Der britische Adel

von Countess Claire

Eines der wenigen Länder, in dem auch heute noch Nobilitierungen auf Vorschlag des Premierministers, stattfinden, ist Großbritannien. Zweifelsohne geht von der Adelsthematik eine große Faszination aus, was sich an der Beliebtheit von Klatschmagazinen, Adelssendungen im TV à la „Zu Gast bei Graf XY“ zeigt. Auch gibt es Blogs mit dem Thema „Was trägt welche Herzogin“, unzähligen Büchern zum Thema „Der Britische Adel“ und Filmen.

In Großbritannien existiert noch immer eine Klassengesellschaft, wie man sie kaum anderorts in Europa findet, deshalb möchte ich mich heute mit dem britischen Adel beschäftigen. Unverheiratete adelige Männer gelten in England übrigens als die begehrtesten Junggesellen, und es gibt noch immer etliche! In Julian Fellowes‘ Buch „Snobs“ können interessierte Fräuleins nachlesen, wie man sich einen angelt bzw. was man besser unterlässt. Eine Rezension des Romans findet ihr auf meinem Blog. Schaut einfach hier. Passend zu diesem Artikel ist auch mein Beitrag „Der Sloane Ranger – Vertreter der britischen Upper Class

blenheimpalace

Blenheim Palace in Oxfordshire – eines der größten und bekanntesten Schlösser Englands, für John Churchill, 1. Duke of Marlborough, erbaut.

Im Jahr 1070 wurden von Wilhelm dem Eroberer nicht mehr die altenglischen adeligen Grundbesitzer eingesetzt, sondern normannische Ritter als Lehnsherren. Daraus entwickelte sich der britische Adel, wie wir ihn heute kennen.

Man muss das Rad nicht neu erfinden, deshalb folgt jetzt einfach eine kleine Übersicht:

Er ist in zwei Kategorien eingeteilt, nämlich die Gentry und die Peerage bzw. Nobility. Als adelig im eigentlichen Sinne bezeichnet man nur Personen, die den Titel geerbt haben oder denen er neu verliehen wurde, sowie ihre Ehefrauen. Ihre Kinder und die jüngeren Geschwister sind formell Bürgerliche. Im Hochadel gilt die Primogenitur, was bedeutet, dass nur das älteste Kind bzw. in vielen Fällen der erstgeborene Sohn den Titel erbt.

Die anderen Geschwister sind zwar noch adelig, ihre Kinder aber nicht mehr. Bestes Beispiel ist Zara Phillips, eine Enkelin der Queen. Auch Winston Churchill, ehemaliger Premierminister, galt als Bürgerlicher. Sein Großvater väterlicherseits war zwar der Duke of Marlborough (den Stammsitz der Familie seht ihr oben im Bild – Blenheim Palace), sein Vater war jedoch nur ein jüngerer Sohn.

Die Gentry

Ursprünglich verstand man unter der Gentry den untitulierten, Grund besitzenden niederen Landadel, heute gibt es auch besitzlose Adelige. Die Gentry ist das Lieblingsmilieu von Jane Austen. Hier habe ich euch ihren Roman „Northanger Abbey“ vorgestellt. In Schottland finden sich in dieser Rubrik auch noch die sogenannten Lairds, wohingegen die Esquires nicht zur Landed Gentry im eigentlich Sinne zählen.

  • Knight

Die Würde eines Knights ist nicht erblich. Männer werden aufgrund außergewöhnlicher Leistungen zum Ritter geschlagen, Frauen wird der Titel „Dame Commander“ verliehen. Die korrekte Anrede ist „Sir“ bzw. „Lady“ in Kombination mit dem Nachnamen.

  • Baronet

Die Baronet-Würde ist erblich im Sinne der schon oben erklärten Primogenitur. Die Anrede ist auch hier „Sir“ bzw. „Lady“ plus Nachname.

Die Peerage

Die Mitglieder des höheren Adels, die bis 1999 im House of Lords vertreten waren, nennt man Peers. Die Nachkommen des Monarchen und ihre Ehepartner tragen den Titel „Prince “ bzw. „Princess“ Damit stehen sie außerhalb der Peerage und erhalten meist erst bei der Hochzeit eine zusätzliche Peerswürde. Aber dazu mehr in einem späteren Artikel.

  • Baron

Die Baronswürde ist die niedrigste und auch die älteste Stufe des Hochadels. Barone und ihre Ehefrauen werden mit „Lord“ bzw. „Lady“ plus Nachnamen/Ort angesprochen.

  • Viscount

Der Viscount oder Vizegraf folgt direkt darauf, er firmiert als Zwischentitel. Die korrekte Anrede ist „Lady“ bzw. „Sir“ plus Nachname/Ort. Heute gibt es 40 Viscounts.

  • Earl

Ursprünglich standen die Grafen an der Spitze der Zivilverwaltung der Grafschaften (Shires), der erbliche Besitz des Titels war an den Besitz eines gewissen Landstriches gebunden. Es gibt gegenwärtig 150 Earls. Die Ehefrau des Earls ist die Countess. Ausländische Grafen werden Count genannt. Die richtige Anrede im Gespräch lautet „Lady“ bzw. „Sir“ plus Ort, meistens mit einem of dazwischen.

  • Marquess

Der Marquess entspricht dem Markgraf. Ursprünglich verstand man unter ihm einen Verteidiger der Grenzen zu Schottland und Wales. Es gibt heute nur mehr sehr wenige Marquesses im United Kingdom. Den Marquess spricht man mit „Lord“ in Kombination mit dem Ort an, die Marchioness mit „Lady“ und dem Ort.

  • Duke

Die Herzogswürde stellt die fünfte und somit ranghöchste Stufe der Peerage dar. Es ist üblich, dass man als Duke noch weitere niedrigere Adelstitel hat. Die korrekte Anrede lautet „Duke“ bzw. „Duchess“ bzw. „Your Grace“. Anlässlich seiner Hochzeit mit Kate Middleton wurde Prince William der Titel „Duke of Cambridge“ verliehen. Auch den Söhnen der Monarchen wird der Herzogstitel verliehen.

Findet ihr die Welt des Adels interessant? Wie gefällt euch „Der britische Adel“?

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2 Kommentare

Sabine S. 16. November 2016 - 14:46

Liebe Claire,

ich habe mich immer gefragt, was das bedeuten sollte, als der Earl of Grantham in der letzten Folge von Downton Abbey sagte, das seine Tochter Edith als Marchioness die ranghöchste unter Ihnen wäre. Nun weis ich Bescheid. Selbst meine englischen Freunde konnten mir das nicht erklären. Ein sehr informativer Beitrag.
Vielen Dank dafür.

Liebe Grüße
Sabine

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Amalia 17. November 2016 - 13:58

Oh, Hampton Court, wie schön, da waren wir vergangenes Jahr ein paarmal in der Vorweichnachtszeit mit den Kindern! Es gab einen herrlichen Handwerkermarkt, köstliche Leckereien und überall kleine Platzkonzerte. Den bleibendsten Eindruck aus der Churchill-Ausstellung hinterließ „der samtige Pyjama von dem dicken Herrn“, der zwar auf dem Stammsitz seiner Familie geboren wurde, aber in der Tat – kein Herzog von Marlborough war.
Liebe Grüße
Amalia

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