Claires „Goldene Styling-Regeln“: Modesünden der Männer

von Countess Claire

In der Serie „Claires Goldene Styling-Regeln“ gibt es einen neuen Artikel, und damit die lieben Leser auf meinem Blog nicht zu kurz kommen, beschäftige ich mich heute mit den „Modesünden der Männer“. Nicht, dass ich denke, die Herren hier könnten dies nötig haben, aber etwas Auffrischung kann nie schaden ;-) Es sollte sich niemand auf den Schlips getreten fühlen, sondern diesen Artikel mit dem nötigen Humor nehmen. Ich möchte hier kein wahnsinnig übertriebenes Trendbewusstsein einfordern, denn wie ihr alle wisst, interessieren mich die aktuellen Trends nur sehr am Rande, es gibt aber wirklich Outfits bzw. Schnitte, die schon seit zwanzig Jahren nicht mehr in sind.

Und vor allem gilt, meine Herren: nur Mut, auch einmal modemäßig Geschmack und Stil zu beweisen, und keine Angst davor, als oberflächlich und arrogant zu gelten! An einem schönen, gepflegten Anblick freut sich jede(r).

 

Modesünden

Bis auf den Herren ganz links (ein Kapuzenpulli überzeugt nicht wirklich) hat hier keiner eine Modesünde begangen.


Kurzarmhemden

Gleich zu Beginn meiner Aufzählung der modische SuperGAU, die Kurzarmhemden. Gibt es etwas Schlimmeres als Kurzarmhemden im Sommer? Ja, ich weiß, wenn es furchtbar heiß ist, glaubt so manch einer, kurze Ärmel und der Look des biederen Provinzsparkassenangestellten aus den frühen Neunzigern wären in Ordnung. Doch nein, das ist ein stylingmäßiger Fauxpas, der nur dadurch noch gesteigert werden kann, indem man eine Krawatte dazu kombiniert. Viel stilvoller ist es, im Fall des Falles das Langarmhemd hinauf zu krempeln, aber bitte nicht bis zum Ellenbogen! In meiner Heimatstadt Salzburg hat sich leider noch nicht überall herumgesprochen, dass man keine Kurzarmhemden mehr trägt, wenigstens aber in Zürich, wo man sie fast gar nicht mehr sieht. Nebenbei bemerkt möchte ich noch anführen, dass ich Kurzarmblusen auch bei Frauen nicht sonderlich chic finde.

Schlecht gebundene, zu kurze oder zu lange Krawatten

Krawatten mit „lustigen“ Aufdrucken sind im Business wie auch im Privaten unbedingt zu vermeiden. Jeder Mann sollte sich zutrauen, zu lernen, wie man einen Krawattenknoten bindet (dazu gibt es Anleitungen im Internet). Anscheinend stellt dies aber viele vor eine unüberwindbare Herausforderung. So habe ich auch schon gehört, dass Verkäuferinnen im Laden den Krawattenknoten erstmalig binden, sodass der Käufer ihn nie wieder öffnen muss. Meines Wissens gibt es auch tatsächlich fix fertig gebundene Exemplare zu kaufen, jene mit Gummizug sollten jedenfalls den Soldaten vorbehalten sein. Ebenfalls sollte man darauf achten, dass die Krawatte nicht unbedingt nur bis zum Bauchnabel reicht, aber auch nicht bis zum Knie.

Zu breite Krawatten schreien nach den Neunzigern, zu schmale nach den Siebzigern bzw. Achtzigern. Ausnahmen bestätigen die Regel. Meine Herren, bitte daran danken: keinesfalls Polyesterkrawatten im Dreierpack wählen, sondern lieber in weniger, dafür gute Seidenkrawatten investieren. Und nach dem Tragen stets den Knoten lösen, die Krawatte zusammenrollen und ein paar Tage auf die Seite legen. So soll sie übrigens auch gelagert werden: gerollt auf der Seite und niemals hängend.

Zu kurze, zu weite Hosen

Hosen müssen die richtige Länge haben! Zu lang ist fast ebenso schlimm wie zu kurz. Wird eine Leinenhose auf die richtige Länge gekürzt, muss man sie auch nach der Wäsche im Auge behalten. Eventuell ist sie dann nämlich zu kurz. Also am besten zum Schneider seiner Wahl gehen, dort die Hose abmessen lassen. Bei einem guten Service wird die Hose zuerst gewaschen und dann gekürzt. Was die Weite betrifft, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass seit ca. zehn Jahren der schmäleren Form der Vorzug zu geben ist.

