Frage an Claire: Fremde Kinder maßregeln?

von Countess Claire

In der Rubrik „Frage an Claire“ könnt ihr mir jederzeit Mode-, Stil- oder Kniggefragen stellen, die ich gern beantworten möchte, hier geht’s lang! Eine liebe Leserin stellt mir heute die Frage, ob man fremde Kinder maßregeln darf.

Liebe Claire

Ich habe eine Cousine, die vor vier Jahren eine Tochter bekommen hat. Sie ist zuckersüss, aber leider überhaupt nicht erzogen.

Eigentlich ist das nicht mein Problem resp. mische ich mich ja nicht in die Erziehung anderer ein. Leider ist es aber so, dass ich meine Cousine und ihren Mann nicht mehr zu uns einladen mag. Wir waren öfters bei Ihnen zum Essen eingeladen und es war nett, aber mit dem Kind leider sehr anstrengend, da es ständig über den Tisch läuft und auf 180 ist. Sie versuchen, das Kind oft mit Süssigkeiten still zu bekommen, jedoch schläft die Kleine dann nicht vor Mitternacht ein und ist erst Recht aufgedreht.

Mein Problem ist nun, dass wenn wir Sie einladen (oder Sie zum Spontanbesuch vorbeikommen), das Kind bei uns Sachen kaputt macht. Das Sofa ist sowieso immer verdreckt und ich darf dann alles reinigen, aber das ist noch das Eine. Was ich allerdings nicht verstehe ist, wie das Kind jedes mal etwas kaputt macht und die Eltern nicht einmal anbieten, die Sachen zu ersetzen? Sie lächeln es einfach weg und sagen nichts. Für mich ein absolutes No Go und auch der Grund, wieso ich Sie nicht mehr zu uns nachhause einladen möchte.

Meinst du, ich sollte meine Cousine darauf ansprechen? Ich weiss, dass schon andere Verwandte das Thema leicht angestupst haben und Sie sich echauffiert hat. 

Herzlichen Dank für deine Rückmeldung und liebe Grüsse
Eine langjährige Leserin

Fremde Kinder maßregeln
Was tun, wenn Kinder, die zu Besuch kommen, nicht immer so brav und wohlerzogen sind wie dieses Mädchen hier?

Liebe langjährige Leserin,

Vielen Dank für deine Anfrage! Ich glaube, beinahe jeder kann sich in die Situation, die du schilderst, hineinversetzen. Ein trefflicher Anlass, um sich wieder einmal mit Knigge und Benehmen auseinanderzusetzen!

Darf man fremde Kinder maßregeln?

Nur allzu gut kann ich deine Schilderung nachvollziehen, zu oft habe ich so etwas Ähnliches schon selbst erlebt. Ich kenne beide Situationen: Als Gast, der sich von ungezogenen Kindern gestört fühlt, habe ich mir schon so manches Mal nichts mehr gewünscht, als möglichst schnell das Weite suchen zu können. Aber ich kenne das auch aus der Sicht der Mutter. Meine Kinder sind zwar gut erzogen, schlagen jedoch dennoch ab und zu mal über die Stränge, was sicherlich unerfreulich, aber doch ganz normal ist. Und ja, es ist mir ebenso nicht unbekannt, dass fremde Kinder bei mir etwas kaputt machen. Und wenn meine Kleinen selbst die Übeltäter sind, ist die Freude natürlich auch nicht besonders groß.

Gleich vorweg: Darf man fremde Kinder maßregeln, wenn ihr Benehmen zu wünschen übrig lässt? Nein! Grundsätzlich sollte man sich mit dem Ausschimpfen fremder Kinder besser zurückhalten. Zum Einen ist es Sache der Eltern, ihren Nachwuchs zu erziehen und gegebenenfalls in die Schranken zu verweisen. Zum Anderen wird jede Mutter, deren Kind von Fremden gescholten wird, auf die Barrikaden gehen – und zwar völlig unabhängig davon, ob es sich wirklich oder nur gefühlt schlecht benommen hat.

