The British Season – Teil 2

von Countess Claire

Miss Kate, die Expertin für den British Upper Class Lifestyle, schreibt in ihrer Kolumne über die British Season. Heute geht es weiter mit Teil 2. Habt ihr den ersten Teil verpasst? Kate’s bezaubernden Blog, der sich mit dem englischen Lebensstil befasst, ist immer einen Besucht wert. Aber nun begeben wir uns mit ihr ins London der Gegenwart. Vorhang auf für die British Season, die zweite!

The British Season

Die meisten Veranstaltungen haben in der Tat schon eine jahrhundertealte Tradition, beispielsweise die
Henley Royal Regatta seit 1839, The Derby seit 1780 (DAS klassische Pferderennen, in den USA als Epsom Derby bekannt).
Royal Ascot blickt auf eine 300-jährige Tradition zurück. Die Regeln sind in etwa die gleichen geblieben.

Depositphotos_76558907_m-2015

Zur British Season gehört auch das Pferderennen in Ascot – hier die Royal Enclosure. Die Herren tragen Cut und Zylinder, die Damen ein knielanges Ensemble und Hut bzw. Fascinator. Näheres gibt’s in meinem Artikel Dresscode Cutaway.

Inzwischen gibt es auf allen Veranstaltungen einen formulierten Dresscode. Das, was einem jungen Menschen mit gesellschaftlichem Rang seinerzeit schon mit der Muttermilch eingetrichtert wurde, ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Daher sehen sich viele Veranstalter nahezu genötigt, die Gäste darauf hin zu weisen, welche Bekleidung gewünscht wird. Und ganz ehrlich, was wären die Henley Royal Regatta ohne die eleganten Anzüge oder gestreiften Blazer der Herren und Royal Ascot ohne den fulminanten Kopfputz der Damen?!

Mit ‚Glorious Goodwood’ in merry-old Sussex wird nicht nur Pferderennen (Ende Juli/ Anfang August) verbunden, sondern wird auch das „the Ascot of the motor-racing world“ (Debrett’s) genannt. Hier treffen Mitte Juli Oldtimer, vor allem jene aus der Formel Eins, aufeinander. Der Dresscode hierfür gestaltet sich weniger streng als in Ascot (bloß kein Morning Coat und Zylinder!), aber eine gewisse (sportliche) Eleganz (jeanslos) ist trotzdem gewünscht (Polokragen statt Krawatte ist akzeptiert, aber die Dame bitteschön nicht in aufreizender Nachtclub-Garderobe oder karnevalistischem Hasenkostüm!).

Bekannte Termine sind das Cheltenham Festival (März), die Chelsea Flower Show (Mai), Badminton Horse Trials (Mai), ab Mai bis Ende Juli Glyndebourne Opera Festival (dekadentes Picknick (hier und hier könnt ihr nachlesen, wie ein englisches Picknick aussieht) im Grünen in Black Tie, dazu Opernmusik vor historischer Kulisse. Perfekt!!); The Derby (Juni), Royal Ascot (Juni), Henley Royal Regatta (Juni), British Grand Prix (Juli), Cartier International Polo (Juli), The Open [Golf] Championship (Juli), Glorious Goodwood (Juli und August), Burghley Horse Trials (August) und außerhalb der High Season Last Night of the Proms (September), London-to-Brighton-Veteran Run (November) und Burns’ Night (im Januar).

Glyndebourne_2

Das Glyndebourne Opera Festival – Opernmusik, Dresscode Black Tie und ein Picknick vor historischem Hintergrund. Foto von Wolfiewolf

Bälle und Parties begleiten die Saison zwischen den Terminen, zum Beispiel die Gartenparty der Queen im Garten des Buckingham Palace (April) und der Royal Caledonian Ball (Ende April/ Anfang Mai). Bei Letzterem feiert sich Schottland mitten in London, im Grosvenor House in Marylebone). Der gesamte schottische Hochadel hält Einzug und danach wird gereelt, was die Schuhe aushalten! Die Dame erhält eingangs ihre kleine Tanzkarte, auf der sich schnittige Herren in noch schnittigeren Uniformen und familieneigenen tartan kilts für die Tänze eintragen können (ein unvergesslicher Ball übrigens!).

So finden vielerlei Veranstaltungen den gesamten Frühling und Sommer statt, zu der sich die upper class hinreißen lässt, wo trotz allem überwiegend in eigenen Kreisen verkehrt wird. In erster Linie wird nicht mehr geheiratet, sondern sich eine Saison lang amüsiert!

Viele „Gesellschaftsteilnehmer“ leben ohnehin überwiegend in der Stadt. Mit Stadt ist natürlich London gemeint. In den höheren Gesellschaftsschichten spricht man von „being in town“. Egal, ob Bristol oder Newcastle-u.-T. die nächste große Stadt ist, „in town“ ist man erst in London. Denn entweder war man eben auf seinem Landsitz oder in London.

Vielen Dank liebe Kate für diesen kurzweiligen, amüsanten und informativen Bericht!

Liebe Leser, würdet ihr nicht auch gern einmal an Veranstaltungen der Season teilnehmen? Oder habt ihr vielleicht schon Ascot, Glyndebourne oder Cheltenham besucht?

2 Kommentare

Hanna 21. Oktober 2015 - 08:17

Sehr schöner Artikel! Welch ein Jammer, dass man nicht in diese Jane-Austen-Welt hineingeboren ist :-D

Antworten
Miss Kate 31. Oktober 2015 - 13:14

Liebe Hanna,

vielen Dank für das Kompliment.
Es wäre in der Tat zu schön, wenn man alljährlich die Season in allen Facetten mitmachen könnte, im Bilderbuch-Outfit und in Bilderbuch-Gesellschaft vor Bilderbuch-Kulisse, und immer ein bisschen Jane Austen im Herzen!

Herzliche Grüße,

Kate.

Antworten

Schreibe einen Kommentar