Karl-Georg aus Salzburg: Zurück in die Heimat

von Karl-Georg

Die Wahl des richtigen Verlobungsrings, der hübschesten Schuhe, des ausgefallensten Reiseziels, die Gestaltung eines perfekten Opernabends oder die Einrichtung des ersten gemeinsamen Heims im bevorzugten Stil – bei diesen äußerst essentiellen Dingen des Lebens ist es immer amüsant zu erfahren, was ein Mann dazu zu sagen hat. Also Vorhang auf für den viersten Teil mit Karl-Georg, der uns mit seinen Anekdoten über seine Herzensdame unterhalten – oder in diesem Fall – zum Nachdenken anregen wird.

Meine sehr verehrten Damen!

Ich melde mich zurück. Die letzten Jahre waren ereignisreich, das kann ich Ihnen versichern! Ich möchte der Anregung von Claire nachkommen und ein wenig berichten. Meiner Cousine kann ich nichts abschlagen und ausserdem mache ich das sehr gerne. Darüber hinaus ist auch neben dem Beruf und der Familie (mehr dazu weiter unten, versprochen) ein wenig Prosa eine nette Abwechslung.

Wer noch nicht von mir gelesen hat, dem sei auf die vor sehr langer Zeit erschienenen Beiträge verwiesen. Wem das zu mühsam ist;  nun den bestraft die Unwissenheit und die Neugierde am Ende des Textes. Aber genug des belanglosen Vorspiels, kommen wir zu Sache!

Wie Claire in einem kurzen Update geschrieben hat, reiste ich für längere Zeit nach Mexiko und lebte für einige Monate bei meinem sehr guten Freund Sebastian. Wir hatten gemeinsam studiert, sind bei der gleichen Studentenverbindung und haben uns bereits das eine oder andere Mal in einer Krise geholfen. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass eine für wenige Wochen geplante Auszeit in meinem längsten Auslandsaufenthalt bisher münden wird.

Leben in Mexiko

In Mexiko selbst, wir lebten in Mexiko City, habe ich die ersten Zeit nichts gemacht. Zu schwermütig war ich nach der Trennung von meiner Angebeteten. Ich wollte weg und nichts hören. Und auf keinen Fall wissen, was mit meiner ehemaligen Herzensdame ist. Ob sie sich zum Trost in die nächste Beziehung gestürzt hat oder anders glücklich geworden ist. Man könnte meinen, ein Gentleman würde sich hier anders verhalten. Das mag sein, aber als Mann mit sehr tiefen Gefühlen war mir das egal. Und ja, wir Männer sind nach außen hin harte Kerle, kämpfen jeden Kampf und verlieren nie. Verlieren nie unsere innere Fassung, außer, wir haben etwas verloren, was wie eine Säule war. Etwas, das uns in unserem Tun bestätigt und auch zu dem macht, was wir sind. Der Verlust einer Liebe kann uns starke Männer ziemlich zerbrechlich machen. Worte eines Mannes, der es wissen muss.

Mein guter Freund Sebastian arbeitete zu der Zeit für das Auswärtige Amt. Er wurde nach seinem Jus-Studium also nicht Anwalt wie ich. Nicht, dass es als Anwalt keine Parties gibt, aber als angehender Diplomat erlebt man schon ein paar Feiern mehr. Die Feste sorgten für Ablenkung und mit der Zeit und dem Abstand wurde nach ca. einem halben Jahr meine innere Ruhe wieder hergestellt. Ich war mit mir im Reinen und glücklicher Single. Ich darf sagen, daß es nicht an Möglichkeiten mangelte. Ich betrachte mich doch als sehr gesellschaftsfähig, kann aber auch sehr gut alleine leben. Und ich begann mich zu fragen, was inzwischen aus meiner Herzensdame geworden ist. Ja, sie war noch immer jene Frau, der ich nachtrauerte. Aber nicht mehr mit diesem nagenden täglichen Schmerz, sondern mit vielen positiven Gedanken und schönen Erinnerungen. Nennen wir sie Elisabeth.