Ausnahmen

Davon kann man aber Ausnahmen gelten lassen: 1. Das fremde Kind attackiert die eigenen Kinder. Und damit meine ich nicht harmlose Streitereien oder auch mal eine Rauferei, sondern wirklich böswilliges Verhalten. 2. Der Hund wird geärgert. Das ist ebenso indiskutabel und kann auch böse ausgehen, wenn der Hund sich angegriffen fühlt. Also besser gleich einschreiten. Gut, ich selbst habe keinen Hund, sondern eine Katze, was zwar weniger gefährlich, aber hier ist das Piesacken genauso inakzeptabel. 3. Mutwillig wird etwas zerstört, etwa indem ein Kind (vermutlich eher ein Teenager) glaubt, sich mit dem Steakmesser in der Tischplatte verewigen u müssen.

Ansonsten: Niemals fremde Kinder maßregeln!

Also, liebe langjährige Leserin, wenn sich die Nichte 2. Grades mal wieder von ihrer „besten“ Seite zeigt, würde ich dir raten, deinem Unmut trotzdem nicht allzu lautstark Ausdruck zu verleihen. Ich weiß, wie schwierig das ist, und ein „Hör‘ endlich auf, das Sofa mit dem Trampolin zu verwechseln!“ ist sicherlich gerade noch angemessen, wenn die Eltern denn überhaupt nicht reagieren. Man will ja schließlich auch der Verletzungsgefahr vorbeugen.

Nachträglich möchte ich noch anmerken, dass man immer eingreifen sollte, wenn man sieht dass fremde Kinder sich selbst oder jemand anderen gefährden oder Eigentum absichtlich zerstören! Das ist selbstverständlich! Courage und der Hausverstand! Meine obigen Ausführungen beziehen sich rein auf das private Setting bei einem Besuch!

Aber gute Freundschaften und familiärer Zusammenhalt sind so kostbare Dinge, die man nicht leichtfertig wegen Meinungsverschiedenheiten in der Kindererziehung aufs Spiel setzen sollte.

In deinem konkreten Fall wird es nicht sinnvoll sein, deine Cousine mit deinem Ärger zu konfrontieren, zumal du ja schreibst, dass andere Verwandte das Thema schon angestoßen haben, sie sich aber uneinsichtig zeigte. Das würde dann wohl eher in der Kategorie „Vergebene Liebesmüh“ einzureihen sein.

Ideen für ein angenehmes Treffen

Es gibt jedoch durchaus Alternativen, wie ihr eure Treffen dennoch angenehm durchführen könnt:

  1. Ausflüge machen: Trefft euch nicht zu Hause, sondern macht eine schöne Wanderung, einen langen Spaziergang oder sonst etwas, was euch und vor allem der Kleinen zusagt. Wenn ihr am Schluss in einem Gasthaus einkehrt, ist sie hoffentlich schon etwas ausgepowert und freut sich aufs Essen. Für die Wartezeit empfehle ich Papier oder Ausmalbilder und Stifte – aber nach Möglichkeit nicht die ungespitzten alten, die schon durch Tausend Kinderhände gegangen sind, sondern eigene. Vielleicht ist sogar ein kleiner Spielplatz in Sichtweite vor dem Lokal – ideal!
  2. Lade die Cousine doch einfach allein zu dir ein! Nenne das Treffen dann Damen-Kaffeekränzchen, Champagnerpicknick oder Ladies Afternoon Tea. Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, wie grandios so etwas ist! Als Mama bin ich immer froh, wenn ich mich ungestört unterhalten kann und nicht mit einem Auge zu den Kindern schielen muss. Wenn man kleine Kinder hat, kann man sich wirklich nie voll auf etwas anderes konzentrieren. Probier‘ es aus, womöglich wird sie es lieben! Es verschafft Raum für nette Gespräche, in denen sich nicht alles um Kinder dreht. Und du musst dich nicht um deine Sofas sorgen. Wenn ihre Tochter dann etwas größer ist, wird es auch etwas leichter mit dem guten Benehmen. Meistens jedenfalls…
  3. Ihr besucht sie und nicht umgekehrt. Wenn Einladungen nicht erwidert werden, kann das natürlich unhöflich wirken. Und da empfehlen sich wiederum Punkt 1 und Punkt 2. Der Vorteil, deine Cousine mit Familie nicht bei dir zu empfangen, liegt auf der Hand: Ihr könnt gehen, sobald es zu nervtötend wird. Und da komme ich gleich zu Punkt 4!
  4. Ein Geschenk für das Lausmäderl mitbringen: Idealerweise ist das ein Bilderbuch! Wenn es aber lieber mit dem Bobbycar hupend durch das Wohnzimmer flitzt oder überhaupt nur mit Games, Tablet oder Ähnlichem „ruhigzustellen“ ist, ist das sehr bedauerlich! Schon wären wir wieder bei Punkt 1 und Punkt 2.
  5. Bring‘ deiner Cousine als Gastgeschenk das Benimmbuch für Kinder „Manners Begin at Breakfast“ von Marie Chantal von Griechenland mit. Hier am Blog habe ich es schon mal vorgestellt. Wichtig: Allerdings nur, wenn sie ein passables Englisch spricht und Humor versteht!
  6. Sobald du eigene Kinder hast, wirst du die Anwesenheit einer extra für die Kinderbetreuung abgestellten Dame zu schätzen wissen! Unsere Nanny hat schon so oft meine Dinnerparties oder Familientreffen gerettet, indem sie nicht nur meine Kleinen, sondern auch die der Gäste, beschäftigt oder auch mal mit ihnen isst. Eine Live-In Nanny ist ohnehin immer da, mit einer Live-Out Nanny kann man ein Arrangement über zusätzliche Stunden treffen. Aber einfach auch eine Babysitterin ist hilfreich! Bei Interesse empfehle ich hier meinen Artikel Frage an Claire: Nanny vs. Au-pair.

