British Interior Style – Der britische Wohnstil

von Countess Claire

Viele von euch lieben nicht den britischen Kleidungsstil mit seinen Cordhosen, Tweedröcken, Barbourjacken, Hunter Gummistiefeln und Burberry-Trenchcoats. Ferner den ganz speziellen Einrichtungsstil der Inselbewohner. Wie ein englisches Badezimmer aussieht, könnt ihr in „Ein Badezimmer im British Style“ nachlesen. Bevor ich mich aber den weiteren Räumlichkeiten einzeln zuwende, möchte ich euch heute einen kleinen Überblick über diesen Stil im Allgemeinen bzw. die wesentlichen Grundprinzipien geben. Auf zum British Interior Style.

British Interior Style


Ein Wohnzimmer im British Style. Foto: houzz

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Der geerbte Look

Ein wesentliches Merkmal für den British Interior Style ist der geerbte Look. Dem stilvollen Engländer ist ein in einer einzigen Stilrichtung bzw. -epoche durchgestyltes Haus ein Gräuel. Es verrät erstens nicht nur, dass sich hier ein Innenarchitekt selbstverwirklicht hat, sondern zweitens, dass hier nicht die Zeit tätig war. Das heißt aber nicht, dass jeder, der in einem Anwesen voller georgianischen, edwardianischen und viktorianischen Antiquitäten lebt, diese auch geerbt haben muss. Ein Interior Decorator hilft dabei, jene Stilbrüche, die für den geerbten Look kennzeichnend sind, zu kreieren. Alt und Neu wird gemixt. Aber genauso Alt und Alt aus verschiedenen Epochen. Eine allzu große Übereinstimmung bzw. Abstimmung der Farben, Muster und Designs ist gar nicht gewünscht. Dies würde doch wieder verraten, dass man sein Interieur nicht wirklich ererbt hat. Gebrauchsspuren werden nicht wegrestauriert. Rotweinspritzer, Hundehaare auf Sofas und Kratzer im Holz stören die Gemütlichkeit nicht. Falls doch einmal eine neue Polsterung eines Sofas nötig werden sollte, greift der Engländer auf Restorer oder Conserver zurück, die jedes Detail originalgetreu restaurieren. Perfektion ist nicht erwünscht, sondern man erwartet diese bestenfalls bei Häusern von Modemachern oder Innenarchitekten.

Wichtig ist es aber noch, zu erwähnen, dass nicht nur die Upper Class den geerbten Look und das Einkaufserlebnis beim Antiquitätenhändler oder in Auktionshäusern wie Christie’s oder Sotheby’s liebt: Auch nicht betuchte Inselbewohner verschönern gern ihr Heim mit möglichst alten Fundstücken vom Flohmarkt, z.B dem Portobello Road Market.

Mustermix

Typisch für den British Interior Style ist auch der Mustermix, das Ungeübte gern abschreckt.

Farben, Muster und Materialien werden geschickt miteinander kombiniert, wieder, um zu zeigen, dass man die Stücke nicht selbst gekauft, sondern geerbt hat.

Beim Mustermix gibt es keine speziellen Regeln, man muss sich einfach auf seinen Geschmack verlassen und stilvoll kombinieren. Nicht so Mutigen können auch Dekorateure helfen. Welche Rosenvorhänge man mit welchen Sofas und welchen Chintzpolstern mixt, unterliegt allein dem eigenen Geschmack bzw. wirklich dem Zufall, sollte man seine Einrichtung tatsächlich geerbt haben.

Besonders Polstermöbel müssen nicht zwangsläufig in einheitlichem Stoff bezogen sein: hübsch kann es auch wirken, zwei Sofas mit Polsterstoff mit Streifen, Rosen- oder Paisleymotiven beziehen zu lassen, und dazu einen eher nüchternen Sessel mit einem Polster, der das Motiv des Sofas wieder aufnimmt, aufzustellen.

Wie man verschiedene Muster mixt, könnt ihr übrigens in meinem Artikel „Claires Goldene Styling-Regeln: Mustermix“ lesen.

