Braucht die Dame Designerhandtaschen?

von Countess Claire

In der Rubrik „Frage an Claire“ könnt ihr mir jederzeit Mode-, Stil- oder Kniggefragen stellen, die ich gern beantworten möchte, hier geht’s lang! Heute möchte eine liebe Leserin via Instagram wissen: braucht die Dame Designerhandtaschen?

Hallo Claire,

Mich würde deine Meinung zu einem Thema interessieren, das auf Instagram in letzter Zeit stark thematisiert wurde. Es geht darum, ob die Dame Designerhandtaschen braucht, um wirklich ladylike rüberzukommen. Ich denke nicht, dass das stimmt und mache bei dem Hype um Designerhandtaschen auch nicht mit, aber ich hätte noch gern den Rat von dir als Expertin in Stilfragen gehört. Ich möchte nicht sparen, um mir dann irgendwann die Tasche X von Designer Y zu kaufen, ich finde das absurd. Viele Bekannte machen das aber tatsächlich und gehen neben dem Studium jobben, um sich diesen Luxus zu gönnen. Macht sie das zur Lady? Ist es ein Investment, das sich lohnt?

Liebe Grüße im Voraus,

Elisabeth

Mein absoluter Liebling: Die Toile de Jouy Quasten-Pochette von Stilstück

Liebe Elisabeth,

Vielen Dank für deine Anfrage, ich finde sie wirklich sehr interessant!

Um es gleich vorwegzunehmen: auf deine Frage, „Braucht die Dame Designerhandtaschen?“ kann ich dir folgende Antwort geben:

Nein, die Dame braucht keine Markentaschen, denn diese Aussage impliziert ja, dass man ohne solche keine Dame sei.

Zum Lady-Sein gehören einige Dinge, die absolut nichts mit dem Äußeren zu tun haben. Bildung, Kinderstube, Alter/Lebenserfahrung, Lebensstil, Haltung, Benehmen, Respekt, sicherlich in gewissem Maße auch Herkunft und Vermögen (diese sind aber keine Grundvoraussetzung). Und selbstverständlich spielt auch die Kleidung eine wichtige Rolle.

Braucht die Dame Designerhandtaschen?

Aber es ist ein hartnäckiger Irrglaube, die Dame definiere sich auch nur annähernd durch Designerhandtaschen und Markenkleidung. Die Birkin Bag oder das Chanel-Kostüm macht aus einer Frau genauso wenig eine Dame wie die Barbourjacke oder die Perlenohrstecker.

Stil und Klasse lassen sich nicht kaufen. Eine Dame wird die Qualität der Quantität immer vorziehen und wahrscheinlich aus diesem Grund gewisse Labels bevorzugen, aber nicht des Logos, sondern der edlen Verarbeitung wegen. Und dafür braucht es nicht unbedingt überteuerte Designerhandtaschen, sondern hochwertige, langlebige Exemplare, die nicht notwendigerweise einen der ganz großen Namen tragen müssen.

Elisabeth, du sprichst an, dass es weit verbreitet ist, für Taschen zu sparen. Grundsätzlich kann ich daran nichts Schlechtes finden, denn wie bei allem gilt auch hier: Jedem das Seine. Manche sammeln eben It-Bags, andere Bücher, wieder andere Briefmarken oder altes Porzellan. Ebenso ist es mit dem Investment: hier würden sich vielleicht Immobilien anbieten. Oder man kauft Aktien. Eventuell interessiert man sich für Luxusuhren oder Juwelen. Oder eben für Designerhandtaschen…

Ob man eine Designerhandtasche „braucht“, hängt natürlich auch von den Lebensumständen ab. Wenn man jeden Morgen ins Büro stöckelt, fühlt man sich womöglich wohler, wenn jedem Kollegen gleich die teure Tasche auffällt. Man hat sich etwas gegönnt und möchte es präsentieren. Das ist in Ordnung, aber man sollte sich vor Augen halten, dass es einen nicht zur Dame macht.

Fazit

Ich selbst investiere gerne, jedoch keinesfalls in Designerhandtaschen! Das würde auch gar nicht zu meinem traditional country style als Stay-at-Home-Mum zwischen Zürichsee, Salzburg und dem Salzkammergut passen. Davon abgesehen bin ich immun gegen die bewährte Marketingstrategie „Angebotsverknappung zwecks Generierung höherer Nachfrage“, seien das jetzt iPhones, Küchenmaschinen oder eben Designerhandtaschen. Es käme mir zum Beispiel nie in den Sinn, vorm Apple Store zu campieren oder mich auf eine Warteliste für Taschen setzen zu lassen.

Tagsüber schwöre ich auf The Bridge – am besten crossbody zu tragen. Und natürlich mag ich auch Le Pliage. Die sind zwar nicht aus Leder, aber so wunderbar leicht, dass man auch dann keine „Hängeschulter bekommt, wenn die Kinder alle möglichen Dinge drin deponieren („Mama, kannst du mir das bitte einstecken?“)

In Salzburgs Trachtengeschäften findet man immer wieder wunderschöne Taschen, Körbe und dergleichen, die man auch zum Ladies‘ Lunch in Zürich tragen kann. Dort gibt’s auch die tollsten Abendhandtaschen, mit denen ihr bei den Salzburger Festspielen eine ebenso gute Figur macht wie im Zürcher Opernhaus.

Außerdem liebe ich meine Stilstücke. Sie passen beim schoolrun, aber auch bei Abendveranstaltungen.

Liebe Elisabeth, lass dich nicht verunsichern! Eine Dame kann – aber muss nicht – Designerhandtaschen tragen! Eine schöne Handtasche ist etwas, womit man lange Freude hat, aber eine Designerhandtasche braucht es deswegen absolut nicht sein. Vielleicht magst du auch meinen Artikel Frage an Claire: Handtaschen-Klassiker lesen. Dort findest du gute Marken abseits der großen Labels wie zum Beispiel Aigner (eher Vintage kaufen, denn die neuen Modelle mit großem Logo und Nieten sind nicht sehr edel), Furla oder The Bridge.

Liebe Grüße,

Claire

Ein echter Klassiker: Handtaschen des italienischen Labels The Bridge.

2 Kommentare

Sandra T. 8. Oktober 2021 - 18:47

Das ist eine wunderbare Frage, Elisabeth, und ein noch „wunderbarere“ ;o) Antwort, liebe Claire.
Für beides möchte ich herzlich danken.
Herzlich, Sandra T.

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Countess Claire 11. Oktober 2021 - 09:32

Liebe Sandra,
Herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar!
Liebe Grüße,
Claire

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