Was ist, wenn fremde Kinder etwas kaputtmachen?

Für mich ist es selbstverständlich, dass ich sofort anbiete, die Reinigungs- oder Reparaturkosten zu übernehmen bzw. die Kosten einer Neuanschaffung trage, wenn etwas kaputtgegangen ist. Dazu kommen noch Blumen, etwas Süßes und eine aufrichtiges Um-Entschuldigung-Bitten meines Nachwuchses. Wenn meine Kinder etwa bei der Urgroßtante etwas umstoßen, erwarte ich, dass sie zusätzlich einen Entschuldigungsbrief schreiben.

Aber leider ist das nicht die Norm. Zu oft habe ich das Einfach-Weglächeln schon selbst erlebt, wenn andere Kinder bei mir etwas zerstörten. Ich halte es auch hier wieder wie Marie Chantal von Griechenland: Ich reklamiere nur, wenn es sich wirklich um ein wertvolles oder Sammlerstück handelt. Alles andere erschiene mir kleinlich. Wenn mir die Übernahme der Kosten angeboten wird, lehne ich das ab, wird sie aber gar nicht erst angeboten, bin ich etwas pikiert ;-) Haftpflichtversicherungen übernehmen den Schaden meist nur kulanzhalber, da Kinder unter sieben Jahren nicht deliktfähig sind. Das klingt jetzt natürlich ein bisschen so, als ob man sich alles gefallen lassen sollte. Aber um des lieben Friedens willen würde ich persönlich eher mal ein Auge zudrücken. Und das gilt umso mehr, je mehr dir an der Freundschaft bzw. Verbindung liegt.

Meine Liebe, ich hoffe, dir sagt die eine oder andere Idee zu und du hast bald die Möglichkeit, sie umzusetzen.

Liebe Grüße,

Claire

Gespannt wäre ich, wenn ihr, liebe Leserinnen, mir verratet, wie ihr das seht: Darf man fremde Kinder maßregeln?

12 Kommentare

M. 18. Februar 2021 - 14:52

Hallo Claire,
Ich war persönlich zu Anfang etwas geschockt über die Schilderungen der Dame

Mein mittlerweile dreijähriger Sohn ist zwar auch von Natur aus ein kleiner Wildfang, aber als Eltern ist es meiner Ansicht nach unsere Aufgabe, dass man Freunde und Verwandte besuchen kann, ohne Angst zu haben, dass die Kinder das Haus auseinander nehmen. Ich könnte mittlerweile auch schon ein Buch füllen was ich da von (angeheirateten) Verwandten bzw Bekannten erlebt habe – zwar nicht ganz so heftig wie die Schilderungen der Leserin, aber aus meiner Sicht schon mehr als grenzwertig. Mein Mann und ich handhaben es daher ähnlich wie Du vorgeschlagen hast: bestimmte Verwandte bzw Bekannte nur draußen zu treffen, da wir nicht möchten, dass die z.B. Freundschaft drunter leidet, weil die Kinder unsere geliebte Hauseinrichtung nachher zerstören usw.

