Upper Class Boys oder Die Sache mit den kurzen Hosen

von Countess Claire

Sieht man Fotos vom entzückenden Prinzen George, springt es einem förmlich ins Auge: Der Kleine trägt ausschließlich kurze Hosen, sommers wie winters. Doch gibt es eine Erklärung für dieses Phänomen? Und wie sieht eigentlich so eine „Upper Class Boys“ Garderobe aus? Finden sich noch einige Besonderheiten?

Wenn ihr auch noch wissen wollt, wie ihr Mädchen klassisch und stilvoll kleiden könnt, lest meinen Artikel „Eine klassische Mädchengarderobe

Upper Class Boys und kurze Hosen

Shorts, Pullunder, Hemden, Polos und Pullunder

Zum Ersten ist es ja so, dass das Kälteempfinden der Engländer nicht annähernd so ausgeprägt ist wie das von uns Kontinentaleuropäern. Beim ersten Sonnenstrahl im April wird gejubelt ob des schönen Wetters und des bevorstehenden Sommers. Da spielt es dann keine Rolle, dass es mit Außentemperaturen von ungefähr 15 Grad doch noch etwas kühl ist. Die Garderobe für die warme Jahreszeit wird hervorgeholt und die offenen Schuhe dürfen natürlich auch nicht fehlen. Liegt es am doch recht oft schlechten und regnerischen Wetter auf der Insel, dass man als Engländer einfach nicht so empfindlich gegenüber der Kälte ist?

Upper Class Boys tragen kurze Hosen

Womit wir beim zweiten Punkt wären. In England ist das Klassensystem ausgeprägt wie nirgendwo sonst in Europa. Die dermaßen strikte Unterteilung in Upper Class  – lest dazu auch meine Artikel „U or Non-U?„, „Der Sloane Ranger – Vertreter der britischen Upper Class“ und „Der britische Adel“  – Middle Class und Working Class fällt auf.

Es ist nicht einfach für diejenigen, die mit viel Fleiß höherklimmen, denn sie werden leider noch immer oft als Emporkömmlinge, Ambitionierte (im negativen Sinn) oder Neureiche (falls der Aufstieg auch das Finanzielle betrifft) bezeichnet. Vielleicht erinnern sich noch einige, dass die Middleton-Schwestern vor ihren Heiraten mit Prince William bzw. dem Upper Class Banker James Matthews gern „Wisteria-Sisters“ genannt wurden. Blauregen wächst bekanntlich sehr schnell nach oben.

Die Sache mit den kurzen Hosen ist ganz einfach erklärt. Die Buben der Oberschicht tragen bis ungefähr zum 8. Geburtstag kurze Hosen, egal wie kalt es ist. Wir frösteln, wenn wir Prince George beim Weihnachtsgottesdienst in Shorts, immerhin langen Socken und einem Wintermantel sehen. Ausnahmen gibt es nur bei Schianzügen und Pyjamas. Immerhin soll die eine oder andere Upper Class Mama bzw. Nanny mit ihrem in festem, lange Hosen tragenden Schützling auf den Spielplatz gehen.

Lange Hosen werden als vorstädtisch Middle Class angesehen. Und wer auf sich hält, will schließlich auch mit seiner Kleidung und der seiner Kinder Klasse demonstrieren.

Breeches und Kniebundhosen

Seinen Ursprung hat die Sache mit den kurzen Hosen vermutlich mit dem Breeching (breeches entsprechen in etwa den Kniebundhosen) im 16. Jahrhundert. Buben waren die ersten beiden Lebensjahre gekleidet wie Mädchen. Darauf folgte mit zwei oder auch acht Jahren das „being breeched„. Die Jungen trugen nun breeches oder trousers. Und schon sind wir bei der Gegenwart. Die Upper Class hält stets Traditionen aufrecht, unterschwellig hebt sie sich damit von den weniger Privilegierten ab. Und das heißt: bis zum achten Geburtstag shorts, dann trousers – niemals pants.

Auf dem Kontinent sieht man bei der Oberschicht ebenfalls hauptsächlich kurze Hosen bei kleinen Buben. Doch wird das nicht annähernd so streng gehandhabt wie in England.

Upper Class Boys tragen geschlossene Schuhe

Bemerkenswert ist auch noch, dass Upper Class Boys aller Länder vorzugsweise geschlossene Schuhe tragen – Loafer, Timberlands, Schnürschuhe oder auch mal Sneakers in klassischen Farben. Ist euch das schon einmal aufgefallen?

Hemden, Polos, Pullunder und Pullover in klassischen Mustern und Farben wie Navyblau, Rot, Creme, Hellblau – bloß kein Schwarz und einfarbige Socken oder Kniestrümpfe, meist in Weiß oder Dunkelblau, seltener in Hellblau oder Grau.

