Die Landhausküche – Country Style Kitchen

von Countess Claire

Seid ihr mit eurer Küche zufrieden oder wolltet ihr schon lange etwas ändern? Ist euch eure Küche vielleicht zu nüchtern und puristisch? Liebäugelt ihr schon länger mit einer sogenannten Landhausküche? Eventuell traut ihr euch nicht drüber, da die Country Style Kitchen einen spießigen Ruf hat?

In letzter Zeit kommt die traditionelle Küche immer mehr zurück in unsere Wohnungen und Häuser. Und warum das so ist, darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Behaglichkeit oder eine Rückzugsmöglichkeit für den hektischen Alltag? Möglicherweise spielt die Abkehr vom allzu sehr Durchdesignten eine Rolle?

In vergangenen Jahrzehnten war die Landhausküche jedoch sehr verbreitet. In den Siebzigerjahren war das ein Ungetüm in dunklem, alles erdrückendem Holz. Dazu noch eine Nirosta-Spüle, die unvermeidliche Resopalplatte und ein schickes Fliesenmuster. Perfekt altmodisch. Könnt ihr euch noch erinnern?

Landhausküchen von heute haben damit aber gar nichts mehr gemein. Sie sind trotz ihres traditionellen Äußeren sehr zeitgemäß mit Hightech-Geräten und wirken überhaupt nicht bieder.

Um ganz sicher zu gehen, dass wir uns in unserer Küchenstyling -Thematik auf dem richtigen Weg befinden, ist heute eine Expertin für den British Style zu Gast. Ihr kennt Kate alle schon von einem interessanten Interview bei mir am Blog und von verschiedenen Gastartikeln über das englische Landleben, die british season und das englische Picknick. Sie hat ihren eigenen Blog und verzaubert uns auf ihrem Instagram-Account regelmäßig mit stimmigen Interior-Bildern ihres englische Cottages mitten in Deutschland und ihrem wunderbaren „Landpomeranzenchic“.

Kate zum Thema „Landhausküchen“

Herzlich willkommen, Kate! Von deiner wunderschönen Küche im Landhausstil, die du uns öfters auf Instagram zeigst, bin ich immer wieder begeistert. Kannst du meinen Lesern einen Tipp geben, wie man seine eigene Küche in ein Schmuckstück im Country Cottage Style verzaubert? Warum hast du dich eigentlich für eine Landhausküche entschieden? Gibt es auch Nachteile im Vergleich zu den stromlinienförmigen Designerküchen, die dir im Nachhinein aufgefallen sind?

Ist die Landhausküche von Kate nicht unglaublich gemütlich?

Schon immer habe ich gemütliche Küchen bevorzugt, Küchen, in denen gekocht und getanzt wird! Als ich meine erste eigene Küche ausstattete, überwog das Rustikale vor dem Hochglanz. Das zog sich bis „heute“ durch. Woher das kommt? Ich schätze, dass ich einfach schon als Kind einige großartige gemütliche Landhausküchen kennenlernte, in denen ich mich gleich wohl fühlte. Vielleicht auch, weil ich immer gerne gekocht habe, und ich mit Kochen eine Küche in Verbindung bringe, die auch danach aussieht.

Eine Hochglanzküche war für mich niemals Thema. Sie entspricht einfach nicht meinem Geschmack. Außerdem wäre sie mir viel zu putzaufwendig, sie muss ja schließlich glänzen!! Es gibt sicher stilvolle Exemplare, aber je mehr solcher Küchen ich im Freundeskreis zu sehen bekam, desto mehr fühlte ich mich in meiner Landhaus-Wahl bestätigt. Alles wurde hinter Hochglanz versteckt wie in einer Ausstellung, aber ich mag es, wenn Küchen danach aussehen, wofür sie eingerichtet wurden, nämlich eben zum Kochen!

Merkmale einer Landhausküche

Was sind für dich die wichtigsten Merkmale einer Landhausküche? Welche Farben würdest du empfehlen? Wie wichtig sind für dich einzelne Elemente, wie zum Beispiel die richtige Spüle oder eine gemütlichen Kücheninsel?