Symmetrie

Die Symmetrie im British Interior Style: ohne sie kommt wohl kein britisches Haus aus. Man legt in jedem Raum ein bzw. mehrere Mittelpunkte fest, idealerweise ist dies der Kamin (aber keinesfalls ein elektrischer!). Er ist meist schon so im Raum platziert, dass Wände, Fenster und Türen einen Mittelpunkt ergeben. Falls ein Kamin fehlt, kann man denselben Effekt mit einer Anrichte oder einem schmalen Tisch erzeugen. Um diesen Mittelpunkt herum ordnet man alles andere symmetrisch an. Sofas und Tischchen werden mittig im Raum aufgestellt, Lampen, Bilder, Spiegel, Kerzenleuchter kauft man gleich paarweise. Einzelobjekte finden mittig ihren Platz auf Kaminsimsen, Tischen oder Anrichten.

Diese Symmetrie im British Interior Style erfüllt aber durchaus ihren Zweck: Paarweise angeordnete Sofas und Sessel laden zum Hinsetzen und Plaudern ein, ist doch das englische Haus auch immer Repräsentationsobjekt, in dem gern, viel und oft Gäste empfangen werden. Wichtig ist es aber, die Symmetrie nicht bis zur Perfektion zu treiben, da sonst ein Raum, in dem wirklich alles bis zu letzten Detail mittig bzw. symmetrisch steht, auch schnell etwas langweilig wirken kann.

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Highclere Castle in der englischen Grafschaft Hampshire, Drehort für „Downton Abbey“.

Wie gefällt euch der British Interior Style? Wie habt ihr euer Haus/eure Wohnung eingerichtet?

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11 Kommentare

Anja 13. Januar 2014 - 11:00

Hallo und schönes neues Jahr! Der englische Kleidungsstil gefällt mir recht gut, aber beim Einrichten wirds mir schnell zu viel. Im Urlaub in Bed&breakfats im Blümchen-Röschen-Karo Stil abzusteigen ist nett, daheim bei mir hätte das aber keine Chance. Ist mir irgendwie zu kitschig- andrerseits aber auch wieder ganz süß. LG Anja

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Countess Claire 14. Januar 2014 - 11:29

Liebe Anja,
Vielen Dank, das wünsche ich dir auch!
Ich verstehe deinen Einwand, denn dieser Stil kann wirklich schnell etwas „too much“ aussehen. Das Grundprinzip Mustermix kann mich auch nicht so ganz überzeugen.
Liebe Grüße,
Claire

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Anita 22. Januar 2014 - 22:28

Hallo Liebe Claire!
Der britische Wohnstil muss auch zum Haus passen, dann wirkt es ganz anders.

Ich persönlich mag beim interior die Symmetrie und den Mix aus „geerbten“ und neuen Stücken. Das lockert die Inneneinrichtung und es lebt sich nicht wie im Katalog.

Ein Mustermix ist mir zu unruhig, aber es kann auch gut wirken (auf dem Englischen Land – Cottage). Auch wenn ich eigentlich die Blumentapeten nicht bevorzuge, habe ich selbst letztes Jahr mein Schlafzimmer damit Tapeziert, aber in einer edlerem Variante. Alles andere ist sehr schlicht im Zimmer, so dass es gut wirkt. Schau mal hier: .

Es gibt aber auch „too much“ varianten, die wir bei unserer GB Tour vor Jahren in verschiedenen „B&B“ vorgefunden haben. Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist, warum die Engländer gern ein Teppich im Bad verlegen. Das kann doch nicht Hygienisch sein?!
Ganz liebe Grüße, Anita
PS. Alles Gute fürs Neue Jahr (auch wenn es etwas spät kommt.

