Frage an Claire: Hilfe, schreckliche Nachbarn!

von Countess Claire

In der Rubrik „Frage an Claire“ könnt ihr mir jederzeit Mode-, Stil- oder Kniggefragen stellen, die ich gern beantworten möchte, hier geht’s lang! Heute möchte eine liebe Leserin via Instagram wissen, wie man mit schrecklichen Nachbarn umgehen soll.

Liebe Claire,

Wir haben wirklich schreckliche Nachbarn, ich bin schon so genervt! Sie schreien ständig über die Grundstücke hinweg, es ist kaum mehr auszuhalten.
Dabei haben wir für die Stadt echt ein großes Grundstück, aber hören alles… Sie sind auch irgendwie primitiv. Nach aussen versuchen sie, hui zu sein, kennt man sie genauer, sieht man nur pfui…
Hast Du da eine elegante Idee zur Lösung des Problems?
Ansprechen machte es nur schlimmer.

Liebe Grüsse,

Bianca Christina

schreckliche Nachbarn
Entzückend ist diese Häuserzeile in Berkeley Hills an der Pazifikküste ja anzusehen. Doch was tut man gegen schreckliche Nachbarn?

Liebe Bianca Christina,

Vielen Dank für deine Anfrage! Das Problem mit nervigen Nachbarn ist weit verbreitet – jeder fühlt sich mal gestört von zu lauter Musik, die aus der Garage nebenan dröhnt, oder von eifrigen Anwohnern, die glauben, ihren perfekten Rasen auch am Sonntag mähen zu müssen. Manchmal ist es das ständige „Eingeräuchert Werden“, wenn schon wieder gegrillt wird oder einfach nur Nachbars Paradebaum, der unglaublich viel Schatten in den eigenen Garten wirft.

Wenn man mehr oder weniger eng aneinander lebt, kann das zu großen Reibereien führen, wir wissen es alle. Und leider gibt es absolut kein Patentrezept, das eine gute Lösung des Problems garantiert.

Schreckliche Nachbarn – was tun?

Aber natürlich gibt es mehrere Ansätze, wie man an dieses Thema herangehen kann, nicht alle von gleicher Tauglichkeit.

Wegziehen

Wegziehen erscheint einem kurzfristig womöglich als die beste Strategie, aber es ist wirklich kein probates Mittel der Konfliktlösung, sondern wirft unzählige neue Probleme auf: Hausverkauf, Suche nach einer neuen Immobilie, Schulwechsel der Kinder, Verlust des sozialen Umfelds. Vor allem aber gibt es keine Garantie, dass am neuen Ort nicht wieder störende Nachbarn leben und man sich quasi als Nomade erneut auf die Suche nach einem friedlichen Plätzchen machen muss.

Ignorieren

Bis zu einem gewissen Grad sollte man schreckliche Nachbarn einfach ignorieren und versuchen, dem ganzen Ärger nicht zu viel Raum zugeben. Mal über etwas hinwegsehen, ein Auge zudrücken, auch wenn es nach 22 Uhr ist und noch immer Rambazamba herrscht. Sich selbst ein wenig in Toleranz zu üben kann für den eigenen Blutdruck wirklich hilfreich sein. Dazu muss man aber anmerken, dass die Kunst des erfolgreichen Ignorierens nicht jedem gegeben ist. Wohlgemerkt, man muss sich nicht alles gefallen lassen! Man sollte sich daher klarwerden, was die Schmerzgrenze ist! Es gibt ja schließlich die Regeln des sozialen Miteinanders, die sicherstellen soll, dass man halbwegs gut miteinander auskommt.

Ansprechen

Verletzt die eine Partei also ständig die allgemeinen Maßstäbe in Sachen Höflichkeit, ist es Zeit, das Thema offen anzusprechen, anstelle vornehm wegzusehen. Dieses Vorgehen kann natürlich kontraproduktiv sein und letztendlich zu noch größeren Unstimmigkeiten führen. Dennoch ist es unbedingt einen Versuch wert. Manchen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie sich unangemessen und nervtötend verhalten oder merken selbst nicht, wie laut sie sind. Liebe Bianca Christina, die Option des Ansprechens war bei dir, wie du schreibst, sinnlos und hat zu noch ärgeren Differenzen geführt.

Einschalten der Polizei

Davon muss ich dringend abraten! Auch wenn man sich noch so sehr im Recht fühlt und es vielleicht auch ist. So eine Aktion zieht unweigerlich Racheakte, Denunziationen und noch viel mehr Hässlichkeiten nach sich. Bitte versteh‘ mich hier nicht falsch: Courage ist selbstverständlich gefragt, wenn man Zeuge krimineller Handlungen der Nachbarn wird! Aber banale Unstimmigkeiten sollte man unter sich ausmachen.

