Die Schweiz aus österreichischer Sicht

von Countess Claire

Voilà! Nach eineinhalb Jahrzehnten, die ich jetzt schon in der Schweiz lebe, möchte ich euch einen kleinen Überblick über die Schweiz geben. Zusätzlich vergleiche ich immer ein bisschen mit Österreich, da ich gerade die Unterschiede zwischen den beiden schönen Alpenländern spannend finde.

Die fallen einem nämlich schon auf, sobald man die ersten Wochen hier lebt. Was ich gleich bemerkt habe, war die Gepflegtheit der Gehsteige. Sehr ansehnlich -soweit sie das sein können – sind auch Bushaltestellen. Mülleimer quellen nicht über. Es liegen keine Zigarettenstummeln am Boden. Man achtet auf das Erscheinungsbild und somit die Umwelt. Wegen des vielen Grüns am Straßenrand und in Vorgärten sowie wegen der bunten Fensterläden, die man allerorts sieht, sehen auch weniger hübsche Häuser in nicht privilegierten Wohngegenden akzeptabel aus.

Unterschiede

Als Ausländerin stehen nach der Übersiedlung in die Schweiz einige Behördengänge auf das Migrationsamt und die Steuerverwaltung an. Man wird überall auf den Behörden zuvorkommend behandelt. Die Schweizer sind tendenziell reservierter, was damit zusammenhängt, dass sie ihre Freunde fürs Leben schon während der Schulzeit finden. Zum anderen gibt es besonders im Großraum Zürich viele Expats, also hochqualifizierte Ausländer, die von ihren Firmen für ein, zwei Jahre in die Schweiz entsandt werden. Danach verlassen sie die Schweiz wieder – es hat daher nicht so viel Sinn, in Freundschaften zu investieren. Es soll allerdings auch vorkommen, dass Expats sich entschließen, in der Schweiz zu bleiben.

Dass die Lebensqualität hier sehr hoch ist, ist bekannt. Die Lebenshaltungskosten sind auch dementsprechend. Die Schweiz ist ein reiches Land mit niedriger Steuerlast, die von Gemeinde zu Gemeinde variiert. Der Proletarier fährt den 3er BMW, das Söhnchen hat einen Porsche und die Dame des Hauses steigt in den Panzer, sprich SUV in Vollausstattung, ein.

Die Schweizer und das liebe Geld

Erwähnenswert ist, dass die Schweizer kein Volk sind, das gern protzt. Bescheidenheit und Zurückhaltung sind wichtig, ein Angeben mit Statussymbolen verrät den Parvenü. Man stellt seinen Reichtum nicht ostentativ zur Schau. Man hat einfach einen gewissen Wohlstand mit den dementsprechenden Statussymbolen und Codes, aber man spricht nicht darüber. Und da kommen wir zu einem weiteren Unterschied zu Österreich. In meinem Heimatland ist es leider üblich, über Geld zu sprechen. Ja, es heißt zwar „Über Geld spricht man nicht, das hat man“. In der Realität sieht das ganz anders aus. Bei jedem Smalltalk kommt unweigerlich das Thema auf das Einkommen. Wie viel oder wie wenig hat man, was verdient der oder die, wie viel hat das Haus gekostet, wie hoch ist eure Miete, wie viel kostet euer Urlaub? Ich bin immer wieder erstaunt, wie wichtig es in Österreich ist, sich über Geldangelegenheiten zu unterhalten, Angeberei inklusive. Nicht auszudenken, würde man etwas Derartiges in der Schweiz machen! Hier hält man sich bedeckt, Finanzen sind kein Smalltalk-Thema. Diminutive werden in der Schweiz zwar gern benutzt, das Säckli, Päckli, Gspänli, Rössli etc. Aber lasst bitte niemals, ich wiederhole: niemals, das Wort „Fränkli“ über eure Lippen kommen!

Aber es braucht nun auch auch ein paar knallharte Fakten, sonst ist der Artikel ja nicht informativ genug. Wir beginnen also mit der Einwohnerzahl. Gut festhalten! In der dicht besiedelten Schweiz leben 8,6 Millionen Menschen. Der Regierungssitz befindet sich in Bern. Und kein Artikel über die Schweiz ohne das Matterhorn. Hier ist es: das Matterhorn!

