Die perfekte Gastgeberin

von Countess Claire

Vor einiger Zeit habe ich mich mit dem perfekten Gast befasst, ihr könnt den Artikel nachlesen. Nun stellt sich die Frage, wie man zur perfekten Gastgeberin wird bzw. woran man sie erkennt. Bei jeder Feier sollen sich die Gäste schließlich wohlfühlen, und mit ein paar Tipps und Tricks ist es gar nicht so schwer, eine größere Gesellschaft zu geben.

Die Einladung

Schon hier kann man erkennen, ob die Gastgeberin alles im Griff hat oder eben nicht. Geraume Zeit vor der Veranstaltung sollten die Einladungen verschickt werden. So schön handschriftliche Einladungen auch sind (Hier geht’s zum Artikel „Schreiben mit Stil – Elegant per Post„), gerade bei einer größeren Gesellschaft wird man sich eher für gedruckte Billetts entscheiden. Dann empfiehlt es sich aber, zumindest den Namen des Gasts und allenfalls ein paar persönliche Zeilen von Hand zu schreiben. Wer oder was wird wann und wo gefeiert? Gibt es einen Dresscode? Gibt es ein Essen?

Gilt die Einladung nur für den Betreffenden oder ist auch die Begleitung inbegriffen? (Kennt man den Namen, niemals schreiben: Für Herrn XY und Begleitung, sondern beide Personen namentlich anreden). Eine Wegbeschreibung und ein Hinweis auf Parkmöglichkeiten ist ebenfalls sinnvoll. Auf jede Einladungskarte gehört ein Vermerk, bis wann die Gäste zu- oder absagen sollen. Man kann das in einem Satz formulieren oder die Abkürzungen u.A.w.g. bzw. r.s.v.p. bis zum … verwenden.

Countess Claire -_-2

Die Begrüßung

Die perfekte Gastgeberin begrüßt jeden einzelnen Gast persönlich an der Haustür und macht die neu Hinzugekommenen mit den bereits Anwesenden bekannt. Idealerweise erwähnt sie dabei Fakten, die einen Einstieg in die Konversation erleichtern. Die Gäste sollten niemals darauf hingewiesen werden, die Schuhe auszuziehen. Schließlich hat sich jeder Mühe mit seinem Outfit gegeben. Auch wenn der Parkettboden noch so empfindlich ist – Stil und Eleganz gibt es nur in Verbindung mit Schuhen. Welche Schuhe ladylike sind haben wir schon einmal diskutiert. Die Frage, ob und wo geraucht werden darf, sollte ebenfalls möglichst bald geklärt werden.

Die Tischordnung

Hier gibt es zwei Möglichkeiten, entweder setzt man die Gäste zusammen, die sich gut kennen. Garantiert werden keine unangenehmen Gesprächspausen eintreten, die man als Gastgeberin stets zu überbrücken bemüht sein wird. Interessanter ist es aber meistens, einander Fremde, die irgendeine Gemeinsamkeit haben, nebeneinander zu platzieren.

Genügend Tischwäsche (Stoffservietten, Tischtücher), zusammenpassendes Geschirr, nicht zu viel Dekoration und schöne Gläser tragen ebenfalls zum Erfolg einer Feier bei. Tischwäsche muss gebügelt und Silberbesteck poliert werden. Lest hierzu auch meine kleine Serie über die Tischmanieren (hierhier, hier und hier).

Hat man nicht genug zusammenpassende Gläser oder fehlt wie im Märchen ausgerechnet der 13. Teller, kann man von verschiedenen Firmen alles für den Event kommen und nachher wieder abholen lassen. Die Sitzordnung legt man bei größeren Feiern schon vorher mittels Tischkärtchen fest. Normalerweise sitzt neben jeder Dame ein Herr.

Das Essen

Bei einer Einladung solltet ihr niemals etwas zubereiten, was ihr vorher noch nicht ausprobiert habt. Zu groß ist das Risiko, dass etwas schiefgeht. Je mehr Gäste, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man vorher Gelegenheit hat, nach etwaigen Vorlieben und Abneigungen zu fragen. Dann muss das Menü aber so zusammengestellt sein, dass sich für jeden etwas findet.

