Die „Stay-at-Home Mum“

von Countess Claire

Vorbei sind zum Glück die Zeiten, in dem eine Ehefrau sich damit begnügte, ihrem Ehemann einen perfekten Haushalt zu führen. Ihn widerspruchslos als Chef akzeptierte und sich in ihrem Wirkungskreis auf ihre Kinder beschränkt hat.

Stay-at-home Mum – Familienmanagerin und Organisationstalent

Moderne Stay-at-home Mums verstehen sich als als Familienmanagerinnen. Meisterinnen der Organisation und Logistik. Sie koordinieren die Besuche beim Kieferorthopäden mit den Ballettstunden und dem Geigenunterricht. Die Elternabende, Termine in der Autowerkstatt oder beim Tierarzt. Daneben führen sie den Haushalt. Sie kochen, machen den school-run und putzen das Haus. Beziehungsweise wählen sie aus unzähligen ungeeigneten Putzfrauen-Bewerberinnen noch die am wenigsten schlechte aus (lest hier: Claires Bibliothek: Gutes Personal ist schwer zu finden).

Spätestens ab dem dritten Kind wird sich jede Mama eines eingestehen. Die Organisation des Familienalltags wäre eigentlich ein Fulltime-Job. Aber darf man denn überhaupt Nur-Hausfrau und Mama sein?

Stay-at-home mumDoris-Day-Idylle: Frisch gebügelte, farblich abgestimmte Geschirrtücher

Vorurteile über Vorurteile

Der Emanzipation haben wir es zu verdanken, dass heutzutage Frauen im Berufsleben die gleichen Chancen haben wie ihre männlichen Kollegen. Zumindest der Theorie nach.

Und trotzdem entscheiden sich immer mehr Mütter, zuhause beim Nachwuchs zu bleiben. Nicht ganz von der Hand zu weisen ist die Frage, „Habe ich ein Baby bekommen, um es so schnell wie möglich in die Ganztagsbetreuung zu geben?“. Und genau dieses vermeintlich konservative, reaktionäre Denken ärgert die Feministin von heute. Frauen könnten endlich alles haben. Trotzdem gäbe es unterbelichtete Heimchen am Herd, die nur daheim bleiben und Kinder erziehen wollen.

Ein Artikel im New York Times Magazine, der die sogenannten „retro wives“ beschrieb, sorgte für bösartige Kommentare. Nur intellektuell benachteiligte Frauen blieben daheim bei den Kindern. Die intelligenteren hingegen würden sich jedoch zuhause langweilen. Welche normal denkende Frau wolle schon zurück zur vermeintlichen Doris-Day-Idylle der Fünfzigerjahre?

In welchen Familien gibt es Stay-at-Home Mums?

Dieses Klischee ist natürlich in keinster Weise haltbar. Auch und vor allem Akademikerinnen schätzen die Jahre, in denen sie eine Karrierepause eingelegt haben. Dadurch konnten sie sich voll und ganz auf den Nachwuchs zu konzentrieren. Gutsituierte Familien, in denen ein zweites Einkommen nicht relevant ist, haben sicherlich öfters eine Stay-at-Home Mum als das schlecht verdienende Paar, das gerade so über die Runden kommt.

Allerdings entscheiden sich auch ganz durchschnittliche Familien für ein Modell, das in der heutigen Gesellschaft nicht vorbehaltlos akzeptiert ist. Warum eigentlich?

Wenn man mit jungen Müttern spricht, hört man eins immer wieder. Die Umgebung nimmt es erstaunlich negativ auf, dass man nicht arbeite. Wann das Kleine alt genug für die Krippe wäre? Wann man endlich wieder in seinen Job zurück gehe? Die entsprechende Impertinenz der gestressten Fragestellerinnen natürlich inklusive.

Neue Chancen

Selbstverständlich ist das Risiko eines Karriereeinbruchs oder -endes gegeben, ist man zu lang „weg vom Fenster“. Einer der Hauptgründe übrigens, warum Frauen nach der Geburt so schnell wie möglich wieder in ihren angestammten Beruf zurück wollen.

Nicht selten jedoch eröffnen sich für Vollzeitmütter neben oder nach der Kindererziehung allerdings neue Karrierechancen. So gründeten Stay-at-Home Mums  schon erfolgreiche Unternehmen vom heimischen Wohnzimmer aus. Start-ups in den verschiedensten Bereichen wurden aufgebaut, Bücher geschrieben und Blogs verfasst. Besonders bei Besserverdienern beliebt ist das Etablieren eines eigenen Mode- oder Schmucklabels. Ehrenamtliches Engagement in diversen Charities ist ebenfalls immer ein typisches Betätigungsfeld für Frauen, die sich gegen ein klassisches Berufsleben entscheiden haben. Ohne nun wieder ein Klischee bedienen zu wollen…

Die Jahre, die man sich vollumfänglich seinen Kindern widmen kann, sind schließlich ein wunderbares Geschenk. Und sicher nicht nur für mich gilt: Ich habe den schönsten Job der Welt. Langeweile – was ist das?