Wir selbst haben die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist bei Besuchen von Freunden gut ausgestattet zu sein mit Büchern, Malsachen und Kleinigkeiten zum spielen um den kleinen Mann einfach abzulenken, damit er nicht auf dumme Ideen kommt.

Bzgl des Themas andere Kinder in ihre Grenzen weisen, möchte ich noch anmerken, dass meine beiden besten Freundinnen, deren Kinder jeweils so alt wie unser Kleiner Mann ist, recht ähnlich denken und auch mal die kleinen Herrschaften in ihre Schranken weisen, wenn es nötig ist (z.b. hört auf Sachen zu schmeißen oder Euch ‚anzugrunzen‘). Ich glaube das ist aber auch nur möglich wenn man sehr gut befreundet ist und ähnlich tickt bzw pingelig ist.

Ich persönlich habe mich jedenfalls über Deinen Artikel gefreut und hoffe noch auf mehr aus der Rubrik „Die lieben Kleinen“.
Alles Liebe

M.

Antworten
Countess Claire 18. Februar 2021 - 15:10

Liebe M.,
Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Tatsächlich ist das mit dem Maßregeln fremder Kinder immer ein bisschen grenzwertig. Ich tue es wirklich ungern – das heißt aber nicht, dass ich zusehe, wie sie mein Haus verwüsten ;-) Ich finde, das ist Sache der Eltern. Eingreifen sollte man natürlich immer.
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
CM 18. Februar 2021 - 14:56

Nunja, ich sehe das in Teilen anders. Es gibt bei uns gewisse Hausregeln, und die gelten sowohl für meine Kinder als auch die, die zu Besuch kommen. Denn wie soll ich meinen noch kleinen Kindern ( 4 und 5 Jahre) erklären, dass die anderen sich nicht dran halten müssen? Was bei anderen passiert, kann ich natürlich nicht kontrollieren, da kann ich nur einschreiten, wenn es irgendwie gefährlich oder unangenehm für meine Kinder wird und die sich nicht richtig wehren können.
Ich finde es auch absolut legitim, auch ohne eigene Kinder, Besucherkindern zu sagen: „Bei mir wird nicht auf dem Sofa gesprungen“ oder „Die Schlafzimmer sind tabu“. Mein Haus, meine Regeln.
Wenn immer wieder etwas kaputt geht, ohne dass die Eltern etwas dazu sagen, denke ich doch, dass das von der Gastgeberin angesprochen werden sollte. Nur um des lieben Friedens willen nichts zu sagen, vergiftet die Beziehung allmählich von innen heraus. Dann gebe ich meine Grenzen und Regeln auf für ein scheinbar gutes Miteinander, das für mich aber nicht stimmt und in dem ich mich nicht wohl und gut fühle.

Antworten
Countess Claire 18. Februar 2021 - 15:05

Liebe Caila,
Ich verstehe deine Punkte völlig! Dinge wie „Das Schlafzimmer ist tabu“ oder Ähnliches sind ohnehin selbstverständlich und werden auch immer eingehalten.
Und natürlich ist es wichtig, zu unterscheiden, ob mal etwas kaputtgeht oder es wirklich ständig passiert. Meine persönliche Meinung ist halt, auch mal ein Auge zuzudrücken, was aber absolut nicht heißt, dass man sich auf der Nase herumtanzen lassen muss. Das soll aber jeder handhaben, wie er will.
Aber ich schwöre wirklich darauf, sich draußen zu treffen! Die Kinder verausgaben sich dann meist so, dass sie dann auch wirklich halbwegs stillsitzen können. Fremde bzw. Besucherkinder auszuschimpfen, wenn sie meine Sachen mutwillig, dh. absichtlich, zerstören, finde ich absolut legitim, wie ich oben auch geschrieben habe.
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Eva 18. Februar 2021 - 15:39