Der bekannteste Berg in den Schweizer Alpen ist das 4478 m ü. M. hohe Matterhorn über Zermatt im Wallis.

Sprachen

Eigentlich mag man es nicht glauben, aber es soll tatsächlich nur vier Landessprachen geben. Wenn man seine ersten Tage und Wochen in der Schweiz verbracht hat, könnte man schwören, dass es mindestens 100 sind. Aber das gibt sich mit der Zeit und man erkennt die Nuancen – mal groß, mal klein – zwischen Kantonen und Regionen. Aber nun wieder zurück zu den Fakten:

Die Schweiz hat vier Landessprachen, nämlich Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Schweizer beherrschen meist neben ihrer Muttersprache noch eine oder zwei weitere Landessprachen. Zusätzlich lernen sie schon in der Primarschule Englisch.

17 der 26 Kantone sind einsprachig deutsch. In weiteren drei herrscht offiziell französisch-deutsche Zweisprachigkeit. Das wären Bern mit deutscher Mehrheit, Freiburg und Wallis, letzteres mit französischer Mehrheit. Die Bevölkerung schreibt in der Deutschschweiz Schweizerdeutsch. Sie benutzt im Alltag aber meist einen der vielen schweizerdeutschen Dialekte des Alemannischen. Die Kantone Neuenburg, Waadt und Genf sind französischsprachig. Italienisch wird im Tessin gesprochen, aber auch in einem kleinen Teil Graubündens. Als einziger Kanton des Landes hat dieser drei Amtssprachen! Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Das bedeutet, Rätoromanisch ist die Verwaltungs- und Schulsprache. Im Alltag reden viele Menschen jedoch trotzdem Schweizerdeutsch bündnerischer Färbung.

Die Sprachgrenze und damit einhergehend die kulturellen Unterschiede zwischen der Deutschschweiz und den französischsprachigen Kantonen wird gern „Röstigraben“ genannt.

Die Verbreitung der vier Landessprachen, Quelle: Bundesamt für Statistik

Geschichtliches

Das Gebiet der heutigen Schweiz ist seit der Altsteinzeit besiedelt. Es lebten hier keltische Stämme und Völker. Als späterer Teil des Römischen Reichs wurde es bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. ins Römische Reich integriert und die Bevölkerung romanisiert. Nach dem Untergang des Römischen Reiches besiedelten die germanischen Stämme der Burgunder und Alamannen das Mittelland und vermischten sich mit der romanisierten Bevölkerung.

So, eine kleine Auflockerung. Wenn ihr es bis hierher geschafft hast oder zufällig beim Scrollen hier stehen geblieben seid, lasst euch versichert sein: die Fakten gehen weiter:

Die Urkantone

Die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden schlossen 1291 nach dem Tod des deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg einen Bund zum Schutz ihrer «alten Freiheiten». Der sogenannte Bundesbrief ist auf Anfang August 1291 datiert. Der Legende nach geschah die Beschwörung dieses Bundes auf dem Rütli. Das Rütli (bedeutet etwa kleine Rodung) ist eine Bergwiese in Seelisberg im Kanton Uri. Später legte man den 1. August 1291 als Datum für die Gründung der Alten Eidgenossenschaft fest. Der 1. August ist somit der Schweizer Nationalfeiertag. An diesem wird überall gefeiert und Käsefondue gegessen – übrigens sehr zu empfehlen, ebenso wie ein Züri Gschnätzlets.

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges beschloss die Eidgenossenschaft 1647 im Defensionale von Wil die «immerwährende bewaffnete Neutralität» . Im Westfälischen Frieden ein Jahr später erreichten die Kantone die Anerkennung ihrer Ausgliederung aus dem Heiligen Römischen Reich und wurden somit unabhängig. Man staunt: Nach dem Sieg der liberal-progressiven über die konservativ-katholischen Kantone im Sonderbundskrieg wurde die Schweiz 1848 in den modernen Bundesstaat umgewandelt, den wir heute kennen. Bern wurde zum Sitz der Bundesbehörden und des Parlaments. Zürich gilt als Wirtschafts– und Finanzzentrum der Schweiz. Es ist aber auch zusätzlich das Epizentrum des guten Kleidungsstils und das Schwungrad der gepflegten Freizeitkultur. Genauso wie Basel im übrigen und ganz wenig auch Bern.