Shorts

Welcher erwachsene Mann trägt freiwillig Shorts? Fast jeder, sollte es aber besser nicht tun, denn ein Bein, behaart wie ein Reh, ist selten eine Zierde. Natürlich gibt es situative Ausnahmen, beispielsweise beim Segeln (besonders beim Preppy Style sieht man sie häufig), beim Tennis, am Strand etc. Aber im Allgemeinen sollten Shorts den Unter-Sechzehnjährigen vorbehalten sein. Bei Damen über Dreißig sind kurze Hosen auch nicht mehr unbedingt angebracht, und seien die Beine auch noch so schön. In der Stadt, im Business oder im Restaurant – sollte es nicht gerade das Golfclubeigene sein – sind Shorts sowieso gänzlich fehl am Platze.

Sandalen und Co.

Auch im Hochsommer sollten Sandalen für den modebewussten Herren ein Tabu sein. OK sind sie ausschließlich am Meer bei Klippen, Felsen und Steinen, gut sehen sie aber auch dann nicht aus. Flip-Flops haben ihren Einsatz nur am Strand oder allenfalls im Garten. Mittlerweile sollte sich schon herumgesprochen haben, dass keiner so gern nackte Männerfüße sieht. Alternativen sind Bootsschuhe, Mokassins oder Loafer (siehe auch mein Artikel „Claires Basisgarderobe: Schuhe Teil 1„. Getoppt wird die Modesünde Sandale übrigens nur von der Kombination Sandale plus Socke. Womit wir schon beim nächsten Thema wären.

Unpassende Socken

Weiße Tennissocken trägt wohl niemand mehr, mir ist dieses Relikt aus den Achtzigern schon lange nicht mehr untergekommen. Aber auch sonst tragen Socken viel zum Erscheinungsbild bei: entweder sind sie zu kurz und zwischen Bein und Socke wird das freigelegte Männerbein gezeigt (welch Tabu! ;-) – besonders im Business geht das wirklich gar nicht – Alternative: Kniestrumpf, oder die Farbe passt gar nicht. Entweder man richtet die Farbe der Socken nach der Farbe der Schuhe oder aber der Hose. Damit meine ich aber nicht, dass man nicht auch einmal farbige Socken, zB. rote Burlingtons, zu blauen Bootsschuhen tragen kann oder hellblaue als Hingucker und Kontrast zum Anzug, aber braune Socken zu schwarzen Schuhen und umgekehrt wirken nur, als hätte man im Dunkeln der Sockenlade die falsche Farbe erwischt.

Dem Anlass nicht entsprechende Kleidung

Dazu gibt es wenig zu sagen: die Kleidung muss zum Anlass und zum Wetter passen. Ich halte nichts davon, wenn Männer bei 10 Grad Außentemperatur nur im Anzug unterwegs sind, was wirkt, als hätte es für einen Mantel nicht gereicht. Immer wieder bekomme ich E-Mail-Anfragen von Männern, die nicht wissen, wie sie bei einer Hochzeitseinladung die Krawatte umgehen können (meine Antwort: gar nicht, außer der unsichere Mann wählt den Gang zum Smoking mit Fliege – was bei einer Hochzeit tagsüber eigentlich nicht geht – oder zu Tracht) und die bestrebt sind, auch bei besonderen Anlässen, wo sie endlich einmal Gelegenheit hätten, sich toll in Schale zu werfen (besonders im SmokingCut oder auch einem gut sitzenden Anzug kann jeder Mann gut aussehen), möglichst casual, unscheinbar und underdressed zu wirken.

Sakkos zu Blue Jeans

Schwarze Sakkos zu Blue Jeans, wenn möglich Levis 501 (dieser Jeansschnitt ist meiner Ansicht nach zu sehr den Achtzigern und Neunzigern zuzuordnen), „schreien“ nach „Miami Vice„, dennoch erfreut sich diese Kombination größter Beliebtheit. Dabei wäre die Alternative so einfach: beigefarbene Chinos, blaues Sakko, fertig. Wenn es dennoch eine Blue Jeans sein soll, sollte man eher auf die schmäler geschnittene Passform zugreifen. Will die Verkäuferin dennoch auf die 501er hinweisen, ist das ein sicherer Hinweis dafür, dass die Beratung in einem anderen Geschäft mit Sicherheit eine bessere sein wird.

