Der deutsche Ostküstenstil: Kiel

von Countess Claire

Laura Albrecht

Kürzlich habe ich versucht, euch den österreichischen Kleidungsstil Preppy Meets Tracht näherzubringen. Es ist der Wunsch von vielen lieben Leserinnen, mehr über die speziellen Stileigenheiten in verschiedenen Regionen zu erfahren, daher starte ich mit einer neuen Serie: Kleidungsstil in… Heute dürfen wir von einer stilvollen Lady aus Kiel lesen, was die klassischen Damen in ihrer Stadt tragen. Lassen wir Laura gleich selbst erzählen:

Mein Name ist Laura Albrecht, ich bin 25 Jahre alt und komme eigentlich aus dem schönen Niedersachsen. Mittlerweile wohne ich mit meinem Freund seit gut vier Jahren in Kiel. Letztes Jahr habe ich mein Jurastudium beendet. Jetzt bin ich  wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Rechtsanwaltskanzlei. Im Sommer geht es dann für mich ins Referendariat. In meiner Freizeit bin ich eine passionierte Reiterin, außerdem habe ich einen Hund. Derzeit stehe ich kurz vor der Prüfung für den Jagdschein.

Der deutsche Ostküstenstil – Chic trotz Schmuddelwetter

Machen wir uns nichts vor, trotz der ersten Frühlingssonne stecken wir immer noch fest in den Fängen des Winters. Und gerade im Norden Deutschlands kann dieser oft sehr lang und grau sein. Das berühmt-berüchtigte Schmuddelwetter verlangt daher nach einer  passenden Garderobe. In meiner Wahlheimat Kiel kann man die unterschiedlichsten Lösungen für dieses Problem bewundern.

In der dunklen Jahreszeit wird das Stadtbild häufig durch einen bunten Reigen von Funktionsjacken geprägt. Dieses Phänomen gipfelt zuweilen in einem gewagten Partnerlook ganzer Familien. Mutti, Vati und die lieben Kinder, von Kopf bis Fuß in Goretex gewandet.

Aber natürlich gibt es in einer Stadt, die sich ganz und gar dem Wassersport verschrieben hat, auch Zeitgenossen, die die Nässe weniger fürchten und den Hawaii/Surferboy –Look das ganze Jahr über ausleben. Das bedeutet, Kapuzenpullover mit Surf-Motiv und kurze Hose, auch im Dezember.

Da mag man sich schnell die Frage stellen, was eigentlich aus dem klassischen, konservativen Stil der Küstenbewohner geworden ist. Es ist keinesfalls so, dass der maritime Chic ausgestorben ist. Überall in der Stadt sprießen Läden aus der Erde, die Namen tragen wie: „Deichmädel“, „Küstendeern“ oder irgendetwas anderes mit Möwen, Hafen oder Meer. Angeboten wird überall das gleiche, nämlich eher eine Karikatur der eigentlichen traditionellen Kleidung – Hauptsache blau/weiß, Hauptsache etwas mit Ankern.

 

Ostküstenstil

 

von links oben nach rechts unten: Klassische Barbourjacke bei THE BRITISH SHOP, braune Reitstiefel bei Really Wild Clothing, Tommy Hilfiger Streifenshirt mit U-Boot-Ausschnitt bei Zalando, Hellblaue Bluse und Blazer in Navy bei Really Wild Clothing, beige Chino von Polo Ralph Lauren, Bootsschuhe von Sebago bei Zalando, Hunter-Wellies bei THE BRITISH SHOP, dunkelblauer Blazer von Polo Ralph Lauren.

Der deutsche Ostküstenstil – Wie sieht er aus?

Obgleich Hamburg, die Perle an der Elbe, kaum eine Fahrtstunde entfernt ist, trifft man in Kiel eher selten auf den klassischen Typus der Hanseatin, oder etwas spöttisch ausgedrückt: „Die Elblette“. Mit Kiel an sich verbindet man eigentlichen keinen festen Stereotypen. Manch eine klassische Dame im hohen Norden steckt daher etwas in der Identitätskrise. Natürlich völlig zu Unrecht.

Wer etwas auf sich hält und dem Schietwetter stilvoll trotzen möchte, muss gar nicht lange suchen. Der norddeutsche Landadel hat es gewissermaßen vorgemacht und einfach geschaut, was die Upperclass in anderen Ländern mit ähnlichen Wetterbedingungen macht.

Die klassische Barbourjacke schütz vor Ostseeregen genauso wie vor englischem Wetter. Tweed passt ebenfalls  perfekt zu uns, denn Schafe haben wir ja bereits genug, auch wenn wir die Fertigung des vielseitigen Stoffes lieber den Briten überlassen. Und bis wir wieder unsere Bootsschuhe hervorholen können, flanieren wir einfach in Hunter-, Dubarry-, oder Reitstiefeln.

Apropos Reitstiefel – Schleswig-Holstein ist bekannt für seine  Reit- und Jagdkultur und nur zu gerne lässt die Kieler Lady sich hiervon auch modisch inspirieren. Die „Pferdemädchen“ tragen aufgestellte Blusen- oder Polohemdenkragen und lieben Accessoires, die auf ihre Passion für den Reitsport hinweisen.

Die Kieler Perlenpaula

Alles in allem gibt es sie auch hier, die gute alte Perlenpaula. Gerade in dem Stadtteil Düsternbrook ist sie bei jedem Wetter anzutreffen. Dort kann man wunderbar mit dem Hund spazieren gehen und die Stadtvillen bewundern.

Ich würde den Stil der Perlenpaulas von der Förde allerdings eher als etwas zurückhaltender, sportlicher und bodenständiger beschreiben. Das Spazieren unter alten Eichenalleen bedarf halt eines anderen Schuhwerks als Hamburgs Mönckebergstraße.

Ein Gerücht ist es übrigens, dass man so weit im Norden keine Janker trage. Egal ob Dame oder Herr, Gehröcke und Trachtenjacken zählen auch bei uns zur klassischen Garderobe, gerade in der Übergangszeit.

Im Sommerhalbjahr laden dann die vielen Gutshöfe im Kieler Umland zur Landpartie und zum Stöbern nach handgefertigten Perlenohrringen, Porzellan und Gartendekoration ein. Plötzlich sieht man wieder Nantucket Reds, wohin man schaut.

Den New England Style beherrscht man hier oben besonders authentisch. Schließlich sind wir ja die deutsche Ostküste und Segeln ist für uns nicht bloß ein Stilmittel, sondern Freizeitbeschäftigung Nummer eins.

Liebe Laura, vielen Dank für diesen informativen Gastbeitrag! 

Meine Damen, wollt ihr euch anschließen und uns etwas über den Stil eures Wohnorts erzählen? Ich würde mich freuen. Schreibt einfach ein Email an claire@countessclaire.com!

2 Kommentare

Mandy 19. März 2019 - 11:08

Ein super Beitrag und sehr anschaulich und mit Witz beschrieben!
Hat die liebe Laura denn auch Instagram?

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Countess Claire 19. März 2019 - 12:48

Liebe Mandy,
Sie wird sich über das Kompliment sicher freuen! Ich werde ihr gleich ein Mail schicken – ich denke aber nicht, dass sie auf IG ist.
Liebe Grüße,
Claire
PS: Laura ist noch nicht auf IG, hat sie mir gerade geschrieben.

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