Das Benediktinerkloster Einsiedeln in Schwyz ist der größte Wallfahrtsort der Schweiz.
Blick vom Hausberg Zürichs, dem Uetliberg, auf den Stadtteil Hard und das Industriequartier.

Das Schulsystem

Das Schulsystem ist im Prinzip kantonal bzw. von den Gemeinden geregelt, nur gewisse Vorgaben kommen vom Bund. Auf zwei Jahre Kindergarten, der für die Kleinen im Alter von vier Jahren beginnt, folgen sechs Jahre Primarschule. Weniger begabte Kinder brauchen länger. Danach besuchen die meisten Kinder die Sekundarschule, wo die erste richtige Leistungseinteilung stattfindet: Es gibt die Sek A, B, C – ganz nach Grad der intellektuellen Fähigkeiten. Darauf folgt ein vierjähriges Kurzzeitgymnasium, falls man Matura machen will, eine der Mittelschulen, eine Berufslehre oder der direkte Einstieg ins Arbeitsleben. Nur die begabtesten Kinder, die zusätzlich interessiert an einer humanistischen, klassischen Allgemeinbildung sind, besuchen ein Langzeitgymnasium, das an die 6. Klasse der Primarschule anschließt und in einigen Kantonen angeboten wird. Eine spätere Maturität ist übrigens immer möglich und junge Erwachsene, die studiert haben und mit einer Berufsausbildung aufwarten können, werden mit Handkuss (bei den Damen) oder offenen Armen (bei den Herren) eingestellt.

Um ins Gymnasium zu kommen, muss man in den meisten Kantonen die sogenannte Gymiprüfung bestehen. Anschließend folgt die Probezeit am Gymnasium. Danach hat es viele Universitäten, die ETH Zürich, die HSG St. Gallen oder Fachhochschulen zur Auswahl.

Man findet ausgezeichnete öffentliche Schulen, aber auch diverse Internate und Privatschulen, wo man zur adäquaten akademischen Ausbildung auch das passende Netzwerk mitgeliefert bekommt. Das Schweizer Internat ist schließlich ein Markenzeichen. Hier im Artikel Privatschulen und Eliteinternate könnt ihr mehr darüber erfahren.

Unterschiede bei der Ferienaufteilung

Eine große Umstellung sind die kurzen Sommerferien. 5 Wochen in der Schweiz im Gegensatz zu 9 Wochen in Österreich – dafür gibt es dann aber auch jeweils 2 Wochen Herbst- und Frühlingsferien. Diese Aufteilung ist sehr angenehm, aber auch hier wiederum je nach Kanton und sogar nach Gemeinde unterschiedlich. Wenn man Kinder in unterschiedlichen Gemeinden zur Schule schickt, kann eine Ferienplanung schon eine Herausforderung werden.

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Elitegymnasium Lyceum Alpinum in Zuoz (Engadin, Graubünden). Hier maturierten schon Hans Adam II. von Liechtenstein, Götz George, Ferdinand Piëch und Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell. 

Kunst & Kultur in der Schweiz

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Hier seht ihr die Altstadt von Bern. Sie ist Bundessitz der Schweiz, wird jedoch nicht Haupt-, sondern Bundesstadt genannt und ist nur de facto, aber nicht de jure Hauptstadt der Schweiz.

Das Schauspielhaus in Zürich genießt Weltruf, ebenso das Opernhaus. Die zentrale Büste an der Fassade der Oper ist übrigens jene von Mozart! Außerdem gibt es Musicalbühnen, in Zürich ist das Theater 11 die dementsprechende Adresse. Allerdings gibt es dort kein festes Ensemble, sondern Gastspiele von internationalen Kompanien. Das Kunsthaus ist ebenfalls sehr zu empfehlen. Dass Jazzfestival in Montreux, jenes in Ascona sowie das Filmfestival in Zürich sind international bekannt. Die Art Basel ist eine internationale Kunstmesse mit Veranstaltungen in Basel, Miami Beach und Hongkong. Sie bietet Galerien, Sammlern, Kuratoren und Museumsdirektoren eine Plattform. Die Salzburger Festspiele sind natürlich trotzdem unvergleichlich!

Nationalpark in Zernez im Kanton Graubünden. So stellt man sich das „Heidiland“ vor.

