt dabei an die wunderbaren Dinners bei „Downton Abbey“!

  • Ein paar allgemeine Regeln zum Schluss

Stillos sind Schönheitsreparaturen (Nachschminken) bei Tisch, auch nicht, wenn man sich etwas vom Tisch abwendet. Soll aber immer wieder vorkommen. Nicht einmal der Lippenstift wird nachgezogen, geschweige denn das ganze Make-up-Täschchen ausgepackt. Beim Aufstehen sagt man „Bitte entschuldigt mich“, „Ich bin gleich wieder da“ oder Ähnliches, man geht nicht genauer darauf ein, was man wo macht, verlässt aber auch nicht wortlos den Tisch.

Hat das Gegenüber Essensreste oder Lippenstift an den Zähnen, ist es nett, so diskret wie möglich darauf hinzuweisen. Niemand würde sich freuen, daheim zu bemerken, dass man den ganzen Abend ein Salatblatt zwischen den Zähnen gehabt hat, alle es gesehen haben, aber niemand darauf hingewiesen hat.

Gibt es ein Buffet und möchte man sich nachholen, nimmt man einen neuen Teller. Mit einem gebrauchten Teller läuft man nicht durchs Restaurant. Im privaten, kleinen Rahmen kann man das selbstverständlich anders handhaben, falls nicht genügend Geschirr vorhanden ist. Wenn man nicht den Eindruck erwecken will, man lebe sonst nur von trockenem Brot und müsse daher alles nachholen, was man sonst nicht bekommt, häuft man sich besser keine Berge von Essen auf den Teller. Aus den dargebotenen Schüsseln bedient man sich möglichst dezent, ohne die Speisen überall zu verteilen.

Zu Boden gefallenes Besteck oder Servietten werden im Restaurant nicht selbst aufgehoben, sondern man bittet das Servierpersonal um Ersatz.

Suppenteller werden nicht gekippt, auch wenn sich noch ein Rest darin befindet. Suppentassen hingegen dürfen gekippt werden.

Ganz schlimm: lauthals zu verkünden, dass man „auf Toilette“ geht und wissen zu wollen, ob noch jemand mitkommt. Elegant ist es übrigens, wenn man das Servierpersonal fragt, wo man sich die Hände waschen kann, man erkundigt sich niemals nach dem Weg zum WC oder der Toilette. Da ist die Frage, wo das Klo sei, noch stilvoller. Warum das so ist, könnt ihr in meinem Artikel „U or Non-U?„, bei dem es um die Unterschiede zwischen dem Englisch der Upper Class und dem der Middle Class in England geht, nachlesen.

Habt ihr noch Regeln zu ergänzen oder seid ihr mit etwas gar nicht einverstanden?

8 Gedanken zu „Tischsitten oder die Kunst, sich bei Tisch richtig zu benehmen, Teil 4

  1. Liebe Claire,
    vielen Dank für den schönen Abschluss dieser Artikelserie!
    Mir fällt dazu die Anekdote ein, wie ich mich als kleines Mädchen ein einem Restaurant erkundigte, ganz wie ich es gelernt hatte, wo ich mir denn, bitte, die Hände waschen könnte. Die Antwort: „Komma rinn, Kleene, det kannste gleich hier inne Küche machen.“ Oh, war meine Verzweiflung groß!
    Liebe Grüße
    Amalia

    • Liebe Amalia,
      Das ist eine ganz wunderbare Geschichte und ich kann mir vorstellen, wie dir zumute war. Ich freue mich immer sehr, von dir zu lesen!
      Liebe Grüße,
      Claire
      PS: Zauberhafte Neuigkeiten gibt es da von dir ;-)

  2. Liebe Claire,
    ein sehr schöner Artikel über die Kunst, sich bei Tisch zu benehmen. Vielen scheint in diesem speziellen Bereich wirklich die Erziehung zu fehlen. Ich habe einmal eine Dinnerparty gegeben, bei der es aussschließlich Meerestiere gab und hatte auch kleine Schalen mit Wasser und Zitronenscheiben hingestellt, damit die Hände gewaschen werden können. Und einer der Gäste nimmt doch tatsächlich die Zitronenscheibe aus der Schale und würzt damit das Essen nach. Da hab ich wirklich nicht schlecht geguckt!
    Viele Grüße Bianca

  3. Liebe Claire,
    wieder ein toller Artikel und eine wunderbare Zusammenstellung.
    Du hast ein schönen Schreibstil und ich lese gern Deine Artikel.

    Was wir/ich schon immer beherzigt haben, ist sich über die Tisch-/Benimm-Kultur des jeweiligen Landes vor dem Besuch zu informieren, wie auch zu wissen wie man sich in der jeweiligen Sprache bedankt;)

    Bin schon gespannt welches Thema Dich wieder ergreift – ist immer wieder Interessant und eine schöne Abwechslung – vor allem auch eine schön Auffrischung ;) Liebe Grüße Anita

    • Liebe Anita,
      Vielen Dank für deine Worte. Die nächsten Artikel sind schon in Planung, es wird aber noch nichts verraten.
      Liebe Grüße,
      Claire

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