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Anita 22. Januar 2014 - 23:15

Ich hätte da noch eine Frage an Dich. Weißt Du wie die schicken kleinen weißen Reihenhäuser in London (Kensington and Chelsea) eingerichtet sind? (Schau mal ein Foto von hier: http://phsgeography.wordpress.com/2013/11/09/kensington-and-chelsea-londons-monaco/
In der Großstadt von London mag ich diese Reihenhäusen sehr. Da ich selbst in einem Reihenhäuschen lebe, leider ist die Fassadengestaltung nicht so schön, habe ich mir vorgestellt, dass es so ein Reihenhäuschen aus London ist ;-)

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Countess Claire 23. Januar 2014 - 10:36

Ja, ich kenne tatsächlich ein paar. 1) hypermodern mit viel Marmor und Kunst an den Wänden, eher spärlich und nüchtern eingerichtet. 2) im Grunde typisch British Style, nur doch irgendwie moderner, wenig Mustermix, und die Möbelstücke passen zusammen (eher keine verschiedenen Stilepochen) – mehr durchdesignt eben. 3) ein fröhliches Durcheinander von Flohmarktsachen, Laura Ashley und Landhausstil.

Ich empfehle dir unbedingt das Buch „British Style. Wohnen. Kultur. Lebensart“ von Bernhard Roetzel und Claudia Piras! Das wird dich sicher interessieren.

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Countess Claire 23. Januar 2014 - 10:29

Liebe Anita,
Genau, du sagst es, aber die Grundprinzipien Symmetrie und ein Mix geerbter/moderner Look ist immer gut.
Beim Mustermix geht es mir so wie dir, den finde ich zuviel des Guten, auch wenn er in den typischen „Laura Ashley-Häusern“ hübsch aussehen kann.
Deine Tapete ist sehr hübsch, da würden überlange, drapierte Vorhänge gut passen!
Wenn das Bad groß genug ist und einen schönen Marmorboden hat, kann es ganz gut aussehen, wenn ein Teppich (zB. Perser) in der Mitte oder unterm Schminkbereich liegt, aber diese Auslegeware im gesamten Bad finde ich auch nicht gut.
Vielen Dank für die Wünsche! Gleichfalls!
Liebe Grüße,
Claire

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Anita 28. Januar 2014 - 12:40

Auf unserer Tour durch das ganze Land UK, haben wir sehr oft, fast immer (bis auf in Hotels) Teppichboden ganz flächig vorgefunden. Nun, mein Geschmack ist es nicht.

Im Schlafzimmer habe ich Shutters, da wären die Vorhänge zu viel, aber wenn ich Shutters nicht so lieben würde, dann hätte ich leichte und bodenlange Vorhänge. Ich mach auch die Lichtarchitektur. Die Shutters sind ein Traum. Habe lange darauf gewartet, denn in Deutschland sind Fensterläden – Innen, nicht so bekannt (gewesen) – auch schon auf Grund des Preises. Auf meine Besuchen in UK und Karibik, hätte ich die glatt dort abgebaut und mitgenommen. ;-)
Vor ein paar Jahren habe ich mir das als Geschenk gemacht und mit der matt-glänzenden Tapete ist es ein Highlight, was mir jeden Tag, besonders wenn die Sonne scheint erfreut! Link:http://www.baulinks.de/webplugin/2006/0257.php4

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Countess Claire 28. Januar 2014 - 14:49

Ja, die schauen wirklich super aus. Kann ich mir gut vorstellen in Kombination mit deiner Tapete. Ich muss mir das Foto noch mal ansehen, vielleicht hab ich die Shutters übersehen.
Ach ja, da sieht man sie ja! Ich hatte zuerst gedacht, die sind außen montiert wie normale Jalousien. Jetzt ist alles klar.

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Anita 28. Januar 2014 - 15:12

Die Shutters kannst Du in in einem anderen Post sehen.

Außen sind die Shutters nicht möglich, wir haben ein dicke Dämmung am Haus.

Anna 16. Februar 2014 - 15:23

Persönlich mag ich den Mix aus alten, britischen Elementen und neuem Interieur.

Herzlichst
Anna

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Countess Claire 16. Februar 2014 - 19:43

Genau so geht es mir auch!

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