Kostümgeschichte: Die Swinging Sixties

von Countess Claire

Die Sechzigerjahre: welches andere Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts war wohl so wichtig für die Modewelt als diese, „Swinging Sixties“ genannte Zeit mit der Erfindung des Minirocks und den ersten Prêt-à-porter Kollektionen der DesignerYves Saint Laurent war der Vorreiter und ließ sich dazu herab, sich erstmals der Alltagsmode anzunehmen; zuvor hatte es ausschließlich Haute Couture für einige wenige betuchte Damen gegeben.

Außerdem brachten diese wichtigen Jahre das erste Supermodel, nämlich Twiggy, hervor. Leslie Hornby, wie sie mit richtigem Namen hieß, war mit ihrem blondierten Bubikopf und ihrem androgynem Körper die Vorreiterin von Claudia SchifferLinda EvangelistaChristy TurlingtonKate MossGisele BündchenDoutzen Kroes und all den anderen Supermodels der Achtziger-, Neunziger-, und aktuelle Jahre. Als Gegenpol zur schmalen Twiggy fungierte Brigitte Bardot mit ihren weiblichen Kurven.

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Typische Sixties-Mode, zu sehen auf einer Fotografie von 1966 in der bekannten Einkaufsmeile Carnaby Street im Londoner Stadtteil Soho.

Die Swinging Sixties bezeichneten aber nicht nur den modischen, sondern auch den kulturellen und politischen Trend bzw. Lifestyle. Die Jahre waren geprägt von politischen Konflikten, zB. der Kubakrise, dem Vietnamkrieg und der Präsidentschaft und Ermordung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Die Sechziger waren ein Jahrzehnt des Umbruchs: der Kalte Krieg, der erste Mensch im Weltall, Hippies, Raumschiff Enterprise und die Beatles. Sie brachten die Friedensbewegung, aber auch eine gewisse gesellschaftliche Akzeptanz des Drogenkonsums unter jungen Erwachsenen hervor.

Das Freiheitsdenken, das auch an der Mode nicht spurlos vorüberging, fand seinen Höhepunkt im Woodstock Festival 1969, dem musikalischen Highlight der Hippiebewegung. So facettenreich wie die politischen und historischen Rahmenbedingungen waren, so vielseitig war auch die Mode dieses Jahrzehnts.

Die bemerkenswerteste Entdeckung war wohl die des Minirocks. Die englische Designerin Mary Quant sorgte für Aufsehen, indem sie den von ihr entworfenen Rock mit Kniestrümpfen, Plateauschuhen und oftmals transparenten Blusen kombinieren ließ. Der Saum reichte ursprünglich bis zehn Zentimeter oberhalb des Knies, das Röckchen wurde aber im Lauf der Zeit immer kürzer. Das Ergebnis war, dass sich auch Mitglieder des englischen Königshauses im Mini zeigten und er somit en-vogue wurde. Auch im Winter wurde er getragen, zu einem kurzen Mantel. Abends tauschte man den Rock gegen ein chices Minikleid aus edlen Materialien.

Dann gab es die ersten Nylonstrumpfhosen, gern auch mit Spitze, Stickereien oder Muster, durchsichtige Blusen – es galt als chic, so wie Twiggy möglichst wenig Oberweite zu haben und diese dann unter einem transparenten Top durchscheinen zu lassen -, futuristisch angehauchte Kleider und Hosen für Frauen.

Erstmals war es möglich, auch im Arbeitsleben Hosenanzüge à la Marlene Dietrich zu tragen: gerade geschnittene Jacke, weit geschnittene Hose. besonders beliebt wurde auch die Blue Jeans, die für das amerikanische Freiheitsgefühl, Jugendlichkeit und Ungezähmtheit stand. Zu Anfang des Jahrzehnts waren Hosenbeine noch eher schmäler geschnitten, ab Mitte der Sechziger setzten sich dann Schlaghosen, am besten in knalligen Farben durch.

Die Mode für den Mann spielte mit der Weiblichkeit: Rüschenhemden, schmale Anzüge, weiche Formen und lange Haare waren in. Die Hosen durften durchaus bunt sein, hatten Karo-, Fischgrät-, Hahnentritt- oder Streifenmuster.