Wichtig ist es auch, schon vorm Eintreffen der Gäste möglichst viel vorbereitet zu haben, damit man, ist die Feier im Gange, nicht zu lang in der Küche steht, sondern entspannt plaudern kann. Möchtet ihr nicht alles selbst machen, denkt an die Möglichkeit einer Catering-Firma. Auch Köche und Servierpersonal kann man für einen Abend mieten.

Der Abend

Die Gastgeberin gibt das Zeichen zum Beginn des Essens, indem sie ihr Glas erhebt und eventuell einen Toast ausspricht. Getränke (sowohl alkoholische als auch anti-alkoholische)  sind immer zur Genüge vorhanden. Es ist übrigens wichtig, Gäste nicht zum Mehr-Trinken und -Essen zu drängen, sondern ein „Nein, danke“ ohne Hinterfragen zu akzeptieren. Hat man kein Personal engagiert, empfiehlt es sich, im Verlauf des Abends ab und zu das Badezimmer zu checken.

Ist dann schließlich die Zeit zum Aufbruch gekommen, kann man Gäste, die am liebsten bleiben würden, durchaus mit dezenten Hinweisen, zB. auf das morgige Frühaufstehen, zum Gehen bewegen. Es soll auch vorkommen, dass so ein diskreter Hinweis nicht verstanden wird – zum Glück ist mein Mann dann auch mal etwas direkter. Aber der perfekte Gast wird ohnehin verstehen.

Was ist euch wichtig als Gastgeberin? 

8 Kommentare

Miss Kate 3. September 2015 - 11:57

Liebe Claire,

Gäste zu haben ist immer eine große Freude!
Wenngleich wir nicht sehr häufig formelle Dinner bei uns haben, so laden wir immer sehr gerne Freunde zu uns ein. Aber auch bei zwanglosen Veranstaltungen versuche ich eine möglichst perfekte Gastgeberin zu sein, denn auch kleine Gesellschaften verlangen, zumindest in meinem persönlichen Anspruch, ebenfalls eine gute Vorbereitung. Ich versuche mich stets in die Lage meines Gastes hinein zu versetzen: Was würde ich nun als Gast erwarten, was trüge zu meinem Wohlbefinden bei, was hätte ich gerne in meiner greifbaren Nähe, ohne danach fragen zu müssen? Das fängt ja schon bei Selbstverständlichkeiten wie dem Glas Wasser oder der Ersatzklorolle an!! Wie oft ist man eingeladen und hat nicht mal eine Serviette am Tisch?

Ich bin auch immer darauf bedacht, eine schöne Atmosphäre zu schaffen durch unaufdringliche Dekoration und Kerzenschein und leichter Hintergrundmusik. Nichts ist schlimmer, als wenn in einem Moment des Schweigens lediglich das Ticken einer Uhr die Stille erfüllt und man unter einer flutlichtgleichen Deckenbeleuchtung sitzt, während sich niemand traut das nächste Wort zu sagen.
Und eine solche peinliche Stille lässt sich immer prima mit angenehmen Klängen im Hintergrund, natürlich in Unterhaltungslautstärke, überbrücken! Mir ist zudem auch wichtig, dass die gesamte Etage oder Wohnung gemütlich illuminiert ist. Selbst wenn sich in erster Linie nur in einem Raum aufgehalten wird, so mag ich es, dass die anderen Räume ebenfalls einladend erleuchtet sind und sich die Gäste nicht in dem einem Raum festzusitzen verpflichtet fühlen.

Was eine festliche Tafel angeht, so sehe ich das wie Du, schlicht und gleichförmig elegant muss sie gedeckt sein, mit einem zentralen dekorativen Highlight oder dezente Dekoration auf der gesamten Tafel verteilt. Bei Tee- oder Kaffeetafeln oder beim großen gemeinsamen Frühstück halte ich es jedoch meistens etwas individueller und decke kitschiges einzelteilige Goldrandgeschirr ein. Ein Traum!!