Eine klassische Landhausküche ist gemütlich, praktisch, einladend. Sie besticht oftmals durch helle Holzschränke (z.B. creme, hellgrau, grün) und hin und wieder durch eine Echtholz-Arbeitsfläche.

Im Idealfall weist die Küche direkt zum Garten. Eine Klön-Sitzgelegenheit sowie helle und freundliche Farben an den Wänden und in der Ausstattung sind unumgänglich. Das sind meines Erachtens nach die wichtigsten Merkmale einer Landhausküche. Da ich meine Küche noch ein bisschen Englischer gestalten wollte, habe ich im vergangenen Jahr die Wände in einem hellen Blau gestrichen, was übrigens eine klassische Farbe in Englischen Küchen ist.

Wichtig ist die Kücheninsel!

Weitere wichtige Elemente

Eine Kücheninsel gehört in die Mitte und es dürfen gerne Küchenutensilien und Buttertopf auf den Arbeitsflächen stehen.

Um die Kücheninsel dreht sich alles, was in und um die Küche herum geschieht, sie ist essentiell, um auch die Geselligkeit zu fördern. Darüber hängt bei uns ein riesiger Topf- oder Kräuterhänger, was das erste Teil war, welches wir anschafften, nachdem wir den Kaufvertrag des Hauses unterzeichnet hatten! Damit erfüllte ich mir einen langgehegten Traum. Wir wussten noch nicht, wie unsere Küche aussehen würde, aber der Hänger sollte der Ausgangspunkt dafür werden! 

Retroformen bei Küchengeräten, alte Teedosen und Kupferformen

Der Esstisch und die Wheelback- und Windsor-chairs sind zusammen mit einem großen alten Tellerregal neu eingezogen. Ich raste auch nicht eher, bis alles nach meinen Vorstellungen ist! Gewürze und die Kochutensilien sind stets griffbereit, jedoch stilgetreu in Schraubgläsern und alten Steingutbehältnissen. 

Retroformen bei Wasserkocher und Toaster; die alten Dosen für den Tee, mein Kannensammelsurium und englisches Geschirr, sowie Kupferformen und -töpfe sind ebenso unverzichtbare Werkzeuge wie Dekorationselemente in der cottage kitchen.

Eine richtige Landhausspüle finde ich ebenfalls wesentlich, allein deswegen, weil sie so geräumig ist. Im Notfall kann man sogar sein Kind darin baden!

Ihr seht hier die perfekte Landhausküchen-Spüle von Kate!

Typisch englisch, der sogenannte dresser!

Eine Landhausküche im Englischen Stil beherbergt als ein herausragendes Möbel einen sogenannten „Dresser“, ein Geschirr-/Buffetschrank bzw. eine Anrichte. Sie sind meistens, neben den Herden und Öfen, das Herz der Küche. Hier sammeln sich neben Geschirr auch Memorabilia und Flott-Abgestelltes. Man mag es sich vielleicht denken, aber ich bin beinahe besessen von alten englischen Küchen, sie haben etwas Ehrliches, Echtes.

Auch die heutigen, neu eingerichteten „cottage kitchens“ sind ihren alten Vorbildern sehr ähnlich. Man strebt nach Tradition, Praktikabilität und Nostalgie. Wichtig ist, dass die meisten Gegenstände in der Küche nicht nur dekorativ, sondern vor allem zweckmäßig sind. Alles, was zu sehen ist, ist in Gebrauch. Und das allein macht eine richtige Landhausküche aus! Das I- Tüpfelchen wäre ein AGA-Herd, aber man muss ja noch Träume haben.

Ein Buffetschrank voll mit altem englischen Porzellan – Traum jeder anglophilen Lady

Bei Landhausküchen sind Oberschränke mit Kassettenfronten meist zentral. Du hast aber in deiner eigenen Küche, dem Herzstück deines wunderschönen und gemütlichen alten Hauses, ganz auf sie verzichtet. Warum?

Das hat den einfachen Grund, weil ich Oberschränke überbewertet finde. Sie sind zwar zweifellos platzbietend, aber ich finde sie erdrückend. Dafür haben wir unsere alten Schränke und das Regal, ohne dieses ständige Klapp’ auf, Klapp’ zu, direkt vorm Gesicht..!!

