Lifestyle an der Goldküste

von Countess Claire

Da ich nun schon lange in der Schweiz an der sogenannten Goldküste lebe, ist es an der Zeit, auch einmal einen Artikel über meine wunderbare Wahlheimat zu schreiben.

Als Goldküste bezeichnet man grundsätzlich das ganze rechte Zürichseeufer von Zollikon bis Rapperswil, sofern der Atlas auf dem Tisch mit Norden nach oben zeigt. Doch es ist etwas schwierig: Manch einer versteht unter Goldküste nur die Gemeinden Zollikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg sowie Meilen mit seinen Ortsteilen Feld-, Berg-, Dorf- und Obermeilen. Ein anderer wiederum zählt die Ortschaften Uetikon, Männedorf und Stäfa dazu. Und für den nächsten ist Rapperswil auch dabei. Womöglich gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen eigenem Wohnort und dem Gefühl, an der Goldküste zu wohnen.

Lifestyle an der GoldküsteZürichsee: Blick von der Gold- auf die Silberküste.

Was macht die Goldküste aus?

Die unmittelbare Nähe zum See und zur Bankenmetropole Zürich zeichnet sich durch einen sehr niedrigen Gemeinde-Steuerfuß und hohe Immobilienpreise aus. Hier merkt man schon: Was man dem Fiskus nicht gibt, bezahlt man eben mehr an Grund und Boden. Durch seine Ausrichtung nach Nordosten genießt die Region die Abendsonne, im Gegensatz zum gegenüber liegenden linken Zürichseeufer. Diese wird oft abwertend „Pfnüselküste“ (schweizerdeutsch für Schnupfen), Stahlküste (wegen der Industrie), aber auch Silberküste genannt.

Seinen Namen hat die Goldküste wohl dem Umstand zu verdanken, dass hier viele wohlhabende Einwohner für ein hohes Steuereinkommen sorgen. Dass der See in der Abendsonne golden glänzt, kann auch zur Namensgebung beigetragen haben. Und wer schon „viel“ Steuern bezahlt, möchte auch in einer gesunden und ruhigen Gegend wohnen. So kann an der Goldküste der Handy-Empfang (hier „Natel-Empfang“) eingeschränkt sein, weil ein Grundbesitzer keine böse Strahlung will. Möglich, dass er die Verbreitung entsprechender Masten durch alle juristische Instanzen erfolgreich durchgefochten hat. Das Gleiche gilt für den Flugverkehr, der aus bestimmten und sicher nachvollziehbaren Gründen eher über andere Gebiete Richtung Flughafen geleitet wird. Man will eben seine Ruhe haben.

Wo wohnt man?

Vorzugsweise wohnt man etwas oberhalb der Ortskerne am Hügel mit Blick auf den See oder aber an der zwischen Zürich und Rapperswil verlaufenden Seestraße. In diesem fall dann aber unbedingt an der Uferseite mit privatem Seezugang. Ausschließlich die geraden Hausnummern an der Seestraße sind die, die prestigereich sind.

Wer Villen im klassischen Patrizierstil sucht, wird hier eventuell noch direkt am See fündig werden. Vor allem sieht man aber sehr modernen Häuser (gern im Bauhausstil) mit viel Glas und offenen Räumen, Sichtbeton, selbstverständlich mit Seeblick.

Die Goldküste zieht durch seine privilegierte Lage und das internationale Flair nicht nur Schweizer, sondern auch viele Expats und Prominente an. Da kommt es schon einmal vor, dass für Tina Turners Hochzeit der See für den Bootsverkehr in unmittelbarer Nähe ihrer Küsnachter Villa gesperrt wird.

Familienleben an der Goldküste

Die Männer arbeiten gern in der Bankenbranche, die hauptberuflichen Goldküstenmamis widmen sich auf hohem Niveau Kindern, Haus und Garten. Und ihrem Ehemann natürlich ;-). Wenn sie doch außerhäuslich tätig sind, dann nicht, weil sie müssten, sondern weil es ihnen Spaß macht. Man könnte meinen, die Frauen hätten unendlich viel Zeit, sich um ihre Kinder zu kümmern, doch es kommt trotzdem vor, dass die Nanny oder das Au Pair die lieben Kleinen zum Kindergarten bringt.

Die öffentlichen Schulen in dieser privilegierten Region sind ausgezeichnet. Für den Fall, dass man den Nachwuchs doch lieber in einer Privatschule unterbringen möchte, ist man mit einer vorzugsweise bilingualen internationalen Schule in Küsnacht, Zumikon oder im nahe gelegenen Zürich gut beraten.

Nachdem hier viele Kinder von Haus aus mit mehreren Sprachen aufwachsen, eine gute Sache. Auch wenn man aus einer Schweizer Familie kommt, hat das Vorteile, da die Kinder dann neben dem Schriftdeutschen (im Kindergarten spricht man Schweizerdeutsch) gleich eine erste Fremdsprache mit auf den Weg bekommen. Kulturelle Aktivitäten, Club- bzw. Restaurantbesuche oä. finden ebenfalls meist in Zürich statt. Understatement wird aber an der Goldküste und meiner Meinung nach in der Schweiz generell großgeschrieben.

Was ich persönlich neben den vielen anderen Vorzügen der Goldküste ganz besonders schätze, ist es, nach einem Opern-, Theater- oder Konzertbesuch in Zürich am nächtlich wunderschön glitzernden Zürichsee entlang heimzufahren.

Die Villa, die Yacht am Zürichsee, die Stay-at-Home Mum im typischen „Goldküstenpanzer“, dem SUV – allgegenwärtig sind schwarze Range Rover oder BMW X5 – , die Nanny, das alles klingt natürlich sehr nach Klischee. Wir wissen aber alle, dass in jedem Klischee ein Körnchen Wahrheit steckt.

Hier geht’s lang zu meiner Buchrezension von „Leben an der Goldküste. Aus dem Tagebuch einer Privilegierten

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