Daneben gab es den Hippielook mit seinen floralen Designs, Batikkleidchen, Hawaii-Hemden und Jesussandalen.
Besonders beeindruckend sah das Make-up aus: dunkle, betonte Augen, ein dicker schwarzer Lidstrich, der nach oben hin die natürliche Augenform verlängerte, um so den Augen ein katzenartiges Aussehen zu geben, dazu extrem stark getuschte oder auch künstliche Wimpern. Die Lippen wurden blass in Beigetönen geschminkt.

Die Frisur stylte man sehr aufwendig. Toupieren, toupieren und nochmals toupieren lautete die Devise. Nicht selten wurden auch falsche Haarteile verwendet, um noch mehr Volumen zu erzeugen.

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Stilikone Jacqueline und Präsident John F. Kennedy auf einem perfekt inszenierten Foto, America’s Cup 1962.

Neben Brigitte Bardot und Twiggy gab es aber noch eine andere Stilikone: Jacqueline Kennedy, Frau des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Von Kindheit an perfekt gekleidet gewesen mit einem stilsicheren Gespür für Mode, ließ sie Oleg Cassini, einen in Paris als Sohn eines russischen Grafen geborenen und in den USA lebenden Modeschöpfer (welcher übrigens eine Zeitlang mit einer anderen Modeikone – Grace Kelly – verlobt war), ihre Garderobe als First Lady kreieren. Er beriet sie als Stylist, trotzdem wählte Jackie auch oft Outfits von anderen Desginern, zB. Chanel, Dior oder Givenchy, mit dem Erfolg, dass sie jährlich viel mehr für ihre Kleidung ausgab, als der Präsident verdiente – welcher auf sein Jahressalär aber ohnehin nicht angewiesen war, sondern es spendete.

Jackies Outfits waren legendär: klassische Kostüme mit Röcken in Knielänge, Dreiviertelärmel, ärmellose Kleider in A-Linie und Freizeitkleidung im Preppy Style (lest dazu auch meinen Artikel „Styling-Regeln für die Preppy Lady„), elegante Abendkleider mit über die Ellbogen reichenden Satinhandschuhen, Pumps mit wenig Absatz und natürlich ihre berühmten Pillbox-Hütchen. Zu ihrem Glamourlook gehörten auch Seidentücher, die sie auf unterschiedlichsten Arten ins Haar band. Das alles trug zu ihrem unverwechselbaren Style bei, fortan „Jackie-Look“ genannt und tausendfach kopiert.

Trends setzte sie auch mit ihrem Haar. Seit den Fünfzigerjahren kreierte Coiffeur Kenneth Battelle ihren ikonischen Look. Um ihre breiten Backenknochen auszubalancieren, arbeitete er mit vielen Lockenwicklern, am Oberkopf wurde das Haar geglättet und stark toupiert (bouffant). Die Frisur endete in einer Welle.

Auch beim Schmuck zeigte sich ihr exquisiter Geschmack: ihr Lieblingsstück war ihr Ehering von Van Cleef & Arpels. Neben tollen Colliers trug sie gern Goldarmbänder des Juweliers Jean Schlumberger.

Kein Wunder, dass sie 1965 auf die International Best Dressed List gesetzt wurde. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1994 blieb Jacqueline Lee Bouvier Kennedy Onassis ihrem Stil treu und gilt noch heute als DIE Stilikone.

Wie gefällt euch die Mode der Swinging Sixties? Und ist eher der Hippielook oder der klassische Stil von Jackie O. euer Fall? Im Sommer finde ich den Hippielook zur Abwechslung ganz hübsch (seht meine Outfitpostings „Boho Chic„), ansonsten entscheide ich mich aber meist für den klassischen Look. Kopftücher im Jackie Kennedy-Stil habe ich auch sehr, sehr gern („Seidentuch Glamour„).

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2 Kommentare

Sue 14. September 2014 - 15:59

Hallo,

die Mode fand ich toll, vor allem den Jackie-Look. , immer elegant und nicht overdressed, verstehst du , was ich sagen will, also schlicht und elegant, jedenfalls empfinde ich es so.

LG Sue

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Countess Claire 15. September 2014 - 09:34

Liebe Sue,
Das geht mir genauso. Wunderbare Outfits von Jackie O!
Liebe Grüße,
Claire

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