Kate über No Gos in der Country Cottage Kitchen

Gibt es No Gos? Dinge, die man bei der Gestaltung einer Country Style Kitchen vermeiden sollte? 

Ein klares No-Go sind in einer richtigen country kitchen diese maßlos überteuerten Küchengeräte, die in vielen Haushalten als unverzichtbar betrachtet werden. Ich hoffe, ich trete niemandem zu nahe, aber ich denke, dass eine richtige country kitchen auch als solche gelebt werden sollte. Ich nenne es immer gerne „Lebenseinstellung“. Wer diesen Stil wahrhaftig lebt, beraubt der Küche nicht ihrer Seele. Damit meine ich die vollendete Funktion und die Geselligkeit (immer wieder ein wichtiges Element). „Slow-cooking“ heißt das Stichwort.

Man stelle sich vor, man steht zu ein paar Leuten um so ein modernes Gerät herum und schaut ihm beim flotten Dünsten zu?! Nichts für Ungut, aber solche Maschinen gehören eher in die modernen Hochglanzküchen, darin fallen sie auch nicht auf wie ein Fremdkörper. Landhausküchen verkörpern das Einkochen, das frisch Gebackene, Gemüse aus dem Garten und Wild aus dem Forst, immer etwas Warmes im Bauch, ein glühender Ofen und ein Platz mitten im Herz des Hauses. 

Liebe Kate, vielen Dank für dieses kleine Interview! Deine Küche ist wahrlich eine großartige Inspirationsquelle für uns alle!

Zusammenfassung: Merkmale einer Landhausküche

  • Profilierte Rahmen – oder Kassettenfronten
  • Paneele
  • Matte Fronten
  • Arbeitsplatte aus Holz
  • Klassische Türgriffe an den Kästchen
  • Mischung aus offenen und geschlossenen Regalen
  • Glasfronten mit Sprossenunterteilung
  • Dekorationen aus Messing, Kupfer oder altem Porzellan
  • Kranzleiste oberhalb der Oberschränke
  • Küchentisch oder Kücheninsel
  • Keramik-Spülstein anstatt eingebauter verchromter Spüle
  • Tendenziell eher helle Farben wie weiß, beige, creme. Aber auch Grün- und Blautöne sind möglich. Ganz besonders schön finde ich mint!
  • Für Anglophile empfiehlt sich ein AGA-Herd
  • Kleine Geräte wie Toaster, Wasserkocher oder Kaffeemaschine im Retrolook
Sehr elegant und edel!
Landhausküche
Klassisch gehalten in Weiß mit einer hölzernen Arbeitsplatte, Keramik-Spülstein und Kassettenfronten in Kombination mit Sprossen
Ganz besonders gemütlich wirkt diese Country Kitchen!
Landhausküche
Beachtet auch die schönen Holzverstrebungen an der Decke und die Sprossenfenster. Country Style pur.
Eine Landhausküche muss nicht unbedingt weiß sein! Hier ein besonders schönes Exemplar in Oliv.

5 Kommentare

Marie W. 13. September 2021 - 13:26

Liebe Claire, liebe Kate,
genau so muss eine Küche sein! Ich finde unsere Küche in Eurer Beschreibung wieder. Zwar haben wir keine Kochinsel, dafür aber einen großen alten Tisch in der Mitte des Raumes, um den man herumlaufen kann, und an dem Mahlzeiten gerne sehr ausgedehnt werden.
Oberschränke finde ich ebenfalls überbewertet und entbehrlich. Ein altes Küchenbüffet fasst letztendlich alles was man braucht.
Dazu noch ein paar offene Regale, auf denen alles griffbereit steht. Deine Küche, liebe Kate, ist einfach rundum gelungen!
Herzlichst
Marie W.

