Claires Bibliothek: Eine Klasse für sich

von Countess Claire

Das mit Abstand beste Buch, welches ich in letzter Zeit gelesen habe, war „Eine Klasse für sich“ vom „Downton-Abbey„-Macher Julian Fellowes. Dieses wunderbare Buch, in dem die britische Upper Class aufs Köstlichste analysiert wird, ist aber nicht nur für anglophile Ladies äußerst lesenswert, sondern für alle, die sich auch nur ein bisschen für die Lebensweise des englischen Landadels interessieren, denn Julian Fellowes schreibt sehr detailgetreu, aber auch wirklich amüsant über das Leben seiner Figuren.

EineKlasseFuerSich

Eine Klasse für sich“ handelt vom sterbenskranken, einsamen und eigenwilligen Damian Baxter, der viele Jahre zuvor zu Geld gekommen ist. Er hat keine Freunde, sondern lebt allein in seinem riesengroßen Anwesen. Gesellschaft sind ihm einzig Chauffeur, Butler und anderes Hauspersonal. Kurz vor seinem Tod erinnert er sich an einen früheren Freund, der ihn, den Emporkömmling, in den Sechzigern in die bessere Gesellschaft Londons eingeführt hat. Dieser Freund, der Icherzähler dieses Buchs, hat dieser Welt selbst den Rücken zugekehrt und ist jetzt als Schriftsteller tätig. Er soll Baxter bei der Suche nach dessen illegitimen Spross helfen. In Frage kommen mehrere Damen, darunter eine Prinzessin, mehrere britische Landadelige und ihre Freundinnen. Selbst kann Baxter sich nicht mehr auf die Suche machen, liegt er doch im Sterben, und außerdem wird im Lauf des Buchs klar, wegen welches Affronts er für immer von der Gesellschaft ausgeschlossen worden ist.

Nun beginnt eine melancholische, aber sehr spannende Zeitreise für Baxters einstigen Freund und jetzigen Feind. Denn das Leben hat es auch mit den damaligen Schönheiten aus besten Kreisen nicht immer gut gemeint. Zerrüttete Ehen, finanzieller Ruin oder schiefgegangene Schönheits-OPs haben auch vor ihnen nicht Halt gemacht.

Mit viel Einfühlungsvermögen schildertJulian Fellowes nicht nur die Suche nach dem Nachkommen und potentiellen Erben Baxters enormen Vermögens, sondern auch die Zeit der „Londoner Saison“, als die jungen Damen in die Gesellschaft eingeführt wurden und die Herren noch Kavaliere mit hochfliegenden Plänen waren. Schonungslos zeigt er dann auf, was aus den naiven Debütanten vierzig Jahre später geworden ist.

Mich hat „Eine Klasse für sich“ restlos begeistert, einerseits der epische, unglaublich schöne Schreibstil Fellowes‘, andererseits das Einfangen der Atmosphäre der Eigenheiten der britischen Upper Class in den Sechzigern und die Darstellung der Figuren. Darum kann ich euch dieses Buch wirklich von ganzem Herzen empfehlen und freue mich schon auf das nächste Buch, welches ich von Julian Fellowes lesen werde: „Snobs„.

Eine Klasse für sich“ ist 2011 auf Deutsch im Bertelsmann Verlag erschienen und umfasst 478 Seiten (unter anderem auch bei Amazon).

Kennt ihr dieses Buch? Oder gibt es etwas Ähnliches, was ich vorstellen soll?

8 Kommentare

groschenroman 7. Juli 2013 - 19:31

Klingt wirklich lesenswert, das Buch.

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dieblauenstunden 8. Juli 2013 - 12:57

Danke für den schönen Schmöker-Tipp, den schau ich mir auf jeden Fall genauer an! Mir fällt spontan Mary McCarthys „Die Clique“ ein – kennst Du den Roman? 1933, Upperclass-Mädels schließen das Upperclass-College ab und das „wahre“ Leben beginnt. Ein Klassiker, ironisch und witzig erzählt. Vielleicht als Fortsetzung nach „Snobs“?
LG Julia

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Countess Claire 8. Juli 2013 - 19:37

Liebe Julia,
Nein, dieses Buch kenne ich nicht, aber ich werde mich gleich einmal danach umschauen.
Liebe Grüße,
Claire

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Countess Claire 8. Juli 2013 - 19:36

Liebe Susanne,
Freut mich, dass ich dich inspirieren konnte. Ich hoffe, es gefällt dir.
Liebe Grüße,
Claire

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Cla 8. Juli 2013 - 20:19

Das Buch hört sich interessant an. Ich sollte mir mal wieder mehr Zeit zum Lesen nehmen. Bei mir liegen noch 3 Bücher im Regal, die darauf warten gelesen zu werden.
Danke für den Tipp.
LG Cla

http://glamupyourlifestyle.blogspot.de/

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Countess Claire 9. Juli 2013 - 08:53

Liebe Cla,
Hoffentlich konnte ich dich mit meiner Buchvorstellung ein bisschen zum Lesen motivieren.
Liebe Grüße,
Claire

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Sanne 12. Juli 2013 - 07:59

Liebe Claire,
danke, dass Du das Buch vorgestellt hast. Habe es vor einem halben Jahr gelesen und es ist wirklich empfehlenswert. Im Herbst wird sein erster Roman „Snobs“ (2004) wieder aufgelegt. Wir dürfen uns freuen.
Herzliche Grüße – S

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Countess Claire 12. Juli 2013 - 10:23

Liebe Sanne,
Auf „Snobs“ freue ich mich auch besonders. Die englische Ausgabe gibt es ja schon zu kaufen, aber mir gefällt der broschierte Einband nicht – ich warte lieber auf das Hardcover in Deutsch.
Toll, dass es dir als Kultur- und Literaturkritikerin auch gefallen hat. Das freut mich.
Liebe Grüße,
Claire

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