Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“

von Countess Claire

Benimmbibeln und Etikettratgeber gibt es wie Sand am Meer. In der 2020 herausgekommenen Ausgabe Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“ kann man wieder einmal nachlesen, dass gute Manieren unabdingbar für das Zusammenleben sind. Debrett’s ist aber etwas Besonderes!

Debrett’s ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute DIE Institution für Etikette, Stil und Benehmen. Es wurde 1769 vom Verleger John Debrett mit der ersten Ausgabe des britischen Adelshandbuchs »The New Peerage« gegründet.

Debrett's "Die feine englische Art von A-Z"
Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“ und das britische Motto „Keep calm and carry on“ – eine perfekte Ergänzung. Das bekannte Sprüchlein wurde übrigens von der britischen Regierung 1939 als Poster produziert, um die die Moral der Bevölkerung im Falle eines schweren Militärschlags zu stärken.

Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“

Zugegeben, anfänglich war ich ein wenig skeptisch, was die Notwendigkeit eines neuen Benimmbüchleins betrifft. Mit meiner Ausgabe von 1996 des Debrett’s „New Guide to Etiquette & Modern Manners“ bin ich schließlich sehr zufrieden. Die Themen sind sehr ausführlich behandelt, wenn auch sehr auf die britische Upper Class zugeschnitten.

Trotzdem ist der neu interpretierte Klassiker höchst informativ! Er nimmt nämlich auch auf neuere gesellschaftliche Entwicklungen (Selfie, Handy-Etikette, Emojis etc.) Bezug und ist stets mit einer Prise feinen britischen Humors gewürzt. Er zeigt, dass gutes Benehmen und zivilisierte Umgangsformen genau so aktuell wie eh und je sind. Anstand und Charme sind weder überholt noch obsolet, sondern die Grundlage für ein angenehmes Mit- oder Nebeneinander. Heutzutage wird der Umgangston leider zunehmend rauer, dabei kann man den Debrett’s als unverzichtbaren Ratgeber für gutes Benehmen ansehen.

In kurzen Kapiteln von A-Z kann man in Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“ zum Beispiel nachlesen, wie man einen Smalltalk führt, mit einem Langeweiler umgeht, „schwierige“ Lebensmittel verzehrt, wie man sich verhält, wenn man unerwarteten Besuch bekommt oder man unabsichtlich bei anderen Leuten etwas kaputtmacht. Wir haben dieses Thema kürzlich hier am Blog im Artikel Frage an Claire: Fremde Kinder maßregeln? besprochen. Wie kann man ein Gentleman sein, aber Frauen dennoch nicht unnötig gönnerhaft oder verniedlichend behandeln? Was kann man tun, wenn man einen Korb bekommt? Wie wichtig ist es, ein Nein zu akzeptieren? Was tut man, wenn jemand die Nase hochzieht? Bietet man ihm ein Taschentuch an? Kurzum erfährt man, wie man überall eine gute Figur machen kann – sowohl beim Smalltalk wie auch beim Galadinner. 

Klare Leseempfehlung: Amüsantes Buch, wenn auch schlechte Übersetzung

Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“ oder auch eine der älteren Ausgaben sollte in keinem Bücherschrank fehlen. Geistreich, amüsant, witzig, typisch britisch und trotzdem nicht antiquiert bekommt das Büchlein von mir eine klare Leseempfehlung! Natürlich könnte man einwenden, dass sehr vieles einfach Hausverstand ist, was hier als gutes Benehmen beschrieben wird. Ein Blick um uns herum belehrt uns aber oft eines Besseren. Gute Manieren sind wahrlich nicht bei jedem eine Selbstverständlichkeit.

Etwas problematisch finde ich jedoch die deutsche Übersetzung. Es wirkt stellenweise so, als hätte man einfach nur Google Translate bemüht. Social kissing oder Blind Date wörtlich mit Soziales Küssen bzw. Blindverabredung zu übersetzen, ist nicht sehr elegant. Und auch bei ganzen Sätzen hat man oft den Eindruck, sie würden überhaupt nicht ins Deutsche passen. Die Phrase „was da so aus dem Kabinett dringt“ habe ich noch nie gehört. Und ihr? Ich sehe zwar wirklich keine Veranlassung, ständig Anglizismen zu verwenden, doch bei einigen Ausdrücken ist das Beharren auf einer deutschen Übersetzung etwas eigenartig.

Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“ hat 392 Seiten und wurde vom Klett Cotta Verlag herausgegeben. Das Büchlein hat einen edel wirkenden Leineneinband und das Lesebändchen darf auch nicht fehlen. Sehr schön ist auch die Gestaltung des Covers in den Farben der britischen Nationalflagge, des Union Jack. Darauf findet man Alltagsgegenstände vom Bowler Hat, den Gummistiefeln, der Teekanne und dem Schirm – was very british anmutet.

Ihr könnt Debrett’s „Die feine englische Art von A-Z“ bei jedem Buchhändler eures Vertrauens erwerben. Er wird es für euch bestellen, falls er es nicht auf Lager hat. Ansonsten findet ihr es nur einen Klick entfernt auf Amazon oä.

Interessiert ihr euch noch weitergehend zum Thema? In der Kategorie Knigge und Benehmen hier am Blog gibt es noch viele weitere passende Artikel zu Etikette und Manieren.

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