Antworten
Countess Claire 13. September 2021 - 14:34

Liebe Marie,
Vielen Dank für deine lieben Worte. Ja, genau so muss eine Küche aussehen und ich liebe ebenfalls alte Küchenbuffets. Mich begeistern auch regelmäßig deine Instagram-Stories mit Einblicken in deine wunderschöne Küche.
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Marie W. 13. September 2021 - 16:43

Vielen Dank, liebe Claire! In Kate ´s Cottage habe ich tatsächlich schon mehrfach gute Anregungen gefunden. Gerade auch für die Küche.
Ich denke, über diesen Bericht werden sich viele Leserinnen freuen.
Mit Grüßen von Blankenese nach Zürich,
Marie W.

Antworten
melanie 15. September 2021 - 19:01

Liebe Claire, liebe Kate,
auch von mir ein herzliches Danke für die vielen wunderbaren Anregungen – ich bin ja auch ein Fan von Kate ´s English „Kitschen“ (über den Begriff freue ich tatsächlich jedensmal wieder auf Instagram); gerade was die Accessoires anbelangt, lassen sich diese ja unmittelbar von der englischen in die österreichische Landhausküche übernehmen, auch wenn die Charakteristika des zugrundeliegenden „Unterbaus“ (z.B. Naturholzfronten, Kacheln, Steinplatte) sich etwas unterscheiden – und die „Kredenz“, bzw. „Anrichte“ (von Biedermeier in Kirsche über Jugendstil-Schönheit bis gelaugter Zwischenkriegs-Ausführung in Kiefer) als Pendant zum „Dresser“ versteht sich auch von selbst; nun hat man ja grade im Falle von Mietwohnungen nicht immer die Möglichkeit, große Veränderungen baulicher Art vorzunehmen, grade hier kann man aber mit Kate ´s Auswahl an Accessoires gestalterisch einiges ausrichten und zusätzlich mit einem großen Nudelbrett aus Naturholz und ein paar typischen (regionalen) Küchentextilien und Kräutern in entsprechenden Töpfen aus so ziemlich jeder unterkühlten Küche etwas zaubern – wirklich super Tipps, wie immer.
Als ehemalige Mieterin einer stockdunklen Eichen-Landhausküche aus den Siebzigern mit der obligatorischen Resopalplatte, der Niro-Spüle und der unvermeidlichen gelbbraunen Bekachelung vielleicht an dieser Stelle ein paar Kleinigkeiten für die Gestaltung derartiger Küchen-Etablissements, denn es gibt sie nach wie vor, die sind ja absolut schmutzunempfindlich, unkaputtbar und damit wahre Wunder der nachhaltigen Einrichtungskunst: bei Accesoires auf klares Weiß (und je nach Farbton des Holzes/Furniers auch auf Blautöne) verzichten, lieber gebrochene Eierschalentöne versuchen; das helle Nudelbrett auf der Resopalplatte hilft auch hier; und wer Zugang hat: das grüngeflammte Gmundner-Design in Kombination mit Obst (in der Salatschüssel), Kräutern (mehrere unterschiedliche in der Suppenterrine, einzelne in Kompottschüsseln), opulente, bunte Naturblumensträuße (in den verfügbaren Vasen, auch im Gmundner Streublumen Design) und farblich passende Keramikknöpfe statt der gedrechselten Holzdübel-Griffe haben dem Siebzigerjahre-Barock den Schrecken vielfach genommen; dazu im Übergang zum Essbereich eine cremefarbene Anrichte von großen Schweden mit einer dunklen Nussholz-Obstschüssel drauf – da haben sich dann über gut drei Jahre auch die absoluten English-Kitchen-Anhänger zum studentischen Kochen eingefunden ;-)
Herzlichen Dank also nochmals für die vielen guten Ideen und liebe Grüße aus der salzburgischen Landhausküche (mit den italienischen Paisley-Textilien und den Accessoires aus England,
Melanie

Antworten
Countess Claire 21. September 2021 - 09:53

Liebe Melanie,
Vielen Dank für deinen netten und interessanten Kommentar. Ich finde deine Ideen, zum österreichischen Pendant der englischen Country Cottage Kitchen wunderbar! Und Grüngeflammtes ist sowieso immer unschlagbar! Zur traditionellen österreichischen ist das einfach ein Muss, gern übrigens (und für mich vor allem) auch das alte, leicht unregelmäßigere Design in dunklerem Grün als die neue Keramik.
Liebe Grüße,
Claire

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