Die Freiheit des einzelnen geht so weit, dass sie die Freiheit des anderen nicht einschränkt. Frei nach Jean-Jacques Rousseau. Eine Maxime meines Lebens und Verhaltens, Dazu gehört aber auch, sich zu wehren, wenn sie eingeschränkt wird. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass man heutzutage nur auf seine eigene Freiheit pocht, die der anderen aber immer mehr vernachlässigt. Und die Wohlerzogenen sich aus lauter Rücksichtnahme nicht mehr zu wehren wagen. Die „ Freiheitsräuber“ wird das aber nicht beeindrucken, ist ja einfacher auf diese Weise. Vielleicht sehe ich es anders, weil ich einer anderen Generation angehöre, meine Tochter dürfte in Eurem Alter sein. Es ist aber traurig dabei zuzusehen, dass die Egoisten immer mehr an Boden gewinnen.

Antworten
Countess Claire 18. Februar 2021 - 16:02

Liebe Eva,

Vielen Dank für deine interessanten Worte. Grundsätzlich sehe ich deinen Punkt durchaus. Man soll sich auf jeden Fall wehren, seine Sache verteidigen. Ganz allgemein gesehen.

Mein Vorschlag zum Thema ist ja gerade, dass man es sich nicht bieten lassen muss, wenn das Besucherkind schlimm ist. Die von mir im Artikel genannten sechs Punkte haben sich bei mir immer bewährt. Und wie ich schon im Artikel geschrieben habe, finde ich es durchaus angemessen, fremde Kinder auch maßzuregeln, wenn sie mutwillig mein Eigentum zerstören.

Aber ich habe den Eindruck, dass hier in deinem Kommentar etwas ganz anderes anklingt als deine Einstellung zum doch eher harmlosen Thema „Ungezogene Besucherkinder“. Eine Grundsatzdiskussion zum Thema „Freiheitsräuber, die junge Generation als Egoisten etc.“ ist jedoch nicht das Thema meines Blogs.

Ich freue mich dennoch über deine Ansichten, denn sie regen zum Nachdenken an!

Liebe Grüße,

Claire

Antworten
Eva 19. Februar 2021 - 15:48

Liebe Claire, da habe ich mich vielleicht ein wenig missverständlich ausgedrückt. Ich wollte die Folgen aufzeigen, wenn man immer des lieben Friedens willen nachgibt. Deine Tricks gefallen mir übrigens sehr gut! Davor wäre aber zu überlegen, ob einem diese für mich rücksichtslosen Menschen die Mühe wert sind.

Antworten
Countess Claire 19. Februar 2021 - 17:30

Liebe Eva,
Das ist allerdings so! Wenn einem gar nicht viel an der Beziehung liegt, weil die Person auch sonst immer rücksichtslos ist, sieht das wirklich ganz anders aus! Schöne Ergänzung!
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Birgit K.-N. 18. Februar 2021 - 19:08

Liebe Claire,

von meiner Seite kommt heute ein ganz kleines Veto. Meine Kinder sind ja schon groß, aber auch ich habe allerhand erlebt. Und natürlich kann auch mal etwas zu Bruch gehen, wenn Kinder im Haus sind. Das ist nur menschlich. Fatal aber, wenn Kinder zu mir zu Besuch kommen und von ihren Eltern/Großeltern keinerlei Grenzen aufgewiesen bekommen, oder gar die eigenen Kinder die Großkinder einfach so laufen lassen. Da gilt auch ab einem gewissen Punkt das Hausherrinnen-Gebot. Jeder sollte sich trauen, davon Gebrauch zu machen. Freundlich und bestimmt. Dazu gehört auch, dass einige Räume für Kinder „verboten“ sind (damit der Hund dort in Sicherheit ist und das Designersofa noch lange schön bleibt) Ein „hier bitte nicht“ sollte reichen. Falls nicht, würde ich die entsprechenden Menschen wirklich ruhig darauf ansprechen, dass man in seinen eigenen vier Wänden bestimmte Standards beibehalten möchte. Immer. Schweigen ist nicht immer Gold. Leider

Anfügen möchte ich noch, dass ich eine sehr geduldiger und großherziger Mensch bin. Aber wenn z. B. neue Tapete von fremden Kindern bekritzelt wird, geht einem schon der Hut hoch… Allerdings sind altkluge, ständig redende Kinder noch viel nerviger. Da hole ich dann aber auch meine schärfsten Waffen hervor : Ironie, Sarkasmus und die rote Clownnase….

