Bon chic bon genre

von Countess Claire

Nach der Lektüre des französischsprachigen Buchs „BCBG – Le Guide du bon chic bon genre“ aus den Achtzigerjahren von Thierry Mantoux habe ich für euch eine kleine Zusammenfassung dieses Stils geschrieben. Die Angehörigen der französischen Upper Class, les BCBG (Bon chic bon genre), sind zu vergleichen mit den amerikanischen Preppies und den britischen Sloane Rangern.

Die BCBG zeichnen sich durch perfekte Manieren, hervorragende Ausbildung, ein exzellentes Netzwerk, Abstammung von „Old Money“-Familien, entweder adelig oder dem gehobenen Bürgertum entstammend, aus. Die lange Ahnenreihe ist selbstredend. Man ist meistens katholisch und pflegt alte Traditionen. Bon chic bon genre – gleichbedeutend mit konservativ, klassisch, nicht an Trends orientiert, weder sexy noch neureich (spricht jemand vom ‚Schloss‘ statt vom ‚Landhaus‘, hat er sich sofort als nouveau riche disqualifiziert) – diese Subkultur ist stark vom englischen Stil beeinflusst.

 

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Chanel an der Pariser Place Vendôme; in der Auslage spiegelt sich das Hotel Ritz. Eine der beliebtesten Shoppingadressen für die BCBG.

Wohnort

Man wohnt vorzugsweise in Paris oder Versailles, Identifikationsmerkmal der BCBG ist oftmals eine Adresse im Gebiet Neuilly-Auteuil-Passy („NAP“). Beliebt sind das 7., 16. und 17. Arrondissement. Auch andere französische Städte kommen in Frage, darunter Nantes, Orléans, Bordeaux oder Lyon. Nizza und Monte Carlo (auch in Monaco gibt es unzählige BCBGs – die jungen Angehörigen der monegassischen Fürstenfamilie sind BCBG par excellence) sind akzeptabel, Marseille hingegen nicht.

Interior

Grundvoraussetzung ist, dass man sein Haus selbst einrichtet bzw. dekoriert und keinesfalls einen Interior Designer ans Werk lässt. Die Einrichtung soll nämlich weder gewollt, noch kitschig oder zu sehr abgestimmt sein. Im Foyer oder Eingangsbereich gibt es eine Kommode, auf der Familienfotos sowie Militaria und gern auch Souvenirs aus den ehemaligen Kolonien ausgestellt werden. Die Möbel sind vorzugsweise aus den Epochen Louis XV-XVIII, dazu wählt man im Stil passende Tapeten und Perserteppiche. Stolz ist man ganz besonders auf die Bibliothek, gewissermaßen Versinnbildlichung von Bildung und Kultiviertheit. Genau wie beim British Interior Style ist es auch ein ganz wesentliches Merkmal, Dekorations- oder Möbelstücke symmetrisch anzuordnen bzw. immer paarweise zu erwerben.

Ausbildung

Schon von klein auf kommen die Franzosen und Französinnen der Upper Class hauptsächlich mit ihresgleichen zusammen. Die Wahl des richtigen Kindergartens, der meist privaten Volksschule und des passenden Lycées sind essentiell für die Sozialisierung. Ein Auslandssemester oder -schuljahr zu absolvieren, ist quasi Pflicht für die BCBG oder jene, die es gern wären. Vorzugsweise natürlich in England, wenngleich die USA, besonders Kalifornien, bei den Schülern beliebter sind. Nach dem Bac (Baccalauréat – die französische Matura) besucht man die Universität, besonders wenn schon klar ist, dass man später einmal die Firmenleitung des Familienunternehmens übernehmen soll.

Berufe

Welche Berufe sind bon chic bon genre? Man ist Jurist, Firmenbesitzer, Großgrundbesitzer, Diplomat; Frauen arbeiten auch gern im Public Relations Bereich, nachdem sie ein Jahr in einer Schweizer Finishing School verbracht haben. Falls sich Nur-Ehefrauen allzu sehr langweilen, wird ihnen auch gern eine Boutique eingerichtet.

