Die Kunst des lässigen Anstands – Alexander von Schönburg

von Countess Claire

Vor drei Jahren hat Alexander von Schönburg-Glauchau, Chef des gräflichen Hauses und Bruder von Gloria von Thurn und Taxis den Stilratgeber „Die Kunst des lässigen Anstands“ veröffentlicht. Nun hat die liebe Sascha eine Rezension des Buches für meinen Blog geschrieben. Heißen wir Sascha herzlich willkommen!

Angefangen hat alles mit der „Frage an Claire“, ob man fremde Kinder maßregeln solle. Nach einem sehr angenehmen Gedankenaustausch mit der lieben Claire bot sie mir an, einen Gastartikel zu verfassen.

Die Kunst des lässigen Anstands

Eigentlich wollte ich über den Wertewandel in Bezug auf Konservatismus und guten Stil schreiben. Dafür hatte ich schon ein grobes Konzept. Bei der Recherche über Werte, Moral und Stil stieß ich jedoch auf Alexander von Schönburg, seines Zeichens Mitglied der „Bild“- Chefredaktion und Bestsellerautor (z.B.“ Die Kunst des stilvollen Verarmens“ (2005) und „Das Lexikon der überflüssigen Dinge“ (2006).

die kunst des lässigen anstands
Alexander von Schönburg präsentiert in seinem Buch „Die Kunst des lässigen Anstands“ 27 altmodische Tugenden für heute.

In seinem Buch mit der ihm eigenen tiefgründigen Leichtigkeit ist er sehr dicht an dem Thema, was mir erwähnenswert schien. Und so wurde aus dem Gastartikel eine Gast-Buchbesprechung.

Worum geht es in „Die Kunst des lässigen Anstands“?

In seinem Buch „Die Kunst des lässigen Anstands“ nimmt Alexander von Schönburg „27 altmodische Tugenden für heute“ unter die Lupe. Er möchte Wege aufzeigen, wie man durch Ritterlichkeit dem Zeitgeist der Selbstbezogenheit und Beliebigkeit etwas entgegensetzen kann.

die kunst des lässigen anstandsWas für ein zutreffender Text!

Wer nun einen (oberflächlichen) Etikettratgeber oder eine Benimmfibel erwartet, der wird schnell bemerken, dass es in dem Buch um viel mehr geht. Es geht um eine Haltung, um eine Lebensphilosophie, mit der man durchs Leben geht. Und doch hat es meiner Meinung nach das Potential, ein echter Lebensratgeber zu sein, ohne sich aufzudrängen.

Für mich persönlich ist Schönburgs Schreibstil sehr angenehm zu lesen. Er vermischt in seinen Kapiteln die Beschreibung von meist selbst erlebten Alltagssituationen mit Gedanken bekannter Philosophen oder Publizisten. Aber auch Autoren von Geschichten oder Sagen finden Erwähnung in seinen Anekdoten. Mal zitiert er die anderen Schreiber als Untermauerung seiner Beobachtungen („Erec et Enide“ von Chretien de Troyes / Hartmann von Aue ca. 1180). Manchmal widerspricht er ihnen charmant, um dem Leser dann zu erklären, wo seiner Meinung nach der Denkfehler liegt.

Höflichkeit und Etikette

Beispielhaft möchte ich zitieren: „Der Kolumnist Rainer Erlinger macht einen sehr genauen Unterscheid zwischen Höflichkeit und Etikette. Höflichkeit habe immer mit Achtung zu tun, die man einem Gegenüber zolle. Etiketteregeln hingegen hätten weniger mit dem Gegenüber, als mit einem selbst zu tun. Sie dienen, behauptet er, vor allem dazu, den eigenen gesellschaftlichen Status sichtbar zu machen.“

Alexander von Schönburg ist in „Die Kunst des lässigen Anstands“ indes der Meinung, dass sich Höflichkeit und Etikette durchaus überschneiden können. Und schon sitzt der geneigte Leser vor dem Buch. Automatisch gerät er dahin, tiefgründiger über bisher vielleicht leichtfertig dahingesagte Begriffe nachzudenken. Zumindest ist es mir so gegangen. Deshalb habe ich auch länger im Buch gelesen, als ich anfangs glaubte.
Nochmals einen Denkanstoß liefert er am Ende eines jeden Kapitels mit der Zusammenfassung der zuvor erörterten Tugend: „Was geht’s mich an?“

Hier gibt er kurze, ernstgemeinte Empfehlungen für den Alltag. Diese kommen aber so augenzwinkernd und undogmatisch daher, dass man über die betreffende Tugend nachdenken muss, ob man will oder nicht.

die kunst des lässigen anstandsDas unkomplizierte Verhalten der Dame erinnert mich sehr an die wunderbare no-fuss Attitüde des verstorbenen Prince Philip. Bloß kein Aufhebens machen kommt mir (Claire) auch sehr entgegen!

Eine klare Buchempfehlung!