Wie hälst Du es mit Tischtüchern? Auf festlichen Tafeln ist das gar keine Frage, da gehört ein Tischtuch dazu. Ein schöner Holztisch kommt ja sonst auch wunderbar ohne Tuch aus (es sei denn es ist ein traumhaft schönes Tuch aus Südfrankreich…!) Aber diese kleinen neckischen handgeklöppelten Dekodeckchen in der Tischmitte finde ich eher spießig und zudem völlig zweckfrei! Schweife ich ab? Oh je…

Wie dem auch sei, eine perfekte Gastgeberin versucht bei jeder Art von Gesellschaft das Maximale an Wohlbefinden ihrer Gäste herauszuholen und den Gästen ggf. schon Wünsche oder Anliegen zu erfüllen, bevor diese überhaupt bemerken, dass was sie gerne hätten. Und das alles natürlich in einem schönen Ambiente und mit viel Herz!
Was nützt es eine perfekt organisierte Gastgeberin zu sein, die die Bewirtung der Gäste aber doch als notwendiges Übel ansieht und keine wahre Freude daran und kein echtes Lächeln aufbringen kann?!

Herzlichst,

Kate.

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Countess Claire 8. September 2015 - 09:39

Liebe Kate,
Vielen Dank für deinen Kommentar, eine wunderbare Ergänzung!
Ich bin überzeugt davon, dass dein Goldrandgeschirr toll aussieht und du mit deinem guten Geschmack alles perfekt gestaltest!
Du fragst nach Tischtüchern? Wie du sagst, bei einer festlichen Tafel gehört ein schönes Tischtuch dazu. Wir haben einen nussbaumhölzernen Tisch, den ich im Alltag aber auch oft unbedeckt lasse.
Mein Fall sind die Dekodeckchen auch nicht ;-) Welch‘ Qual war es für mich, diese im Handarbeitsunterricht bei der gestrengen Schwester M. während meiner Volksschulzeit (dem österreichischen Pendant zur Grund/Primarschule) umhäkeln zu müssen – ebenso wie die unzähligen umstickten und mit Monogramm versehenen Stofftaschentücher, die ich fabrizieren musste. Aber ich habe alle aufgehoben und ordentlich verstaut ;-) Jetzt schweife ICH aber ab…
Liebe Grüße,
Claire

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Nanni 3. September 2015 - 17:43

Liebe Claire,
ein wundervoll geschriebener Post, der viele nützliche Tipps enthält. Besonders wichtig finde ich den Punkt, gelegentlich im kleinen Badezimmer nach dem Rechten zu sehen. Unmöglich finde ich es auch, wenn der Gast gebeten wird, sich seiner Schuhe zu entledigen. Wem der eigenen Fußboden so wichtig ist, sollte nicht zuhause Gäste empfangen.

In einem Punkt würde ich allerdings nicht ganz zustimmen: Es geht um das einheitliche Service. Ich würde einen stillvollen, gelungenen Abend nie davon abhängig machen, ob die Gastgeberin nun gänzlich einheitlich eingedeckt hat oder nicht. Eine Freundin von mir sammelt beispielsweise wunderschöne antike Weingläser, die bunt gemischt, gerade einer festlichen Tafel das gewisse Etwas verleihen können. Ich selbst bin im Besitz einiges geerbten Tafelsilbers, verziert mit den unterschiedlichsten Wappen der Damen, die im Laufe der Jahre in die Familie eingeheiratet haben und auch im Stil nicht immer ganz einheitlich. Dennoch decke ich es immer bewusst ein, da ich es als sehr schön und traditionsreich empfinde.

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Countess Claire 8. September 2015 - 09:44

Liebe Nanni,
Danke für deine herzlichen Worte. Ich bin wirklich überzeugt davon, dass dein „zusammengewürfeltes“ Service wunderschön aussieht und sehr stilvoll ist. Einfach charmant!
Liebe Grüße,
Claire

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Miss Kate 8. September 2015 - 09:44

Liebe Nanni,

wenn man im Besitz wunderschöner alter „alleinstehender“ Gläser oder anderer einzigartigen Geschirrteile, die der gedeckten Tafel allein durch ihre Präsenz ein ebenso einzigartiges Flair verleihen, so gebe ich Dir völlig recht! Ich habe auch richtig schöne alte Servierteller, alles Einzelstücke, die ich gerne zum Servieren auftrage, ebenso habe ich alte hauchzarte geschliffene Gläser, die die festliche Note der Tafel immer ergänzen.
Aber da sollte eben für jeden Gast ein solches Glas oder das gleiche Besteck vorhanden sein, so dass niemand schließlich aus einem gespülten Senfglas trinken muss – überspitzt gesprochen (oh Himmel, das haben früher echt Leute gemacht!!).

