Kostümgeschichte: Die Goldenen Zwanziger

von Countess Claire

Wie schon angekündigt, möchte ich eine neue Serie zum Thema „Kostümgeschichte“ beginnen. Es geht hier aber nicht darum, die Mode aller Gesellschaftsschichten darzustellen, sondern allein die der gesellschaftlich hochstehenden Dame. Den Anfang machen heute die Goldenen Zwanziger. Der Ausdruck Goldene Zwanziger umfasst genau genommen nur Deutschland von 1924 bis 1929, in den USA zum Beispiel wurde diese Periode Roaring Twenties genannt. Ähnliche Modeerscheinungen gab es aber überall; nicht nur in der Mode war der weltweite Konjunkturaufschwung sichtbar.

„Die zwanziger Jahre waren eine Zeit des Umbruchs in eine Welt, die deutlich besser als die gerade überwundene Zeit des Ersten Weltkriegs sein sollte. Man träumte von Luxus, Reichtum und endlosem Müßiggang – und die, die es sich leisten konnten, lebten diese Träume auch ungehemmt.“, erläutert Jeroen van Rooijen in seiner Stilradar-Kolumne der NZZ. Erst die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 setzte dem dekadenten Phänomen ein Ende.

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Die Viktorianische Ära mit all ihren Zwängen hatte man hinter sich gelassen, und das zeigt sich auch in der Mode. In den Zwanzigern kam erstmals die Idee der unabhängigen jungen Dame, die sich nicht mehr in Korsetts schnüren ließ und ihre langen Kleider gegen kürzere eintauschte. Aber nicht nur die Kleider wurden kürzer, sondern auch die Haartracht änderte sich: Besonders beliebt wurde der sogenannte Bubikopf, einem kinnlangen Pagenkopf mit oder ohne Stirnfransen, abends gern von einem perlenbesetzten Stirnband mit Federn gehalten. Der Bubikopf wurde im Lauf der Zeit ersetzt durch den „Eton“- oder „Shingle“-Haarschnitt, bei dem das Haar pomadisiert und an den Ohren in Locken gelegt wurde. Zu dieser neuen Mode trug maßgeblich der populäre knabenhafte Frauentyp bei. Die beliebte androgyne Figur wurde durch spezielle BHs, die die Brust flacher erscheinen ließen, und tief auf den Hüften angesetzte Gürtellinien erreicht.

Kleider, Accessoires und Make-up

Obwohl anfänglich keine respektable Dame der Oberschicht die neuen Flapper Dresses, trug, setze sich im Lauf der Jahre aber auch bei diesen die neue Mode durch. Flapper nannte man damals junge Damen, die sich von gesellschaftlichen Konventionen nicht mehr einengen ließen, die Auto fuhren, Jazzclubs besuchten, rauchten und sich schminkten. Die Flatterkleider endeten knapp unterhalb der Knie oder waren wadenlang und hingen lose, oftmals ohne Ärmeln, am Körper herab und endete gern in Fransen.

Die wichtigsten Accessoires dieser Zeit waren Pelze, Federboas, Stirnbänder und Perlenketten, oft sehr lang und mehrfach geschlungen. Die lange Zigarettenspitze trug zum perfekten mondänen Look der Lady bei. Viel Glitzer und Glamour, doch auch unbeschreiblich viel Eleganz findet man in den Kleidern dieser Epoche. Wichtiges Accessoires waren auch opulente Kopfbedeckungen oder die Cloches genannten Glockenhüte.

Erstmals in den Zwanzigern trugen Frauen aller Gesellschaftsschichten Make-up. Zuvor hatten sich nur Prostituierte geschminkt. Das Gesicht wurde möglichst hell grundiert, die Augenbrauen sehr stark akzentuiert und verlängert, die Lippen betonte man in einem möglichst dunklen Rot und die Augen wurden schwarz umrandet. Da beim Tanzen in Clubs, wo man sich an den Modetänzen Charleston und Shimmy versuchte, oft die Knie sichtbar wurden, verwendete man auch auf diesen Puder und Rouge.

Wie eingangs schon erwähnt, setzte die Weltwirtschaftskrise dieser Mode ein jähes Ende. Es gilt aber als Verdienst der Flapper, die moderne Frau geschaffen zu haben.

Modevorbilder

Louise Brooks, Clara Bow, Marlene Dietrich, Coco Chanel oder Josephine Baker beeinflussten den Look einer ganzen Generation.

