Der Unterschied zwischen Klassischem Stil und Preppy Style

von Countess Claire

Der „gepflegte Landadeligen-Look“ (das Klischee kommt ziemlich nahe an die Wirklichkeit heran), ist bei den Leserinnen von Blogs wie meinem sehr beliebt. Man tendiert dazu, dass man diesen Stil mit „klassisch und preppy“ beschreibt. Doch sind klassisch und preppy wirklich gleichzusetzen? Auf den ersten Blick kann man das vielleicht bejahen, aber eigentlich ist das nicht ganz korrekt. Denn es gibt ein paar Unterschiede.

Auf den folgenden Bildern seht ihr Outfits von mir, die eher dem kontinentalen Preppy Style (im Gegensatz zum Ostküsten Preppy Style) entsprechen. Wenn ihr auf das Foto klickt, werdet ihr zum passenden Artikel weitergeleitet.

Eine preppy Kombination aus Bluse Blazer Jeans

Ein Beispiel für den typischen „Preppy Look“, wie wir ihn im deutschsprachigen Raum verstehen.

 Noch einmal Preppy Style: Alles ist farbenfroh: Skinny, Samtjacke, Tuch.

Noch einmal Preppy Style: Alles ist farbenfroh: Skinny, Samtjacke, Tuch.

 Eine preppy Variante mit Ballerinas.

Eine preppy Variante mit Ballerinas.

Preppy Style in der Variante "Typischer Landadeligen-Look".

Preppy Style in der Variante „Typischer Landadeligen-Look“.

Beim Vergleichen zwischen Preppy Style und Klassischem Stil fällt einem allererstens gleich einmal auf, dass bei beiden Wert auf gute, langlebige Qualität und einwandfreie Verarbeitung der Kleidungsstücke gelegt wird. Auch die Basis der beiden Stile ist ähnlich, nämlich der gepflegte Look der Privilegierten – Upper Class bzw. Upper Middle Class. Mehr dazu in den Artikeln „U or Non U?“ und „Der Sloane Ranger-Vertreter der britischen Upper Class„.

Während beim Klassischen Stil klare Linien dominieren und man monochromatische Outfits, vorzugsweise in Erdtönen wie Braun, Creme und Beige in allen möglichen Nuancen trägt, sieht man beim Preppy Style bunte Farben und immer einen Hauch „Schuluniform des Eliteinternats“.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Stilen ist aber der, dass sich der klassische Look eher auf Mode, Interior und Autos beschränkt, während der Preppy Style bekanntlich weniger ein reiner Modestil ist, sondern vielmehr Ausdruck eines ganzen Lifestyles ist. Im Artikel „Preppy Style – Der traditionelle Ostküsten-Lifestyle“ könnt ihr Genaueres lesen.

Der Klassische Stil: Eher ein Touch von Chefetage eines Weltkonzerns oder Moderedaktion der Vogue New York als Gestüt und Adelsanwesen.  Urbaner Chic, klare Linien, Erdtöne, monochromatische Outfits, gehobener Business-Style, gute Kombinationsmöglichkeit der Stücke, Klassiker wie Burberry-Trenchcoat, Rollkragen-Kaschmirpullover, Designerpumps, Chanel-Ballerinas, Maßanzüge, rahmengenähte Schuhe, Schwarz statt Dunkelbllau. Cary Grant, George Clooney, Hugh Grant, Audrey Hepburn.

Der Preppy Style: Vom Eliteinternat oder einer Ivy League Universität geht’s während der Ferien ins Sommerhaus in den Hamptons, wo man sich direkt vom Segeln kommend mit noch langen Meerwasser-undone-Haaren und ohne Make-up (mitunter soll auch nur mit viel Aufwand dieser Eindruck erweckt werden)  zum Sundowner im elitären Beach- oder Golfclub trifft. Bunte Polos mit hochgestellten Krägen, bunte Bermudashorts und Segelschuhe werden getauscht mit Lilly Pulitzer Kleidchen. Klassiker wie Burberry Trenchcoat, Chanel-Ballerinas, J. Crew, Tartan, Ralph Lauren, Fair Isle Pullover, Jacken mit Ellbogenpatches, Nantucket Reds, Ankerarmbänder, Hunter Gummistiefel. Dunkelblau statt Schwarz. Reese Witherspoon, Sarah Vickers, jedes Männermodel von Brooks Brothers.

Der kontinentale Preppy Style: Der typische Landadeligen-Look. Management vom Familienstammsitz, als Schlosshotel umfunktioniert, auf dem Weg zum Reitstall oder zur nächsten örtlichen Wohltätigkeitsveranstaltung. Klassiker wie Burberry Trenchcoat, Chanel-Ballerinas, Skinnies im Stil von Reithosen, Jacken mit Ellbogenpatches, Le Chameau Gummistiefel. Dunkelblau statt Schwarz, Barbourjacken, senffarbene Chinos, Halstuch, Tracht, Jagdkleidung.

Auf den folgenden Bildern seht ihr klassische Looks von mir.

 Klassisch im schwarzen Wickelkleid und Pumps.d 4

Klassisch im schwarzen Wickelkleid und Pumps.

