Nobelviertel in London

von Countess Claire

Ihr kennt sicher das Problem: Ihr wollt euch in einer neuen Stadt niederlassen und sucht zwecks bequemem, aber standesgemäßen Logierens nach der geeigneten Bleibe. Im Fall von London fällt die Wahl natürlich zuerst auf den Buckingham-Palast, doch leider weigern sich die aktuellen Bewohner hartnäckig, die Räumlichkeiten zu verlassen. Also muss nach etwas anderem gesucht werden. Eine gute Sache, passt das Thema doch ausgezeichnet zu meiner Serie „British Style„. Das Thema? Wir machen uns auf die Suche nach den Nobelvierteln von London. Nicht mehr und nicht weniger.

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Nobelviertel Kensington, südlich der Kensington High Street

Die Hauptstadt des United Kingdom hat mit allen ihren Außenbezirken über acht Millionen Einwohner, die inneren Bezirke immerhin über drei Millionen. London wird in 32 Stadtbezirke, die man auch Royal Boroughs nennt, und die City of London aufgeteilt.

Als Nobelviertel in London kann man die City of Westminster und den Royal Borough of Kensington and Chelsea bezeichnen. Besonders bekannt sind in der City of Westminster die Stadtteile Belgravia – die englische Serie „Das Haus am Eaton Place“ spielt ebendort – mit seinen beeindruckenden weißen Häusern ein Teil von Belgravia liegt aber schon im Royal Borough of Kensington and ChelseaMayfairein Großteil dieses Viertel befindet sich im Besitz der Familie Grosvenor, den Herzögen von Westminster, und Pimlico.

Im Royal Borough of Kensington and Chelsea findet man ChelseaKensington, South Kensington und Notting Hill. Auch der Sloane Square, Namensgeber für den Sloane Ranger, liegt dort.

Allen diesen Stadtteilen ist gemeinsam, dass sie einheitliche, gepflegte Fassaden im Georgianischen, Edwardianischen oder Viktorianischen Stil aufweisen und am westlichen Rand der Innenstadt liegen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die
Gentrifizierung, ein Begriff aus der Stadtsoziologie: im Wesentlichen besagt er, dass ein Austausch der Bevölkerung von ärmeren zu wohlhabenden Schichten stattfindet, die Grundstückspreise enorm steigen. Die ursprünglichen Bewohner – sofern sie Mieter sind – können sich die Wohnungen und Häuser hier nicht mehr leisten und wandern in andere Viertel bzw. in die Vorstädte ab. Als Beispiel kann hier die Portobello Road in Notting Hill dienen, früher unbeliebt, heute mit außerordentlich hohem Wohnungspreisniveau und sehr „hip“.

Der durchschnittliche Bewohner der Nobelviertel in London arbeitet im Finanz- oder Versicherungsbereich und mehr als die Hälfte der Kinder besucht Public Schools, was in England jedoch nicht öffentliche Schulen sind, wie der Name vermuten lassen könnte, sondern exklusive Privatschulen. Bezüglich der Einrichtung der Häuser und Wohnungen hat mich schon Anita in meinem Artikel „British Interior Style – Der britische Wohnstil“ gefragt, und im Großen und Ganzen kann ich drei verschiedene Typen ausmachen: 1) hypermodern mit viel Marmor und Kunst an den Wänden, eher spärlich und nüchtern eingerichtet. 2) im Grunde typisch British Style, nur doch irgendwie moderner, wenig Mustermix, und die Möbelstücke passen zusammen (eher keine verschiedenen Stilepochen) – mehr durchdesignt eben. 3) ein fröhliches Durcheinander von Flohmarktsachen, Laura Ashley und Landhausstil – dies ist allerdings mein ganz persönlicher Eindruck.

Das Problem bei diesen Vierteln ist, dass, wenn man einmal von der Abwanderung der ursprünglichen, weniger vermögenden Bevölkerungsschichten absieht, die Wohnungskosten regelrecht explodiert sind. Wer nicht gerade das Glück hat, aus einer Familie zu stammen, die schon vor 30 Jahren ein goldenes Händchen im Immobilienkauf gezeigt hat, muss einer der wenigen superreichen Londoner sein, oder Ausländer. Monetär ausgezeichnet versorgte Investoren kaufen ganze Häuserzüge auf. Wenn überhaupt, hält man sich hier nur wenige Wochen im Jahr im Dritt-, Viert- oder bestenfalls Zeitwohnsitz auf. Um allen Luxus in diesen oft relativ schmalen, nur wenige Stockwerke hohen Häusern unterzubringen, baut man in die Tiefe. Zwei, drei, vier oder noch mehr Etagen in der Tiefe sind keine Seltenheit. Man findet dort alles vom Weinkeller über das Hallenbad, Fitnessräume bis zum Spa.