In Film und Fernsehen kann man sich von den Verfilmungen des „Great Gatsby“ inspirieren lassen, wo man die glamourösen Kleider nicht nur an Daisy Fay, der großen Liebe des Millionärs Jay Gatsby, sondern an allen Damen bewundern kann. Über den „Großen Gatsby“ und die Mode möchte ich in der nächsten Zeit in einem gesonderten Artikel berichten.

Aber auch in der Anfang der Zwanziger spielenden 3. Staffel der beliebten britischen Kostümdrama-Serie „Downton Abbey“ sieht man besonders an den Töchtern Mary und Edith sowie der im Flapper Dress einen Jazzclub besuchenden Cousine Rose schon Vorboten des neuen Kleidungsstils.

Wie gefällt euch die Mode der Goldenen Zwanziger?

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12 Kommentare

groschenroman 17. Juli 2013 - 20:06

Ich finde die Mode der 20er Jahre fantastisch. Sie spiegelt alles, was ich am Frausein liebe: Schick sein, charmant, variabel, frei, frech und manchmal auch verrucht. Wenn die wirtschaftliche und politisch Lage damals nicht so katastrophal gewesen wäre, dann hätte man diese Zeit vielleicht mehr genießen können. Oder wer weiß, vielleicht hat man es gerade deshalb getan.

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Countess Claire 18. Juli 2013 - 11:44

Liebe Carola,
Ja, sie ist in der Tat wunderbar. Mir gefällt ganz besonders, dass man viel mehr Wert auf die Kleidung gelegt hat, es hat einfach alles nach Glamour ausgesehen.
Liebe Grüße,
Claire

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dieblauenstunden 17. Juli 2013 - 22:26

Meine Urgroßmutter hat sich von einer braven großbürgerlichen Hausfrau und Mutter in schwarzem Tageskleid und geflochtener Hochsteckfrisur durch die roaring Twenties in eine Bubi-Lady im Flapperdress mit Selbstbewusstsein verwandelt. So hat es mir meine Großmutter erzählt, welche die Verwandlung ihrer Mutter als Mädchen mit großer Begeisterung aufgenommen hat. Das einzig seltsame an dem ´20s-Look bleibt für mich dieses Streben nach dem Androgynen. Das setzt sich ja in gewisser Weise bis heute in obskurer Form als size zero fort. XX Julia

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Countess Claire 18. Juli 2013 - 11:46

Liebe Julia,
Danke für deinen interessanten Kommentar, er hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Und du hast vermutlich Recht.
Liebe Grüße,
Claire

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dieblauenstunden 23. Juli 2013 - 12:19

Naja, da hab ich den Bogen weit gespannt. Aber es bleibt für mich ein seltsames Phänomen, was für Torturen der weibliche Körper in der Vergangenheit bis in die Zukunft erträgt, um modisch zu sein. Bin ich doch froh, daß wir heutzutage modischen Restriktionen maximal freiwillig unterworfen sind : )
LG XX Julia

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Countess Claire 29. Juli 2013 - 14:15

Da gebe ich dir völlig Recht!

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Clara Turbay 17. Juli 2013 - 23:45

love it!

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Cla 18. Juli 2013 - 12:14

Die Mode wäre wie für mich gemacht gewesen. Der große Gatsby lässt grüßen. Schöne Zusammenfassung der Köstümgeschichte der 20er Jahre.
Ich grüße dich auch ;) Cla

http://glamupyourlifestyle.blogspot.de/

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Countess Claire 18. Juli 2013 - 12:42

Liebe Cla,
Danke schön! Ich glaube, die Schnitte hätten dir wirklich gut gestanden. Vielleicht gehst du mal auf eine Kostümparty?
Liebe Grüße,
Claire

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Countess Claire 18. Juli 2013 - 15:53

Liebe Susanne,
Danke schön für deine netten Worte!
Ich finde den eleganten Stil der Zwanziger auch toll, wenngleich ich tiefe Taillen nicht so gern trage.
Liebe Grüße,
Claire

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Caro 18. Juli 2013 - 20:47

Wow, toller Artikel und das Bild sieht sooo toll aus. Ich wünsche mir wirklich seh, dass dieser Stil bald wieder modern ist. Ein bisschen Hoffnung habe ich :)

Antworten
Countess Claire 18. Juli 2013 - 21:33

Liebe Caro,
Vielen Dank! Ich finde, vieles, was damals modern war, ist heute auch tragbar. Mit Fransen besetzte Charlestonkleider zum Beispiel. Vielleicht hast du ja mal Gelegenheit.
Liebe Grüße,
Claire

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