Frage an Claire: Hochgestellter Kragen, Go oder No Go?

von Countess Claire

In der Rubrik „Frage an Claire“ könnt ihr mir jederzeit Mode-, Stil- oder Knigge-Fragen stellen, die ich gern beantworten möchte, hier geht’s lang! Heute geht es um das Thema „Hochgestellter Kragen – Go oder No Go?“.

Liebe Claire!

Ich möchte Ihnen eine Stil-Frage stellen, die mich schon länger beschäftigt, kurz zusammengefasst: Hemden/Blusenkragen als Damen aufstellen ja, oder nein? Ich sehe auf mehreren Ihrer Fotos, dass Sie variieren, tendenziell den Kragen aber eher aufstellen…

Hat dies

  • reine Stilgründe, zB Blazer drüber, Kragen runter?
  • Imagegründe? in Wien zB wird der aufgestellte Blusenkragen von Damen der Oberschicht oder als Zeichen von „nobler Herkunft“ in gewissen Gesellschaftsschichten gern getragen
  • oder doch rein praktische Gründe? Bleibt er denn nun stehen und sieht appetitlich aus, oder klappt er immer wieder weg…

Wir hatten dazu letztens im Freundeskreis eine Diskussuion mit ganz unterschiedlichen Meinungen. Es würde mich freuen wenn meine Frage auch für andere Blogleser interessant ist!

Viele Grüsse aus Wien
Michèle

Countess Claire -_-8

Liebe Michèle,

Vielen Dank für Ihr Mail, auf jeden Fall wird Ihre Anfrage auch andere Blogleser interessieren, Kragen hochstellen oder nicht, das ist immer wieder ein Thema. Ich habe zum Artikel einige Fotos, die man einerseits vom Blog kennt, andererseits ein paar von meinem Instagram-Account hinzugefügt, die verdeutlichen sollen, wie ich selbst meine Blusenkragen trage.

Bekannt gemacht haben den hochgeklappten Kragen – wie sollte es auch anders sein – die Preppies. Ganz banal als Sonnenschutz für den Nacken beim Segeln oder Tennis gedacht, wurde der nach oben geklappte Kragen des Poloshirts schnell zum Erkennungsmerkmal dieser Gesellschaftsschicht – oder derer, die ihr gern angehören würden.

Countess Claire -_-3

Hochgestellte Krägen haben in der Tat einen Touch Spießer- und Angebertum, man denke nur an Upper Class Jus- oder BWL-Studenten, die idealerweise Mitglied diverser Studentenverbindungen oder von adeliger Abstammung sind, die in der von Papa finanzierten Luxuskarosse vorfahren, ausschließlich Markenkleidung tragen und zwischen ihre Segelschuhe und Zehen niemals einen Hauch von Socke kommen lassen würden (nicht dass ich das schlecht fände) – den Siegelring bitte nicht vergessen! Bei Damen ist das nicht anders, sie vervollkommnen den Anblick mit einer geerbten oder mindestens zum 16. Geburtstag geschenkten Perlenkette.

Countess Claire -_-2

Ja, ein hochgestellter Kragen ist noch immer Erkennungsmerkmal einer bestimmten Schicht bzw. gegebenenfalls auch „Möchtegernschicht“, weckt einerseits Begehrlichkeiten dazuzugehören, andererseits sehr viel Abneigung vom anderen Lager. Gemäß der Süddeutschen Zeitung gibt es nicht viel mehr als zwei Gründe, warum jemand seinen Kragen abseits vom Poloplatz hochstellen sollte: entweder man ist Humphrey Bogart und muss sich am Flughafen von Casablanca von der Liebe seines Lebens verabschieden, während einem Regentropfen in den Nacken plätschern, oder man möchte sich gegen den mit Sicherheit kommenden Shitstorm wappnen.

Countess Claire - Preppy Style in Flieder 2

Andernorts ist zu lesen, dass der hochgestellte Kragen entweder von Leuten, die zur „Freizeit-Bourgeoise“ gehören, als Stilmittel eingesetzt wird, oder die sich Golfer und Yachtkapitäne zu sehr als Vorbild nehmen.

