Christian Diors „Das kleine Buch der Mode“

von Countess Claire

So mancher von euch kennt sicherlich Amalia, die mit ihren charmanten, stil- und humorvollen Kommentaren öfters meinen Blog bereichert. Darum freut es mich sehr, dass ich sie für einen wunderbar zu lesenden, amüsanten Gastbeitrag gewinnen konnte. In der Serie Claires Bibliothek stellt sie „Das kleine Buch der Mode“ von Christian Dior vor:

Amalia:
Auf den Gedanken, mit Hilfe von wohlmeinender Ratgeberliteratur eine größere Nähe zur Kundin zu suchen, kamen nicht erst medienpräsente Populär-Designer wie beispielsweise Thomas Rath (Der Fashion Rath, 2013), Guido Maria Kretschmer (Anziehungskraft, 2013) oder gerade kürzlich Wolfgang Joop (Dresscode, 2015). Bereits in der Glanzzeit der haute couture gab Christian Dior seinen Kundinnen einen kleinen Leitfaden an die Hand, während er sie mit der verschwenderischen Stofffülle des New Look umgab oder, falls die Kaufkraft etwas weniger ausgeprägt war, zumindest mit einem Hauch des wunderbaren Miss Dior (1947).

Der Verlag Eden Books nahm „Das kleine Buch der Mode“, das erstmals 1954 erschien, im vergangenen Jahr in neuer Übersetzung in sein Programm auf. Dior gibt darin kurz, prägnant und alphabetisch geordnet von „Abnäher“ bis „Zobel“ Tipps zu grundlegenden Fragen von Mode und Stil.

Cover von Christian Diors "Das kleine Buch der Mode"

Das schmale Bändchen enthält sachliche Erläuterungen zu gängigen Farben, Stoffen und Kleidungsstücken, was durch subjektive Kommentare und Bewertungen des Couturiers seinen besonderen Reiz gewinnt. Außerdem geht Dior sowohl auf Details wie Absätze, Knöpfe, Paspeln und Wattierungen ein als auch auf ganz grundsätzliche Dinge wie den geschmackvollen Umgang mit Hüften oder Dekolletés, auf das Kaschieren (von Problemzonen, versteht sich, aber wir sind ja unter uns und können offen reden), sowie, noch viel grundsätzlicher, auf die Eleganz an sich. Hierüber schreibt er: „Ein ausgewogenes Verhältnis von Vornehmheit, Natürlichkeit, Sorgfalt und Schlichtheit gehören dazu.“ Das klingt sehr einleuchtend, und das Beste daran ist: „Mit Geld hat Eleganz überhaupt nichts zu tun.“

Keine uneingeschränkte Empfehlung

Für modische ABC-Schützen eignet sich Diors Fibel allerdings nur bedingt, denn manch einer der Ratschläge atmet doch so sehr den Geist einer vergangenen Zeit, dass man sorgsam auswählen muss, was heute noch brauchbar erscheint. Und was nicht: Auf der einen Seite werden etwa Materialien für die Stäbchen im Korsett erörtert. Und die Frage lautet nicht, ob es überhaupt Pelz sein soll, sondern lediglich, welcher.

Auf der anderen Seite erscheint z. B. die Empfehlung völlig zeitlos, dass Schuhe aus hochwertigen Materialien und in klassischem Design gefertigt sein sollten. Zwischen diesen Extremen finden sich etliche Hinweise, welche die eine Dame als unbedingt nützlich wahrnehmen mag – und die andere als mehr oder weniger angestaubt. Aber bekanntlich lassen sich ja allgemein gültige modische Regeln aufgrund von Individualität und historischem Wandel der Kleidungsvorlieben ohnehin kaum aufstellen. Auch wenn das Bedürfnis nach Orientierung – oder Selbstbestätigung – immer wieder aufkommt.

Wer übrigens gern nostalgisch in der Stil- und Modegeschichte schwelgt, dem sei auch der ebenfalls liebenswert altmodische und trotzdem aktuell gebliebene Guide to Elegance (1964) von Geneviève Antoine Dariaux ans Herz gelegt, der schon 2003 in einer behutsam modernisierten Neuauflage erschien, allerdings nur auf Englisch. (findet ihr die Rezension am Blog.)

Elégance, eine Alternative

Eine launige Alternative: In deutscher Sprache gibt es seit 2011 immerhin Kathleen Tessaros Roman Elégance, der im Genre der ‚Chick-Lit‘ mit reichhaltigen Zitaten aus Dariaux’ Handbuch schildert, wie die Amerikanerin Louise Canova in London auf einigen Umwegen beruflich, privat und modisch ihren Weg findet…

Liebe Amalia, ich danke dir für diese herrliche Rezension! Und was Christian Dior betrifft: Die Aussage „Mit Geld hat Eleganz überhaupt nichts zu tun“ ist wunderbar. Oder wie seht ihr das?

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4 Kommentare

meyrose 3. Juni 2015 - 09:21

„Ein ausgewogenes Verhältnis von Vornehmheit, Natürlichkeit, Sorgfalt und Schlichtheit gehören dazu.“ ist ein fantastischer Satz zur Eleganz. Danke für das Zitat!

Zur Eleganz und Geld: Mit Geld ist es einfacher, denn zur Eleganz gehört für mich Hochwertigkeit der Materialien und da hilft Geld bei der Anschaffung. Aber wie viele Teile man davon hat und ob dann cleane Eleganz (alles sieht wie neu aus) oder mit Patina (wenn ich nur wenige Teile habe und die viel trage) das Stilmittel ist, ist ja wählbar.

Danke für die Rezension!

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Countess Claire 8. Juni 2015 - 09:51

Liebe meyrose,
Ich bin ganz deiner Meinung, sehr treffend formuliert!
Liebe Grüße,
Claire

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Amalia 6. Juni 2015 - 18:06

Vielen Dank, liebe Claire, für die Einladung zu einem Gastbeitrag und für die liebenswürdige Einführung!

@meyrose: In der Tat, Geld ist nicht alles, macht aber vieles leichter – auch, elegant zu sein. Nach dem Motto wenig, aber hoch wertig (und ohne exorbitant teure Markennamen) lässt sich aber auch schon so einiges erreichen. Ich glaube, so meint er das, auch wenn seine Kreationen eher hochpreisig waren und für die meisten Frauen nur ein Traum…
Liebe Grüße, Amalia

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Countess Claire 8. Juni 2015 - 09:50

Liebe Amalia,
Danke für’s Mitmachen! Und deine Ansichten sind wie immer großartig!
Liebe Grüße, Claire

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