Knigge-Regeln: Wer bietet wem das Du an?

von Countess Claire

Kaum ein Kniggethema sorgt für so viel Unsicherheiten wie der richtige Umgang mit dem Duzen und Siezen. „Wer bietet wem das Du an?“ ist immer wieder eine Frage, die mir gestellt wird.

Grundsätzlich kann man sagen, dass es hier zwei Ebenen gibt, nämlich die berufliche und die private. Für beide gibt es genaue Regeln, vieles bleibt aber auch Ermessenssache, besonders im inoffiziellen Bereich. Lasst mich gleich mit zwei Beispielen aus dem Alltagsleben starten: Es ist so, dass es eine Tendenz gibt, immer schneller zum Duwort überzugehen bzw. gleich mit dem Du zu starten. Das ist nicht nur bei großen schwedischen Einrichtungshäusern so (es soll gleich mit dem vertraulichen „Hej du“ ungezwungenes schwedisches Flair vermittelt werden), es ist auch so bei Erwachsenen derselben Generation, die irgendeinen Anknüpfungspunkt durch ihre Kinder haben. Wohl kein Elternteil eines Kindes käme auf die Idee, die Eltern von jemandem, der dieselbe Primarschule wie der eigene Nachwuchs besucht, zu siezen. Ebenso ist es beim Ballett und allen anderen Aktivitäten, wo gemeinsame Kinder involviert sind. Aber auch hier gibt es schon eine ungeschriebene Regel: Man duzt zwar die Eltern automatisch, aber niemals Großeltern, die fallweise ihre Kinder begleiten.

Doch sehen wir uns die Sache der Reihe nach an:

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Bei einer Hochzeit fragen sich einander unbekannte Gäste oft, „Wer bietet wem das Du an?“


Wer bietet wem das Du an im Berufsleben

  • Der Vorgesetzte bietet dem Mitarbeiter das Du an. Es kommt also auf die Hierarchie in der Firma an, nicht auf das Geschlecht.
  • Bei gleichrangigen Mitarbeitern bietet die deutlich ältere Dame der jüngeren das Du an, der ältere Herr dem jüngeren, hingegen unabhängig vom Alter immer die Dame dem Herrn.
  • Der Kunde bietet dem Dienstleister das Duwort an, und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht oder gesellschaftlichem Rang.

Wer bietet wem das Du an im Privatleben

  • Die Dame bietet dem Herrn das Du an.
  • Der deutlich Ältere bietet dem Jüngeren das Du an. Bei einem achtzigjährigen Herrn und einer dreißigjährigen Dame wird die Initiative demnach vom Herrn ausgehen.
  • Der Herr bietet der Dame das Du an, falls er gesellschaftlich deutlich höher steht.

Einmal Du, immer Du?

Grundsätzlich gilt die Regel, ein einmal angebotenes Du ist für immer. Dem Nachbarn nach einer Nachbarschaftsstreitigkeit das Duwort wieder zu entziehen, ist selbstverständlich möglich, wenn auch stillos. Bei verschiedenen Seminaren sind Teilnehmer oft automatisch per Du, ebenso am Berggipfel oder in sonstigen Ausnahmesituationen. Das Du ist dann allerdings zeitlich begrenzt.

Résumé

Abschließend kann man sagen, dass für das Anbieten des Duworts immer ein gewisses Gespür vonnöten ist. Jeder kann ein angebotenes Du auch ablehnen, es sollte aber taktvoll und höflich geschehen und den Fragesteller keinesfalls in Verlegenheit bringen.

Anstelle des Überwechselns zum Du kann man aber auch eine elegante Möglichkeit wählen, die zu meinem Bedauern weitestgehend aus der Mode gekommen ist: Das Sie in Verbindung mit der Anrede mit Vornamen. Ein kleines Beispiel: Bis zum heutigen Tag kommunizieren meine Großmama und die beste Freundin – mittlerweile selbst Großmutter – ihrer Tochter per Vornamen und Sie, was mir manchmal wie ein stilvolles Relikt aus einer vergangenen Zeit erscheint.