Im Sinne einer guten Rezension müsste ich jetzt eigentlich noch ein paar Aspekte finden, die beim Buch „Die Kunst des lässigen Anstands“ nicht gelungen sind. Ich denke in diesem Fall jedoch, dass jeder, der das Buch liest, seine eigene Haltung in mancherlei Hinsicht noch einmal inspizieren wird. Eventuell wird er sogar mit dem einen oder anderen Gedanken des Herrn von Schönburg nicht mitgehen können.

Will man das Buch als lehrreiches Amusement verstehen, dann sollte man schon eine Grundhaltung mitbringen, die wohlwollend auf altmodische Tugenden blickt. Andernfalls könnte es sein, dass man den Einstieg nicht findet und vielleicht schon nach dem Klappentext zu lesen aufhört.

Und so erschließt sich mir sein Fazit folgendermaßen. Für ein gelungenes Miteinander muss man nicht unbedingt den „Knigge“ oder eine andere Benimmbibel auswendig kennen. Aber man sollte zumindest versuchen, durch ritterliche Lebensführung die Welt etwas schöner zu machen. Perfekt wird man ohnehin nie, aber ein Versuch ist es allemal wert.

„Bewahrer tradierter und altmodischer Vorstellungen zu sein ist in Zeiten, in denen die Mehrheit dabei ist, alles Bewährte und Gelehrte aus dem Fenster zu schmeißen, die rebellischere Haltung.“

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Klappentext. „Bewahrer tradierter und altmodischer Vorstellungen zu sein ist in Zeiten, in denen die Mehrheit dabei ist, alles Bewährte und Gelehrte aus dem Fenster zu schmeißen, die rebellischere Haltung.“

Wer sich für Stil, Etikette und Soziologie im Allgemeinen interessiert, dem sei „Die Kunst des lässigen Anstands“ wirklich ans Herz gelegt. Es ist eines der Bücher, die mit einem mitwachsen und sich mitentwickeln. Je nachdem, wo man gerade selbst steht, ist das eine oder andere wichtiger. Und vielleicht ist das wieder ganz anders, wenn einem das Buch nach Jahren wieder in die Hände fällt.

Über die Gastautorin Sascha

Aufgewachsen bin ich in einer wertkonservativen Familie, die durch die allseits bekannten Geschehnisse Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Besitz im Osten und damit ihre Verwurzelung (nicht aber ihre Wurzeln!) verloren hat. Dieser Umstand war prägender, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Wer ist man? Woher kommt man? Welchen Platz räumt einem eine moderne, multikulturelle offene Gesellschaft ein? All diese Fragen schwingen unbewusst ein Leben lang mit.

 

Wenn also wenig bis gar kein Familienandenken im materiell greifbaren Sinn verfügbar ist und man sich die Orte, an denen die Vorfahren über Jahrhunderte lebten, nicht mehr so ansehen kann, wie sie einst belebt und kultiviert wurden, dann greift man auf das immaterielle Erbe zurück, das in einem steckt. Somit stellt das gewisse Savoir Vivre den Kern der eigenen Identität dar.

 

Das Leben bot mir die Gelegenheit, mich in der Welt ein wenig umzusehen. Dadurch konnte ich andere Lebensweisen und Prägungen kennenlernen. Jedoch habe ich recht schnell realisiert, wie viel Erleichterung es bringen kann, eine gute Kinderstube genossen zu haben.

 

Mit meinem Mann und unseren Kindern darf ich in einem schönen Haus inmitten eines alten Gartens leben und mich neben unserer Kinderschar am eigenem Obst und Gemüse und an Hennen und Hasen erfreuen.

 

Als Idealistin lebe ich von Kindesbeinen an mit dem Glauben und der festen Absicht, die Welt ein wenig besser gemacht zu haben, wenn  der Herrgott mich dereinst zu sich rufen wird.

 

Mittlerweile beschäftige ich mich auch berufsmaßig damit, Kindern den Spagat zwischen den traditionellen Normen und Werten und der modernen, offenen und multikulturellen Gesellschaft zu vermitteln. Auch und vor allem jenen, die nicht das Glück hatten, in eine funktionierende Familie hinein zu gehören.

Die zauberhaften Fotos hat mir Sascha zur Verfügung gestellt.

2 Kommentare

Romana W. 12. November 2021 - 10:32

Ein unglaublich gutes Buch. Ja, ich dachte auch anfangs, dass hier Tugenden nach und nach abgespeist werden, aber ich habe mich gerne getäuscht. Auch eigentlich kein Buch, das man in einem durchliest, sondern immer wieder innehält und reflektiert. Die Themen finde ich durchaus vielschichtig beleuchtet. Immer wieder auch gespickt mit einer Portion Humor, ohne den Eindruck ihn krampfhaft eingebaut zu haben. Der Bogen zwischen Ursprung der Tugenden und Neuzeit wird gekonnt gespannt und zeigt auf, wie uns diese Themen immer noch zu Recht im Alltag begleiten. Das Buch hat mich dazu gebracht auch andere Bücher von Alexander von Schönburg zu kaufen. Ein Autor, der überrascht.

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Countess Claire 15. November 2021 - 10:44

Liebe Romana,
Vielen Dank für deinen Kommentar. Nicht wahr, es ist wunderbar! Ich mag ja auch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“.
Liebe Grüße,
Claire

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