Baustile und Architektur

Wie ich oben bereits dargelegt habe, ist die Schweiz schon von der Geschichte her ein egalitäres Land. Die Eidgenossen waren stolze Bürger und Bauern. Wohl mit einem städtischen Patriziat, aber dafür nur mit einem relativ unbedeutenden Adel, der ab dem Spätmittelalter keine große Rolle mehr gespielt hat. Wichtig in der Schweiz waren übrigens die Zünfte, also Handwerksvereinigungen und Korporationen, die die Interessen ihres Gewerbes vertraten.

Man war kein Untertan. Und so lebte man auch. Wo man in Österreich und Deutschland beispielsweise gefühlt überall Landsitze, Herrenhäuser, Schlösser und Burgen findet, gibt es diese bei weitem nicht in demselben Ausmaß in der Schweiz.

Vorherrschend in den Städten sind Bürgerhäuser, oftmals sehr hübsch mittelalterlich mit Fensterläden. Und natürlich findet man moderne (Büro-)Bauten wie in jeder anderen Großstadt. In der Agglomeration und am Land ist die alte Bausubstanz zumeist das (Wein-)Bauernhaus, weniger die klassische Villa. Es ist allerdings traurig, mitanzusehen, wie man diese laufend abreißt. Sie weichen stets den vermeintlich individuellen Häusern aus Beton mit Glasfronten und Flachdach. Erschreckend eigentlich, wie uniform diese Neubauten wirken. Diese gibt es freilich in ausgezeichneter Qualität, aber auch in der Billigvariante. Dies ist jedoch nicht Schweiz- spezifisch, sondern einfach die vorherrschende Bauweise unserer Zeit. Der Wohnwürfel in Salzburg unterscheidet sich nicht von dem in Zürich.

Internationales Flair

Bekannt ist weiters der Chaletstil mit viel Holz, oft mit Veranden und kunstvoll geschnitzten Ornamenten bei den Balkonen. Chalets findet man in ländlichen Gegenden von Graubünden, dem Kanton Bern oder dem Wallis. Auch diesen beziehungsweise den Heimatstil gibt es nicht exklusiv hier. Nein, man findet Chalets, die ebenso gut in Süddeutschland stehen könnten oder Bauernhäuser, die auch ins Freilichtmuseum nach Großgmain bei Salzburg passen. Villen am Thunersee könnte man mitunter mit Villen an den Seen des Salzkammerguts verwechseln, und sogar mit den Bauten in den alten Kaiserbädern an der Ostsee.In meinen Artikeln Bäderarchitektur an der Ostsee und Das Salzkammergut zwischen Tradition und Moderne könnt ihr mehr darüber lesen.

Einen Unterschied macht übrigens, ob man in der italienischen oder französischen Schweiz wohnt. Man sieht in der Architektur den Einfluss von Frankreich und Italien. Traumhaft sind ganz besonders Montreux am Lac de Genève und Ascona am Lago Maggiore.

Spiez am Thunersee. Sieht aus wie eine Salzkammergut-Villa, oder?
Mediterran sieht es dann in der Südschweiz, im italienischsprachigen Tessin, dem Ticino, aus.
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Chalets im Kanton Bern. Sie erinnern mich stark an die alten Bauernhäuser im Salzburger Freilichtmuseum.

Kleidungsstil

Durch die großen Ketten und internationalen Marken ist kein Unterschied zwischen den Bewohnern diverser europäischer Städte erkennbar. H&M sowie Zara und C&A gibt es einfach überall. Was auffällt, sind die vielen gut gekleideten Menschen in Zürich. Man erkennt den maßgeschneiderten Anzug, das Kleid von Trois Pommes und die Louboutins. Preppy-british-österreichisch ist hier allerdings kaum jemand gekleidet. Den Schweizern gefällt dieser klassische Stil aber und man ist mit Gehrock, einer trachtigen Bluse oder Barbourjacke immer gut angezogen. Das typisch österreichische Dirndl gehört für mich übrigens ausschließlich nach Österreich. In der Schweiz sind die Trachten im Alltag nicht mehr anzutreffen, sondern werden ausschließlich zu eidgenössischen Festen usw. getragen.