Salzburg Blick von der Festung Hohensalzburg

Elisabeth feiert Geburtstag

Es war kurz nach einer bestandenen Spanisch-Prüfung, als ich mit Sebastian und anderen Freunden auf ein paar Cervezas ging. Ich arbeitete inzwischen an meiner lokalen Anwaltsprüfung, drückte fleißig die Schulbank und hatte Grund zu feiern. Sebastian legte den ganzen Abend schon ein merkwürdiges Verhalten an den Tag. Er rückte schließlich mit der Sprache raus. Elisabeth würde bald ihren Geburtstag feiern und plante bei dieser Gelegenheit die Verkündung einer großartigen Überraschung. Das konnte nur eines bedeuten! Elisabeth würde einen Neuen in der Familie vorstellen! Der Gedanke, diese Vorstellung machte erst unruhig, dann fassungslos. Sebastian dachte genau an die gleiche Möglichkeit, das konnte ich in seinem Gesicht sehen. Es half nicht, daß er versuchte, das Thema in eine andere Richtung zu lenken.

Ich wurde schrecklich nervös und überlegte fieberhaft, was ich tun sollte. Bis zur Geburtstagsfeier waren es noch zwei Wochen. Meine Mutter, die vermutlich die Information betreffend Geburtstagsfeier ans Sebastian weitergegeben hatte, wollte, daß ich davon erfuhr. Sie war natürlich über alle Ereignisse bestens im Bilde, verkehren unsere beiden Familien doch noch immer in den gleichen Kreisen. Und meine Mutter wußte genau, wie sie mich zurück in die Heimat locken konnte. Und sie behielt recht.

Ab nach Hause

Ferien sind in Mexiko ein seltenes Gut, aber ich setzte Prioritäten, sistierte meine Kurse und buchte einen Flug. Den Geburtstag möchte ich in nur wenigen Sätzen schildern. Ich habe mich selbst zu den Feierlichkeiten eingeladen, stieß aber erst verspätet zur Gesellschaft dazu. Als ich in den Garten ihres Elternhauses kam, war niemand zu sehen, also musste ich klingeln. Ziemlich nervös stand ich vor der Tür und überlegte angestrengt, was ich als Begründung für ein unerwartetes Erscheinen von mir geben sollte. Die Tür ging auf und vor mir stand – kitschig wie in einem Film – Elisabeth. Ich war wie von Donner gerührt und starrte sie einfach nur an. Sie war schön wie zuletzt. Auch sie war wie angewurzelt. Dann lachte sie laut los und stürzte sich auf mich. Ein unglaublicher Augenblick. Daß der restliche Abend perfekt wurde, muss ich nicht erwähnen.

Wir haben dann relativ rasch geheiratet. Irgendwie wollten wir die alten Zeiten beiseite schiebe. Die Frage, ob wir heiraten würden oder nicht, war kein Thema mehr. Heute leben wir in Wien und ich arbeite hier in einer befreundeten Kanzlei. Meine Frau Elisabeth kümmert sich um unsere Tochter und richtet das zweite Kinderzimmer ein. In meinem Büro steht neben Bildern meiner Familie auch ein Foto meiner Freunde aus Mexiko. Das Bild erinnert mich an gute Freunde, die einem in schwierigen Zeiten helfen. Es erinnert mich aber auch an eine Zeit der Besinnung und der Gewinnung einer Erkenntnis.

Für heute habe ich keine Fragen für Sie, meine sehr verehrten Damen. Ich hoffe jedoch, daß ich Ihnen mit einem kleinen Abriss über meine Zeit in Übersee die Zeit bis zum nächsten Mal verkürzt habe. Denn es wird weitergehen und wie ich mich kenne, wird mich der Alltag mit seinen großen und kleinen Problemen fest im Griff haben.

Herzlichst,

Karl-Georg

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2 Kommentare

Amalia 18. Mai 2018 - 14:21

Das ist ja eine Geschichte, wie sie rasanter auch nicht im Roman stattfinden könnte. Ich gratuliere herzlich zu den zahlreichen erfreulichen Ereignissen!
Liebe Grüße
Amalia

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Countess Claire 24. Mai 2018 - 20:19

Liebe Amalia,
Vielen Dank! Ich werde die Gratulation gern weitergeben!
Liebe Grüße,
Claire

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