Tischsitten oder die Kunst, sich bei Tisch richtig zu benehmen, Teil 2

von Countess Claire

Guten Morgen, liebe Damen und Herren! Heute geht es schon weiter mit dem zweiten Teil zum Thema Tischsitten. Den ersten Teil habt ihr vielleicht schon gelesen.

Die Serviette

Die Serviette wird erst auf den Schoß gelegt, wenn der Gastgeber dies tut. Man faltet sie einmal und legt sie mit dem Bug Richtung Knie auf die Oberschenkel. Die „offene“ Seite ist nun dazu da, sich den Mund abzutupfen. Und zwar ausschließlich den Mund abzutupfen. Es wird mit ihr weder am Tisch gewischt noch putzt man sich mit ihr die Nase, sie ist auch kein Brillenputztuch. Es soll ja auch wirklich noch Erwachsene geben, die sich die Serviette ins oberste Knopfloch stecken oder sonst auf irgendeine Weise ein Lätzchen aus ihr formen. Das ist ok, wenn man den Eindruck erwecken will, man könnte das Essen nicht ohne Malheur in den Mund befördern. Never ever! Ausnahme Hummer- und Krebsessen. Vorm Trinken tupft man sich die Lippen ab, um unschöne Ränder am Glas zu vermeiden.

Förmliches Tischgedeck für eine Person

Förmliches Tischgedeck für eine Person, die Serviette fehlt hier allerdings.

Steht man zwischenzeitig vom Tisch auf, legt man die Serviette etwas nachlässig einmal gefaltet links neben den Teller, jedoch niemals auf den Stuhl, wie es in den USA üblich, aber in Wirklichkeit völlig unhygienisch ist. Ist die Serviette zu Boden gefallen, hebt man sie nicht auf, sondern lässt sich eine neue bringen. Dass das nur fürs Restaurant gilt und nicht beim Weihnachtsessen mit der Familie, sollte selbstverständlich sein. Nach Beendigung der Mahlzeit wird die Serviette einmal gefaltet links mit einer möglichst sauberen Seite nach außen neben den Teller gelegt. Niemals auf den Teller! Aber bitte nicht zu ordentlich falten, man will dem Gastgeber ja schließlich nicht unterstellen, er wolle die Serviette noch einmal verwenden.

Wohin mit den Händen?

Dass man bei Tisch nicht lümmelt, außerdem gewaschen und gekämmt ist und nicht im Unterleibchen à la Mundl (falls ihr „Ein echter Wiener geht nicht unter“ kennt) sitzt, ist selbstverständlich. Die Speisen werden vom Teller zum Mund geführt und nicht umgekehrt. Trotzdem sieht man immer wieder im Benehmen nicht so bewanderte Zeitgenossen, die maximal fünf Zentimeter über den Teller gebeugt schweigend ihre Suppe löffeln. Beide Hände liegen etwas bis zu den Handgelenken am Tisch, niemals stützt man die Ellbogen auf. Und nein, die linke Hand verschwindet auch nicht beim Suppenlöffeln unter den Tisch. In den USA zB. wird das anders „gehandhabt“, das zuerst vorportionierte Essen wird mit der Rechten gegessen, sodass sich die Linke am Schoß ausrasten kann (dazu demnächst auf diesem Blog).

Wohin mit der Handtasche?

Diese Frage stellt sich natürlich nur, wenn man auswärts isst. Sei es im Restaurant, bei einer Dinnerparty oder einem Geschäftsessen, stets gilt: die Handtasche gehört niemals auf den Tisch. (Hüte übrigens auch nicht, aber das ist ein anderes Thema.) Einerseits gibt es den hygienischen Gesichtspunkt, andererseits hat es den Grund, dass man einen schön gedeckten Tisch nicht mit sachfremden Gegenständen verunzieren soll. Aber wo kann der unverzichtbare Begleiter jeder Dame seinen Platz finden? Es soll ja Frauen geben, die selbst auf einem Langstreckenflug stets ihr Täschchen am Schoß umklammern müssen und sich niemals von ihm trennen würden. Die Lösung ist einfach: Entweder über die Stuhllehne gehängt (das kann allerdings das Servierpersonal bzw. den Service stören), auf einem leeren Nachbarsitz oder auf dem eigenen Stuhl, hinter den Rücken. In tollen Restaurants gibt es oft kleine Hocker, die nur zum Ablegen der Tasche dienen.