Politik in der Schweiz

Die Schweiz hat eine freiheitliche, basisdemokratische und föderalistische Tradition. Ihr Status als neutraler und mehrsprachiger „Kleinstaat“ ist ein Alleinstellungsmerkmal in Europa.

Nun ist es nicht so, dass die nationale Identität wie in den meisten anderen Ländern auf einer gemeinsamen Sprache und Kultur aufbaut. Mit den vier verschiedenen Sprachgruppen und den damit einhergehenden kulturellen Unterschieden wäre das auch nicht recht gut möglich. Nein, die Schweiz versteht sich selbst als Willensnation. Neben dem freiheitlichen Gedanken und den Volksrechten (Stichwort Direkte Demokratie) zählt auch die gemeinsame Geschichte.

Die Schweizer sind zu Recht stolz auf ihr politisches System, bei dem sie über Initiativen und Referenden direkten Einfluss auf die Regierungstätigkeit nehmen und somit ihren Willen kundtun können. Obrigkeitshörigkeit und Untertanenmentalität sind Fremdwörter für Schweizer, was auch schon ihre Geschichte beweist.

Sie sind und waren schon immer ein „Sonderfall“ mitten in Europa und machen quasi „ihr eigenes Ding“. Seit dem Wiener Kongress 1814/1815 lautet die Devise der Schweiz: Neutralität – selbstgewählt, dauernd und bewaffnet. Ein Beitritt zur Nato würde dem widersprechen und ist daher ausgeschlossen. Außerdem ist die „Confoederatio Helvetica“ weder EU- noch EWR-Mitglied.

Außenpolitisch bietet sich die Schweiz immer wieder als Vermittlerin an und stellt Konfliktparteien einen Verhandlungsort auf ihrem Territorium zur Verfügung.

Die Schweiz und ihre Kantone
Die 26 Kantone der Schweiz. Als sogenannte Urkantone zählen Schwyz, Uri und Nidwalden. Die Landessprachen der Schweiz sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.

Die Schweiz und die Ausländer

Als ich vor fast 15 Jahren in die Schweiz gezogen bin, gab es ein Ranking der beliebtesten Ausländer. Die Österreicher waren an erster Stelle. Der letzte Platz (wer kann es erraten?) hat sich vermutlich im Lauf der letzten Jahre geändert. Dass die Österreicher aber noch immer so beliebt sind wie damals, kann ich bestätigen. Der Schweizer kennt und bewundert Salzburg sehr, Wien ein bisschen, Innsbruck schon wieder mehr und das Salzkammergut fast so wie Salzburg. Das österreichische Hochdeutsch wird sofort erkannt und als sehr charmant empfunden.

Wichtig für ein angenehmes Leben in der Schweiz ist die erfolgreiche Integration, die hier keine Hol-, sondern eine Bringschuld ist. Österreicher haben hiermit in der Regel keine Probleme. Die Schweiz erwartet viel, was auch gut so ist! Sie hat im Gegenzug aber auch sehr viel zu bieten. Nämlich ein schönes, sicheres Land im Herzen Europas mit ausgezeichneter Lebensqualität.

Schweizerdeutsch sprechen

Essentiell erscheint mir für Ausländer das Verstehen des Schweizerdeutschen. Das mag in den ersten Monaten sogar für jemanden mit deutscher Muttersprache schwierig zu sein, aber da muss man durch! Die Schweizer sind allerdings ein sehr höfliches Volk, wie ich oben schon erwähnt habe. Vor jedem Gespräch, auch nach 15 Jahren, wird abgeklärt, ob man Mundart versteht. Auch wenn man die Person schon 15 Jahre kennt! Wenn man versichert, Schweizerdeutsch sei kein Problem, wechseln sie trotzdem oft automatisch ins Hochdeutsche. Wenn man dann eines Tages nicht mehr gefragt wird, sondern das Gegenüber munter Züridüütsch losplaudert, weiß man etwas ganz genau! Jetzt gehört man wirklich dazu!

Anders ist das allerdings beim Sprechen des Schweizerdeutschen. Für alle, die schon in der Schulzeit in die Schweiz kommen oder hier geboren sind, gilt: bitte Mundart sprechen. Beim Erwachsenen kommt es drauf an, ob er deutschsprachig ist oder nicht. Franzosen, Argentinier, Schweden können gern Schweizerdeutsch sprechen. Aber: Es wirkt oft despektierlich und ist nicht überall gern gesehen, wenn Österreicher oder Deutsche versuchen, sich den Dialekt anzueignen. Das ist nämlich in etwa so authentisch wie die Hamburgerin, die versucht, Tirolerisch zu parlieren und das noch in Tracht.

