Der boot room im englischen Country House

von Countess Claire

Englische Country Houses bzw. Estates, wie die großartigen Anwesen der Upper Class genannt werden, sind quasi Garanten für Stil, Vornehmheit und Klasse. Klar, sie wecken Begehrlichkeiten in uns anglophilen Ladies. Aber es ist nicht nur die Bibliothek, in der unzählige alte, mehr oder weniger wertvolle Bände verwahrt werden. Es ist auch nicht das Herrenzimmer mit seinen Chesterfield-Sofas, die den Herrn des Hauses und seine Gäste zum gemütlichen Verweilen einladen. Ein Badezimmer im British Style mag vielleicht etwas kalt und zugig sein, so es noch nicht renoviert worden ist. Aber wem würden Badewannen mit Löwenfüßen und goldenen Armaturen nicht gefallen? Ein Ankleideraum gehört selbstverständlich genauso dazu wie ein Aga-Herd in der Küche. Weiters der typisch englische drawing room, das Wohnzimmer mit seinen Chintzsofas und Damastvorhängen. Die Grundprinzipien sind seit Generationen Symmetrie, Mustermix und ererbter Look im Interieur.

Der englische boot room

Doch ein überaus nützlicher Raum sollte nicht vergessen werden: der boot room. Im Deutschen etwas holprig mit „Stiefelkammer“ übersetzt, ist er längst nicht nur Aufbewahrungsort von Wachsjacken und Gummistiefeln, sondern verrät viel über die Bewohner des Hauses. Bei den Ostküsten-Preppies wird er übrigens mud room genannt.

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Ein sehr authentischer amerikanischer bootroom, der ohne die Flaggen auch nach England passen würde. Auf Houzz könnt ihr ihn bewundern.

Der boot room liegt ebenerdig, jedoch etwas abseits vom präsentablen Haupteingang des Hauses. Er ist dafür gedacht, die Herrschaften nach der Jagd oder nach Regenspaziergängen mit den Hunden zu empfangen. Nicht, dass man übermäßig darauf bedacht wäre, Perserteppiche nicht zu beschmutzen. Aber man schätzt man doch den praktischen Aspekt, die triefend nassen Gummistiefeln, schmutzigen Reitstiefeln und feuchten Wachsjacken an einem dafür geeigneten Ort unterzubringen.

Wer jetzt denkt, der boot room sei nur eine Art Abstellkammer, irrt gewaltig. Nicht nur werden hier ebendiese Gummistiefel und Wachsjacken verstaut, man bringt auch die Jagdbekleidung, ausgediente Schirmständer, alte Sportgeräte wie Cricket-, Croquet- oder Tennisschläger unter. Regenkappen und Hüte haben hier ebenso ihren Platz. Ein boot room ist nicht selten tapeziert und mit schweren Vorhängen, wie auch im Rest des Hauses üblich, versehen. Feinen Parkett und edle Teppiche wird man hier allerdings nicht finden. Stein, Fliesen oder einfache Holzdielen sind praktischer.

Nicht selten gibt es auch eine Art Waschbecken, um beispielsweise Gummistiefel – die übrigens auf dem boot rack verwahrt werden, kurz abzuspülen. An den Wänden hängt man gern Lithographien oder Kupferstiche mit Jagdmotiven auf. Natürlich findet man auch den ein oder anderen – hoffentlich bequemen – Sessel. Oft haben auch die Familienhunde dort ihren Schlafplatz.

Kontinentale Alternativen

Verfügt in England zwar ein Großteil der Häuser ganz selbstverständlich über einen bootroom, ist in Schweizer Häusern, die meist sehr modern sind (im Artikel „Lifestyle an der Goldküste“ habe ich euch davon berichtet), solch ein Raum selten vorgesehen. Auch in Österreich sieht man nicht viele boot rooms, da sich hier die Bauweise doch sehr vom englischen Stil unterscheidet, was sich natürlich auch im Grundriss und der generellen Raumaufteilung zeigt.

Wie kann man sich nun aber auch hierzulande einen boot room schaffen? Vielleicht hat man einen überzähligen Raum, idealerweise ebenerdig gelegen, oder es gibt einen leerstehenden Kellerraum, der über eine eigene Treppe in den Garten verfügt. Dann heißt es nur: auf zum stilvollen Einrichten, Dekorieren und Verschönern, denn, und hier sind wir uns sicher einig: jeder sollte einen boot room haben.

Im Internet findet man sehr viele Beispiele von boot rooms bzw. mud rooms, doch sind sie oft zu stylish und perfekt, um authentisch zu sein. Ein bisschen schäbig und abgenutzt ist weitaus stilvoller als modern durchdesignt. Tolle Fotos findet ihr, wenn ihr nach „equestrian mud room“ und „boot room country house“ googelt.

Habt ihr einen boot room oder könntet ihr euch vorstellen, einen solchen Raum einzurichten?

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5 Kommentare

Isabella 9. Juli 2015 - 10:12

Tatsächlich gibt es bei uns im Haus etwas sehr ähnliches … wir nennen es unser „Hundezimmer“. Es hat einen eigenen Eingang mit einem kleinen Glasvorbau und liegt neben der Garage.
Perfekt für Hundebesitzer – dort findet sich alles, was so für Spaziergänge benötigt wird und dort kann auch alles was nach einem Spaziergang nass und dreckig ist bleiben. Es ist perfekt und die Hunde zu trocknen und zu bürsten – und wenn sie zu nass und dreckig sind, dann können sie dort in alles Ruhe trocknen.

Natürlich ist es bei uns nicht so ansprechend dekoriert, aber ich trage mich schon lange mit dem Gedanken dort einige Änderungen vorzunehmen – danke für den neuen Denkanstoß!

Liebe Grüße,
Isabella

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Lia Claire 11. Juli 2015 - 08:10

Der Artikel gefällt mir sehr gut. Wir haben so einen Raum auch, allerdings nennt er sich Sattelkammer, sieht aber fast so aus wie der Raum auf dem Foto. Da wir unsere Pferde zu Hause stehen haben hängen in dem Zimmer auch noch Sättel, Trensen und so weiter. Neben dem Reitsportzubehör findet man dort auch unsere Hunde- und Jagdausrüstung.
Ich wünsche euch allen noch einen wunderschönen Tag
Mit freundlichen Grüßen
Lia Claire

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Countess Claire 11. Juli 2015 - 14:22

Liebe Isabella, liebe Lia Claire
Es freut mich sehr, dass euch Artikel bzw. das Bild gefallen. Ich kann mir das Hundezimmer/die Sattelkammer sehr gut vorstellen!
Liebe Grüße,
Claire

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tomtoenz 11. August 2015 - 10:20

Liebe Claire
Nein, über so etwas verfüge ich noch nicht. Sollte ich aber einmal ein Haus mein Eigen nennen, so werde ich mir auch so einen Raum einrichten – Du hast mich inspiriert! :-)
LG
Thomas

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Countess Claire 12. August 2015 - 10:57

Lieber Thomas,
Den brauchst du unbedingt, so viele Stiefel wie du hast ;-)
Liebe Grüße,
Claire

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