Ganz liebe Grüße‍♀️
Birgit

Antworten
Countess Claire 18. Februar 2021 - 19:18

Liebe Birgit,
Du Liebe, danke für deine Worte! Ja, ich denke wirklich, dass man fremde Kinder nicht ausschimpfen soll. Mit drei Ausnahmen: sie attackieren meine Kinder ( damit meine ich keine kleine Streiterei oder auch mal Rauferei, sondern Gröberes), wenn sie den Hund ärgern oder mein Eigentum mutwillig zerstören. Tapete bekritzeln fällt da definitiv drunter, meine ich. Aber ich würde es gar nicht so weit kommen lassen, dass sie den Stift nehmen und vor meinen Augen zu malen beginnen. Von Vornherein sollte man Grenzen aufzeigen, das ist klar, und dann allenfalls ermahnen.

Ich würde aber wohl auch die Contenance verlieren, sähe ich eine heimlich bekritzelte Tapete. Zum Glück ist das noch nie vorgekommen ;-)

Liebe Grüße,
Claire

Antworten
melanie 19. Februar 2021 - 22:07

Liebe Claire,
danke für den wunderbaren Beitrag!
Für den Fall, dass den eigenen Kindern ein Missgeschick passiert, ist eine volle Rückerstattung mit den genannten zusätzlichen Anstandsbezeugungen und einer aufrichtigen Entschuldigung auf jeden Fall unerlässlich – bis zur Volljährigkeit unserer Kinder haben wir vorsichtshalber eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, sollte tatsächlich mal was kaputtgehen.
Im Falle von „Fremdverschulden“ gilt auch für mich: „Möglichst weglächeln“. Maßregelungen sind beziehungstechnisch ein „heißes Eisen“, an das man sich in vollem Ausmaß nur wagen sollte, wenn man sicher sein kann, dass man die möglichen Konsequenzen (er)tragen kann. Deinen „Ausnahmenkatalog“ unterschreibe ich allerdings vollständig.
Was ich doch immer wieder gemacht habe war, bei Übertretungen freundlich, aber bestimmt unsere Hausregeln klar zu formulieren: wenn jemand auf dem Sofa hüpfte, oder sich mal lustig in fremden Betten versteckte, war die klare Aussage „Das machen wir hier nicht.“. Dann aber immer auch die Frage: „Schau dich mal um, womit möchtest du gerne spielen?“ Das hat meistens gut funktioniert, zumal wir auch den Vorteil eines geräumigen Spielzimmers hatten (Deckenburgen bauen, Hüpfmatratzen, Verkleidungskoffer, Bobbycars, Holzeisenbahn, Carrera-Rennbahn). Au-pair, Nanny oder Babysitter waren bei uns immer der Joker, wobei es vereinzelt nicht gerne gesehen war, wenn während des gemeinsamen Spiels „Spielregeln“ von „einer fremden Person“ vorgegeben wurden. Naja.
Was Tischmanieren anbelangt habe ich mir angewöhnt, im Vorfeld abzuchecken, was die Besucherfamilien darunter verstehen. Entsprechend richte ich dann einen „Katzentisch“ für alle Kinder ein, an dem die Gästekinder mit dem für sie gewohnten schwedischen Partygeschirr essen können und so gar nicht erst verunsichert sein müssen oder in Versuchung geraten, mit meinem Porzellan werkstofftechnische Experimente anzustellen.
Für Eltern, die diese Lösung „diskriminierend“ finden, habe ich mir für unvermeidliche Indoor-Einladungen eine doppellagige Moltonunterlage und ein naturfarbenes Tischtuch besorgt – die Möglichkeit, mit Tasse und Kaffeelöffel Muster in die Tischplatte zu stanzen, schalte ich so weitgehend aus. Ich decke dann aber auch nicht gerade Porzellan ein.
Vereinzelt wurden und werden auch präventiv einzelne Zimmer versperrt, auf Wunsch meiner eigenen Kinder auch deren Zimmer, Musikinstrumente, die bei uns normalerweise frei zugänglich im Wohnbereich stehen, werden im Schlafzimmer untergebracht. Es gibt Schäden, die kann ich nicht weglächeln und es gibt leider auch Besucher, da hilft nur vorbeugen (oder eben die Contenance verlieren). Auf die Frage nach dem „Warum“ kommt dann auch die klare Antwort: „Nach dem letzten Besuch war in den Kinderzimmern viel kaputt, darum spielen wir heute nur im Spielzimmer.“
Die Alternative war und ist, wie bei Dir und den anderen Leserinnen auch: Damenkränzchen, Familienpicknicks, Ausflüge oder Gegenbesuche mit passenden Buchgeschenken für die „lieben Kleinen“: „Wo die wilden Kerle wohnen“, „Ist pupsen peinlich?“, „Alles meins!“ u.a. Das Gute ist, dass es sich bei den eher schwierigen Besuchern nicht um Verwandte und damit nicht um regelmäßige Zusammenkünfte handelt.
Nun warte ich darauf, wie sich die zukünftigen Teenager-Partys gestalten weden …
Vielen Dank nochmal und LG, Melanie
p.s. ich hatte auch mal die Freude, einen preisgekrönten Schoßhund empfangen zu dürfen – seiner Bezeichnung gemäß hat er vom Schoß seines Frauchens aus an der Mahlzeit teilgenommen und durfte, weil er so brav war, den Teller ablecken. Die Schnauze wurde hernach mit der Stoffserviette … ich habe gelächelt, was anderes fiel mir nicht mehr ein… aber das ist vielleicht eine andere „Frage an Claire“ ;-)