Es sind noch viele Fragen offen? Ich weiß, daher findet ihr demnächst hier am Blog den dritten Teil meiner kleinen Serie über die Tischsitten. Es werden die Themen „Umgang mit den verschiedenen Speisen„, Körpergeräusche und das Zuprosten behandelt.

Welche Meinung habt ihr zu den von mir behandelten Punkten?

Das könnte dir auch noch gefallen:

12 Kommentare

Cornelia 1. Oktober 2014 - 21:34

Liebe Claire,

wie schön, dass Du das Thema „Serviette“ so plakativ behandelst. Es ist erschreckend, wie viele Zeitgenossen damit nichts anzufangen wissen.
In einer Hoteliersfamilie aufgewachsen wüsste ich gar nicht, wie ich eine Mahlzeit ohne Serviette einnehmen sollte. Sie gehört selbstverständlich dazu. Auch im Alltag verwenden wir Stoffservietten – die allerdings aus Umweltgesichtspunkten und wenn möglich mehrmals am Tag (für jedes Familienmitglied bis zur nächsten Mahlzeit in einen Initialenring geschoben) Verwendung finden, bevor sie gewaschen werden. Aber Servietten, zumal Stoffservietten finden manche, gerade junge Besucher sehr befremdlich – das wiederum finde ich sehr schade.
Aber zum Thema Handtasche habe ich eine mich drängende Stilfrage an Dich: Ich bekam zum Geburtstag einen Taschenhalter geschenkt. Einen sehr hübsch verzierten Knopf, von dem man einen Haken ausklappen kann, der die Tasche am Tisch hält. In Gemeinderatssitzungen hab ich das schöne Stück oft dabei, denn dort gibt es tatsächlich keine andere Möglichkeit, die Tasche unter zu bringen und ich muss auch häufig aus der Tasche etwas entnehmen, also ist es mir angenehmer, sie hängt am Sitzungstisch am Haken, als dass sie immerzu auf dem Boden steht und ich mich wieder und wieder hinunter bücken muss.
Aber den Taschenhalter zum Beispiel beim gepflegten Dinner im Restaurant zu verwenden, hab ich mich bisher gescheut. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht gegen alle Etikette ist, an der Tischkante so einen Halter anzubringen, um die Handtasche daran zu hängen? Man macht damit ja auch eventuell Falten und Knicke ins Tischtuch, denke ich mir. Aber vielleicht bin ich ja nicht „up to date“.
Über Deine Meinung hierzu würde ich mich sehr freuen.
Herzliche Grüße
Cornelia

Reply
Countess Claire 2. Oktober 2014 - 19:06

Liebe Cornelia,
Die Stoffservietten daheim öfters zu verwenden finde ich eine wunderbare Idee, der Umwelt zuliebe ist das sehr vernünftig.
Eine gar nicht so leicht zu beantwortende Frage mit dem Taschenhalter. Ich muss gestehen, bis vor ca. einem halben Jahr war mir gar nicht klar, dass es so ein Ding überhaupt gibt, und bisher bin ich immer prächtig ohne es ausgekommen.
Ich denke, es gibt gar keine Stilregel, ob und wie man diesen Haken allenfalls verwendet, angeblich hat sogar die Queen ihren Bagbutler immer dabei (behauptet zumindest der Hersteller).
Bei der erwähnten Gemeinderatssitzung ist ein Taschenhalter wahrscheinlich sinnvoll und praktisch.
Trotzdem bin ich nicht ganz überzeugt von so einem Teil. Im Restaurant würde ich ihn höchstwahrscheinlich nicht benutzen, irgendwie sind die Bilder, auf denen man so eine an einem Haken am Tisch festgemachte Tasche (meist aus Kunstleder) baumeln sieht, nicht so ansprechend ;-)
Aber das ist nur meine persönliche Meinung und keine allgemein gültige Regel.
Liebe Grüße,
Claire

