Ein Besuch in der Kaiservilla in Bad Ischl

von Countess Claire

Zeit für einen Besuch in der Kaiservilla!

Am 18. August 2021, dem 191. Geburtstag von Kaiser Franz Joseph I, durfte ich mit meiner Familie einen wunderschönen Tag im zauberhaften Bad Ischl verbringen. Rund um dieses Datum steht Bad Ischl ganz im Zeichen des Geburtstages vom Kaiser. Aus diesem Anlass finden in der Kaiserstadt zahlreiche Festivitäten statt. Der Höhepunkt ist sicherlich das feierliche Hochamt in der Pfarrkirche St. Nikolaus. Die Messe findet in Anwesenheit der Familie Habsburg statt und wird begleitet von Anton Bruckners Kaiser-Jubiläums-0rgel. Vertreter der alten kaiserlichen Regimenter in historischen Uniformen senken die Fahnen zur Heiligen Handlung, und man singt die Kaiserhymne „Gott erhalte“.

Bevor ich euch, liebe Leserinnen und Leser, mitnehme auf einen Spaziergang durch die Kaiservilla, möchte ich euch noch teilhaben lassen am kleinen Interview, das ich mit Dipl. Ing. Valentin Salvator Markus Habsburg-Lothringen und seiner Frau, Dipl. Ing. Christine Habsburg-Lothringen geführt habe. Zwei der drei Kinder waren anwesend, die Kleinste erst fünf Wochen alt! Dazu noch meine eigenen Kinder – es ging also ein bisschen turbulent zu.

Die Kaiservilla in Bad Ischl – ehemalige Sommerresidenz der kaiserlichen Familie

Grüß Gott Frau Habsburg! Vielen Dank, dass Sie sich für unser Gespräch Zeit nehmen. Wir stehen jetzt vor der wunderschönen Kaiservilla, dem Hochzeitsgeschenk von Erzherzogin Sophie an Franz Joseph und Elisabeth. Welcher Raum ist für Sie denn der persönlichste und welcher Bedeutung hat er für Sie?

Christine Habsburg: Im öffentlich zugänglichen Bereich wären das zum Einen der Graue Salon, der auch der größte Raum der Kaiservilla ist, weil man einen wunderschönen Blick auf den Park hat. Man holt sich gewissermaßen in Anlehnung an der Biedermeierstil die Natur herein. Zum Anderen wäre das das sogenannte Pferdezimmer. Hier gibt es viele Gemälde, auf denen alle Lieblingspferde der Kaiserin verewigt sind. 

Der Kaiser und seine Familie werden auch seit der Abschaffung der Monarchie noch immer sehr verehrt. Manche sehnen die Monarchie wieder herbei. Warum, glauben Sie, wünschen sich viele die „alten Zeiten“ zurück? Ein verklärter Blick in die Vergangenheit?

Mit Valentin und Christine Habsburg-Lothringen

Valentin Habsburg: Die damalige Zeit war eine Ära des wirtschaftlichen und sozialen Aufschwungs. Es gab unglaublich viele neue Erfindungen. Wissenschaftler hatten zum Teil sogar schon Bedenken, sie würden arbeitslos werden, weil so viel erfunden wurde und sie dachten, es gäbe nichts Neues mehr zu erforschen. Damals wurde auch bereits die ganze Kaiservilla elektrifiziert. So denke ich, wurde die damalige Zeit später wieder herbeigesehnt, weil die nächsten Jahrzehnte sehr schwierig waren.

Als Familie sind Sie nicht nur Nachfahre, sondern ebenfalls Bewahrer von Tradition und stehen damit in der Öffentlichkeit. Ist das eine dankbare Aufgabe oder auch manchmal einfach nur harte Arbeit?

Valentin Habsburg: Die Frage mir noch gar nicht gestellt. Mit dieser Verantwortung bin ich groß geworden und sie ist selbstverständlich für mich! Ich habe Freude daran, die alten Dinge zu bewahren.

Welche Bedeutung hatte die Kaiservilla für den Kaiser? War es ein Zufluchtsort vor Wien und dem Protokoll?

Valentin Habsburg: Für den Kaiser war sie quasi seine zweite Heimat Schon als Kind war er mit dem Salzkammergut und speziell mit Ischl (das „Bad“ kam erst später dazu) sehr verbunden. Außerdem bot sich hier die Möglichkeit, direkten Kontakt mit der Bevölkerung zu knüpfen. Ein weiterer Punkt war natürlich, dass er der Jagd sehr verbunden war. 