Klassisch saubere Linien und schwarze Lederhandschuhe.

Klassisch saubere Linien und schwarze Lederhandschuhe.

Dunkelblaues Spitzenkleid und passender Wollmantel.

Dunkelblaues Spitzenkleid und passender Wollmantel.

Ein Beispiel für Maternity Wear im klassischen Look.

Ein Beispiel für Maternity Wear im klassischen Look.

Ein Klassiker: Der Trenchcoat

Ein Klassiker: Der Trenchcoat

Am Foto unten könnt ihr die perfekte Balance zwischen Preppy Style und Klassischem Stil sehen.

Die Kennedys: Eine perfekte Balance zwischen Klassisch und Preppy.

Die Kennedys: Eine perfekte Balance zwischen Klassisch und Preppy.

Zu welchem Stil tendiert ihr eher? Fallen euch noch weitere Unterschiede auf?

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8 Kommentare

Sue 1. September 2017 - 19:16

Vielen lieben Dank für deine Informationen.

Das letzte Bild und die Outfits sind natürlich der Hammer. Deine Bilder zeigen uns wieder dein Gefühl für guten Stil.

Ich habe ja noch die Farbe „Sand“ für mich entdeckt, weil mir beige nicht so steht.

Bin aber anspruchsvoll beim Material. Ich liebe ja Kaschmir. Nun habe ich im Urlaub einen tollen sandfarbenen Pullover gesehen, war preisgesenkt und kostete immer noch 100 Dollar, gefiel auf den ersten Blick, aber das gefühlte Material fiel durch.

#einMädchenmussseineAnsprüche haben ;)

Viele Güße von Sue

Antworten
Countess Claire 2. September 2017 - 11:47

Liebe Sue,

Also das freut mich wirklich sehr und ist eine große Ehre für mich! Ich liebe es einfach, mich chic, klassisch, gepflegt, preppy anzuziehen. In Jeans, T-Shirt, Senkers und Umhängetasche würde ich mich nicht wohlfühlen.
Ich habe Kaschmir nicht mehr so gern. Pilling ist natürlich unvermeidlich unter den Armen und dort, wo sonst noch etwas reiben könnte, aber es stört mich trotzdem. Kommentatorin Amalia hatte da einen wunderbaren Tipp, ich kann den Eintrag jedoch nicht mehr finden. Hoffentlich liest sie hier.

Liebe Grüße
Claire

Antworten
Sabine S. 5. September 2017 - 20:25

Liebe Claire,
gute Qualität kostet ja bekanntlich. Ist Dir mal aufgefallen, dass es bessere Kaschmirqualitäten in den Herrenläden gibt. Ich kaufe gerne dort die klassischen Kaschmir- Schnitte. ( Gegen Pilling nutze ich einen Pullover-Rasierer, elektrisch.) Auch habe ich gerne Chelseaboots, natürlich rahmengenäht. Man kann ja nicht immer in Pumps gehen, Die Chelseas kaufe ich auch bei den Herrenschuhen, die kleinste Grösse ist da oft meine.
Leider ist die Mentalität für gutes Auftreten verlorengegangen. Ich weis gar nicht mehr, wo ich noch im schicken Tweed oder Rock mit z.B. Blazer und Pulli hingehen kann. Alle tragen nur noch Jeans und Sneakers. Gut, dass Du weiterhin die Fahne hochhälst für klassischen und/oder auch chicen Preppy-Stylle.

Grüsse in die Schweiz

Sabine S.

Antworten
Countess Claire 6. September 2017 - 13:45

Liebe Sabine,

Vielen Dank für deinen interessanten Kommentar. Es ist mir tatsächlich noch nicht aufgefallen, dass in Herrenläden die Kaschmir-Qualität besser ist. Ergibt aber Sinn. Ich werde einfach mal drauf achten. Ich habe übrigens auch einen Pilling-Rasierer, verwende ihn aber ungern, da die Qualität der Wolle sehr drunter leiden soll. Aber ich glaube, Merino ist eine gute Alternative.
Ja, das stimmt absolut, was du bezüglich der Einstellung zu Style, Mode etc. ansprichst. Ich finde das sehr schade. Der Durchschnittstyp kauft lieber ständig neue Billigteile – auf Qualität und Chic wird nicht geachtet, zwei Wochen später liegt ohnehin schon wieder ein neues Polyesterteil im Schank.
Diese Neunzigerjahre Jeans sind fürchterlich, in Kombination mit einem ungepflegten Äußeren noch schlimmer.
Bleib‘ du nur weiter bei deinem Stil, irgendjemand muss doch noch „herausragen“, sich von der langweiligen Menge abheben ;-)

Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Birgit Müller 12. Oktober 2019 - 08:43

