Wie sitzt man ladylike?

von Countess Claire

Eine echte Dame erkennt man unter anderem sofort an ihrer Grazie und perfekten Körperhaltung. Sie gibt ein Musterbeispiel ab, so wie sie es bereits als Mädchen von ihrer Mutter gelernt hat. Aber wie sitzt man ladylike? In diesem Artikel widme ich mich der perfekten Körperhaltung einer Dame.

Manche werden sich fragen, warum man über solch ein Thema schreiben mag. Aber sind wir ehrlich. In Zeiten, wo viele gekrümmt über dem Smartphone sitzen, scheint ein Beitrag angebracht. Dabei geht es aber nicht um verkrampfte Muskeln und gequälter Mimik. Ich will darüber schreiben, wie man als Dame eine vorzeigbare Sitzhaltung einnimmt.

Wie sitzt die Dame bei formellen Anlässen?

Die Dame sitzt mit geradem Rücken möglichst weit vorn an der Stuhlkante. Die Beine hält sie schräg zur Seite. Dabei müssen Knie und Knöchel stets geschlossen sein, um unliebsame Einblicke zu vermeiden. Aber was macht die Lady mit ihren Händen?

Die Hände liegen locker übereinander am Schoß und halten eventuell eine Clutch oder Handschuhe. Bei der perfekten Sitzhaltung gibt es kein Anlehnen mit dem Rücken und kein Aufstützen an den Armlehnen. Die Schultern sind durchgedrückt und das Kinn wird parallel zum Boden gehalten. Ein zu hohes Kinn wirkt arrogant, ein zu tief gesenktes suggeriert Verlegenheit.

Diese anmutige Sitzhaltung hat übrigens Catherine, Duchess of Cambridge, perfektioniert. Man nennt die Position „Duchess Slant“. Ihr wisst nun, was ihr euren Töchtern beibringen müsst, wenn sie später einmal Königin von England werden wollen.

wie sitzt man ladylike-zwei damen trinken tee

Zwei Damen trinken an einem informellen Anlass Tee

Wie sitzt man ladylike bei inoffiziellen Anlässen?

Dieselbe Position wie oben beschrieben nimmt man auch bei weniger formellen Anlässen ein. Die Beine können nun an den Knöcheln so überkreuzt werden, dass ein Fuß leicht vorm anderen steht. Wie immer: Knie und Knöchel bleiben stets zusammen.

Auch hier gibt Kate wieder das perfekte Beispiel für eine elegante Sitzhaltung ab. Ich persönlich finde es bemerkenswert, wie sehr die Duchess of Cambridge ihre Körperhaltung perfektioniert hat.

Vier Regeln für die perfekte Körperhaltung einer Dame

  • Als Dame überkreuzt man niemals die Beine am Knie.
  • Sie lässt sich nicht einfach in den Sessel fallen.
  • Die Lady wartet, bis ihr der Herr den Stuhl zurecht gerückt hat. Sobald sie die Stuhlkante an den Knien spürt, kann sie den Sessel etwas nach vorn schieben und nimmt elegant Platz.
  • Die richtige Rocklänge ist für die Dame sehr wichtig. Der Saum sollte dabei nicht mehr als wenige Zentimeter oberhalb vom Knie enden. Abgesehen davon ist Knielänge ohnehin immer zu empfehlen.

Weitere Informationen über das Verhalten einer Dame findet ihr in meinen Artikeln Was ist eigentlich eine Dame, Wie wird man eine Dame, ohne adelig zu sein, Vornehm distanziert sowie Die perfekte Gastgeberin.

Es gibt für alles ein Diplom

Wir müssen jedoch nicht so weit gehen, spezielle Seminare zu besuchen, bei denen man lernt, sich wie Kate zu bewegen. Gelegentlich halten Damen der besseren Gesellschaft solche Kurse in englischen Nobelhotels ab. Abgesehen von der perfekten Fotografen tauglichen Sitzhaltung bringt man den Teilnehmerinnen sogar bei, sich die Haare zu föhnen wie Catherine, Duchess of Cambridge.

Außerdem braucht man auch nicht unbedingt ein Jahr Unterricht an der letzten Schweizer Finishing School, so nett es sicherlich wäre. Bekanntlich erhalten dort Millionärstöchter und neuerdings auch -söhne sowie Prinzessinnen ihren letzten gesellschaftlichen Schliff.

Wie sitzt man ladylike für euch? Wie haltet ihr es mit dem Überkreuzen der Beine? Was geht gar nicht? Habt ihr schon vorm Spiegel geübt?

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3 Kommentare

Melanie 12. März 2018 - 19:32

Liebe Claire, Sie greifen in Ihrem Beitrag ein Thema auf, das neben der Außenwirksamkeit auch gesundheitliche Relevanz hat – ich erlaube mir als beruflich diesbezüglich vorbelastete Leserin in eben diesem Zusammenhang einen etwas ausführlicheren Kommentar:

Aufrechtes Sitzen ohne hochgezogene Schultern, Rundrücken, übermäßiges Hohlkreuz und überstreckte Halswirbelsäule (der „Geiernacken“ mit seinen unangenehmen Folgeerscheinungen) über entsprechende Zeiträume aufrechthalten zu können, verlangt vor allem einen trainierten, beweglichen Rücken vom ersten Halswirbel bis zum Kreuzbein. Dieser verhindert sowohl, dass der aufrechte Sitz aussieht, als hätte man den buchstäblichen Besenstiel verschluckt, als auch, dass nach wenigen Minuten gewollter Eleganz schmerzhafte Verspannungen auftreten. Ein stilvoller Cocktail in entsprechendem Ambiente ist eben kein „Ich-bin-Dame-Selfie“…