Ähnlich wird es mit seiner Frau der Fall gewesen sein. Ischl und die Kaiservilla waren ganz klar ein Gebiet, wo sie mehr Freiheiten hatte – vielleicht ähnlich denen, die sie aus ihrer Kindheit im Schloss Possenhofen als Tochter vom Wittelsbacher Herzog Max in Bayern hatte.

Vielen Dank für das sehr interessante und angenehme Gespräch!

Und nun kommt mit in die Kaiservilla!

Die Baugeschichte

Anlässlich der Hochzeit von Franz Joseph I mit der bayrischen Prinzessin Elisabeth schenkte die Mutter des Kaisers dem jungen Paar eine hübsche Biedermeiervilla zur Hochzeit. 1850 war die damalige Villa Eltz erbaut worden, drei Jahre später kaufte sie Erzherzogin Sophie als Sommerresidenz für ihren Sohn und ihre Schwiegertochter, die zugleich ihre Nichte war.

Schon im Jahr 1854 empfing der Kaiser seinen ersten Besucher, nämlich König Ferdinand von Portugal, obwohl die Villa noch nicht fertig adaptiert war. Es fanden weiterhin Umbauarbeiten statt – sollte die Villa doch auch Repräsentationszwecken für das Staatsoberhaupt genügen und nicht nur privater Rückzugsort sein. Der Landsitz bekam Anbauten. Die jetzige Grundform des Gebäudes, ein „E“, deutet auf „Elisabeth“ hin. Wahrscheinlich ist dies eine Hommage an die Frau, von der Franz Joseph, als ihm ihre Todesnachricht überbracht worden war, sagte, „Sie ahnen nicht, wie sehr ich diese Frau geliebt habe“.

Weitere Bauarbeiten

Der elegante Springbrunnen vor der Villa

Die Bauarbeiten an der Sommerresidenz dauerten lange. Im Winter konnte wegen heftigen Schneefalls oft nicht gearbeitet werden, im Sommer musste man auf den Kaiser Rücksicht nehmen. Schließlich hätte er nicht auf einer halben Baustelle Staatsbesuche empfangen können!

Im Laufe der Zeit wurde die Kaiservilla endlich vollendet, man baute Verwaltungsgebäude und Küchen, Stallungen, die Wagenremise, Personalunterkünfte, Werkstätten und Glashäuser. Außerdem stellte man den Park mit seinem reichen Baumbestand, diverse Pavillons und Kaiserin Elisabeths Cottage, ein hübsches Privatschlösschen aus rosa-grauem Marmor, fertig. Es sollte als Aufenthaltsort für den Tag dienen, ein Spiel- und Teehaus sozusagen – es gab darin keine Schlafzimmer. Im 20. Jahrhundert ging man dazu über, das Cottage „Marmorschlössl“ zu nennen. Noch Elisabeths Kinder und Enkelkinder erlebten dort fröhliche Stunden.

Modernisierungen in der Kaiservilla

Später vergrößerte man den Grundbesitz noch um den Jainzenberg und das Jainzental. 1879 installierte man Telefone und 1890 wurde die Kaiservilla elektrifiziert, immerhin schon elf Jahre vor Schloss Schönbrunn!

Man errichtete eine Bogenbrücke aus Stahl, die über den Fluss Ischl führt und die Auffahrt zur Kaiservilla bildet, den eleganten Springbrunnen und endlich bekam die ursprünglich biedermeierliche rosa Villa Eltz ihren richtigen Anstrich: Schönbrunnergelb wie die traditionellen Habsburger-Schlösser.

Franz Joseph I verbrachte 82 Sommer seines Lebens in Ischl, davon 60 Jahre in der Kaiservilla, Elisabeth immerhin 40 Sommer. Und natürlich kamen aus Wien auch viele andere Familienmitglieder zur traditionellen Sommerfrische angereist. Das war umso einfacher, als es nach 1877 eine direkte Eisenbahnverbindung gab.

Sommerresidenz

Obwohl die kaiserliche Sommerfrische in manchen Jahren durch Kriege oder andere traurige Umstände unterbrochen war, kann man sagen, dass Kaiser Franz Joseph I den Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn im Sommer stets von seinem Arbeitszimmer in der Kaiservilla aus regierte.

Nach dem Attentat in Sarajewo am 28. Juni 1914 auf Franz Josephs Neffen, den Thronfolger Franz Ferdinand, bei dem dieser und seine Frau erschossen wurden, stellte der Kaiser Serbien ein Ultimatum. Nach dem Ablauf desselben brach man die diplomatischen Beziehungen ab. Schließlich unterzeichnete Franz Joseph die Kriegserklärung an Serbien. Ursprünglich als lokaler Konflikt gedacht, eskalierte er schon bald zum Ersten Weltkrieg. Ein Faksimile des Manifests „An meine Völker“, in dem er die Gründe für die Kriegserklärung darlegte, liegt noch heute auf seinem Schreibtisch in der Kaiservilla – unverändert seit damals. Am 30. Juli 1914 reiste er ab und kehrte nie mehr in sein „liebes Ischl“ zurück.