Wie macht ihr das mit dem Duzen bzw. Siezen? Was ist euch lieber?

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17 Kommentare

Miss Kate 21. August 2015 - 09:29

Guten Morgen liebe Claire,

diese heitere Ikea-Duzerei geht mir zwar auf die Nerven, aber in der Fernsehwerbung und auf deren Plakaten kann ich das noch ertragen.
Was mich hingegen ziemlich pikiert, ist es, wenn ich als Kunde einen Laden betrete und von einem hochmotivierten Jungspund, gefühlte 10 Jahre jünger als ich, gleich direkt mit dem Du überfallen werde. Dieses „Wir sind doch alle gleich und nehmen uns nicht so ernst, lass uns Freunde sein“ – Geplänkel…
So penetrant man mich dann duzt, greife ich während der gesamten Unterhaltung stur auf das Sie zurück. …Wobei es zugegebenermaßen dabei immer darauf ankommt, wie sympathisch mir mein Gegenüber ist; manchmal duze ich auch fröhlich mit!
Seit der starken Präsenz der sozialen Medien meine ich, dass das Du den Leuten, gerade den Dienstleistern, viel leichter über die Lippen kommt; was auf einer virtuellen Plattform usus und in Ordnung ist, passt mir zumindest nicht in die reale Welt. Nenne mich altmodisch, aber ich würde gerne selbst entscheiden, wen ich duze oder nicht!
Mein Mann erzählte mir von einem Golfturnier, wo ihm ein Mitspieler für die Dauer des Turniers das Du angeboten hat, danach war alles wieder beim Alten.

An der Uni hatte mein Kurs mal eine Exkursion unternommen, allerdings war ich nicht dabei. Als die Gruppe wiederkam, duzten sich alle mit unserem Dozenten. Ich zog das Sie noch Ewigkeiten weiter durch, bis er mich irgendwann irritiert darauf ansprach und auch mir das Du offiziell anbot.

Ein Du schafft eine andere Basis, eine vertrauensvollere Basis. Es wird anders miteinander gesprochen. Daher nehme ich das Du gerne an, wenn es mir jemand offiziell anbietet. Aber es muss eben offiziell passieren, sonst bin ich verwirrt und fühle mich bei jeder Begegnung unbehaglich!!

Herzlichst,
Kate.

Reply
Kathrin 22. August 2015 - 15:56

Liebe Kate,

wie schön, dass ich nicht alleine auf der Welt bin – mich irritiert das Geduzt werden beim Einkaufen derart, dass ich meistens ein paar Sekunden brauch, um mich zu sortieren. Eine Unsitte, meiner Meinung nach. Ich Sieze im Übrigen auch meistens stur zurück.

Liebe Grüße

Kathrin

Reply
Countess Claire 23. August 2015 - 09:40

Liebe Kate, liebe Kathrin,
Mir geht es ebenso wie euch, dieses Duzen in den Läden kann einem auch wirklich fürchterlich auf die Nerven gehen. Andererseits, in Zürich wird man in Geschäften der gehobenen Sorte gern mit „Madame“ angesprochen, da ist dann das saloppe „Du“ bei Zara und co. schon fast ein Kompliment – ab einem gewissen Alter zumindest ;-)
Liebe Grüße,
Claire

Reply
Major McMorghey 24. August 2015 - 12:02

Werte Countess, Myladies

Ein wunderbares Thema für Fettnäpfchen und –Wannen zu finden!
Ich bin gerne per Sie, ich bin auch gerne per Du. Ich halte es wie Miss Kate und nehme das Du gerne offiziell an.

Einander zu duzen spricht, wie erwähnt, Vertrauen aus. Erfolgt das Angebot offiziell fällt es dem Empfänger auch leichter dieses höflich abzulehnen. Situationen in denen das Du inmitten eines Gespräches mit vielen anderen Anwesenden (…“ich sage jetzt einfach Du, ich hoffe, dass ist dir recht, wir duzen uns alle hier…“) kennen wir sicherlich alle zusammen.
Das Angebot sich zu duzen ist in meinen Augen auch mit Wertschätzung verbunden, welche in diesen Situationen eher nicht spürbar ist.

