Ein perfektes Abendkleid bitte!

von Countess Claire

Nun ist es wieder soweit: die Ballsaison hat begonnen und diverse Events stehen ins Haus. Naheliegend ist es da, die Abendgarderobe etwas aufzustocken. Nun ist es zwar nicht so, dass ich gar kein passendes Outfit habe, doch wäre es wieder einmal an der Zeit für eine Neuanschaffung: ein perfektes Abendkleid nämlich.

Normalerweise bin ich, was meine Garderobe betrifft, ein unkomplizierter Mensch. Ist die Bluse an der Taille vielleicht eine Spur zu weit? Kein Problem, solange sie über der Brust nicht spannt, wird sie behalten. Ist die Hose nicht ganz so olivgrün, wie ich mir das vorgestellt habe, sondern tendiert mehr Richtung moosgrün? Was macht das schon? Hauptsache, sie ist überhaupt grün!

Ein perfektes Abendkleid

von links oben nach rechts unten: 2 Abendkleider von Luxuar, Marchesa Notte und Mascara bei Zalando. Abendkleider von Badgley Mischka, Matthew Williamson, Giambattista Valli und Marchesa Notte bei The Outnet.

Doch bei den Kleidern werde ich wirklich ganz genau: die müssen nämlich exakt meinen Vorstellungen entsprechen, was die Sache nicht unbedingt erleichtert. Schließlich ist ein entsprechender Anlass meist etwas Besonderes und – ich gebe es zu – da möchte auch ich besonders chic aussehen. Für Dirndlkleider habe ich meine speziellen Vorlieben, die da wären: ausschließlich Balkonettausschnitt, Miederhäkchen und wadenlang – keine Schnürungen, kein Reißverschluss, ja nicht einmal Knöpfe darf mein Dirndl haben.

Kleider für Hochzeiten und andere formelle Tagesanlässe sind bei mir immer kniebedeckend, nicht dekolletiert und am liebsten mit Ärmeln – falls nicht, muss es ein passendes „Darüber“ geben: Bolero, Blazer oder Mantel, letztere sollte allerdings länger als das Kleid sein (was auch immer ein größeres Problem darstellt).

Ihr seht, es ist nicht leicht, aber am schwierigsten habe ich es mit den Abendkleidern. Meine gefühlten 157 Kriterien, die ein perfektes Abendkleid erfüllen sollte, kann ich euch nicht alle aufzählen, wohl aber die wichtigsten:

Ein perfektes Abendkleid muss die perfekte Länge haben

Mit der Passform ist ja ziemlich einfach. Entweder das Kleid ist zu eng, dann empfiehlt es sich, eine Nummer größer zu probieren. Oder aber es ist zu weit, dann kann man es bei der Schneiderin seines Vertrauens enger machen lassen. Das gilt auch für Kleider, die zu lang sind. Das Kürzen ist eine relativ unkomplizierte Sache. Doch ist das Kleid zu kurz, bleibt einem nichts übrig, als ein anderes Modell zu wählen. Das Herauslassen von Stoff bringt meistens zu wenig, der ursprüngliche Saum lässt sich oft nur schwer glattbügeln, und das „Anstückeln“ kommt schon gar nicht in Frage. Ein Abendkleid ist für mich als sehr große Frau perfekt, wenn es wirklich bodenlang ist und man maximal die Schuhspitzen sieht – da bin ich ganz genau. Hier seht ihr ein Beispiel für die perfekte Länge: „Claires Outfit für die Salzburger Festspiele“ – so hoffe ich wenigstens. Abhilfe schaffen da die sogenannten Langgrößen, die Auswahl ist jedoch viel zu klein, um meine unzähligen anderen Voraussetzungen für ein perfektes Abendkleid zu erfüllen.

Ein perfektes Abendkleid muss figurschmeichelnd geschnitten sein

Mit figurschmeichelnd meine ich nicht so körperbetont und schlauchartig, dass sich jedes zuvor verspeiste Salatblatt abzeichnet – gut, ein Salatblatt wäre nicht das Problem -, aber wenn ich etwas Figurumspielendes tragen möchte, ziehe ich lieber einen Parka an. Also bitte ein Mittelding!