Antworten
Countess Claire 20. Februar 2021 - 11:26

Liebe Melanie,

Ich danke dir für deine wundervollen Worte und die sinnvollen Ergänzungen!

Der „Katzentisch“ ist mir auch sehr vertraut. Bei unserer Großfamilie kommen zusätzlich zu kleineren Treffen auch einmal pro Jahr wirklich alle Verwandten aus Übersee nach Österreich. Da ist es dann nur logisch, dass die Großtanten und -onkeln beispielsweise an einem bzw. eher mehreren Tischen sitzen, die Cousinen und Cousins, die alle zwischen 2 und 14 sind, in einem Bereich, die Jugend von ca. 15-24 an einem anderen Tisch usw. Und zum Glück fühlt sich dann niemand diskriminiert! Pikiert wäre ich nur, wenn ich ständig als Aufpasserin an einen Kindertisch abkommandiert würde. Kommt aber zum Glück nicht vor. Und es ist natürlich nicht so, dass man am Abend auf seinem Stuhl sitzen bleibt – ein reges Treiben gehört dazu und ist lustig.

Haha, danke für die nette Anekdote mit dem Schoßhündchen! Der Hund, der hoffentlich einmal unsere Familie ergänzt, wird ein schwarzer Labrador sein. Eher kein Hündchen, das in die Handtasche passt ;-) Ich bin da immer peinlich berührt, wenn meine zwei kleinen Buben so ein Miniexemplar sehen und sich dann lautstark, dass es der Besitzer hören muss, über die Größe unterhalten. So nach dem Motto „Schau‘ Mama, der ist sogar kleiner als unsere Minki!“ (unsere Katze). Aber das ist ein anderes Thema.

Beim Klavier bin ich auch immer heikel. Ich schätze es überhaupt nicht, wenn Kinder, womöglich noch mit klebrigen Fingern, anfangen, rumzuklimpern. Und das ist sogar schon bei erwachsenen Gästen passiert. Nicht, dass sie nett am Klavier für Unterhaltung gesorgt hätten. Nein, unvermittelt wird der Deckel geöffnet, um dem Klavier ein paar dissonante Tonfolgen zu entlocken ;-) Sachen gibt’s!

Liebe Grüße,
Claire

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