T-Shirts, Trägerleibchen und Co.

Auch oder gerade bei einem gestählten Oberkörper sollte ein Trägerleibchen bzw. Muskelshirt absolut tabu sein, möchte man nicht als gewöhnlich eingestuft werden. Hier gilt Understatement. Ausnahmen dazu kenne ich keine, allenfalls ein Rockkonzert? T-Shirts passen zu Studentenbuden, keinesfalls aber zu erwachsenen Männern. Viel stilvoller sind Poloshirts, möglichst nicht mit RLs Big Pony, damit auch wirklich jeder auf zwanzig Meter Entfernung erkennen kann, dass man genug Geld für ein Markenshirt hat. Nichts gegen Markenlogos in normaler Größe, aber welchen anderen Zweck sollten Oversize-Logos erfüllen, als den Träger zur negativ auffallenden Reklametafel zu degradieren?

Liebe Damen, fallen euch noch weitere Modesünden ein? Und was haben sich eure bessere Hälften schon erlaubt?

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14 Kommentare

Susi 30. Juni 2014 - 16:19

Ja, diese Modesünden der Herren trifft man immer wieder an! In meinem beruflichen Umfeld, aber auch in der Oper oder im Konzert sehe ich öfter Herren, die Bequemschuhe mit dicken Gummisohlen zum Anzug tragen – das finde ich nur bei alten gehbehinderten Herren akzeptabel. Mein Mann ist eigentlich nie unpassend gekleidet, er hat sogar mir kurz nach unserem Kennenlernen beigebracht, dass auch Damenschuhe geputzt werden sollten und schiefe Absätze zum Schuster gehören. Liebe Grüße, Susi

Antworten
Countess Claire 1. Juli 2014 - 09:19

Liebe Susi,
Ja, diese Bequemschuhe gehen auch wirklich gar nicht, bis auf die Ausnahme, die du erwähnst. Sieht man aber leider auch ständig.
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Monika von Styleworld40plus 30. Juni 2014 - 18:29

Liebe Claire,
was für ein schöner Artikel. Du hast sehr gut beobachtet und wirklich treffend und mit kleinem Augenzwinkern formuliert. In manchen Dingen bin ich nicht ganz so streng wie Du, z.B. finde ich im sportlichen Freizeitbereich oder im Urlaub am Meer eine gepflegte Bermuda (Knielänge) mit Poloshirt durchaus ok. An weiteren Modesünden fallen mir eigentlich nur noch groß gemusterte, bunte Freizeithemden Marke Hawaii an Herren über 25 ein sowie dicke Goldketten zum aufgeknöpften Hemd. Schmuck bei Männern außer Uhr und Ehering stehe ich sowieso sehr kritisch gegenüber.
Liebe Grüße
Monika

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Countess Claire 1. Juli 2014 - 09:23

Liebe Monika,
Vielen Dank für dein Kompliment! Es hat mir großen Spaß gemacht, ihn zu schreiben. Diese Hawaiihemden und dicke Goldketten zum aufgeknöpften Hemd habe ich aus Selbstschutz schon ausgeblendet ;-)
Und Schmuck bei Männern ist wirklich ein No-Go, das sehe ich wie du.
Liebe Grüße,
Claire

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Kathrin 1. Juli 2014 - 14:46

Liebe Claire,

Vielen Dank für diesen tollen Artikel – ich musste herzhaft lachen, erkenne ich doch so manche Modesünde meiner männlichen Kollegen wieder :-)
Wie schon erwähnt, finde ich Goldschmuck bei Männern absolut furchtbar. Als besonderes Unding sollte man auch die Herrenhandtasche erwähnen – extrem furchtbar in Kombination mit einer Schlaufe für das Handgelenk… War früher wohl mal sehr modern und wird gern noch im Beamtenumfeld von Herren über 40 gern zur Schau gestellt. Furchtbar!

Liebe Grüße,
Kathrin

Antworten
Countess Claire 2. Juli 2014 - 10:13

Liebe Kathrin,
Genau so war der Artikel gedacht: dass man auch einmal lachen bzw. schmunzeln kann.
Selten, aber doch, begegnen mir auch noch Männer mit Herrenhandtaschen. Schlimm! Dabei gibt es doch so tolle Alternativen!
Liebe Grüße,
Claire

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Sue 2. Juli 2014 - 15:14

Hallo,

ein guter Beitrag.