Einen Sonderfall stellen sicherlich die vielen Expats, die es besonders in Zürich und den Gemeinden am oberen Zürichsee gibt, dar. Alle Einheimischen sind froh, endlich ihr Schulenglisch anwenden zu können. Daraus folgt, dass die Motivation der Expats, Deutsch zu lernen, nicht ganz so groß ist. Man sieht es ihnen nach. Die Schweizer sprechen übrigens ein ausgezeichnetes Englisch, wenn auch meist amerikanisch und nicht britisch geprägt. Das Hochdeutsch der Schweizer orientiert sich am Bundesdeutschen, jedoch nicht am österreichischen Hochdeutsch. Ich könnt euch vorstellen, dass ich hier mit der Umerziehung der Nachbarn schwer beschäftigt bin.

Der Rhein in Basel – Grenzgebiet Schweiz, Deutschland und Frankreich.

Fazit einer Österreicherin

Die Schweiz ist ein großartiges Land mit freiheitsliebenden und selbstbestimmten Einwohnern. Natürlich ist auch in der Schweiz nicht alles Gold, was glänzt und neben den allseits bekannten Luxusuhren-Marken wie Breitling, Chopard und IWC gibt es auch die bunten Modelle von Swatch.

Man muss die Schweiz einfach mögen. Wie ich auch im About meiner Webseite verrate, schlagen in mir zwei Herzen: ein für Zürich und eins für Salzburg.

Ich hoffe, euch hat dieser kleine Schweiz – Überblick gefallen. Ein Artikel speziell über Zürich inklusive einer kleinen Einführung ins Züridüütsch ist auch bereits in Planung!

4 Kommentare

Verena 22. Mai 2021 - 09:22

Liebe Claire,

ich möchte Dir hiermit ein großes Lob für Deinen sehr ausführlichen und schön geschriebenen Artikel zum Thema Schweiz aussprechen – sehr informativ und unterhaltsam geschrieben Ich persönlich kenne die Schweiz bisher lediglich von früher, wenn wir in den Süden gefahren sind. Die Landschaft, die man teilweise vom Auto aus gesehen hat, war schon sehr beeindruckend.

Sehr gut hat mir auch der kleine Einblick in das Bildungssystem gefallen. Schön, dass Du es dann scheinbar so gut angetroffen hast nach Deinem Umzug vor 15 Jahren- auch wenn ich da nicht mitreden kann, aber ich glaube es hilft, wenn man es in der neuen ‚Heimat‘ gut antrifft, wenn man schon Familie und Freunde in der alten Heimat ‚zurück lassen muss‘.

Freue mich bereits jetzt schon auf Deine nächsten Artikel. Viele Grüße und schönes Pfingstwochenende von Verena

Antworten
Countess Claire 22. Mai 2021 - 12:22

Liebe Verena,
Vielen Dank für deine netten Worte!
Das Bildungssystem ist wegen meiner Kinder für mich natürlich hochaktuell. Und ja, man lebt wunderbar in der Schweiz! Unsere vielen Salzburg-Aufenthalte dazu – die perfekte Mischung!
Liebe Grüße,
Claire

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Tobias 22. Mai 2021 - 12:15

Liebe Claire!
Welch grossartiger Artikel über die Schweiz! Ein wahres Loblied!
Sehr informativ und einige Eigenheiten hast Du sehr schön herausgearbeitet. So den Fakt, dass wir keine Hauptstadt haben. Die föderale Struktur war und ist sehr grundlegend, ist doch die Schweizerische Eidgenossenschaft ein Staatenbund, und wenn man man amtlich korrekt von Staat spricht, so meint man damit den Kanton – die Gesamtschweiz ist der Bund.“
Liebe Grüsse

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Countess Claire 22. Mai 2021 - 12:23

Lieber Tobias,
Dankeschön! Das ist ein ganz großes Kompliment und umso größer, wenn es von einem Schweizer kommt!
Liebe Grüße,
Claire

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