Ich halte es in den Juhu-Hüpf-wir-sind-hier-so-ein-toller-Haufen-Geschäften wie meine beiden Vorrednerinnen und bleibe (meist) beim Sie.

Ich erlaube mir hier noch Fragen zu stellen:
Wie lehne ich ein Angebot mit Takt ab?
Wie ziehe ich ein Du zurück (was ich auch schon erlebte)?
¨
Herzlichen Dank und mit

Hochachtungsvollsten Grüssen
The Major

Reply
Countess Claire 24. August 2015 - 20:03

Lieber Major,
Ein Angebot zum Duzen abzulehnen braucht möglicherweise ein bisschen Überwindung, aber vielleicht fällt es sogar leichter, als man denkt. In etwa so: „Ich fühle mich sehr geehrt/freue mich, dass Sie mir das Du anbieten, momentan würde ich mich aber noch etwas wohler fühlen, wenn wir beim Sie blieben…“
Ein Du zurückziehen kann man natürlich auch jederzeit, nur ist es eben nicht besonders stilvoll. Mir kommt keine Möglichkeit in den Sinn, das Ganze taktvoll zu meistern. „Ab heute sind wir wieder per Sie und im Übrigen hören Sie von meinem Anwalt“ kann man nicht beschönigen ;-)
Liebe Grüße,
Claire

Reply
Amalia 24. August 2015 - 23:07

Liebe Claire,
Duzen ist etwas Wunderbares, wenn es unter Verwandten oder bei gefühlter Seelenverwandtschaft gebraucht wird. Unter anderen Vorzeichen hingegen kann es ganz schön lästig, irritierend oder kompliziert sein… Wenn etwa die KollegInnen bereits nach der zweiten gemeinsam ausgestandenen Sitzung zur Verbrüderung schreiten, ohne zu bedenken, dass man auch weiterhin zusammenarbeitet, wenn kommerzielle Fundraiser in der Fußgängerzone ungefragt duzen (mir ist da neulich mal entfahren: „Liebes, ich könnte Ihre Mutter sein!, auch wenn’s rechnerisch wohl nicht ganz stimmte) – oder dieses hochgradig seltsame Teilzeit-Du, das nur in einer bestimmten Situation und dann nicht mehr benutzt werden darf – spätestens da wäre mir ein gepflegtes ‚Sie‘ allemal lieber
Liebe Grüße
Amalia

Reply
Countess Claire 25. August 2015 - 08:46

Das ist eine wunderbare Geschichte, ich stelle sie mir gerade bildlich vor. Sicher hundert Mal erlebt, in der Fußgängerzone derart angesprochen zu werden, ist mir so eine geniale Antwort noch nie in den Sinn gekommen. Du hast mich inspiriert!

Reply
Countess Claire 25. August 2015 - 09:05

Ihr Lieben,
Wir sind uns alle einig, dass dieses ungefragte Duzen und diese Selbstverständlichkeit, mit der ein Du ausgesprochen wird, oft als störend empfunden wird.
Ich kann mir vorstellen, dass einem das Du, zu dem man im Büro vermutlich oft „genötigt“ wird, sehr unpassend und überflüssig erscheint.
Aus meinem ehemaligen Berufsleben als Stewardess kann ich hingegen sagen, dass das Duzen uneingeschränkt richtig ist:
In der Fliegerei sind alle per Du – jeder Flugbegleiter mit jedem Piloten. Zum einen, da man im Lauf einer Rotation sehr viel Zeit miteinander verbringt. Nicht nur bei der Arbeit im Flugzeug, sondern auch, wenn man an der Destination einen Aufenthalt hat, gemeinsam Sightseeing macht, Essen geht, shoppt oder im Meer badet. Aber auch wenn man abends wieder zur Homebase zurückkehrt und es zumindest bei einer großen Airline nicht sehr wahrscheinlich ist, dass man im selben Jahr noch einmal miteinander fliegt, ist das uneingeschränkte Du wichtig.
Ein Sie zeigt immer eine gewisse Hierarchie an. Dieses Hierarchiedenken (Stichwort „Gesicht verlieren“) kann im Cockpit aber fatal sein, wie viele Beispiele meist aus dem asiatischen Raum zeigen. Hier ist der Kapitän der „uneingeschränkte Herrscher“, sein Copilot würde niemals wagen, ihm zu widersprechen, auch wenn ihm klar ist, dass die Entscheidung/Handlung des Kapitäns womöglich zum Absturz führt – um es ganz drastisch auszudrücken. Gut, dass jetzt es jetzt überall ein Umdenken gibt.
Darum ist in dieser Branche das Du überaus wichtig – was aber nicht heißt, dass innerhalb der Crew kein respektvoller Umgang herrscht.
Liebe Grüße,
Claire