In regelmäßigen Abständen wird der hochgeklappte Kragen entweder totgesagt oder aber er erlebt ein Revival. Derzeit ist er meines Wissens völlig out.

Countess Claire -_

Nichtsdestotrotz sieht man ihn sehr häufig in oben genannten Kreisen. Um ihn selbstsicher zu tragen, muss man aber nicht unbedingt ein arroganter Schnösel sein, sondern kann die ganze Sache auch mit einer gewissen Prise Humor zu nehmen und mit Klischees spielen. Wie Sie richtig erkannt haben, variiere ich, stelle den Kragen aber tendenziell eher hoch.

Countess Claire -_-5

Dies hängt einerseits ab vom Umfeld, in dem ich mich am betreffenden Tag bewege, davon, ob ich die Bluse mit einem Halstusch oder einem Blazer kombiniere – hier finde ich, sieht die Variante mit hochgeklapptem Kragen schicker aus. Blusen, solo getragen, wirken meiner Meinung nach besser mit nicht aufgestelltem Kragen. Und zuletzt ist die Tatsache, ob ich mich fürs collar up entscheide, abhängig von der Marke der Bluse. Wertigere wie zB. die von Ralph Lauren oder Frankonia haben nämlich meist einen etwas steiferen Kragen, was das Aufstellen leicht macht. Blusen von H&M sind oft gar nicht standfest genug. Bei Poloshirts lasse ich den Kragen in den allermeisten Fällen unten.

Countess Claire -_-4

Liebe Michèle, bitte tragen Sie Ihre Blusen und Polos so, wie Sie dies möchten und es Ihnen besser gefällt. Unabhängig von der Meinung anderer oder irgendwelcher Trends: hochgestellter Kragen oder runtergeklappt. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Jetzt würde mich auch die Meinung der Leserinnen und Leser interessieren: Hochgestellter Kragen – Go oder ein absolutes No Go?

12 Kommentare

Michèle 18. September 2016 - 18:17

Liebe Claire!
Vielen herzlichen Dank für den interessanten Post der mich auch sehr schmunzeln hat lassen!
Alles Liebe aus Wien
Michèle

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Cornelia 20. September 2016 - 04:06

Liebe Claire,

vielen Dank für den interessanten Post. Wieder etwas gelernt von der Soziologin, denn dass man den hochgestellten Kragen einer Gesellschaftsschicht zuordnet, war mir gar nicht bewusst.
Bisher hatte ich das nur ästhetisch betrachtet.
Ein kleiner, hochgestellter Kragen gibt meinem Empfinden nach jeder Frau einen feinen Rahmen für das Gesicht, besonders bei hoch gestecktem Haar. Ich finde das macht eine schöne Halslinie, à la Audrey Hepburn und unterstützt optisch eine gerade, aufgerichtete Haltung des Kopfes.
Bei Männern, muss ich gestehen, wirkte mir der aufgestellte Kragen zu bislang zu feminin und nun lerne ich, das aus der Perspektive der Praktikabilität zu sehen, interessant!
Noch eines fällt mir zu dem Thema ein: Gerade mit einem schönen Seidentuch, wie Sie auf Ihren gelungenen Fotos zeigen, ergibt für mich die Kombination ein gutes Beispiel für den Begriff: „sportlich-elegant“: der sportlich aufgestellte Kragen im Zusammenspiel mit dem Eleganz versprühenden Seidentuch.
Schön, dass Sie wieder bloggen, Sie bereichern das Netz sehr!
Herzlich
Ihre Cornelia

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Bianca 21. September 2016 - 17:02

Liebe Claire,
den Post finde ich wirklich sehr interessant. In der Tat habe ich es schon oft beobachtet, dass gerade Menschen, die unter allen Umständen zu einer bestimmten Gruppe dazu gehören wollen, den Kragen konsequent hochstellen. Und zwar unabhängig von der Standfestigkeit der Kragen, was manchmal dann auch albern wirkt, wenn eine Seite traurig runterhängt.
Ich persönlich trage den Kragen lieber unten.
Viele Grüße Bianca