Wenn der Sprössling dann aussieht wie einer elitären Public School – dazu mein Artikel „Privatschulen und Eliteinternate“ mit seiner feinen Schuluniform entsprungen, hat man alles richtig gemacht.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Wie zieht ihr eure Söhne an?

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9 Kommentare

Miss Kate 27. September 2017 - 13:41

Liebe Claire,

inzwischen ist mein Sohn auch so alt, dass er gescheite jungenhafte Kleidung tragen kann. Aber auch schon von Anfang an habe ich auf gedeckte Farben und klassische Kleidungsstücke geachtet, aber bitteschön abseits der selbstgeklöppelten, allgegenwärtigen knallbunten und von vielen Müttern für ungemein praktisch empfundenen „Pumphosen“, meines Erachtens die Vorstufe zur Jogginghose, und die dazu passenden Jersey-Mützen. (Hier in der Provinz sind sie überall!)

Die englischen kurzen Hosen beschränke ich „total middle class“ jedoch nur auf die warmen Jahreszeiten. Meinem Sohn ziehe ich die kurzen Hosen in verschiedenen, aber gedeckten Farben an, meistens jedoch Dunkelblau. Wenn es morgens selbst im Sommer etwas frischer ist, ziehe ich ihm auch dunkelblaue Kniestrümpfe dazu an. Nun im Herbst halte ich mich damit zurück und ziehe meinem Sohn Chino- oder Cordhosen an. Zu besonderen Anlässen oder Sonntags trägt er Knickerbocker. Hemden oder Polos mit Pullover oder Pullunder sind die übliche Garderobe.
Die Schuhe bevorzuge ich bei ihm geschlossen, erstens sieht es „angezogener“ aus, und zweitens finde ich sie sicherer, besonders wenn er durch den Garten wühlt oder mit seinem gesamten Fuhrpark unterwegs ist!
Bemerkenswert finde ich den Hinweis einer Erzieherin im Kindergarten an einem Info-Abend, die Kinder mögen doch bitte Kleidung tragen, die auch mal schmutzig werden darf. Mein Sohn darf sogar seinen RL-Pullunder durch den feuchten Sandkasten ziehen wenn er Lust dazu hat, schließlich haben wir ja eine Waschmaschine! Aber es wird wohl genug Eltern geben, die es anders sehen…

Herzlichst,
Kate.

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Bianca 28. September 2017 - 07:44

Ich finde es wichtig, dass auch Kinder immer ordentlich angezogen sind. Allerdings ist es bei uns meist eine Kombination aus Poloshirt und einer bequemen Stoffhose. In der Kita spielen und sitzen die Kleinen viel auf dem Boden und da kann eine zu enge Jeans schonmal sehr störend sein. Außerdem sind Knöpfe im Kleinkindalter auch nicht so einfach von Kinderhänden zu öffen. Und ich bin ebenfalls ein erklärter Feind der neuerdings allgegenwärtigen Pumphosen. Sowas kommt mir nicht ins Haus.
Bei Schuhen achte ich auch immer auf geschlossene Schuhe. Im Sommer auch gern aus Stoff. Wichtig ist mir auch, dass mein Sohn ohne Rücksicht auf seine Kleidung im Sand spielen kann. Denn dafür gibt es ja Waschmaschinen…
Viele Grüße Bianca

http://ladyandmum.blogspot.de

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Sue 2. Oktober 2017 - 14:36

Hallo,

tja, das war mal mit dem Anziehen.
Mein Sohn its jetzt 15 und weiß war er will.
Nun mit Poloshirt kann ich ihm leider nicht kommen.

Seine Lieblingsmarke ist Diesel. Yip.

Ich bin da jetzt raus wie du siehst.

Im Urlaub hatte er 3 Shirts ohne Ärmel und 3 mit Ärmel mit gehabt. Eigentlich die mit den Ärmeln nur, damit er sie abends zum Essen anzieht. Dann hat er nur die getragen und ich habe gewaschen. Eigentlich sollte er sich auch neue Sachen in Urlaub zu legen, aber es wurden nur neue Turnschuhe und ich bin der Meinung , er braucht immer noch neue Sachen. Ich kann aber nichts mehr kaufen, sein Geschmack treffe ich nicht so, meint er.