Reply
Bianca 3. Oktober 2014 - 10:54

Ein wirklich schöner Post. Ja das Problem mit den Servietten ist wirklich allseits bekannt. Nicht selten sehe ich im Restaurant Menschen, die sich eine Serviette in den Kragen stecken. Ein Latz braucht mein kleiner Sohn, aber doch kein erwachsener Mensch. Da kann ich immer nur den Kopf schütteln. Wir nutzen zu Hause auch oft Stoffservietten, allerdings meist nur zum Mittag, weil das Frühstück doch chaotischer ausfällt.
Liebe Grüße Bianca

Reply
Countess Claire 3. Oktober 2014 - 11:35

Liebe Bianca,
Vielen Dank für deinen Kommentar. Von leicht chaotischen Mahlzeiten mit Kleinkindern kann ich auch ein Liedchen singen. Aber spätestens mit 4 Jahren ist fast alles so, wie es sein sollte ;-)
Liebe Grüße,
Claire

Reply
Nick 4. Oktober 2014 - 07:59

Hallo Claire,
bezüglich der Servietten habe ich eine Frage. Wie sieht es mit farbigen Lippenstift und Stoffservietten aus? Ich benutze eine Stoffserviette immer mit einem schlechten Gewissen, wenn ich farbigen Lippenstift aufgetragen habe. Viele Grüße Nick

Reply
Countess Claire 4. Oktober 2014 - 12:05

Liebe Nick,
Ich denke, da sollte es kein Problem geben, zumindest bei herkömmlichem Stoff muss man kein schlechtes Gewissen haben. Man wird den roten Lippenstift aber nicht gerade in die von der Urgroßmutter geerbten Servietten aus Leinen mit Monogramm wischen ;-)
Liebe Grüße,
Claire

Reply
Nick 4. Oktober 2014 - 14:00

Hallo Claire,
Danke für die schnelle Antwort. Aber wie ist es bei den geerbten Servietten? Sollte ich vorher den Mund abtupfen mit einem Papiertaschentuch oder ähnlichem?

Reply
Countess Claire 5. Oktober 2014 - 11:29

Eigentlich sollte man gar nicht übermäßig viel Lippenstiftspuren hinterlassen, da man beim Lippenschminken in ein Papiertaschentuch beißt, um überschüssige Farbe aufzunehmen…

Reply
Lady Cassandora 6. Oktober 2014 - 15:50

Hallo Claire,

vielen Dank für deinen schön geschriebenen und gut gegliederten Beitrag zum Thema Tischmanieren. Und ich weiß, wie es dir geht. Manchmal ist es schon fast peinlich mit anzusehen, wenn erwachsene Leute sich ein „Lätzchen“ umhängen oder sich anderweitig im Restaurant sehr daneben benehmen.

Aber vielleicht stößt einer dieser „Unruhestifter“ ja auf deinen Blog und nimmt sich die darin gegebenen Tipps zu Herzen. Es würde den Besuch im Restaurant für Personal, Gäste und etweilige Begleitungen gleich viel angenehmer gestalten.

Mit Grüßen,
Lady Cassandora

Reply
Countess Claire 8. Oktober 2014 - 17:11

Liebe Lady Cassandora,
Danke für deinen netten Kommentar.
Liebe Grüße,
Claire

Reply
Isa 8. Oktober 2014 - 08:39

Liebe Claire,

also eine ganz praktische Sache für Handtaschen habe ich in Japan gesehen. Dort sind in vielen Restaurants Körbchen unter den Stühlen, wo die Damen ihre Handtaschen legen können.
Sehr schöner und informativer Post übrigens. Ich bin schon gespannt auf die nächsten Teile dieser Serie.
Viele Grüße
Isa

Reply
Countess Claire 8. Oktober 2014 - 17:13

Liebe Isa,
Vielen Dank!
Diese Körbchen halte ich für eine ausgezeichnete, praktische und elegante Idee.
Liebe Grüße,
Claire

Reply

Schreibe einen Kommentar