Einschalten des Vermieters

Gibt es einen Vermieter, ist man wahrscheinlich geneigt, ihn um Hilfe zu bitten. Das ist akzeptabel und wird kurzfristig das Problem wahrscheinlich lösen. Langfristig kann man sich aber auf weitere Querelen einstellen.

Schreckliche Nachbarn – Deeskalation mithilfe der Charmeoffensive

Wenn das Ansprechen überhaupt nichts gebracht hat, du die schrecklichen Nachbarn nicht mehr ignorieren willst und auch absolut keine Hoffnung besteht, dass sie wegziehen, kannst du eine Charmeoffensive starten. Damit meine ich nicht, dass du dich mit den Leuten anfreunden sollst, um Himmels willen! Die Tatsache, dass man zufällig nebeneinander wohnt, ist keine Basis für eine Freundschaft. Ihr müsst auch nicht Kochrezepte über den Gartenzaun hinweg austauschen und euch gegenseitig zum Grillen einladen. Aber es wäre schön, wenn man einfach zu einem akzeptablen Nebeneinander, bei der jeder den anderen in Ruhe lässt, kommt.

Und da würde ich wie folgt vorgehen: Blumen oder eine wirklich schöne Gartenpflanze schenken. Dazu schreibst du noch von Hand eine Karte mit den Worten „Liebe Nachbarn, wir hoffen sehr, dass wir in Zukunft besser miteinander auskommen werden. Vielleicht könnten Sie versuchen, im Garten ein bisschen leiser zu sein!“ oder so ähnlich. Debrett’s Benimmratgeber „Die feine englische Art von A-Z“ ist hilfreich, wenn man Anregungen für Formulierungen braucht. Hast du Grund zur Annahme, die Nachbarn könnten dich um den prachtvolleren Garten oder das größere Haus beneiden, empfiehlt sich eher ein selbst gepflückter Strauß oder auch ein Ableger von deiner hübschen Pfingstrose. Bitte keine giftigen Pflanzen schenken, wenn Kinder oder Haustiere im Spiel sind, sonst unterstellt man dir womöglich Schlimmes.

Einschalten eines Rechtsanwalts

War aber kein Deeskalationsversuch von Erfolg gekrönt, wird man sich überlegen, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Dies ist eine sehr sinnvolle Sache, besonders, wenn er mit der Materie vertraut ist.

Fazit

Natürlich kann das alles auch schiefgehen. Die Nachbarn könnten sich schließlich allein schon über die Tatsache ärgern, dass du versuchst, die Sache mit Stil und Niveau zu bereinigen. Damit zeigst du ihnen ja indirekt, dass sie selbst mit dem Schnellzug durch die Kinderstube gefahren sind. Aber vielleicht ist es einen Versuch wert! Letztendlich kennst nur du deine Nachbarn und kannst sie somit einschätzen.

Liebe Bianca Christina, ich wünsche dir, dass du das Problem bald lösen kannst. Lass‘ mich wissen, welche weitere Vorgehensweise du gewählt hast!

Liebe Grüße,

Claire

2 Kommentare

Kathleen 12. April 2021 - 09:16

Liebe Claire,
vielen Dank für deine wie immer wunderbar beschriebenen Ausführungen. Leider berührt mich die Anfrage der Leserin unangenehm. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand an einer für alle Nachbarn „guten“ Nachbarschaft interessiert ist, der andere Menschen als „primitiv“ und „eher pfui“ bewertet. Dies setzt die Nachbarn herab, und diese Haltung werden sie auch spüren. Auf diese Weise wird vielleicht auch die Ansprache der sich ach so schrecklich verhaltenden Nachbarn erfolgt sein. Nichts für ungut,

Viele Grüße

Kathleen

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Countess Claire 12. April 2021 - 09:39

Liebe Kathleen,

Hier hast du absolut Recht! Es ist wirklich nicht nett, andere Menschen als primitiv etc. zu beschreiben.

Ich muss aber zur Ehrenrettung der Fragestellerin antreten und einwenden, dass ich die Frage, mea culpa, für den Blog stark verkürzt habe.

Zwischen Bianca Christina und mir hat sich eine längere Unterhaltung via Instagram entsponnen, in der sie mir viel mehr über diese Nachbarn erzählt hat. Und das waren wirklich unschöne und eklige Dinge, wobei Müll-Abladen im Garten und Alkoholmissbrauch noch die harmloseren Punkten waren.

Auf jeden Fall ist es mein Fehler, dass ich die weiteren Details nicht ein bisschen mehr ausgeführt habe. So gesehen wirken „primitiv“ und „pfui“ ja tatsächlich völlig aus dem Kontext. Vielleicht sollte ich die ursprüngliche Frage etwas ergänzen, ohne allzu viel über die Sache und damit die Privatsphäre der Fragestellerin zu verraten.

Liebe Grüße,
Claire

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