Wie wird man adelig?

Wer liest begeistert Gala und Bunte, träumt von adeligen Traditionen und geschliffenem Auftreten, hat Adelsromane am Nachttischchen liegen und interessiert sich für Stammbäume und Wappen? Akribisch werden Nachrichten auf den verschiedensten Kanälen durchsucht nach Neuigkeiten von William, Charlène, Charlotte, Victoria oder wie sie sonst noch alle heißen. Welches neue Outfit hat Kate getragen – kann man es eventuell sogar nachkaufen? – wer ist zum dritten Mal schwanger und welcher Junggeselle heiratet wen? Welche Skandale gibt es am spanischen Königshof, wer lebt in Trennung? Insgeheim einmal Prinzessin sein, mit dem adeligen Ehemann in den Sonnenuntergang reiten? Rosamunde Pilcher lässt grüßen. All jenen unter meinen lieben Lesern, auf die der Adel eine große Faszination ausübt, sei mein Artikel gewidmet. Man ist adelig geboren oder wird es im Lauf des Lebens. Da gibt es drei Optionen. Heirat, Nobilitierung oder Adoption. Lest meinen kleinen Guide zum Leben mit Prinzessinnenkrönchen:

Wie öffnet sich die Tür zur Welt des Adels?

Heirat mit einem Royal

Die beste Möglichkeit auf dem Weg zum Krönchen ist die Heirat. Doch ganz so einfach ist es nicht. In der bunten, glamourösen Welt der Royals ist es zwar mittlerweile üblich, wenn auch nicht ganz comme il faut, bürgerlich zu heiraten. Silvia von Schweden, die junge Olympia-Hostess, Letizia von Spanien, eine ehemalige Journalistin, Sophie Wessex, Tochter eines Reifenhändlers, Mary zu Dänemark, eine Marketing-Expertin, Bankerin Máxima der Niederlande, die Schwimmerin Charlène von Monaco, Daniel Westling, der ehemalige Fitnesstrainer von Kronprinzessin Victoria. Schließlich Kate Middleton – höhere Tochter, Sofia von Schweden – Dessous-Model und Chris O’Neill, Ehemann von Prinzessin Madeleine. Aber der letzte königliche Junggeselle, der nicht gerade noch die Schulbank drückt und damit erst in zwanzig Jahren interessant wird, nämlich Prince Harry, hat vor kurzem seine Verlobung mit Schauspielerin Meghan Markle bekanntgegeben, der Hochzeitstermin steht auch schon fest. Wer also noch eine Generation lang warten kann, hat durchaus Chancen.

Heirat mit einem Adeligen

Die Royals mögen zwar ihre bürgerlichen Partner wählen, eine Stufe darunter sieht man es lieber, wenn man „unter sich bleibt“. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass der Adel das Gefühl hat, in Bedeutungslosigkeit zu versinken, wenn die Partner mehrere Generationen lang nicht standesgemäß sind. Womöglich liegt es aber an der Tatsache, dass es einfach genügend Adelsfamilien gibt, die im Gegensatz zu den Königshäusern nicht mit einander verwandt – zumindest nicht so nah – oder verschwägert sind. Das erleichtert die Partnerwahl. Außerdem wird von frühester Jugend an alles unternommen, dass auch noch der missratenste Adelsspross sein standesgemäßes Freifräulein bekommt. Hochzeiten, Taufen, sonstige Familienfeiern mit mehreren hundert Verwandten, „Adel auf dem Radel“, Karlsbader Wochenende, Jagdgesellschaften und natürlich die Schullaufbahn auf Eliteinternaten sorgen dafür, dass der Adel unter sich bleibt.

Ein Patentrezept zur erfolgreichen Ehevermittlung zwischen Adeligem und Bürgerlicher gibt es zwar nicht, doch man kann als Mutter ein bisschen Einfluss nehmen auf die Schul- und Universitätswahl der Tochter – Carole Middleton soll das ja auch getan haben. Eine berufliche Tätigkeit in einer Privatbank, im diplomatischen Dienst oder dem Kunsthandel fördern das Vorhaben auch. Jagdschein machen – beim burgenländischen Grafen lernt man dann gleich potentielle Partner kennen. Perfekt tanzen können – ein Muss für den Besuch etlicher Bälle. Eine gepflegte Erscheinung (Achtung, Irrglaube: gesucht wird nicht Germany’s Next Topmodel, sondern diejenige, die auch stylingmäßig am besten in eine adelige Familie passen würde. Perlenohrstecker, Barbourjacke, Pferdeschwanz, Tracht inklusive) ist sowieso Grundvoraussetzung, aber allzu spießig und bieder soll’s dann doch nicht sein. Religion spielt in den meisten adeligen Familien eine große Rolle. Spätestens jetzt sollte man beginnen, öfter als Weihnachten und Ostern in die Kirche zu gehen. Bescheidenheit, konservative Wertvorstellung – unbedingt beachten, sonst ist der Traum vom Krönchen schneller ausgeträumt, als einem lieb ist, der Wunsch nach vielen Kindern (gern drei oder mehr), Zurückhaltung, Nonchalance und ein sicheres Auftreten am gesellschaftlichen Parkett sind ausgesprochen wichtig. Und natürlich die richtige Ausdrucksweise sowie perfekte Manieren. Wichtig: Keinen „Guten Appetit“ wünschen oder „Auf Toilette gehen“ oder „Gesundheit“ wünschen, sondern nach dem Klo fragen, einfach drauflosessen und ein Niesen nicht kommentieren.