Bad Ischl – Salzkammergut-Metropole

Wo soll man anfangen, wenn es um Bad Ischl geht? In der beschaulichen Salzkammergut-Metropole – die Gmundner lesen da einfach drüber – ist alles zuckersüß und hübsch.

Im Jahr 1821 besuchte der Wiener Arzt Dr. Franz Wirer Ischl und führte die Kurerfolge von Solebädern, die schon der Salinenarzt Josef Götz erkannt hatte, weiter. Der Siegeszug von Ischl (das „Bad“ kam tatsächlich erst 1906 dazu) als Kurort ersten Ranges, in dem gekrönte Häupter, der Adel und Künstler zur Sommerfrische niederließen, begann unmittelbar danach. Es kamen so viele Kurgäste, dass die Sole-Badestube bald erweitert werden musste.

Heute ist das Zentrum des oberösterreichischen Salzkammerguts an der Traun mit ungefähr 14 000 Einwohnern schon lange eine Stadt. Wie ich zuerst schon erwähnt habe, war Ischl bzw. das Salzkammergut Sommerdomizil etlicher Künstler. So ließen sich viele Komponisten, zum Beispiel Johann Strauss, Franz Lehár und Johannes Brahms in Ischl nieder. Während der Sommerzeit werden im Ischler Kurhaus Operettenwochen (Lehár Festival Bad Ischl) veranstaltet. Die entzückenden Operetten kann ich euch sehr ans Herz legen!

Tipps für euren Besuch

Probiert unbedingt den Zaunerstollen!

Besucht man die Kaiserstadt, darf auf keinen Fall ein Besuch der Konditorei Zauner fehlen. Der ehemalige k. und k. Hofzuckerbäcker kreiert die exquisitesten Köstlichkeiten. Auch wenn man auf Dauerdiät ist – hier lohnt sich eine Sünde definitiv! Im Jahr 1803 holte oben genannter Dr. Wirer den Wiener Zuckerbäcker Johann Zauner nach Ischl, um eine Konditorei zu eröffnen. Die feinen Herrschaften waren in Ischl ja hauptsächlich wegen der Gesundheit, da musste man mit Zuckerwerk ein bisschen Ausgleich schaffen. Und natürlich galt es auch als besonders chic, sich dort aufzuhalten, wo auch die Kaiserfamilie den Sommer verbrachte.

Was kann ich euch noch in Bad Ischl empfehlen? Ganz klar einen Besuch der Lehár-Villa. Der österreichisch-ungarische Operettenkomponist legte testamentarisch fest, dass das Anwesen als Museum benutzt werden darf. Die Räumlichkeiten sind sehr behaglich eingerichtet, fast könnte man einziehen!

Wer Kuranwendungen liebt, ist in der Eurotherme Bad Ischl gut aufgehoben. Solebäder, Solegrotten, Gradierwerk, Sauna, Dampfbäder – kurzum Wellness pur ist das Motto der ehemaligen Landeskuranstalt. Da in Bad Ischl alles „Kaiser“ ist, erkannte man endlich die Notwendigkeit, diese Kuranstalt in Kaisertherme umzubenennen. 2008 wurde das Haus allerdings unter einem neuen Eigentümer neu eröffnet – auch wenn’s jetzt ganz banal Eurotherme statt Kaisertherme heißt, schön ist’s trotzdem!

Traditionsvereine an Kaisers Geburtstag

Die Kaiservilla heute

Ein Pflichttermin in Bad Ischl ist selbstverständlich der Besuch der Kaiservilla. Besonders schön ist es natürlich zu den Kaisertagen zw. dem Kaiserfest in Bad Ischl. Man feiert des Kaisers Geburtstag in Ischl im August und schon befindet man sich auf einer Reise in die gute alte Kaiserzeit. Bezaubernd!

Die Villa, einst privat gekauft von Erzherzogin Sophie, war immer schon Privateigentum der Familie. Kaiser Franz Joseph I vererbte die Villa an seine jüngste Tochter Marie Valerie. Die Erzherzogin lernte auf einem Ball ihren Cousin 3. Grades, den Habsburger Franz Salvator aus der Linie Österreich-Toskana kennen und heiratete ihn. So blieb die Kaiservilla bis heute in der erzherzöglichen Familie, die den Trakt Elisabeths bewohnt.

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