Reply
Amalia 1. September 2015 - 13:52

Liebe Claire,
so hatte ich’s noch nie gesehen, das ist interessant. Ob das in anderen Teams, die potentiell kritische Situationen bewältigen müssen, auch so ist? Wird beispielsweise im OP geduzt?
Liebe Grüße
Amalia

Reply
Countess Claire 4. September 2015 - 08:23

Gute Frage! Ich kann mir aber beim besten Willen keine Krankenschwester, die den Chefarzt im OP duzt, vorstellen.

Reply
Sabine Stechert 25. August 2015 - 21:57

Liebe Claire,
eine kurze Anmerkung. Ich lebte einige Jahre in der Schweiz, in einem größeren Mietshaus und hatte sehr nette, z. T. hochgestellte Persönlichkeiten als Nachbarn. Wir waren mit den meisten in gutem Kontakt und mir wurde oft das Du angeboten ( in der Schweiz heißt das Duzimachen). Eines Tages traf ich eine äußerst liebe Nachbarin, die auch mir das Du anbot und mir sagte, dass ihr Mann, ein ausländischer Graf, beleidigt sei, weil ich ihm noch nicht das Du angeboten hatte. Ich erklärte ihr, daß in meiner Erziehung der Herr der Dame und der Ältere dem Jüngeren das Du anbietet, und ihr Mann doch um einiges älter sei als ich. Sie erklärte mir, daß in der Schweiz die Dame dem Herrn das Du anbietet. Lange Rede kurzer Sinn, ich lebe schon lange wieder in Deutschland, aber besagter Graf ist heute ein guter Freund, ebenso wie seine liebe Frau, die mir aus der Situation heraushalf.
Viele Grüße
Sabine S.

Reply
Alexandra 3. September 2015 - 17:16

Liebe Claire, wieder ein sehr gelungener Beitrag den ich gerne gelesen habe! Auch ich war schon mehrfach in Situationen in denen ich damit konfrontiert wurde. Ich habe relativ jung eine Führungsposition bekommen in einem Unternehmen in dem ich vorher als Studentin tätig war. Plötzlich war ich die Vorgesetzte von einem älteren Kollegen der sich (im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen) immer von mir Siezen lies. Sehr plump hat er mir dann nach meiner Beförderung das DU angeboten. Ich habe dies freundlich aber bestimmt abgelehnt mit der Begründung dass unsere Zusammenarbeit ja auch bisher mit Sie gut funktioniert hat. Das hat er dann natürlich akzeptiert und nie wieder erwähnt, unsere Zusammenarbeit funktioniert trotzdem gut. In einer anderen Situation habe ich mit auch schon für das Du entschieden obwohl die Mitarbeiterin die Knigge Regeln nicht beachtet hat, sie hatte es aber sehr nett gemacht und ich wollte sie nicht zurückweisen. Ich denke es kommt immer auf die Situation an und man kann immer einen guten oder schlechten Umgang miteinander haben egal ob man sich duzt oder siezt. Liebe Grüße Alexandra

Reply
Nadja 1. Februar 2016 - 08:51

Liebe Claire,

ich bin mir im Augenblick sehr unsicher, ob ich unserer neuen Abteilungssekritärin das Du anbieten muss oder ob sie, da sie deutlich älter ist als ich.