Ein perfektes Abendkleid hat Ärmeln und ist nicht dekolletiert

Es ist ja beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, ein Abendkleid mit Ärmeln zu finden. Aber wie wir alle wissen, sind es nicht nur die zarten Elfen, die in ärmellosen Ballkleidern über’s Tanzparkett schweben, sondern auch jene, deren Fülle sich kaum von Corsagen bändigen lässt und die noch nie ein Oberarmtraining à la Michelle Obama gemacht haben. Nun, ganz so fatal ist die Lage bei mir nicht, dennoch gefallen mir Kleider mit kurzen oder Dreiviertelärmeln besser. Zur Not tut’s aber auch eine Stola. Überhaupt ist mein Traumkleid nicht besonders weit ausgeschnitten – Dekolleté gehört für mich zum Dirndl.

Ein perfektes Abendkleid muss aus hochwertigem Stoff sein

Ein Blick auf die diversen Webseiten zeigt, dass eine große Anzahl aus Kunstfaser bzw. einem Kunstfaser-Naturfaser-Gemisch hergestellt wird, und zwar unabhängig vom Preis – wenngleich man auf einem Online-Designer-Shoopingportal sicherlich mehr Kleider aus reiner Seide findet. Dünne, fließende Seide ist vielleicht das Material, welches man sich für eine Bluse wünscht, aber nicht unbedingt ideal, was das Umhüllen von Problemzonen – oder was wir dafür halten – ist.

Der Stoff sollte „Körper“ haben, wobei Chiffon (hier gibt es wiederum welchen aus Seide und auch aus Kunstfaser) durchaus in Ordnung ist, solange er aus mehreren Lagen besteht.

Wo kauft man ein perfektes Abendkleid?

So gern ich auch online shoppe (im Artikel „Onlineshopping – Ein No-Go für die Dame“ haben wir schon einmal darüber gesprochen), bei Abend- und Ballkleidern war ich diesbezüglich noch nie erfolgreich – nicht, dass ich es nicht schon das eine oder andere Mal versucht hätte… Meine 157 Kriterien für das perfekte Abendkleid wollen alle erfüllt sein, und über das besagte Längenproblem kann auch ein noch so schönes Kleid nicht hinwegtäuschen.

Ein perfektes Abendkleid 2

Ganz nach meinem Geschmack: Langes Tüllkleid von Marchesa Notte, Clutch von Iris and Ink und Satinpumps mit Kristallen von Oscar de la Renta, alles bei The Outnet.

Dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit, einfach in den herkömmlichen Läden- Boutiquen, Kaufhäusern oder Brautausstattern nach seinem Glück zu suchen. Gebilde mit Corsage und hauchfeinen Spaghettiträgern mögen zwar an Schaufensterpuppen gut aussehen, sicher aber nicht an jeder Frau. Und dann gibt es noch die Kleider, die mit ihrem Pomp besser auf den Wiener Opernball passen als zu jeder anderen Black Tie Veranstaltung.

Bei der Jagd nach dem perfekten Abendkleid wird man unweigerlich auf die diversen Webseiten asiatischer Maßkonfektionäre im Billigpreissegment stoßen. Wohl ist es bestrickend, unter all den Traumkleidern seines auszuwählen, seine Maße zu übermitteln und wenige Wochen später ebendieses Traumkleid geliefert zu bekommen – ein Blick auf die dementsprechenden Reviews auf den unterschiedlichsten Foren verrät aber, dass es mehr enttäuschte Bräute und Ballkleidbesitzerinnen gibt als zufriedene. Die Qualität wird wahrscheinlich doch zu wünschen übrig gelassen haben.

Zu guter Letzt bleibt einem noch immer die Möglichkeit, in ein Coutureatelier vor Ort zu gehen und das perfekte Abendkleid maßschneidern zu lassen.

Für mich steht fest: meine Suche nach dem perfekten Abendkleid geht in die nächste Runde. Sobald ich mein Traumkleid gefunden habe, lasse ich es euch wissen.

Wo kauft ihr eure Abendkleider und sind eure Ansprüche an euer Kleid auch höher als an den Rest der Garderobe? Wie sieht euer Traumkleid aus?

6 Kommentare

Major McMorghey 25. November 2015 - 10:24

Werte Countess, Myladies
Sie gestatten, dass ich hier als erster – und erst noch als Mann – einen Kommentar hinterlasse.

Als Mann hat man ;-) es ja leichter in dieser Beziehung. Uniform geht bei vielen Anlässen, an anderen ist der Frack oder Smoking angebrachter. Im schlimmsten Falle lässt sich so etwas auch mieten.