Herzlichst,

Kate.

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Nanni 9. September 2015 - 20:58

Grundgütiger -ja- das berüchtigte, ausgespülte Senfglas möchte ich auch auf keiner festlichen Tafel sehen.

Antworten
Victoria 8. Januar 2021 - 17:31

Liebe Claire,

ich habe eine Frage bezüglich der Tischmanieren von Kindern: Was kann man Deiner Meinung nach in welchem Alter erwarten? Ich finde es z.B. selbstverständlich, dass die Kinder lernen, zu warten, bis alle Familienmitglieder (und Gäste) bei Tisch sind und gebetet wurde. Trotzdem geht das fast täglich schief bei meinem lebhaften fünfjährigen Buben (und seinem 18-monate alten Bruder sowieso). Ich lasse die Kinder aber aufstehen, wenn sie fertig sind ( ggf. auch zwischen den Gängen bei größeren Essen), weil sie sonst „hampeln“ und die Erwachsenen nur stören. wie hältst Du das?
Ich gebe mir täglich Mühe, den Jungs Sitten beizubringen, vor allem dem Großen, aber es ist nicht leicht…
Ich hoffe, die Frage ist nicht zu zeitaufwendig zu beantworten!

Herzliche Grüße
Victoria

Antworten
Countess Claire 13. Januar 2021 - 11:11

Liebe Victoria,
Vielen Dank für deinen Kommentar! Tatsächlich habe ich schon überlegt, eine Rubrik „Die lieben Kleinen“ zu machen, diesbezüglich bekomme ich nämlich oft Anfragen.

Ich habe auch Kinder, mein Jüngster ist gerade 4 und das Problem mit dem „Hampeln“ und Rumzappeln kenne ich nur zu gut.Daher erlaube ich meinen Kindern auch, aufzustehen, wenn sie mit dem Essen fertig sind. Da gibt es aber ein paar Bedingungen:

1. Die Frage ist zwingend „Dürfen wir aufstehen?“
2. Es bleibt dann keine einzelne Person mehr allein am Tisch zurück.
3. Die Kinder stehen zusammen auf, nicht jeder für sich, wenn er grad mit dem Essen fertig ist.
4. Die Kinder tragen ihre Teller NICHT raus – nicht, dass da Gefahr besteht, sie würden es jemals freiwillig tun ;-) Ich empfinde es als Unsitte, mit dem Tischabräumen zu beginnen, wenn noch jemand isst.

Im Normalfall bin ich ganz froh, wenn die Kinder aufstehen, und ich mit meinem Mann noch ein paar ruhige Minuten bei Tisch haben kann, in denen auch Themen besprochen werden sollen, die nicht für Kinderohren bestimmt sind – und sei es nur die Geschenksidee für den nächsten Geburtstag.

Selbstverständlich ist es aber, dass sie VOR der Mahlzeit warten, bis alle sitzen und sich jeder genommen hat bzw. bedient wurde. Nicht dass der eine schon bald fertig ist, und der andere hat noch einen leeren Teller. „Mahlzeit“ oder „Guten Appetit“ finde ich nicht sehr elegant. Wenn die Gastgeberin zum Besteck greift, ist das das Zeichen, dass auch die anderen anfangen können. Alternativ natürlich ein Gebet oder im familiären Umfeld „Fangt’s schon mal an, damit es nicht kalt wird, ich muss noch das… holen, aus der Pfanne nehmen etc.

Mit 18 Monaten würde ich mir noch keine Sorgen machen wegen Tischmanieren. Die Zeit vergeht so schnell, ich kann mich jetzt gar nicht mehr genau erinnern, wie weit meine Kinder in diesem Alter waren.

Basics aber sollte man von Anfang an nahebringen: Messer nicht abschlecken, nicht spucken/rülpsen, keine Ellbogen am Tisch, mit Essen nicht spielen. Aber bis auf Punkt 2 ist es nicht so, dass das nie vorkommen würde ;-)

Liebe Victoria, ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen. Kennst du übrigens das Buch von Marie-Chantal of Greece „Manners begin at breakfast?“. Ich habe es hier am Blog vorgestellt, gib es einfach im Suchfeld ein oder kopiere die Adresse https://www.countessclaire.com/manners-begin-at-breakfast-marie-chantal-of-greece/

Liebe Grüße,
Claire

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