Lieben Gruß
Nadja

Reply
Andrea 11. Juni 2016 - 20:12

Im Internet ist das duzen gang und gäbe, somit passt das auch für mich.

Im realen Leben bin ich da etwas „spießig“ – habe einmal schlechte Erfahrungen mit dem ungefragt geduzt werden gemacht d.h. bin ungefragt geduzt worden – und duze nur drei Gruppen von Menschen:

a) Freunde und enge Verwandte (zu den weitschichtigen gibt es nur wenig Kontakt d.h. Besuche nur alle paar Monate oder Jahre, was u.a. an der Zeit aller Personen liegt).

b) Ehemalige Studienkollegen/innen (ehemalig deshalb, weil die Kollegen/innen und ich, das Studium beendet haben und jetzt arbeiten und/oder den Ruhestand genießen), ungeachtet des Altersunterschieds, nach oben und nach unten.

Im Hörsaal sind alle Studenten/innen gleich. ;)

Einige Kollegen haben sich mit den Professoren geduzt. Ich vermute, das ist daran gelegen, weil sich die Herren altersmäßig und auch rangmäßig – Professor einerseits und MMag/Dr. (akademisch)/BA (je nach dem) andererseits – nahegestanden sind.

c) Arbeitskolleg/innen und gute Bekannte (wobei letzteres geschlechtsneutral gemeint ist, da sowohl Männer, als auch Frauen zu meinen Bekanntenkreis gehören).

In einer Firma, in der ich gearbeitet habe (die Arbeit ist befristet gewesen – leider – es hat mir dort gut gefallen), haben die Chefs vom ersten Tag an festgelegt, dass das duzen so üblich ist. Also habe ich mich daran gehalten.

Ich bin dazu erzogen worden, zu warten, bis der Ältere (die Ältere) und/oder ranghöhere das duzen anbietet. Wobei letzteres keine Frage des Alters, sondern der Hierarchie ist.
Da kann z.B. der Chef/der Stellvertreter (nur als Beispiel) deutlich jünger sein als ich, steht aber im Rang über mir.

Umgekehrt kommt es selten vor, dass ich jemandem das duzen anbiete, wenn es um private Kontakte geht. Entweder ich kenne die Personen noch nicht so gut, dann warte ich lieber erst mal ab, wie die das handhaben und richte mich dann danach.

Jemanden Siezen und beim Vornamen zu nennen, was haltet ihr von dieser Anredeform? Ist das noch zeitgemäß ?
Wenn ja, wer bietet wem diese Anredeform an? Der Ältere dem Jüngeren? Der Ranghöhere dem Rangniedrigeren?Oder ist das in diesem Fall genau umgekehrt?

Ein Beispiel für diese Anredeform hab‘ ich. Nämlich folgendes: In „Frühling“ siezen sich „Henning“ und „Dalli“ zwar einerseits, nennen sich andererseits jedoch beim Vornamen.

Ungefragt geduzt werden, geht bei mir gar nicht. Man kann mich ja fragen, ob ich geduzt werden möchte. Was kann dem Gegenüber im schlimmsten Fall passieren ? Dass ich „nein“ sage. Er oder sie hat also nichts zu verlieren.

Umgekehrt mache ich das ja auch nicht einfach so, nur bei einigen Personengruppen (siehe oben). Meistens
ergibt es sich aus dem Zusammenhang heraus, ob nun das duzen oder das siezen angebracht ist.

