Frage an Claire: Ist der klassische Stil altbacken?

von Countess Claire

In der Rubrik „Frage an Claire“ könnt ihr mir jederzeit Mode-, Stil- oder Kniggefragen stellen, die ich gern beantworten möchte, hier geht’s lang! Heute dreht sich alles um die Frage „Ist der klassische Stil altbacken?“

Liebe Claire,

Zunächst einmal vielen Dank für Ihren Blog – die Artikel über die unterschiedlichen Stilrichtungen sind sehr hilfreich. Ich hätte eine Frage: Ich war schon immer  Anhänger des klassischen Stils. Mittlerweile sehe ich jedoch immer mehr Blogger und Stylisten sagen, dieser Stil sei viel zu altbacken. Nun bin ich ganz verwirrt. Beispielsweise mag ich Ballerinas, es heißt aber „nein, Loafers sind der neue Trend“ und generell wird oversize und colour blocking, vielleicht noch capsule wardrobe oft als modern dargestellt, und immer in maskulinen anstatt klassischen Schnitten. (Deswegen weiß ich auch nicht, ob sich Bücher wie Wardrobe Wisdom lohnen, oder ob das viel zu altmodisch ist, außer zu Besuch im Buckingham Palace?) Was ist denn, Ihrer Meinung nach, stiltechnisch, der richtige Weg ? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese Frage auf dem Blog beantworten könnten.

Freundliche Grüße aus London

Anna

Ist der klassische Stil altbacken?

Eine kleine Zusammenstellung von Basics für die kalte Jahreszeit: Chic, klassisch, bequem – und sicher nicht altbacken.

Liebe Anna,

Herzlichen Dank für Ihre netten Worte und die überaus interessante Frage. Wenn man sich für Mode interessiert, hat man ganz pauschal gesagt die Wahl zwischen trendbewusstem, modischen Kleidungsstil und einem konservativeren, klassischen. Man sehe sich die Entwürfe der wunderbaren Designerin Carolina Herrera an: Kein Hauch von altmodisch, sondern klassisch, zeitlos und mit besonderem Chic.

Ist der klassische Stil altbacken?

Die Erziehung beziehungsweise das familiäre Umfeld spielen bei der Entwicklung des Kleidergeschmacks eine große Rolle: Tendenziell hat man es leichter, sich stilvoll zu kleiden, wenn einem von Kindesbeinen ein gewisser „Stilkodex“ vermittelt wurde. Und der deckt sich nicht unbedingt mit dem, was man auf Laufstegen, bei hippen Modebloggern und exzentrischen Stylisten sieht. Auf keinen Fall sollte man sich von sogenannten Modeexperten vorschreiben lassen, was man wie trägt. Empfiehlt die Trendsetterin Loafers, tragen Sie trotzdem ihre Ballerinas, wenn sie Ihnen gefallen. Gute Schnitte sind immer wichtig, das heißt, die Kleidung sollte weder zu eng noch zu weit sein. Eine Ausnahme bilden kuschelige Ponchos oder warme Oversize-Pullover, aber sicher keine Blazer und Hosen (das sieht maximal am Laufsteg gut aus). Um sich dann aber nicht zu fühlen wie die ältliche Tante, kann man seine klassische Garderobe durch Accessoires aufpeppen: In der kalten Jahreszeit eignen sich besonders gut Hüte (Fedoras zum Beispiel können sehr chic sein), Schals oder Wraps.

Am Beispiel von Stilikonen wie Grace Kelly, Jackie Kennedy oder Audrey Hepburn kann man sehen, wie zeitlos klassische Eleganz ist. Ein aktuelleres Vorbild könnte vielleicht Catherine, die Herzogin von Cambridge sein. Ihre tadellose Eleganz bei offiziellen Anlässen und ihr Sloane Ranger inspirierter Casual-Style begeistern die ganze Welt.

Das von mir kürzlich vorgestellte Buch „Wardrobe Wisdom“ ist wirklich lesenswert, auch wenn man nicht zum Tee in den Buckingham Palace geladen ist. Die Autorin ist Engländerin und hat viel Insiderwissen. Außerdem gibt sie Tipps zur Kleiderschrankorganisation und verrät etliche Tricks in Sachen Style, Pflegen, Waschen und Nähen.