LG Sue

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Melanie 5. Oktober 2017 - 13:38

Liebe Claire, danke für Ihren Artikel!
Unsere beiden Söhne trugen fast ausschließlich kurze Hosen mit langen Socken/Kniestrümpfen – das funktioniert im mitunter schneereichen Salzburger Land ab März und kann bei Fönlage bis Mitte/Ende November so gehalten werden. Wichtig ist dann auf jeden Fall eine gute Grundausstattung (qualitativ hochwertige Wäsche und Strümpfe und (Baum-) Wollbasics, die beste Qualität bisher gefunden bei Hass-Natur, die ihr „Öko-Layout“ im Basics-Bereich deutlich reduziert haben), geschlossenes, warmes und trockenes Schuhwerk, entsprechend geschnittene und ausgestattete Jacken oder Mäntel und passende Mützen, Handschuhe und Schals. Die langen Hosen für den Winter aus Baumwollstoff, Chord oder Denim. Zu festlichen Anlässen ganz klar: kurze Hosen, Kniestrümpfe, Hemd, Cardigan, Pulli oder Pullunder sowie passende Schuhe. „Gebreecht“ wurde zur Erstkommunion, zu der unsere Söhne wie schon mein Mann und mein Bruder ihre erste Kniebundlederne und einen „Salzburger Janker“ erhielten, ab da zu Anlässen auch lange Hosen, im Winter dunkel, aber niemals schwarz, im Sommer auch hell. Der erste Anzug mit Accessoires, ausgesucht gemeinsam mit Vater und Paten, folgt zur Firmung.
Als Familie legen wir Wert auf situationsangemessene Bekleidung, denn „(Meine) Kleider machen (etwas mit) Leute(n)“: ich kann mit einem „zurechtgeschnöselten“ jungen Mann die Mutter eines Geburtstagskindes mit Party im Kletterpark ebenso prächtig brüskieren wie die Verwandtschaft anlässlich der diamantenen Hochzeit der Urgroßeltern, zu der ich mit Spiderman und Gangster-Rapper aufkreuze (ersteres gab es bei uns als Kompromiss in Form eines Pyjamas und einmal als Socken zu langen Hosen im Winter, zweitere gar nicht).
Tragend ist für uns in allen Bubenbelangen die Rolle des Vaters und der männlichen Familienangehörigen, also auch bei den „Äußerlichkeiten“: das Zusehen und Mitmachen beim Rasieren (mit Holzspateln aus der Apotheke, Babyseife und Rasierpinsel ab 3 Jahren sehr lustig für alle Beteiligten) und Krawattenbinden, Dresscodes (das Highlight ist nach wie vor Papa im Smoking) und „Material- und Accessoirekunde“ wie Krawatten-, Gürtel- und Schuhpflege, Falt- und Bindetechniken für Stecktücher, Krawatten und Fliegen, Gebrauch und Aufbewahrung von Stofftaschentüchern, welche Uhr zu welchem Anlass, warum im Flugzeug einen knitterfreien Reisemantel statt der Daunenjacke – alle diese Themen interessierten unsere beiden schon sehr früh und wurden „unter Männern“ erörtert (bei unserer Tochter zeichne ich für die vergleichbaren Themengebiete verantwortlich).
Liebe Claire, danke an dieser Stelle für Ihre Bemerkung zur „notwendigen Revolution“ durch Kleidung: kurze Hosen trägt unser Großer (13) immer noch gerne und so lange es das Wetter erlaubt, auch wenn er hierbei den Alterszenit schon etwas überschritten hat. Die Gig-Shirts, die er seit Kurzem in der Schule trägt, bestellt er dank engagierten Geografieunterrichts ausschließlich aus fair gehandelter Biobaumwolle und trägt sie im Zweifelsfall unter einem Cardigan oder einer sportlichen Kapuzenjacke, bei den Aufdrucken legt er Wert auf naturwissenschaftlich-sophistizierte Insider-Sprüche, bespricht sich aber (noch) vor jeder Entscheidung mit meinem Mann und unserem ausgesprochen stilbewussten jüngeren Sohn (11). Auf das Ergebnis bin ich trotz Stilabweichung sehr stolz – man(n) sieht ja nicht nur klassisch gestylt gut aus. Worauf ich mich in den nächsten Jahren noch einstellen muss, wage ich noch nicht zu prognostizieren, die Quintessenz unserer wahrlich revolutionserprobten Mütter dazu: „Wenn die Grundlage stimmt, kommt sie später auch wieder durch. In der Zwischenzeit lächeln und weiterlieben.“

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Countess Claire 5. Oktober 2017 - 15:13

Liebe Damen,

Ich sehe schon, ihr haltet es wie ich. kurze Hosen zu festlichen Anlässen und in der warmen Jahreszeit, in der Winterkälte aber dann doch lange Cordhosen.
Ich finde es auch sehr schön, wenn die Kinder sich kleidungstechnisch ein wenig an den Eltern orientieren.
Liebe Melanie, Haben Sie schon meinen Artikel zum Thema „Klassische Mädchengarderobe“ gelesen? Vielleicht spricht er Sie auch an.
Und jetzt werde ich gleich einmal googeln, wie die neuen In-Pumphosen für Buben aussehen ;-) Dieser Trend ist nämlich an mir vorbeigegangen.

