Cooler Faster More Expensive: The Return of the Sloane Ranger

von Countess Claire

Nur der Vollständigkeit halber, aber keinesfalls aus Überzeugung, stelle ich euch heute das Buch „Cooler Faster More Expensive: The Return of the Sloane Ranger“ von Peter York und Olivia Stewart-Liberty vor. Peter York versucht mit diesem Buch, an seinen, mit Co-Autorin Ann Barr in den Achtzigern geschriebenen Erfolg „The Sloane Ranger Handbook“ anzuknüpfen, scheitert durch seine arrogante Art aber schon auf den ersten Seiten. Es scheint nämlich, als würde er die Sloanes aus irgendeinem Grund mit völlig versnobten, neureichen und stillosen Angehörigen des Geldadels, den russischen Oligarchen und It-Girls/Celebrities verwechseln. Die „Plutocrats, Russian Oligarchs, Celebrities“ (O-Ton Peter York) werden immer wieder erwähnt und als Inbegriff von Stil, Klasse und Kultiviertheit angesehen.

Countess Claire - Cooler Faster More Expensive

York unterteilt die neuen Sloanes, meiner Meinung nach übrigens willkürlich, in:

  1. Eco Sloane: Er ist der sympathischste von allen. Dass ihm Natur und Umwelt hauptsächlich wegen seines eigenen Landbesitzes und dessen Erhaltung ein Anliegen sind, ändert nichts an der ehrbaren Einstellung. Prominentester Vertreter ist Prince Charles.
  2. Chav Sloane: frei übersetzt mit „Prolo-Sloane“, es geht in diesem Kapitel um neureiche Celebrities, die sich durch bestimmte Marken definieren (zB Manolo Blahnik, Christian Louboutin, Burberry: interessanterweise ist Burberry offensichtlich eine No-Go-Marke für echte Sloane Ranger geworden, glaubt man zumindestYork). Handtaschen-Hündchen werden Burberry-Mäntelchen angezogen, man tritt in Reality Shows auf. Prominente Vertreter: Die verstorbene Prinzessin Diana (laut York, selbstverständlich) oder die hierzulande eher durch ihre Nase (vom Kokain völlig zerstört, musste vor einigen Jahren wiederaufgebaut werden) bekannte Tara Palmer-Tomkinson.
  3. Thumping Sloane: vermutlich der traditionellste aller Sloanes, leider bringt York dafür kein reales Beispiel – was eigentlich nicht weiter verwundern sollte, da es den Sloane Ranger im ursprünglichen Sinne ja eigentlich nicht mehr gibt.
  4. Sleek & Euro Sloane: Nicht nachvollziehbar, warum in einem Kapitel verbunden: Die Sleek Sloane ist Model, Yogalehrerin, Visagistin oder ähnliche Prominente Vertreter sind Tim Jeffries (Claudia Schiffers Ex-Mann), Stella Tennant, Sophie DahlJodie Kidd. Diese Spezies definiert sich durch plastische Chirurgie. Der Euro Sloane hingegen hat auch wenig mit dem eigentlichen Sloane zu tun, es handelt sich einfach um neureiche, nach England ausgewanderte Europäer, von York auch Eurotrash genannt.
  5. Turbo Sloane: Wohl der unsympathischste von allen. Auch hier geht es wiederum darum, schnelles Geld zu machen, Neureichtum ersetzt Klasse und Stil. Er muss von allem das neueste und teuerste Trendteil haben. Interessanterweise soll der Schauspieler Hugh Grant ein Turbo Sloane sein.
  6. Bongo Sloane: Frei übersetzt mit Esoterik-Sloane: In diesem Kapitel geht es um Geistheiler, denen die neuen Sloanes zugetan sind und diverse Therapien. Vertreterin hier wieder die verstorbene Prinzessin Diana.
  7. Party Sloane: Essentiell im Leben ist es, Partys zu feiern, Festivals und Clubs zu besuchen und idealerweise seine Passion zum Beruf zu machen, indem man selbst einen Promi-Club aufmacht, was aufgrund des illustren Adressbüchleins ein Kinderspiel sein sollte.
  8. Sloane off the Rails: Der auf Abwege geratene Sloane hat durch unterschiedliche Aktionen seine eigene Klasse verraten. Sarah Ferguson, früher eine typische Sloane, kooperierte sie zu sehr mit den Amerikanern („Making money from the Yanks is fine, but doing it in public with psychobabble, that’s too much“ (S.213). Weiters James Hewitt, der aus seiner Affäre mit Prinzessin Diana Kapital schlug, und Tony Blair.