Mode

Die BCBG kleiden sich klassisch, orientieren sich nicht an Trends, und kaufen lieber ein qualitativ hochwertiges Stück als zehn minderwertige. Lodenmäntel, Tweedkostüme (am besten von Chanel), Hermès-Tücher, Repetto Ballerinas und Burberry Trenchcoats sind aus keiner Garderobe wegzudenken.

Sie haben auch ihre bevorzugten Modelabel: Natürlich steht Chanel ganz hoch im Kurs, dicht gefolgt von Gucci, Burberry, Céline und Max Mara. Louis Vuitton – obwohl eine französische Marke – ist nicht sehr beliebt.

Sport und andere Interessen

Segeln, Golf, Tennis, Jagd, Reiten; die BCBG lieben diese Sportarten, Voraussetzung für die Ausübung ist aber auch die perfekte Ausstattung. Gejagt wird am liebsten rund um den eigenen Landsitz, den man neben dem Pariser Apartment oder Loft sein eigen nennt.

Musik, Theater, Oper, Kunst und Malerei; was bon chic bon genre ist oder gern sein möchte, umgibt sich mit der Aura eines Kunstinteressierten und -verständigen. Schon von klein auf wird eher die Liebe zum Ballett und dem Klavierunterricht gefördert als jene zum Fußball oder Judo.

Urlaube

Wer ein echter Vertreter der Bon chic bon genre ist, hat neben dem Landsitz in nicht allzu großer Entfernung von Paris auch noch ein Sommerhaus auf der Île de Ré oder in Südfrankreich. Saint-Barthélemy und andere Destinationen in der Karibik sind weitere bevorzugte Ziele. Hat man das Glück, eine Tante in den USA oder einen Cousin in Rom zu haben, stehen häufige Verwandtenbesuche auf dem Programm; um die ganzen tollen Urlaube zu finanzieren, ist (bzw. vielmehr war) ein Konto in der Schweiz sehr nützlich… Übrigens, ein schrecklicher Fauxpas wäre es, über Geld zu sprechen – ein ebenso großes Tabu wie die Erwähnung von persönlichen Problemen.

Namen

Tatsache ist: hat man den falschen Vornamen, ist man nicht BCBG: Man heißt Camille, Anne, Alix, Florence, Géraldine, Marie bzw. Albéric, Antoine, Henri, Charles, Jean oder Victor. Zu vermeiden sind Namen wie Alfred, Boris, David, Manuel, Marcel, René bzw. Barbara, Déborah, Estelle, Paulette, Zoé oder Corinne. Am besten ist es, wenn man mehrere Vornamen illustrer Vorfahren für die zukünftigen Erben auswählt.

Was haltet ihr von Bon chic bon genre im Vergleich zu den Preppies bzw. Sloane 
Rangern?

2 Kommentare

Lady Petite 28. Juli 2014 - 18:22

Hallo liebe Claire!

Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel. Habe mir über unsere französischen Freunde (Adel) noch nicht wirklich Gedanken gemacht. Dein Artikel finde ich daher um so spannender, weil der Bon chic bon genre irgendwie nicht so bekannt ist. Liegt das an der fehlenden Monarchie oder an der Sprache? Schade eigentlich, so würden wir sicher mehr Chanel auf der Straße sehen ;-)

Ganz liebe Grüße Anita

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Countess Claire 29. Juli 2014 - 09:14

Liebe Anita,
Ich denke, es gibt mehrere Gründe, warum BCBG nicht so bekannt ist: das Buch von aus den Achtzigern ist auf Französisch geschrieben und wurde nicht auf Englisch oder Deutsch übersetzt. Es gibt auch keine moderne Folgeausgabe (so wie zB: The Return of the Sloane Ranger), und es fehlen die richtigen Ikonen (für Preppies die Kennedys, für Sloane Ranger Princess Diana). Die BCBG sind eher unbekannt und zurückhaltend.
Liebe Grüße,
Claire

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