Liebe Leserinnen, welche Erfahrungen habt ihr diesbezüglich gemacht?

4 Kommentare

Bianca 27. August 2019 - 19:02

Ich müsste als Gleichstellungsbeauftragte die Auffassung vertreten, dass Frauen unbedingt arbeiten und ihre Karriere weiterverfolgen müssen. Doch für mich bedeutet Gleichstellung auch die wundervolle Möglichkeit, dass Frauen und vor allem Mütter frei über ihr Leben entscheiden können. Manche sehen in der Familie ihre Erfüllung, andere in ihrer beruflichen Karriere. Das ist doch toll. Die Möglichkeit, die Wahl zu haben. Meine älteren Amtskolleginnen sehen das gänzlich anders, jede Hausfrau ist für sie ein Rückschritt. Doch ich denke, so langsam findet ein Umdenken statt. Denn anstatt sich gegenseitig deshalb die Augen auszuhacken, sollten wir Mütter doch mehr zusammenhalten.
Liebe Grüße, Bianca
http://ladyandmum.blogspot.de

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Andrea 27. August 2019 - 19:13

Liebe Claire,

Den Druck, relativ bald nach Geburt eines Kindes arbeiten zu gehen, empfinde ich hier als sehr hoch. Höher als z.B. in Österreich, wo schon die Elternzeit alleine ganz andere Rahmenbedingungen bietet. Bei vielen Frauen – ich kenne einige Ärztinnen in meinem Freundeskreis – ist es beruflich gesehen fast unmöglich bis sehr schwer, eine komplette mehrjährige „Pause“ einzulegen. So entscheiden sich viele für den Mittelweg – und arbeiten zu 60 oder 70 Prozent.

Egal wie sich eine Frau auch entscheiden mag – wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Oft erkennt man erst auch auf zweiten Blick die wahren Hintergründe, warum eine Mutter nicht arbeitet/arbeitet.

Ich schätze mich sehr glücklich, im Unternehmen meines Mannes mitzuarbeiten und viele Arbeiten von zuhause aus zu erledigen – bei freier Zeiteinteilung. So stimmt es für mich und auch meine Familie.

Letzten Endes hängt es auch vom Umfeld ab – sind rüstige Großeltern in der näheren Umgebung, so hat man auch hier oft mehr Spielraum. Als gebürtige Österreicherin hatte ich diesen „Luxus“ nie – auch aus diesem Grund ist unsere Lösung so perfekt: ist ein Kind mal krank, wird die Arbeit auf morgen verschoben.

Liebe Grüße!

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Karin 28. August 2019 - 09:33

Ich habe meine Zeit als Stay-at-home-mum sehr genossen und musste mich auch nie rechtfertigen. Mein damaliger Mann war oft beruflich unterwegs, Familie war weit weg oder nicht einsetzbar und langweilig wird es mir generell nicht. Schwierig wurde es, als der Vater der Kinder auf einmal weg war. Es interessiert auf dem Arbeitsmarkt leider niemanden, ob man vor 10 Jahren einen tollen und gutbezahlten Job hatte. Ich habe meistens noch nicht mal eine Absage auf meine Bewerbungen bekommen. Inzwischen habe ich einige Arbeitsmodelle durch und mache zur Zeit einen zwar unterbezahlten aber interessanten 80% Job (2 Tage Büro, 2 Tage Homeoffice) bei einem extrem toleranten Arbeitgeber (was bei drei Kinder leider Voraussetzung ist).
Mein Fazit: Entweder man setzt als Mutter nur kurz aus (was bei mehreren Kindern schon schwierig ist), macht sich selbstständig (was schwierig und auch nicht jedermanns Sache ist) oder sucht sich von Anfang an einen familienkompatiblen Job (was gäbe ich drum, Lehrerin zu sein).
Liebe Grüße aus Köln

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Elena 29. August 2019 - 08:22

Ich habe es eher andersherum erlebt. Ich gehe nach 3 Monaten wieder ins Studium und mein Mann bleibt bei unserer Tochter. Ich muss mich klingt wieder rechtfertigen, dass ich kurz vor dem Examen nicht noch ein Urlaubssemester nehme, ein Kind müde schließlich bei der Mutter sein. – Mir scheint, dass das noch so sehr in den Köpfen verankert ist, dass jedes davon abweichende Modell gleich schlecht ist.
Schade, dass die Gesellschaft da nicht toleranter sein kann – übrigens in jede Richtung. Eine Mutter weiß am besten, was gut für ihre Familie ist.

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