Meine Partnerin näht ihre Kleider selber. Auch sie mag es bodenlang, doch mit Décolleté . Die Tiefe desselben bestimmt sie jeweils selber.
Ihre Ärmel sind meist dreiviertlang, vielfach dann noch mit Spitzenmanschette.
Die Stoffe variieren je nach Modell. Tatsächlich hat sie sich schon aus Denimstoff ein Kleid genäht, welches zu unseren Lieblingen gehört.
Meine Partnerin „nähte“ sich auch schon in ein gekauftes Abendkleid, damit es dann eben perfekt passte.

Hochachtungsvollst und mit allen guten Wünschen für Ihre weitere Jagd.
The Major

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Countess Claire 26. November 2015 - 16:22

Lieber Major,
Ich muss gestehen, dass ich an die Möglichkeit, ein Kleid selbst zu nähen, gar nicht gedacht habe. Meine Nähkünste reichen grad mal für’s Knopfannähen ;-) Aber toll, wenn man’s kann!
Liebe Grüße,
Claire

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Lady Petite 26. November 2015 - 13:06

Hallo Claire,

wer, wie Du, eine so konkrete Vorstellung hat, sollte einen Maßschneider besuchen. Ich konnte es nicht herausfinden ob es auch Dolzer in der Schweiz gibt. Jedoch ist mir bekannt, dass es viele Schneidereien gibt. Mein Mann kauft nie mehr einen Anzug von der Stange. Es hat geringfügig mehr gekostet, aber dafür um 200 % bessere Passform und Stoffqualität. Hemden werden wir auch bald dort Ordern, ich bin es leid nach der bestimmten Farben unendlich zu suchen.

Die haben jetzt ein Abendkleid in der Kollektion, mit Arm. Bei der unglaublichen Auswahl von Stoffen und Farben, ist eine Kundin, wie Du, mit konkreten Vorstellungen von Farbe, und Stoff, genau richtig aufgehoben.

Der Schnitt dieses Abendkleides http://www.dolzer.com/lady/ceremonial/artikel/Lady-in-Red-00001/
erinnert mich auch stark an das Kleid (seiten Schlitz) http://www.newmyroyals.com/2013/12/the-duke-and-duchess-of-cambridge_6.html

Auch Kate hat ihre Probleme Kleidung von der Stange in der richtigen Länge zu finden. Ist zwar gut auch solche „günstigen“ Kleidungstücke, aber dann nicht als Mini ;)

So hat jeder sein Paket zu tragen und ggf. Kompromisse einzugehen.
Genau aus diesem Grund habe ich angefangen zu nähen. Selten gefiel mir ein Kleidungstück von der Stange. Meisten, ist es auch aus wirtschaftlichen Gründen oft nur teilweise hochwertig. Hochwertiger Oberstoff, dann aber günstiges Futter – entspricht nicht meinem Geschmack. Von der Passform, für mich, als kleine Frau ganz zu schweigen.

(Vor einigen Jahren war da einfach noch ein ganz andere Qualität, als es noch nicht die Masse an Kleidung gab und auch die Kunden auch mehr Qualität, statt Marke erwarten haben).

Ich wünsche Dir viel Erfolg – es ist nicht einfach. Würde Dir aber empfehlen nicht die bekannten (Trend-Mode-Häuser) aufzusuchen, sondern mal die Nischen ausprobieren. Die legen mehr Wert auf Schnitt, Stoff und Form. Einige bekannte Häuser (zb Peek & Cloppenburg) haben auch gute Änderungsschneider im Haus und große Abendkleiderabteilungen.

Viele Grüße Anita

Antworten
Countess Claire 26. November 2015 - 16:34

Liebe Anita,
Vielen Dank für den Tipp mit Dolzer. Das rote Kleid finde ich zwar sehr schön, jedoch ist es mir wiederum zu schlicht – du siehst, ich bin wirklich kompliziert. Abrede Gehröcke, Blazermäntel und Etuikleider aus der Ceremonial-Linie sind wunderbar! So was brauche ich auch immer!
Nein, ich denke, Dolzer gibt’s in der Schweiz nicht, aber die nächstgelegene Filiale wäre Konstanz. Mal sehen.
Ja, es ist wirklich fast zum Verzweifeln: auch hochwertige Stücke aus guter Qualität haben oft ein minderwertiges Futter. Da beneide ich dich, dass du dir die Sachen selbst nähen kannst. Ich bin gespannt, ob ich noch fündig werde oder einfach ein altes Abendkleid aus meinem Fundus ausgrabe ;-)
Liebe Grüße,
Claire

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Anna 6. Oktober 2016 - 22:53

Liebe Claire,

ich habe diesen Blog gerade erst entdeckt und bin ganz begeistert!

