Karl-Georg aus Salzburg: Ein unerwartetes Geschenk

von Karl-Georg

Die Wahl des richtigen Verlobungsrings, der hübschesten Schuhe, des ausgefallensten Reiseziels, die Gestaltung eines perfekten Opernabends oder die Einrichtung des ersten gemeinsamen Heims im bevorzugten Stil – bei diesen äußerst essentiellen Dingen des Lebens ist es immer amüsant zu erfahren, was ein Mann dazu zu sagen hat. Also Vorhang auf für den zweiten Teil mit Karl-Georg, der uns mit seinen Anekdoten über seine Herzensdame unterhalten wird.

Meine sehr verehrten Damen!

Wie es sich für einen liebenden und fürsorglichen Herrn gehört, richtete ich für meine Herzensdame anlässlich ihres runden Geburtstages ein großes Fest aus. Alle wichtigen Freunde meiner Lieben, auch jene, die sich nicht in meinem Kreis der Gunst befinden, haben eine Einladung erhalten. Zur großen Freude meiner Dame sind auch fast alle zur Geburtstagsfeier erschienen.

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Die Party war schon seit einer Stunde im vollen Glanz und die Stimmung würde ich nachträglich als sehr gut bezeichnen. Der Sektempfang hatte also seinen Zweck erfüllt und der ideale Zeitpunkt war gekommen, meiner Herzensdame ihr Geschenk zu überreichen.

Zu ihrem 30. Geburtstag sollte sie von mir etwas ganz besonderes, nämlich eine weißgoldene Halskette mit einem Diamanten, erhalten. Eine ebensolches Kleinod hatte sie bei einem Juwelier in Paris, unserer Lieblingsstadt, im Schaufenster erspäht. Als aufmerksamer Gentleman ist mir dies keinesfalls verborgen geblieben. Ich erstand die Kette am nächsten Tag ohne ihr Beisein und Wissen und horte sie seither für eine besondere Gelegenheit. Diese ist nun gekommen und die Erinnerung an unseren bisher schönsten Urlaub soll fortan ihren zierlichen Hals schmücken. So der Plan.

Ich nahm meine Liebe also bei der Hand und verließ mit ihr den Salon in Richtung Bibliothek, gefolgt von erwartungsvollen Blicken vieler weiblicher Gäste. Das sollten schon Alarmzeichen genug gewesen sein, ich aber ahnte noch nichts von dem Unheil, in das ich mich gleich begeben sollte. Spätestens als ich die kleine Schatulle aus meiner Sakkotasche hervorholte, musste mit der besondere, erwartungsvolle Blick meiner Geliebten auffallen.

Meine Herzensdame nahm das kleine Kästchen aus meiner Hand und während sie den Deckel langsam aufmachte, machte mein Herz vor Freude des gleich zu erwarteten Jubels einen Sprung – doch als der Inhalt sich der Beschenkten preisgab, konnte ich sofort die Enttäuschung in ihrem Gesicht sehen und Tränen begannen ihre Wangen herabzurinnen. Es waren keine Freudentränen und betrübt fragte ich, was nicht stimmte. Diese Frage löste einen wutentbrannten Blick in meine Richtung aus, und meine Liebste verließ eilig den Raum. Ich schloss daraus, daß dieses unerwartete Geschenk nicht ganz ihren Vorstellungen entsprochen hatte.

Nun zu meiner Frage an Sie, mein lieben Damen: Hätten Sie sich an der Stelle meiner Herzensdame etwa über einen Antrag vor der versammelten Gästeschar gefreut?

Herzlichst,

Karl-Georg

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10 Kommentare

Annette 7. April 2013 - 09:04

Ein Antrag in der Öffentlichkeit? Niemals!!!

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Sue 7. April 2013 - 09:07

Hallo,

jeder ist da anders. Bei mir hätte man keinen größeren Fehler machen können, als mir vor einer größeren oder auch großen Menschenmenge so einen Antrag zu machen. Gewiss hätte ich so was vorher oder nach der Feier bevorzugt. Am Besten nach der Feier, weil ich dann kein schlechtes Gewissen über die Feier gehabt hätte, weil ich NEIN gesagt hätte.

Aber Sie müssen doch ihre Freundin am Besten kennen.

Nur die hier hingegebenen Worte lassen einen großen Spielraum.

Reden Sie endlich mit ihrer Freundin über das zwischen Ihnen schwelgende Thema.

Sie sind sie beide ja auch schon eine geraume Zeit zusammen.

Mich interessiert nun, Sie reden noch miteinander???

LG Sue

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Sanne 7. April 2013 - 12:25

Lieber Karl-Georg,

Sie erlauben es mir, Sie so anzusprechen? Ja.

Ihr Problem, so es denn eines ist und nicht mittlerweile von einer privatimem Versöhnungsfeier gelöst wurde, ist, einen willkürlich oder unwillkürlich genährte Wunsch nicht eingelöst zu haben. Was machen sie uns das Leben schwer, die unerfüllten Erwartungshaltungen.

