Was trägt man zur Jagd?

von Countess Claire

Kürzlich habe ich mein Interview mit einem Jäger veröffentlicht, in dem euch Ferdinand über den Alltag eines Jägers erzählt hat. Außerdem gewährte er uns einen kleinen Einblick in die Arbeit in seinem Revier. Heute wenden wir uns den Äußerlichkeiten zu: Was trägt man zur Jagd?

Im Prinzip kann man beim Outfit von zwei verschiedenen Stilrichtungen sprechen. Alpenländisch und Englisch, wobei die Grenzen mitunter verwischt sind. Zwar kleidet man sich in Österreich sicherlich nicht wie ein englischer Lord beim grouse shooting. Aber mitunter bedient man sich schon am Bekleidungsstil der jeweils anderen. Das hat damit zu tun, dass der Adel    (nur ihm war früher die Jagdausübung erlaubt) länderübergreifend eng miteinander verflochten und verwandt ist und war.

Jagdbekleidung im United Kingdom

Was trägt man zur Jagd im United Kingdom? Zum einen hat die Jagdkleidung, wie wir sie kennen, ihre Wurzeln natürlich im englischen Landleben. Hunting, shooting and fishing, die sogenannten country sports der Briten, waren und sind mit die liebsten Freizeitbeschäftigungen der Upper und Upper Middle Class im Vereinigten Königreich. Dazu trägt man traditionellerweise viel Tweed. Widerstandsfähig, winddicht und wasserabweisend ist das wollene Gewebe die ideale Wahl, um sich in der Natur aufzuhalten. Die gängigsten Farben sind grün und braun in allen natürlichen Schattierungen.

Englische Gentlemen im tweed suit machen sich bereit zur formellen Jagd. (Pinterest)

Die formelle Jagd

Bei einer formellen Jagd trägt der englische Gentleman einen Tweedanzug, bestehend aus Jacke, waistcoat (Gilet) und breeks (Kniebundhosen). Tweed ist robust und verträgt auch Schmutzspritzer ohne weiteres. Hemd und Krawatte komplettieren das noble Erscheinungsbild.

Die informelle Jagd

Zur informellen Jagd wird man eher lange Jagdhosen mit vielen Taschen für all die Utensilien, die gebraucht werden, anhaben. Diese gibt es sogar mit integriertem Insektenschutz, um so einfach Zecken und andere lästigen Insekten abzuhalten. Barbour-Jacken sieht man ebenfalls häufig. Allerdings sollte man sie oft nachwachsen, damit sie wirklich wasserdicht bleiben. Selbstverständlich kann man auch andere Oberbekleidung tragen, solange sie ihren Zweck erfüllt. Denken wir beispielsweise an die Steppjacken (zB. Lavenham) oder Tweedjacken mit Gore-Tex-Futter von Schöffel beziehungsweise Fleecepullover. Schöffel ist ein bayrisches Textilunternehmen, das sehr stark am englischen Markt vertreten ist. Das verwundert auch nicht, schafft es diese Marke doch, traditionelle britische Jagdbekleidung mit morderner Technologie zu vereinen.

Bei der informellen Jagd in Tweed, Barbour und Dubarry of Ireland Boots. (Pinterest)

Das Jagdreiten

Zum Jagdreiten, dem sogenannten hunting – der Jagd zu Pferd – wählt man die Reithose in beige, buff oder weiß. Dazu gehören Reitkappe, schwarze Reitstiefel und eine traditionelle Jacke (rot oder dunkel).

Fuchsjagd im irischen Tipperary

Nicht zu vergessen die Kopfbedeckung! Der Engländer liebt seine tweed cap, die hauptsächlich bei der Jagd nach Enten, Fasanen, Rebhühnern und anderem Wild zum Einsatz kommt. Im Winter schützen Ohrenklappen vor der Kälte; natürlich sind diese auch aus Tweed.

Jagdbekleidung in den Alpenländern

Was dem Briten sein Tweed, ist dem Alpenvolk sein Loden. Die gewalkten groben und widerstandsfähigen Wollstoffe kommen zumeist in den Farben olivgrün, graubraun, schwarzmeliert oder rotbraun. Aber auch in unseren Breitengraden hat die moderne Textilindustrie längst Einzug gehalten. Die moderne Jägerin oder der moderne Jäger wird im Winter durch Funktionswäsche trocken und warm gehalten. Damit der Körper nicht überhitzt, werden mehrere Kleidungsschichten getragen, die man bei Bedarf ausziehen kann. Der naturbewusste Jäger wählt unterschiedliche Wollsorten. Wer keine Loden mag, trägt eine andere wasserdichte, aber dennoch atmungsaktive Oberbekleidung. Bei der Ansitzjagd zieht man sich noch eine Spur wärmer an. Damit stellt man sicher, dass einem nicht kalt wird, obwohl man mitunter Stunden am Hochsitz verbringt.

