The British Season – Teil 1

von Countess Claire

Miss Kate, die Expertin für den British Upper Class Lifestyle, schreibt heute in ihrer Kolumne über die British Season. Ihren bezaubernden Blog, der sich mit dem englischen Lebensstil befasst, könnt ihr hier sehen. Aber nun begeben wir uns mit ihr auf eine kleine Zeitreise ins London der vergangenen Jahrhunderte.

The British Season

Die „British Season“ vereint alles, was man sich als junges Mädchen, das alljährlich beim Wiener Opernball vor dem Fernsehgerät mit debütierte, für den Sommer an Unterhaltungsprogramm gewünscht hat, umgeben von gut situierten jungen Damen und Herren.

1870-London-season-cartoon

Damen der Londoner Society auf einem Cartoon im Harper’s Bazaar, ca. 1870: Wer wird vorgestellt, wer ist daheim geblieben, wer wird brillieren, wer wird siegen oder untergehen, und wer hat sein Debüt schon letzte Saison gegeben?

Im späten 18. Jahrhundert wurde die Präsentation junger adeliger Damen im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren bei Hofe auf dem sogenannten Queen Charlotte’s Ball eingeführt. Ursprünglich sollten einige auserwählte junge Damen in weißen Kleidern die Geburtstagstorte für die Königin eskortieren. Daraus hat sich dann das Einführen in die Gesellschaft ergeben; im frühen 19. Jahrhundert war diese Entwicklung bereits fest etabliert.

Es war sehr schwierig, bei Hofe vorgestellt zu werden, denn es unterlag einer strengen Regelung. Eine junge Dame konnte nur von ihrer Mutter, Großmutter, von einer Verwandten oder guten Freundin der Familie vorgestellt werden, die ihrerseits wiederum debütiert hatte.

Wir erinnern uns an dieser Stelle gerne an die quirlige Lady Rose McClare, die von ihrer Verwandten Lady Cora Countess of Grantham (of Downton Abbey) eingeführt wurde…

Es war also nicht ganz leicht, bei Königs, und damit bei der upper class, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Praktischer- und bequemerweise konnte man so unter sich bleiben. Mit dem Wachstum der Industrie war Reichtum nicht mehr nur Privileg der upper class. Die Tochter eines reichen Kaufmanns konnte nahezu problemlos durch die Heirat mit einem Adeligen gleichzeitig die upper class erklimmen. Ihr Ansehen mag zweifelhaft gewesen sein, aber immerhin wurden dann ihre Kinder als vollständige Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert. So wurde der britische Genpool zumindest erweitert.

Erst Queen Elizabeth II. hat diese Tradition des Vorstellen bei Hofe 1958 abgeschafft, weil die gesellschaftlichen Abstufungen bis dahin immer mehr verschmolzen waren. Princess Margaret, die Schwester der Queen, soll dazu gesagt haben: „We had to put a stop to it.  Every tart was getting in.“ Verwandt sind sie trotzdem alle, so eine Insel hat auch ihre Grenzen…

Über 150 Jahre lang ist die „Season“ sozusagen der Heiratsmarkt für Debütantinnen. Über Wochen und Monate wechseln sich Parties, Bälle, Konzerte und Sportveranstaltungen ab, und man verbringt den Sommer unter seinesgleichen. Alles, was Rang und Namen hatte, fand sich überwiegend von Mai bis Ende Juli in London ein. Die Präsentation bei Hofe war nur der Startschuss der
Season.

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Unter Queen Elizabeth II wurde das Vorstellen bei Hofe abgeschafft.

Im August floh man nach Südfrankreich für den weiteren Sommerkick oder aber reiste aufs Land, wo man anschließend Erholung und mit seinem Wohlstand Freunde und Bekannte zu beeindrucken suchte, denn hier erst wurde das Ausmaß der Familiengeschichte und damit die gesellschaftliche Bedeutung für alle Beteiligten sichtbar.

Ein anderes Ziel war Schottland, um am 12. August die Jagdsaison zu eröffnen. Es konnte zuweilen in Stress (Freizeitstress!!) ausarten: „It was a dreadful nuisance, of course, but a fellow would have to go down to Cowes for the first week in August, then go up North to shoot the grouse or stalk the deer. A woman invited for a weekend at one of the great houses would have to take several large trunks, and then would have to be changing clothes – and always looking her best – half-a-dozen times a day. A free-and-easy life in theory, in practice it was more highly disciplined than the life of a recruit in the Life Guards.” (J.B. Priestley,
“The Edwardians”, 1972)

Früher waren es die Mütter, die das “Coming out” ihrer Töchter organisierten. Wer nicht auf Mamas Liste stand, hatte keine Chance im gesellschaftlich angesehenen Umgang mit der holden Tochter. Heutzutage ist alles weniger streng. Auch ohne Präsentation vor der Königin findet die Season trotz allem beinahe nach alter Manier und mit Einführungsbällen statt. Fein, aber nicht zuletzt auch eine feuchtfröhliche Festivität!

Freuen wir uns alle auf Teil 2, demnächst geht es weiter. Denn auch in der Gegenwart reiht sich eine Veranstaltung der Season an die andere…

Ihr Lieben, wäre so eine Season mitsamt Vorstellung vor dem englischen Königshaus nicht ganz nach eurem Geschmack?

4 Kommentare

Martin G. 15. Oktober 2015 - 10:08

Mein Kompliment, Miss Kate, ein vortrefflicher Beitrag, der zu meiner Freude mit viel Humor versehen ist.

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Miss Kate 30. Oktober 2015 - 17:52

Meinen herzlichen Dank, lieber Martin, das freut mich sehr!

Herzliche Grüße,

Kate.

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Major McMorghey 15. Oktober 2015 - 13:14

Mylady, Miss Kate!
Besten Dank für diesem erfrischenden Artikel. Schade kennt man das Debüttieren in der Schweiz nicht, zumindest ich nicht. Dei Jungbürgerfeier gehärt ja wohl kam dazu.
Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Hochachtungsvollst
The Major

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Miss Kate 30. Oktober 2015 - 17:53

Hochverehrter Major,

es freut mich abermals, dass Ihnen der Artikel gefällt!

Herzlichst,

Kate.

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