Ein Antrag coram publico ist schlechter Stil und ganz und gar unpassend. Denn das ist und bleibt Familienangelegenheit. Und erst danach wird öffentlich, am besten noch immer von den Eltern der nun mehr Braut, bekannt gegeben.

Aber ach, die Stitten haben dank – oder undank – unzähliger Hollywoodfilme gelitten. Und so spukt in weiblichen Köpfen der öffentliche Antrag als besonders romantischer Fixpunkt gemeinsamem zukünftigen Glücks herum. Rosa Ballons und Täubchen inklusive.

Sie haben sich richtig verhalten. Und irgendwann, üben Sie sich in Geduld, wir Ihnen Ihre Braut, vielleicht dann schon Ihre Ehefrau, dankbar sein, dass Sie ihr diese grauenvoll kitschige Situation erspar haben.

Bleiben Sie guten Mutes
Ihre – S

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JL 8. April 2013 - 09:34

Sie können sich VON schreiben, daß Sie so ein großzügiges Geschenk ausgesucht haben! Und keinen Antrag in der Öffentlichkeit gewagt haben. Das wird Ihre Liebste auch noch eines Tages verstehen.
LG JL
http://www.dieblauenstunden.com

Antworten
Cla von Glam up your Lifestyle 8. April 2013 - 19:21

Ich hätte mich erst mal über das wundervolle Geschenk gefreut. Es gibt nicht viele Männer die so aufmerksam sind und einer Frau so eine wohlbedachte Freude machen wollen.mAlles weitere hätte sich gefügt.
Einen Antrag in der Öffentlichkeit hätte ich nicht gewollt.
Lieben Gruss, Cla

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Wilma 8. April 2013 - 20:59

Sorry, ich glaube dem Textschreiber kein Wort. Das ist doch eine Nacherzählung der üblichen Hollywood-Drehbücher über die enttäuschte Freundin.

Antworten
groschenroman 9. April 2013 - 05:48

Lieber Karl-Georg, ich glaube, ich habe die Situation falsch verstanden. Ich dachte, sie wollten ihr einfach das Geschenk geben. Sie haben ihr doch keinen Antrag gemacht? Die Enttäuschung ihrer Liebsten resultierte also nicht daraus, dass sie keinen Antrag in der Öffentlichkeit erhielt, sondern dass sie überhaupt keinen erhielt. Oder?

Antworten
Amalia 9. April 2013 - 12:51

Oh je, die Enttäuschung Ihrer Freundin kann ich gut nachfühlen, auch wenn sie teilweise irrational und unvernünftig ist.
Aber: Da wird man sanft ins Abseits der Bibliothek geführt, erhält ein Schmuckschächtelchen und – keinen Antrag, obwohl man ihn offensichtlich erwartet und gern angenommen hätte. Da auf ein wertvolles Geschenk in der Regel nicht unmittelbar ein weiteres wertvolles Geschenk folgt, mußte Ihrer Freundin in der Situation zudem noch klar werden, dass die ersehnte Frage wohl noch eine Weile wird auf sich warten lassen. Ich denke, Sie dürfen die Tränen Ihrer Freundin als Liebeserklärung verstehen.

LG, Amalia

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Macs in the City 4. Mai 2013 - 09:20

Nie im Leben hätte ich mir das so gewünscht – allerdings: Wenn man seiner Liebsten zum 30er ein Fest ausrichtet, sie dann beiseite bittet und zu guter Letzt noch (die berühmte) türkise Schachtel zückt, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich bei ihr innerhalb von Sekunden eine Erwartungshaltung aufgebaut hat, die dann mit keiner Kette der Welt aufrechtzuerhalten gewesen wäre. ;-) Die Idee war toll und auch sehr aufmerksam, das Geschenk kam von Herzen – jedoch fühlte sich die Angebetete zu guter Letzt sogar vor ihren „Freundinnen“ (vermutl. nicht alle davon „echt“) blamiert. Weiß jetzt nicht, wie lange Ihr schon beisammen seid, aber mit 30 darf man sich in einer festen Partnerschaft und wenn man grundsätzlich Wert auf die Ehe legt, schon langsam einen Antrag erwarten. Wie auch immer: Ich würde mich für den Faux-Pas entschuldigen und sagen, dass ihr Geburtstag ein eigener „Feiertag“ ist und die Verlobung etwas Privates für Euch beide. Und wenn sie die Richtige ist, würde ich das andere Projekt schön langsam angehen. ;-) mit herzlichen Grüßen, Macs PS: Ich wollte übrigens keine türkise Schachtel. Meiner ist zwar auch ein klassischer Ring, aber ich bevorzuge lokale Juweliere (mit eigenem Atelier) in der Stadt. Ist mMn persönlicher.

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Macs in the City 4. Mai 2013 - 09:24

PS: Hab grad noch ein Mal den Text gelesen und bemerkt, dass die Schachtel nicht zwingend türkis war – trotzdem, aufgrund des Ablaufs kann ich die Erwartungshaltung nachvollziehen. ;-)

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