Liebe Claire,
seit ich vor etwa zwei Jahren diesen Ihren Blog entdeckte lese ich immer wieder gerne nach und finde Inspiration – und auch immer noch mal „neue“ Artikel
Ich empfehle Sie auch gerne als Institution für Stilfragen weiter. Bei meinen Töchtern natürlich zuerst, oder bei jüngeren Kolleginnen, die Interesse für guten Stil und Nachhaltigkeit zeigen.
Für mich war die Antipathie für die Ressourcenverschwendung in unserer Wegwerfgesellschaft und ein Blick auf die Arbeitsbedingungen bei den Billigproduzenten von Kleidung ursächlich mal der Grund, auf einen nachhaltigeren Konsumstil zu wechseln. In meiner Kindheit wurde zwar Wert auf gutes Benehmen, Umgangsformen und Tischmanieren gelegt, Kleidungsstil oder Äußerlichkeiten im allgemeinen spielten jedoch keine Rolle. Im Gegenteil war das auf die äußere Erscheinung Wert legen eher negativ besetzt („nur oberflächliche Personen legen Wert auf ihr Äußeres, die haben ja nichts anderes“). Mir begegnete man in Folge auch eher respektlos und in abfälliger Weise.
Erst im Berufsleben entwickelte ich eine andere Blickweise und die Erkenntnis, dass nicht jeder gut gekleidete Mensch oberflächlich oder arrogant ist. Ich denke, ich hatte gute neue Vorbilder gefunden.
Heute (30 Jahre weiter) trage ich ausschließlich Tweed- oder Wollblazer, Stoffhose oder Rock, Bluse und Pulli und es vergeht kein Jahr, ohne dass ich zumindest ein paar Tage in Edinburgh wäre… Als ich vor 3 Jahren (das letzte Kind hatte das Haus verlassen) eine neue Arbeit begann, wurde mir recht zeitnah zugetragen, was die Kolleginnen über mich dachten: man hielt mich für reich und vermutete adelige Verwandtschaft in den Highlands. Das trifft nicht im entferntesten zu, aber es amüsiert mich – zeigt es doch die Einstellung zu Konsum, Qualität und äußerer Darstellung und Wirkung.
Wann immer darauf angesprochen, versuche ich zu vermitteln, dass die Freude über ein qualitativ hochwertiges Teil länger hält als die Freude über den billigen Preis und die Menge der Teile. Ich erlebe immer wieder (zumeist sind es die Kolleginnen < 30), wie man gemeinsam zum Outlet reist, viele Teile für wenig Geld kauft, sich am Montag gegenseitig bejubelt und ein – zwei Wochen später darüber beklagt, dass Nähte sich öffnen, die Wäsche nicht funktioniert hat…. Und der nächste Trip geplant wird. Meine Meinung? "Nehmt das Geld plus den Sprit und kauft Euch EIN paar gute Schuhe oder EINE Jacke – vor Ort, fasst es an, probiert es an, nehmt Euch Zeit…" Das muss ich Ihnen, liebe Claire und Ihren Leser*innen aber nicht erzählen…
Ich stimme nicht zu, dass der klassische Stil ausstirbt – jedoch bedauere ich, dass er ein Nischendasein führt und als elitär betrachtet wird. Andererseits denke ich heute, dass nur oberflächliche Personen KEINEN Wert auf ihr Äußeres legen. Meinen Kindern habe ich – im krassen Gegensatz zu den Großeltern – zu vermitteln versucht, das gute Kleidung und eine gepflegte Erscheinung von Respekt der Situation und den Menschen gegenüber zeugt.
Und auch wenn Tweed und Kaschmir für Gesprächsstoff sorgen, so habe ich erfahren dürfen, dass man mir nie abfällig, sondern immer mit Respekt begegnet.
Ich möchte Ihnen für die Arbeit an diesem Blog danken, Sie stehen für eine Lebensweise, die sich auf die wichtigen Dinge im Leben konzentriert. In Zukunft freue ich mich auf weitere informative Artikel.
Beste Grüße aus dem Norden
Birgit

Antworten
Countess Claire 15. Oktober 2019 - 09:18

Liebe Birgit,
Ich freue mich sehr über diesen ausführlichen, interessanten und mir vollkommen aus der Seele sprechenden Kommentar! Vielen Dank, dass Sie mich weiterempfehlen und auch selbst immer wieder etwas zum Lesen finden! Toll, dass Sie den Weg zu meinem Blog gefunden haben! Ihr Kommentar ist eine Bereicherung! Wenn Sie möchten, kann ich ihn gern unter einen aktuellen Artikel verschieben, damit er auf mehr Resonanz bei meinen Leserinnen stößt!
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Phil 19. September 2020 - 23:33

Sehe ich das richtig, dass JFK hier Tennissocken zum Anzug trägt?

Antworten
Countess Claire 22. September 2020 - 08:46

Lieber Phil,
Gut beobachtet!
Ja, das scheinen wirklich Tennissocken zu sein, aber JFK trägt keinen Anzug, sondern Hose und Pullover.
Wie ich finde, ist das Foto ein absolutes Gesamtkunstwerk. Da stören auch die Tennissocken nicht wirklich, sie haben für mich hier eher etwas Cricketpullover-mäßiges. Außerdem ist es von 1962 (America’s Cup), vielleicht ist es auch ein bisschen dem damaligen Zeitgeist geschuldet.
Also sollten wir Nachsicht üben ;-)
Liebe Grüße,
Claire

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