Ich zitiere mich selbst: http://www.immenhof-forum.de/viewtopic.php?f=3&t=2372&hilit=Duzen&sid=ffdc986e61862c9340cf421a28cd49b6

Viele herzliche Grüße

Andrea

Reply
Heidi Hoesch 7. November 2016 - 11:04

Sehr geehrte Claire,

sehr gerne würde ich von Ihnen erfahren, wie Sie das mit dem Siezen im Plural sehen. Nicht nur in Franken, wo ich wohne, sondern im gesamten Bayerischen Raum, sind die meisten Leute nicht in der Lage, andere auch im Plural mit Sie anzusprechen, obwohl sie das im Singular sehr wohl tun. Es wird dann fröhlich „ge-euchzt und ge-ihrzt“, was mich sehr stört, wogegen man jedoch machtlos zu sein scheint. Selbst Franz Josef Strauß hat in seinen Reden eine Menge von mehreren Menschen mit „Ihr“ und „Euch“ angesprochen, auch wenn er jeden einzelnen von ihnen gesiezt hätte.
Mich stört es gewaltig, wenn ich in einem Geschäft arbeite, das wildfremde Kunden mit der Frage „Habt Ihr . . . . “ oder „Könnt Ihr . . . “ betreten.

Meine zweite Frage wäre: Wenn ich eine Gruppe von Menschen, von denen ich einige sieze und einige duze z.B. zum Essen rufen möchte, sage ich dann „Kommt Ihr bitte . . . “ oder „Kommen Sie bitte . . . “ ?

Für Klärung dieser Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit herzlichen Grüßen
Heidi Hoesch

Reply
Countess Claire 8. November 2016 - 08:51

Liebe Heidi,

Die deutsche Sprache ist auch für viele Muttersprachler schwierig, man sieht das zB. an der Verwechslung von Dativ und Akkusativ, dem „das-dass-Problem“ und noch so einigem mehr.
Dabei ist es eindeutig: Die Höflichkeitsform ist im Singular „Können Sie bitte?“ und im Plural ebenso.
Ist man mit einer Person per du, lautet es „Kannst du bitte?“ bzw. bei mehreren Personen „Könnt Ihr bitte?“.

In verschiedenen ländlichen Gegenden ist es mir schon aufgefallen, dass man jemanden mit Frau soundso anspricht, aber danach kommt dann ein „Du“. Klingt irgendwie lustig.

Vielleicht soll das „Ihr“ und „Euch“ im Plural auch besonders jovial, freundschaftlich oder Verbundenheit ausdrückend sein.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man nicht erfreut ist, wenn man unaufgefordert geduzt wird. Im Privatleben könnte man da spitz antworten „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Ihnen das Du angeboten hätte“, bei einem Kunde-Angestellten-Verhältnis geht das natürlich nicht.

Zur zweiten Frage: Ich würde tatsächlich „Kommt Ihr bitte“ rufen, falls ich nicht irgendeine Umschreibung wie „Bitte zu Tisch“ verwenden will. Dann im Gespräch aber betont „Sie“.

Liebe Grüße,
Claire

Reply
Ulla Krawczyk 8. Januar 2017 - 00:27

Sehr geehrte Claire,
recht gern habe ich hier die verschiedenen Kommentare zu dem
Du – ja oder Du -nein gelesen und bin recht froh, dass nicht jeder so locker flockig den eigenen Abstand hergibt, denn schließlich verringern wir mit dem Du die schützende Zone um uns. Ich mache gerade eine ehe negative Erfahrung mit meiner Abteilungsleiterin, die wirklich meine Tochter sein könnte und die mir ganz locker das Du anbot, was mich ein wenig verwirrte.
Ja die Regel lautet: Der Vorgesetzter dem Untertan, aber bei gravierenden Altersunterschieden wäre ein „es würde mich freuen, wenn sie mich dutzen würden“ angebrachte als ein „sie dürfen mich dutzen“
In diesem Falle, wurde die Leitungsstelle mit der jungen Frau „dekoriert“, was als Ergebnis hat, dass niemand sie ernst nimmt. Da hilft auch das Du recht wenig.
Es wäre doch besser gewesen, wenn ich das Du abgelehnt hätte, oder wenn in solchen Fällen die jüngeren mit ein wenig mehr Achtung vor dem Alter das Du einbringen würden.

Mit freundlichen Grüßen

Ulla

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