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Gila 23. September 2016 - 21:35

Liebe Claire,

ab und zu schlage ich meine Krägen gerne hoch (ja, genau, die, die standfest genug sind!), insbesondere wenn ich Hemdblusen mit Blazern oder Westen und/oder Tüchern kombiniere. Ich finde es einfach chic
und bin nun fast erschrocken, zu lesen, welches soziale Statement ich damit abgeben könnte – ohne mir irgendwas dabei zu denken…..

Aber dann habe ich wieder geschmunzelt und mich erinnert, dass ich solche Dinge nicht so ernst nehmen will. Jahrelang habe ich Mamas Perlenkette nicht getragen, weil ich sie zu „spießig“ fand, jetzt trage ich sie (ab und an) weil sie schön ist und mich solche Kategorien nicht mehr interessieren. Und sollte ich irgendwann ganz unversehens wg. meiner hochgestellten Krägen doch in der high Society landen, kann ich mir immer noch den Kopf zerbrechen, wie ich da wieder rauskomme…(tststs)

herzliche Grüße
Gila

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Kate 25. September 2016 - 11:39

Liebe Claire,

die Kragenfrage, ein Klassiker!
Persönlich variiere ich den Kragen, ähnlich wie Du oder die anderen Damen hier, mal aufgestellt und mal unten. Aber ich bin nicht von adeliger Abstammung, habe auch nicht Jura oder BWL studiert und gebe auch nicht vor, das eine oder andere zu sein.

Kragen habe ich schon als Kind geliebt -der Matrosenkragen war ganz weit vorne, oder als meine Mutter mir damals eine rüschige Stehkragenbluse aufschwatzte…! Ich war zehn.
Seit jeher trage ich Blusen oder Polos (ohne Kragen fühle ich mich nackt!) und da stellt sich bisweilen die Kragenfrage. Aber für mich ist es selbstverständlich, den Kragen, ob mit Tuch oder Schal, auch mal aufzustellen. Ich finde es einfach ästhetisch und es gehört zu meinem Stil. Dabei finde ich es immer ganz neckisch, wenn die Kragenspitzen sich vorne ganz leger zur Seite neigen!
Aber ich möchte davon keine Regel machen, wie es für viele vielleicht eine ist, es kommt auf meine Laune und/oder das Outfit an.
Beschmunzeln muss ich allerdings immer jene, die ihre aufgestellte Kragenoberkante streng am Kiefer halten und dahinter hervorlauern, Humphrey lässt grüßen!!
Man würde es meiner Meinung nach jemandem ansehen, der sich den Kragen als Möchtegern hochstellt, da fehlt die „Natürlichkeit“ beim Tragen!

Vielen Dank für diesen informativen und vielseitigen Artikel.

Herzlichst,

Kate.

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Kathi 8. Januar 2017 - 03:43

Hallo Kate,

ich habe auch so einen „Kragentick“, fühle mich ohne Kragen nackt! Ich finde, daß ein schöner Kragen mein Outfit immer aufwertet!

LG, Kathi

Antworten
carole 3. Oktober 2016 - 13:23

Liebe Claire,

Ihre Artikel sind immer bereichend für mich!!
Ich folge Ihnen, seit ein paar Monate und ich muss sagen, dass mein Stil sich enorm verbessert hat.
Hochgestellter Kragen habe ich in Heidelberg kennen gelernt, als ich dort studiert habe. Dort ist es ganz normal den Kragen hochzustellen ;) Naja ist halt auch Heidelberg!
Jetzt trage ich fast immer (außer, wenn ich mein Hemd ohne Halstuch oder Blazer trage) mein Hemd mit aufgestelltem Kragen. Ein bisschen aufällig in meiner neuen Uni…