Bei den Londonern sind diese Bauaktivitäten der superreichen Ausländer, die ständig Lärm, Schmutz und Staub verursachen, verständlicherweise nicht sonderlich beliebt, kommt es doch oft zum regelrechten Wettstreit, wer die Erde tiefer aushöhlen lässt.

Es bleibt abzuwarten, wie diese Entwicklung weitergeht. Und wer sich nicht auf die Suche nach einer neuen Bleibe in London aufmachen möchte, genießt die Viertel in diversen Filmen und Serien und nippt an seinem Afternoon-Tea. Und auch jene, die noch immer den Buckingham-Palast als Wunschdomizil auf der Liste ganz oben stehen haben: Zumindest für eine befristete Zeit kann man sich einer Führung anschließen und sich ausmalen, wie man den Bau wohl selbst neu einrichten würde, wenn er denn endlich bezugsfertig wäre.

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Pinehurst Court – Appartmentanlage in Notting Hill

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Die Burlington Arcade – noble Einkaufspassage in Mayfair

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Chester Square in Belgravia, eine der teuersten Londoner Adressen

Wie gefallen euch denn die für die Londoner Nobelviertel typischen Häuser?

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8 Kommentare

Annette 26. Januar 2014 - 17:40

Von diesen Gegenden und Häusern kann man tatsächlich nur träumen!
Meine Tochter studiert und lebt in London und selbst Studentenwohnungen in bei weitem nicht so bevorzugten Lagen sind extrem teuer – wie einfach das ganze Leben, egal ob Kino oder Restaurants.
Dennoch liebt sie die Stadt ebenso wie ich. In den vergangenen Jahren habe ich viel Zeit in London verbracht und bin immer wieder unheimlich gern dort.

LG
Annette

Antworten
Countess Claire 27. Januar 2014 - 12:35

Liebe Annette,
Wie schön, dass deine Tochter in London studiert und du so öfter die Gelegenheit und einen Grund hast hast, hinzufliegen. Ich liebe London auch!
Liebe Grüße,
Claire

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Anita 28. Januar 2014 - 12:28

Liebe Claire!
Vielen Dank & was für ein schöner Artikel.

Ich mag die Architektur und die findet man in London von Alt (mehrere Epochen) bis super Modern. Das ist so schön an dieser Stadt. Leben würden wir dort nicht wollen, doch wir kommen immer wieder auf ein Besuch vorbei und erkunden gegeläufig den Touristenfluss die Stadt auf unsere weise. Wir haben schon viele schöne und interessante Ecken kennengelernt.
London wird immer ein besonderer Ort für uns sein. Mein Mann hat mir ganz oben im London Eye zwischen den leuchtenden Sternen einen Heiratsantrag gemacht.
Ganz liebe Grüße, Anita

Antworten
Countess Claire 28. Januar 2014 - 14:47

Liebe Anita,
Vielen Dank für deine lieben Worte. London ist wirklich eine ganz besondere Stadt, ich freue mich auch immer, wenn ich dort bin.
Und wie romantisch dein Heiratsantrag!
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Anna 16. Februar 2014 - 15:21

Liebe Claire,

ganz wunderbare London-Artikel. Einige der Straßen kenne ich noch von meinen letzten Besuchen vor einigen Wochen und Monaten! Eine wunderbare Stadt, oder? Ich bin bald wieder dort und freue mich über Deine zahlreichen Tipps, die auf Deinem Blog zu finden sind.

Herzlichst
Anna

Antworten
Countess Claire 16. Februar 2014 - 19:44

Liebe Anna,
Vielen Dank, dass dir meine Artikel gefallen. Ja, London ist wirklich eine ganz tolle Stadt, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort bin.
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Dorothee 13. Januar 2015 - 15:54

Liebe Claire,
ein sehr schöner Artikel über London! Ich habe selbst in Chelsea gelebt und wenn man durch die Strassen schlendert vermutet man gar nicht mitten in einer Millionenmetropole zu sein!
Samstags ist der Markt am Duke of York Square ein absolutes Muss!

Liebe Grüsse
Dorothee

Antworten
Countess Claire 14. Januar 2015 - 11:31

Liebe Dorothee,
Vielen Dank für deinen Kommentar, es freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Ich liebe London und freue mich stets, wenn ich wieder dort bin. Danke für den Tipp!
Liebe Grüße,
Claire

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