U or Non-U?

von Countess Claire

In meiner Serie British Style möchte ich der speziellen Sprache der britischen Oberschicht einen Beitrag widmen. Ihr wisst jetzt alle spätestens seit einem meiner letzten Artikel, wo ihr in London standesgemäß residieren könnt (lest hier: Nobelviertel in London). Im United Kingdom gibt es noch immer eine strikte Klasseneinteilung, nämlich in die Upper Class, der der Adel angehört, die Middle Class und die Working (Lower) Class. Innerhalb dieser drei Schichten gibt es auch noch Abstufungen. U or Non-U? Warum überhaupt? Wenn man es einmal nach BelgraviaSouth Kensington oder Chelsea geschafft hat, möchte man doch auf jeden Fall beweisen, dass man auch wirklich hierher gehört. Und was ist der Unterschied zwischen den beiden? Wie man vermuten kann, steht U für die Upper ClassNon-U für die Middle Class. Die Arbeiterklasse betrifft diese Unterscheidung nicht, ist sie doch der Sprache der Oberschicht manchmal ähnlicher als man denkt. Die Middle Class verwendet gern moderne Wörter, Euphemismen und Neologismen, um ihre Distinguiertheit zum Ausdruck zu bringen und sich von der Unterschicht abzuheben. Die Oberschicht verwendet zum Teil dieselben Begriffe wie die Lower Class.

The_Old_Schools,_Harrow_School

Die Harrow School in London, Eliteschule für die Upper Class: hier spricht man U

In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts nahm sich erstmals ein britischer Sprachwissenschafter, Alan S. C. Ross, einer Aufstellung über die unterschiedliche Aussprache, das Vokabular und den Schreibstil der verschiedenen Klassen an.

Kurz darauf fühlte sich auch die Schriftstellerin Nancy Mitford, deren Buch „Englische Liebschaften“ ich vor einiger Zeit vorgestellt habe, berufen, über dieses Thema im Artikel „The English Aristocracy“ zu schreiben. Selbst heute noch ist die Sprache ein ganz wesentliches Unterscheidungsmerkmal für die Klassen.

Doch wie unterscheidet sich U von Non-U? Einige Beispiele möchte ich euch aufzählen.

U Non-U
Vegetables Greens
False teeth Dentures
Scent Perfume
What? Pardon?
To die To pass on
Sofa Settee / Couch
Pudding Sweet
Drawing-room Lounge
How do you do? Pleased to meet you
Napkin Serviette
Loo / Lavatory Toilet

Die Upper Class hebt sich neben gewähltem Vokabular aber meist auch durch ihre ganz besondere Aussprache von den anderen Schichten ab. Die sehr deutliche (Upper) Received Pronunciation ist die Standardaussprache Englands, frei von jeglichem regionalen Akzent. U oder Queen’s English zeichnet sich also durch perfekte Grammatik und eine gewählte Sprache aus. Die Received Pronunciation ist eine bestimmte Aussprache (PSP – Public School Pronunciation oder
BBC English), die man an langgezogenen Vokalen, markant gesprochenen Silben und gehauchten Konsonanten erkennt. RP und Queen’s English sind zwei verschiedene Dinge. Auch ein kultivierter Schotte mit seinem regionalen Akzent wird Queen’s English sprechen, aber nicht notwendigerweise RP. Im Gegensatz dazu wird sich jemand mit Received Pronunciation auch gewählt ausdrücken, dh. Queen’s English sprechen.

Zum Thema Upper RP kann ich euch den Artikel „How to speak Posh English/ Upper RP“ auf PronunciationLondon empfehlen.

Bestenfalls hat man U – Queen’s English und RP schon in der Schule gelernt, es empfiehlt sich ebenso ein Sprachaufenthalt in London – aber nicht gerade im East End. Praktisch ist es auch, wenn man Serien wie „Downton Abbey“ oder „Sherlock“ im Originalton, dh. in perfekter Aussprache, genießt. Ein guter Tipp ist es, sich Reden von Catherine, Duchess of Cambridge, anzuhören. Das beste Beispiel sowohl für Received Pronunciation als auch für Upper Class English. Sagt man von ihr doch „Kate speaks posher than William“ (wobei das Wort posh Non-U ist. Auf U English heißt das smart).

Was haltet ihr von or Non-U? Und wie geht es euch, wenn ihr englischsprachige Filme/Serien anseht? Versteht ihr die amerikanischen oder die englischen besser?

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7 Kommentare

Sanne 13. Februar 2014 - 20:06

Sowohl sehens- wie hörenswert und dazu noch äußerst amüsant:
http://blog.the-british-shop.de/2013/07/stephen-fry-neues-vom-sprachkuenstler/
Liebe Grüße – S

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Countess Claire 16. Februar 2014 - 19:45

Liebe Sanne,
Danke für den Link, muss ich mir gleich anhören!
Liebe Grüße,
Claire

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Monika 13. Februar 2014 - 22:10

Hallo liebe Claire, ein sehr spannender Post!Ich fühle mich ein wenig an meine Zeit am Gymnasium erinnert, bei uns wurde immer großen Wert auf British English gelegt und das ist mir bis heute geblieben. Meine englische Austauschpartnerin aus Kent hat einige der von Dir vorgestellten Begriffe benutzt, z.B. “ I need the loo“. Downton Abbey hat für meine große Tochter und mich „Suchtcharakter“, ich habe die erste Staffel von ihr zu Weihnachten bekommen, Staffel 2 und 3 haben wir dann auch noch gekauft und wollen sie uns auf jeden Fall auch noch im Original ansehen. Viele liebe Grüße Monika

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Countess Claire 16. Februar 2014 - 19:49

Liebe Monika,
Vielen Dank für deine lieben Worte. So geht es mir übrigens auch. Und auf jeden Fall kann ich dir empfehlen, „Downton Abbey“ im Original anzuschauen. Du wirst jedes Wort verstehen.
Liebe Grüße,
Claire

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Martina 3. Februar 2015 - 14:23

Bin durch Zufall auf die Seite gestoßen und fand den Exkurs wirklich interessant. VIelen Dank dafür. Meine Begeisterung für das Land hat ganz klassich mit der Lust britischer Tee kaufen und zu konsumieren angefangen. Mittlerweile finde ich die Kultur immer faszinierender und ich bekomm große Lust mich in das Thema einzulesen.

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Countess Claire 4. Februar 2015 - 10:14

Freut mich! Ich hoffe, du findest lesenswerte Artikel auf meinem Blog.
Liebe Grüße,
Claire

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CM 17. September 2018 - 11:43

Sehr interessant und erinnert mich an meine Schulzeit und das Buch „Dear Doosie“, herrlich. Übrigens finde ich, daß es im Deutschen sehr, sehr ähnlich ist mit den sprachlichen Unterschieden!

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