viele liebe Grüße aus Frabkreich

Antworten
Basil Brooks van der Forrest 27. Dezember 2016 - 06:47

Guten Abend liebe Claire!
Danke schön für ihre ausführliche Erklärung.
Ich habe mein lebenlang schon Poloshirts und Blusen getragen, in der Freizeit oder auch beim Sport.
Beim Tennis, Reiten und Segeln wurde der Kragen grundsätzlich immer aufgestellt. Was meiner Meinung nach auch immer sportlicher wirkt, aber dies ist wie du schon gesagt hast Geschmacksache.
In der Freizeit habe ich (weiblich, 16) den Kragen immer unten getragen, was ich persönlich im Bezug auf mein Alter angemessener finde.
Die einzige Ausnahme ist wenn die Bluse unter einem Strickpullover oder mit einem Tuch/Schal getragen wird.
Jedoch trägt meine Mutter ihren Kragen oft gerne aufgestellt. Egal ob beim Sport oder in der Freizeit.

Dankeschön für ihren informativen und interessanten Beitrag. Viele liebe Grüße aus dem Skiurlaub in Oregon
Basil Brooks van der Forrest

Entschuldigen Sie bitte meine Rechtschreibfehler. Deutsch ist eine Fremdsprache für mich.

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Kathi 8. Januar 2017 - 03:40

Vielen Dank für Ihren Artikel! Ich trage auch gern Polo- und Rugbyshirts sowie Hemdblusen. Bei Polo- und Rugbyshirts stelle ich den Kragen grundsätzlich hoch. In meinem Tennisclub ist der hochgestellte Kragen mein Markenzeichen. Bei Blusen variiere ich den Kragen ebenfalls, nach Lust und Laune. Ich bin also ein Fan der hochgestellten Kragen! Sieht einfach schick aus!

LG, Kathi

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Louisa 4. November 2020 - 15:07

Liebe Claire,
ein sehr interessanter Beitrag über das Thema Kragen aufstellen. Ich trage Poloshirts und Blusen sehr gerne. Poloshirts kombiniere ich am liebsten im sportlich-chicen Style zu einer Jeansjacke. Ich stelle dabei grundsätzlich den Kragen von Jeansjacke und Poloshirt auf (oberster Knopf vom Poloshirt bleibt offen), da ich finde das es einfach lässiger und cooler wirkt, und nicht zu brav.
Ich wusste vorher auch noch nicht das man damit anscheinend ein Statement setzt. Das ist aber aufjedenfall nicht meine Intention: Ich will weder für einen Möchtegernstudenten noch für einen Schnösel gehalten werden, der die Aufmerksamkeit auf sich richten möchte.
Ich liebe Krägen einfach (ja auch ich habe einen Kragentick;)) und würde niemals eine kragenlose Jeansjacke oder ein kragenloses Polohemd tragen, da mir einfach was fehlen würde. Ich werde auch mit dem neuen Wissen über aufgestellte Krägen, meinen Style beibehalten, da ich es bei Mode nicht so ganz brav mit runtergeklapptem Kragen mag. Was halten Sie eigentlich von der Jeansjacken-Poloshirt Kombi? Meinungen von anderen auch gerne gesehen.

LG Louisa

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Countess Claire 9. November 2020 - 10:42

Liebe Louisa,
Vielen Dank für deinen Kommentar!
Ich mag hochgestellte Krägen tatsächlich auch gern, und ich bin ganz Ihrer Meinung: es sieht dann auch nicht so brav und langweilig aus.
Die Kombination Jeansjacke-Poloshirt ist sicher auch ok – ich trage aber keine Jeansjacken.
Haben Sie schon meinen Instagram-Account https://www.instagram.com/countess_claire/ gesehen? In meinen Stories mache ich öfters mal Umfragen zu Stil- und Modethemen. Der Artikel hier ist ja schon mehrere Jahre alt, deshalb wird natürlich nicht mehr so viel kommentiert.
Aber ich würde mich freuen, Sie auf Instagram zu sehen!
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Peter 7. Februar 2021 - 02:10

Mögt ihr aufgestellten Kragen bei Männern? Ich liebe Sakkokragen und Lederjackenkragen hoch

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