Liebe Anna, der stiltechnisch richtige Weg ist immer der, der einem persönlich am meisten zusagt. Nur mit diesem ist man authentisch. In Ihrem Fall ist das der klassische. Herzlichen Glückwunsch dazu, er passt ja auch vortrefflich in Londons Upper Class!

Liebe Grüße,

Claire

Liebe Leserinnen, wie seht ihr das?

4 Kommentare

Anna 21. November 2018 - 22:22

Liebe Claire,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Tatsächlich habe ich mich diesen Sommer in Loafers und knöchellangen „Gamine“-Hosen nicht authentisch gefühlt.

Deswegen geht’s jetzt wieder hin zum klassischen Stil mit einem A-Linien Mantel – trendige gerade Schnitte stehen mir nicht.

Wardrobe Wisdom habe ich mir gleich mal bestellt.

Viele Grüße
Anna

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manuela_schmuckeslandleben 23. November 2018 - 07:05

Liebe Claire,
gratuliere wieder zur tollen Ausführung und die Illustration!
Ich bin auch der Meinung, dass man mit der klassisch zeitlosen Garderobe immer im Trend liegt. Wie du richtig sagst, man darf sich nicht zu sehr von der Modeindustrie und den Laufstegschönheiten leiten lassen. Schlussendlich merkt man wenn man in sich hineinhört ob es einem wirklich steht und vor allem ob man sich auch tatsächlich wohl fühlt.
Vielen Dank für den Buchtipp, werde ich mir gerne aus deinem Beitrag mitnehmen!
Herzliche Grüße
Manuela

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Susann 29. November 2018 - 09:19

Liebe Claire, liebe Anna

Vielen Dank für den Beitrag! Die Frage, ob der klassische Stil (inzwischen oder vielleicht auch nur derzeit) altbacken ist, habe ich mir auch schon gestellt. Das Heranziehen der unveremeidlichen Mode-Ikonen wie Grace Kelly, Jacky Onassis und Audrey als Symbolfiguren eines zeitlosen Stils ist in meinen Augen heikel und wackelig. Sehe ich mir Bilder der beiden ersten Damen an, stelle ich fest, dass der Großteil ihrer Garderobe heute untragbar ist. 50-er Jahre Hüte, Petticoats, Spitztütige Bustiers haben es nicht in unser neues Jahrtausend geschafft. Lediglich Audreys puristischer Kleiderstil, der damals bahnbrechend -und nicht klassisch war- findet heute noch große Bewunderung. Alle drei haben gemeinsam, dass sie einen Lebensstil und eine Haltung verkörperten, welche heute nur noch schwer zu finden sind. Daher denke ich, dass eher hierin der Grund für ihre Faszination liegt.
Der klassische Kleiderstil gefällt mir persönlich nur noch in einem sehr reduzierten Outfit am Besten. Alle Klassiker zusammen – von der Sonnenbrille zur Tweethose, Blüschen, Hut und Loafer, Perohrstecker etc. – empfinde ich inzwischen tatsächlich als altbacken. Ich bin mir aber auch bewusst, dass es Anlässe gibt, zu denen man so und nicht anders erscheint, um nicht aufzufallen.
Es ist schön, sich zu diesem Thema einmal Gedanken zu machen und sich auszutauschen. Und wo schon einmal die jüngeren Mitglieder des englischen Königshaus als neue Vorbilder herangeführt wurden, ist es sicher eine modische Bereicherung nun eine Amerikanerin in deren Reihen zu sehen.

Alles Liebe
Susann

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Lena 4. Dezember 2018 - 12:40

Hallo liebe Anna, hallo liebe Claire,
ich finde auch, dass man das tragen sollte, worin man sich wohlfühlt, denn dafür sollte Kleidung und Mode meiner Meinung nach auch da sein. Und um damit Spaß zu haben und sich auszudrücken.
Ob der klassische Stil altbacken ist, habe ich mich auch erst kürzlich gefragt, deshalb kam der Artikel für mich wie gerufen :) Aber man muss anscheinend einfach nur richtig kombinieren können.
Ich selbst bevorzuge ja in letzter Zeit den Stil von Blair Waldorf aus „Gossip Girl“.
Liebe Grüße von Lena

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