Liebe Grüße,
Claire

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Melanie 9. Oktober 2017 - 09:49

Liebe Claire,

danke für den Hinweis; ein Zufallstreffer hat mich via „Mädchen-Artikel“ zu Ihrem Blog geführt – ich freue mich auf eine interessante Recherche in Ihren Beiträgen.

Liebe Grüße,
Melanie

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Countess Claire 9. Oktober 2017 - 11:47

Vielen Dank, ich freue mich auf weitere Anregungen von Ihnen!
Liebe Grüße,
Claire

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Marianne Bohnenkamp 18. November 2019 - 16:06

Mit ist schon mehrmals aufgefallen, dass gerade die Kinder in England ein ganz anderes Temperaturempfinden haben als wir in Deutschland. Man sieht dort zu allen Jahreszeiten Kinder mit nackten Beinen. Besonders die kleinen Mädchen werden bei jedem Wetter im Kleid mit Söckchen oder Kniestrümpfe losgelassen. Sogar ganz kleine Kinder, die noch nicht laufen können, werden in kurzen Stramplern und ohne Stümpfe und Schuhe durch die Kälte getragen. Früh übt sich. Vielleicht sind die Kinder dann wirklich gut abgehärtet. Das ist aber auch nötig. Vor einigen Jahren sahen wir Mädchen in ihren Schuluniformen am Morgen auf dem Schulweg. Wir hatten leichte Minusgrade und es lag einiges an Schnee. Trotzdem hatten einige Mädchen zum Rock nur Söckchen an und sahen nicht einmal verfroren aus. Aber sind die Mädchen wirklich unempfindlicher als ich es als Kind war.

In den Sechzigern war es üblich, dass bei uns die Mädchen nach Möglichkeit ab Ostern Kniestrümpfe anzogen. Ich erinnere mich an ein „weißes Osterfest“ Während meiner Bruder an diesem Morgen noch eine lange Hose anhatte, gewährte meine Mutter mir die angesagten Kniestrümpfe. Auch wenn ich mich immer auf Ostern und die Kniestrümpfe freute, an diesem Morgen beschlich mich doch ein mulmiges Gefühl. Nach dem Frühstück mussten wir erst zur Kirche, das hieß, eine viertel Stunde zu Fuß durch den Schnee. Meine kalten Beine wurden auch in der Kirche nicht mehr warm. Dann ging es zurück. Die Familie meiner Freundin ging neben uns her und natürlich hatte meine Freundin noch eine dicke Strumpfhose an. Sie war ganz unglücklich darüber, dass ihre Mutter ihr die Kniestrümpfe verweigert hatte. Kurz bevor wir zu7hause ankamen fragte ihre Mutter mich, ob es mir den nicht leid täte, auf eine Strumpfhose verzichtet zu haben. Natürlich sagten ich nein, obwohl mit inzwischen lausig kalt war. Am Nachmittag durfte das traditionelle Ostereiersuchen im nahen Waldstück nicht fehlen. Diesmal waren wir sehr lange unterwegs und der kalte Frost bis an meinen Beinen. Nach einigen Tagen gab es Tauwetter und ich hoffte heimlich auf höhere Temperaturen, was ich aber nie zugegeben hätte, dafür war ich dann doch zu stolz.
Daran musste ich denken, als ich die englischen Mädchen im Wint5er mit ihren Söckchen sah. Frieren sie wirklich nicht, oder mögen sie es auch nicht zugeben? Heute sage ich ehrlich, dass mir an diesen Ostertagen und in der Woche danach sehr kalt war, Aber so war das damals. Die wenigen Mädchen die schon den Frühling angezogen hatten, waren zu stolz, um über ihre kalten Beinen zu jammern.

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Countess Claire 18. November 2019 - 17:26

Liebe Marianne,
Vielen Dank für die nette Anekdote, die du mit uns geteilt hast!
Dass Britinnen und Irinnen ein ganz anderes Kälteempfinden haben als wir, ist Fakt. Hier bei uns an der Zürcher Goldküste leben sehr viele Expats. Und da ist es wirklich so, dass die Engländerinnen am ersten halbwegs warmen Frühlingstag offene Schuhe tragen und die Sommergarderobe hervorholen.
Unnötig zu sagen, dass sie in der Saison die ersten sind, die sich in den für alle anderen noch eiskalten Zürichsee wagen. Natürlich sind sie auch die letzten Badegäste, die im frischen Spätseptember noch „Abkühlung“ suchen.
Liebe Grüße,
Claire

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