Ein alpenländischer Jäger auf dem Weg zu seinem Ansitz

Die Kleidung wird generell für ihren Zweck ausgewählt. Geht man mit der Büchse auf die Jagd auf Flugwild, wird man eine Jacke oder eine Weste mit großen Taschen wählen, welche die Schrotmunition aufnehmen kann.

Bei der Kopfbedeckung scheiden sich die Geister. Der traditionelle Jäger trägt einen Hut mit mehr oder weniger breiten Krempe. Er schützt vor Regen und Sonne und nimmt dankbar Abzeichen vom Schießstand oder Trophäen wie Federn auf. Einen erfolgreichen Jäger erkennt ihr übrigens am Waidbruch, der an der rechten Seite des Hutes angebracht ist. Wird der Bruch links getragen, befindet sich der Jäger auf dem Weg zum einem Jägerbegräbnis. Andere Jäger tragen lässig ein Sportkappe, die jedoch nicht überall gern gesehen wird.

Was man als Jägerin oder Jäger besser im Schrank, oder noch besser, im Geschäft lässt, sind Jeans. Jagdbekleidung darf kein Sicherheitsrisiko sein, darum haben keine Kleidungsstücke überflüssige Bänder. Sie verursachen beim Gehen auch keine lauten Geräusche. Schließlich möchte man das Wild  und die Stilpolizei nicht auf sich aufmerksam machen. Im Gebirge werden oft traditionelle Lederhosen getragen. Sie sind ein Naturprodukt, halten oft länger als ein Leben und sind sehr robust.

Accessoires im UK und in den Alpenländern

Zum eigenen Schutz und dem Schutz der anderen Jagdteilnehmer sorgt man bei Drück- und Treibjagden dafür, dass man von allen gut gesehen wird. Für diesen Zweck gibt es Westen, Handschuhe, Bänder und andere Accessoires, die in den Signalfarben Rot oder einem hellen Orange, oft als Blaze Orange bezeichnet, angeboten werden.

Was die Schuhe betrifft, ist das wichtigste, dass sie bequem, robust und sicher sind. Schuhwerk, mit welchem man auf nassem Holz oder Stein keinen festen Halt hat, ist ein Sicherheitsrisiko für sich und andere. Dauerhaft wasserdicht sind übrigens nur Gummistiefel. Speziell Le Chameau hat Jagdstiefel aus Naturkautschuk mit Ledereinsatz oder Neoprenfütterung herausgebracht. Diese sind bei den Engländern wirklich beliebt. Ansonsten trägt man wasserdichte Bergstiefel, bei einer formellen Jagd gern rahmengenäht.

Gehörschutz, Fingerlinge, lederne Jagdtaschen oder spezielle Rucksäcke gehören ebenfalls zu jeder Jagd. Taschen und Rucksäcke bieten einen Waidsack, welcher wasserdicht ist und das erlegte Tier bis zu einer bestimmten Größe aufnimmt. Im Rucksack niemals fehlen darf Verbandsmaterial, Zeckenspray und im Gebirge Sonnenschutz. Der moderne Gehörschutz schützt vor gesundheitsschädlichem Schalldruck und erlaubt gleichzeitig das normale Gespräch.

Der oft gesehene Flachmann bleibt bis zum Schüsseltrieb, dem geselligen Zusammentreffen der Jäger nach der Jagd, in der Tasche.

Liebe Leserinnen und Leser, was gefällt euch am besten? Falls ihr jagt, was tragt ihr dazu?

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1 Kommentare

Sabine Roser-Blum 26. Mai 2020 - 14:21

Liebe Claire,vielen Dank für Deinen Bericht.Ich bin selbst auch Jägersfrau mit spezieller Vorliebe für englischen Countysports aber die alpenländische Jagd mag ich auch sehr gerne.Da ich täglich unseren Jagdhund ausführe,trage ich meistens Barbourjacke und Gummistiefel .Es freut mich,dass du dieses Thema aufgegriffen hast.Alles Gute für Dich.

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