Das Thema „Abendkleid“ ist für mich ein besonders leidiges, da ich als Opernsängerin darauf angewiesen bin, eine ganze Reihe an „glamourösen“ Kleidern zur Auswahl zu haben.

Ich habe nun, ganz entgegen Deiner Erfahrungen, mit dem China-Direktimport recht gute Erfahrungen gemacht. Ich hatte das eigentlich ausprobiert, weil ich die immer gleichen Chiffonkleider ohne Form mit Spaghettiträgern nicht kaufen wollte; keine Ahnung, an welcher Frau diese Kleider gut aussehen, ich denke, die Meisten wissen einfach gar nicht mehr, wie schön sie wären, wenn sie ein ordentliches Kleid- mit Ärmeln z.B. – tragen würden. Dann habe ich etwas bemerkt, was mich sehr ärgert: Tatsächlich sind die Kleider, die ich in gängigen Kaufhäusern erstehen kann, dieselben Kleider, nur durch Zwischenhändler im Preis deutlich teurer. Oft ist auch im Kaufhaus die Verarbeitung sogar schlechter als die der Kleider, die ich in China bestellt hatte (ungenaue Nähte, schlecht verarbeiteter Saum, bei Falten und Rüschen unverarbeitete „Stoffetzen“ die einfach nur in die Falten gestopft sin…). Als ich zuletzt durch diverse Brautgeschäfte zog, habe ich gesehen, dass dies selbst für die Fachgeschäfte für Braut- und Abendmode gilt, jedenfalls in einem mittleren Preissegment – sobald man echte Topmarken kauft, sieht das natürlich anders aus, aber die sind dann meist für die Bühne gar nicht so sehr geeignet, da zu schlicht. Allerdings meine ich, dass auch ein Kleid für fünfhundert Euro deutlich besser verarbeitet sein sollte als eines, das man sich in China für hundert Euro kaufen kann, und leider ist dem nicht unbedingt so!

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe beschlossen, dass es für mich keine Alternative zum Schneidern lassen gibt. Nur dann kann ich alle „157 Kriterien“: Ärmel, hochwertiger Stoff, schönes Dekolleté, klassischer Schnitt mit etwas Stand etc. etc. erfüllt sehen. Jetzt bin ich auf der Suche nach einer Schneiderin, die meine Wünsche umsetzen soll, und freue mich dann auf mein erstes wirklich rundum und 100% „perfektes“ Abendkleid!

Herzliche Grüße und danke für diesen Blog!

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Sabrina 1. Februar 2020 - 01:48

Hi zusammen,

leider kann ich einige Aussagen nicht unterschreiben. Grundsätzlich kann durch high heels die Kleiderlänge kompensiert werden ohne große Schneiderei. Also keine große Sache. Ich finde das Thema: ÖKOLOGISCHES VERHALTEN IN DER MODEWELT ist doch mittlerweile viel wichtiger. Diese Themenwerden kaum angesprochen. Heutzutage ist der Druck durch Instagram & Co. groß, in jeder Situation passend und vorzeigbar gekleidet zu sein, vorzugsweise mit teuren und aktuellen Designs. Ich habe immer neue Abendkleider für die versch. Events gekauft. Diese konnte ich leider auch nur max. 2 mal anziehen. Danach lag es nur noch herum. Ein weiterverkauf war aufwendig und das Geld was es Wert war konnte auf Seiten wie Kleinanzeigen sowieso nicht reingeholt werden. Ich habe nun mit der Anmietung von Kleidern angefangen. Das schöne dabei ist, dass es viele hochwertige Anbieter auf dem Markt tummeln. Bspw. war meine Erfahrung mit dressyatelier.de tolal positiv. Die Modeindustrie hinterlässt einen enormen ökologischen Fußabdruck auf unserem Planeten. Nach und nach sollte sich unser Gedankengut allerdings auf ökologisch faireres Verhalten in der Modewelt richten.

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