Was in diesem Buch fehlt, ist eine Beschreibung, wie sich der Sloane Ranger heutzutage kleidet, welche Marken er trägt, wie und wo er wohnt und welche Traditionen ihm wichtig sind. Daher ist „Cooler Faster More Expensive“ in keinster Weise mit seinem amerikanischen Pendant, dem Buch „True Prep. It’s a Whole New Old World“ vergleichbar.

Auch die Umschlaggestaltung des Buches ist mehr als fragwürdig: Frauenbeine in Overknee-Stiefeln und Strapsen entsprechen nicht ganz genau dem, was man von einem Buch über den Sloane Ranger erwartet.

Leider ist „Cooler Faster More Expensive“ nicht nur in schlechtem Englisch geschrieben und hat einen unsympathischen Titel, Peter Yorks herablassende, snobistische Art ist wirklich abstoßend. Dieses Buch handelt nicht vom dezenten Sloane, sondern wie Ann Barr, Yorks einstige Co-Autorin meint, von „einem Haufen selbstsüchtiger Angehöriger des Jetset“.

Das englischsprachige Buch umfasst 252 Seiten in der gebundenen Ausgabe und wurde 2007 erstmals von Atlantic Books herausgegeben. Da ich euch „Cooler Faster More Expensive“ nicht im geringsten empfehlen kann, enthält diese Buchvorstellung auch keinen Amazon-Link.

Kennt ihr das Buch? Was haltet ihr generell von Fortsetzungen von erfolgreichen Büchern?

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4 Kommentare

Monika 19. Januar 2014 - 12:58

Hallo Claire,
das von Dir vorgestellte Buch kenne ich nicht, ich werde es nach Deiner
Buchbesprechung auch nicht kaufen. Ich finde Fortsetzungen erfolgreicher Bücher sind manchmal sehr gut, oft ist die Buchidee aber nach 2 oder 3 Teilen ausgereizt und je mehr Teile erscheinen, umso flacher wird die Reihe.
Man kann das jedoch nicht verallgemeinern, Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.
Liebe Grüße Monika

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Countess Claire 20. Januar 2014 - 11:06

Liebe Monika,
Da bin ich ganz deiner Meinung! Bei dem Thema „Sloane Ranger“ hätte ich mir allerdings mehr Info gewünscht, z.B. wie sie sich heutzutage kleiden etc. Das kommt im Buch viel zu kurz.
Liebe Grüße,
Claire

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Sanne 26. Januar 2014 - 11:18

Liebe Claire,
danke für den kritischen Bericht, das schätze ich so an Dir.
Was ich nicht ganz verstehe – warum schreibst Du nicht mal so ein Stil-Buch. Alle Voraussetzung hättest Du dafür und Deine Beiträge sind eigentlich für „nur“ einen Blog zu schade. Hast Du je daran gedacht?
Herzlich – S

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Countess Claire 26. Januar 2014 - 11:36

Liebe Sanne,
Danke für so ein tolles Kompliment!!!
Ja, ich habe tatsächlich schon öfters daran gedacht, jedoch: ist der Markt nicht erschöpft?… Aber wer weiß?
Liebe Grüße,
Claire

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