Nobilitierung

Die Erhebung in den Adelsstand erfolgt in Großbritannien zweimal jährlich, nämlich am Neujahrstag und am offiziellen Geburtstag der Queen. – also am besten einen Engländer mit Ambitionen heiraten! Weiteres könnt ihr in meinem Artikel „Der britische Adel“ lesen. Aber nicht vergessen auf die Received Pronunciation! Informationen dazu findet ihr am Blog auf „U or Non-U?“

Adoption

Es soll nicht wenige Rotlichtgrößen oder andere zwielichtige Gestalten geben, die viel Geld dafür bezahlen, sich von einer alten adeligen Dame ohne eigene Nachkommen adoptieren zu lassen. Diese Neo-Adeligen heiraten dann gern junge, der Plastischen Chirurgie ganz besonders zugeneigte D-Promis aus Containern, und schwups, gibt es eine neue Prinzessin aus dem Hause von und zu X-Y. Gnadenlose Selbstvermarktung ist wichtig, darum lässt man sich als Sisi im Prachtkleid für Events beim hiesigen Autohändler buchen oder bringt eine eigene Duftlinie heraus. Unnötig zu sagen, dass diese Damen und Herren von den echten Adeligen nicht akzeptiert, sondern bestenfalls belächelt, ignoriert oder bemitleidet werden, im schlimmsten Fall verklagt.

Liebe Leser, habt ihr schon einmal davon geträumt, adelig zu sein? Oder schreckt euch die Vorstellung ab?

 

3 Gedanken zu „Wie wird man adelig?

  1. Liebe Countess Claire,
    ein sehr interessanter und spannender Artikel.
    Ich musste schon zu Anfang ein wenig lächeln, weil deine Beschreibungen ziemlich genau auf mich zutreffen.
    Über die Verlobung von Prinz Harry und Meghan Markle reden wir zur Zeit zu Hause häufig. Ist eben einfach ein interessantes Thema :)
    In dem Punkt, dass Leute, die Geld dafür bezahlen, sich adoptieren zu lassen, keine echten Adeligen sind, da muss ich dir zustimmen.
    Davon träumen adelig zu sein, tue ich öfter, aber ich glaube, ich könnte mit dem Druck nicht umgehen.
    Viele liebe Grüße,
    Lena Lachner

  2. Liebe Claire,
    ich musste ein wenig schmunzeln bei Deinem Artikel!
    Natürlich freue auch ich mich, wenn ich den Medien mal etwas von unseren britischen Royals aufschnappe, und ich würde auch liebend gerne aussehen wie die schöne Duchess Catherine, aber das scheitert nicht nur am Kontostand, sondern auch an der Figur… Immerhin die Haarfarbe und -länge passt.

    Den niederen Adel finde ich allerdings viel spannender. Mit meiner Leidenschaft für alte Landgüter und Schlösser und deren Erhalt wäre ich die ideale Frau eines Erbens gewesen, man hätte aus dem „alten Kasten“ etwas famoses machen können; an entsprechender adelsanmutiger Erziehung mangelt es mir auch nicht, aber der Zug ist nach meiner bürgerlichen Heirat abgefahren. Und die Quadrille beherrsche ich leider auch nicht richtig. Tja. (Achtung, Humor!!)

    „Guten Appetit“ habe ich nicht gelernt (wir schauen immer zum Familienoberhaupt), gehe auch nur aufs Klo (oder ins kleinste Zimmer) und für „Gesundheit!“ habe ich auch nichts übrig.
    Die Garderobe ist „halt eben so wie sie ist“ (natürlich gewachsene Perlenohrringe und Wachsjacken, und nicht so „ab jetzt gewollt“ angezogen).

    Wenn ich damals in meinen Englandjahren sprachlich meinen Humor und meine Persönlichkeit genauso hätte zum Ausdruck bringen können wie in meiner Muttersprache – man hätte mich total witzig gefunden. Dann würde ich jetzt wahrscheinlich meine vier Kinder auf einem total verpilcherten Gutshof großziehen und mit meinem holden Titelerben in den kurzen englischen Sonnenuntergang reiten…!!

    Manchmal muss man eben Opfer bringen.

    Herzlichst,
    Deine Kate. (mit Schalk im Nacken!)

  3. @ liebe Kate: Über „kleinstes Zimmer“ musste ich schmunzeln, das habe ich noch nie gehört (kann aber auch zu Missverständnissen führen – bei uns beispielsweise wäre das nämlich die Speisekammer!).

    Liebe Grüße
    Amalia

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