Und ganz schlimm , ich finde es auch , diese Oversize Logos….

LG Sue

Antworten
Countess Claire 2. Juli 2014 - 18:50

Liebe Sue,
Vielen Dank! Und freut mich, dass du das auch so siehst.
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Major McMorghey 10. Juli 2014 - 08:33

Mylady Countess
Vielen Dank für ihren tollen Blog, den ich begeistert mit verfolge. Menschen mit Stil kommen immer gut an und sind gerne gesehen.
Leider erreicht dein Blog nicht alle Menschen. Denn genau deine beschriebenen Modesünden (männliche und weibliche) begegnen mir zu Hauf und sind in der Überzahl.
In der wärmeren Jahreszeit scheint sich ein Wettbewerb etabliert zu haben: „Ich komme schlampiger daher als du“ (der Gewinner erhält einen Schlauchschal den er zum T-Shirt tra-gen MUSS) – Die Welt ist dann voll von 8 – 10jährigen in Körpern von Ü-30gern.
Stilvoll, gut gekleidete Menschen sind dann ein richtiger Sonnenschein und bemerkenswert!
Ich mache jedenfalls Werbung für ihren Blog und lese gerne weiter mit.

Hochachtungsvollst
Major McMorghey

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Countess Claire 13. Juli 2014 - 11:38

Lieber Major McMorghey,
Vielen Dank für Ihren Kommentar.
Freut mich, dass Ihnen mein Blog gefällt.
Bezüglich Stil haben wir wohl ähnliche Ansichten.
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
dukeofwindsor 24. Juli 2014 - 21:01

Hallo,

der Auswahl an Modesünden kann ich im Großen und Ganzen zustimmen. Dazu auch sehr schrecklich: Anzugssakko (grau oder schwarz) mit 3 Knöpfen aus Plastik, natürlich mit schlechtem Sitz, handelsübliche helle Kaufhausjeans, Kurzarmhemd mit Brusttasche und Kugelschreiber darin, ausgetretene und ungeputzte schwarze „Bequemschuhe“, Gestreifte Krawatte (meist so Silber mit Orange), Haare mit Gel zum „Igel“ gestellt, Sonnebrille im Haar.

Jedoch: Ich trage sehr gern die Levis 501 (one wash). Dazu ein schicker flacher italienischer Schuh, hellblaues Langarmhemd, Strickkrawatte, Blazer (keine Goldknöpfe, sondern Braune), eventuell noch einen Cardigan oder einen Pullunder.
Finde das eigentliche eine tolle Kombination. Mir gefällt an der Levis 501 einfach, dass sie eine so lange Historie aufweisen kann.
Ist aber wahrscheinlich Ansichtssache.
Beste Grüße

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Countess Claire 25. Juli 2014 - 10:04

Lieber Duke of Windsor,
Vielen Dank für den Kommentar.
Dieses Modesünden-Outfit kann ich mir auch sehr gut vorstellen.
Natürlich ist alles Geschmackssache, die Levis ist ja wirklich die älteste? Jeans, aber gefallen tut sie mir trotzdem nicht. Liegt auch daran, dass sie bei den Waden eher weit geschnitten ist.
Liebe Grüße,
Claire

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Sebastian 9. Juni 2016 - 06:40

Insgesamt ein schöner und treffender Artikel. Nur ein kleiner Hinweis am Rande zu Krawattenknoten:

Soldaten lernen das Krawattenbinden, zumindest in Deutschland ;-)

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Markus 14. Dezember 2017 - 20:55

Vielen Dank für die Desasterliste, die sicher unendlich verlängerbar wäre…
jedoch habe ich eine Anmerkung zum Hochtzeitsoutfit.

Smoking geht dort sehr sehr gut, wenn man vor 18 Uhr ein cremefarbenes Dinnerjacket trägt. Man kann dann zu Abend auf die schwarze oder besser mitternachtsblaue Version wechseln. Leider gibt es diese Teile in ordentlicher Qualität kaum noch zu kaufen, da steht der Gang zum Schneider an.

Sorry fürs Klugscheißern aber wir wollen ja noch ein bisschen Stil in die Neuzeit retten….

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