Für diejenigen, die für ihr regelmäßiges Rücken- und Haltungstraining nicht auf ein Pferd, einen Ruder-Einer, eine Alumni-Volleyballmannschaft, die Ballettübungen der Kindheit oder die Tanzschule als Backfisch zurückgreifen können oder wollen: Nordic-Walking, eine Rückengymnastikgruppe, Zumba, Hip-Hop-Dance, regelmäßige Volkstanzabende und vieles mehr sind gleichwertige Alternativen. Ergänzen kann man diese sportlichen Aktivitäten bestens durch tägliches Üben auf dem „Pianoforte“ oder der Harfe im Salon, alle anderen Musikinstrumente, die bei entsprechender Spieltechnik eine symmetrische, aufrechte Haltung verlangen (z.B. Akkordeon, div. Blasinstrumente etc.) eignen sich natürlich ebenso gut.

Für die souveräne Umsetzung von „gesellschaftstauglichen“ wie gesundheitsfördernden Sitzpositionen (ein gerader Rücken ist ein Charakteristikum beider Kategorien) in den entsprechenden Situationen braucht es neben einem „allzeit bereiten“ Rücken aber auch „Sitzroutine“. Wer nicht von klein auf zum „ordentlich Sitzen“ angehalten wurde bzw. über längere Zeit im Alltag nicht die notwendige Disziplin aufbringen konnte (kleine Kinder, schlaflose Nächte, stressiger Beruf etc.), sollte langsam mit dem Aufbautraining anfangen z. B. mit einer viertel Episode von Downton Abbey oder Pride and Prejudice in entsprechender Haltung – wer zu gegebener Zeit richtig sitzen können möchte, sollte den „Ernstfall“ rechtzeitig proben, am besten im Beisein einer wohlwollenden Kontrollinstanz (liebevolle Schwester, enge Freundin, diskret verschwiegener Spiegel). Zusätzlich – und hier bitte ich, eine kleine Indiskretion zu entschuldigen – sollte einer gewissen Kondition des Beckenbodens zum unverkrampften Beibehalten der geschlossenen parallelen Beinposition ebenso wie zum möglichst mühelos wirkenden Aufstehen und Hinsetzen Bedeutung beigemessen werden. Das Überkreuzen der Beine ist oft ein Kompensieren, wenn die parallele Position zu anstrengend oder unbequem wird. Umgekehrt kann man meist davon ausgehen: wer den „perfekten damenhaften Sitz“ über eine gute halbe Stunde beschwerdefrei durchhält, hat einen weitgehend trainierten Stützapparat. Im Zweifelsfall sollte frau auf Physio- und Ergotherapie zurückgreifen.

„Gar nicht“ geht für mich alles, was Authentizität und Wirkungsfähigkeit (und manchmal wirkt eben das Äußerliche doch ein bisschen mehr) eines Menschen einschränkt;
ich persönlich diskutiere nicht anmutig auf der Stuhlkante schwebend (wie die beiden reizenden Damen im Bild) mit einem männlichen Kollegen kontrovers eine berufspolitische Entscheidung – parallele Beine und aufrechter Rücken auf jeden Fall, aber mit guter Bodenhaftung. Ebenso wenig führe ich einen Intergenerationendialog mit Großtante Therese bei Tee und Gebäck zur Erziehung unserer Tochter, während ich im Schneidersitz auf dem Biedermeiersofa throne. Allerdings sitze ich mit überkreuzten Beinen, wenn ich während eines Gesprächs oder eines Vortrags mitschreiben möchte und keine Schreibfläche zur Verfügung steht, oder wenn eine Gesprächssituation unter Umständen eine gewisse Dynamik auch in der Körpersprache verlangt. Ich lümmle manchmal nach anstrengenden Arbeitstagen auch völlig ungraziös auf meinem Sofa und gewinne, mit einem hochgezogenen Knie auf einem Küchenstuhl hockend, eine Kartenrunde gegen meinen Mann. Einen Cocktail trinke ich gerne in entsprechendem Ambiente, auf der Stuhlkante balancierend, mit parallelen Beinen und geradem Rücken. Diesen luxuriösen Variantenreichtum des Sitzens, der mir als Frau heutzutage gestattet ist, nutze und genieße ich – „Haltung“ zu wahren bei gleichzeitiger Authentizität und Schwingungsfähigkeit und diese auch im Sitzen durch die entsprechende Körperhaltung auszudrücken, das würde ich in meiner Interpretation als „ladylike“ bezeichnen. Frauen, die das nahezu durchgehend umsetzen können, verfügen meiner Erfahrung nach meist über ein ausreichend großes Maß an Lebenserfahrung.

Nochmals vielen Dank für Ihre in vielen Bereichen relevante Themenwahl, liebe Claire, und herzlichen Gruß, Melanie

Antworten
Countess Claire 14. März 2018 - 10:47

Liebe Melanie,
Vielen lieben Dank für Ihren großartigen Kommentar! Ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben, so ausführlich zu schreiben.
Nun sehen wir, dass es auch vom gesundheitlichen Aspekt von Vorteil ist, wenn man „ordentlich“ sitzt, wie uns vermutlich unsere Mütter schon beigebracht haben. Ungraziös lümmeln oder die Beine überm Knie überkreuzen tun wir aber doch alle einmal. Wichtig finde ich, dass man sich bewusst ist, sich mit einer guten Sitzhaltung etwas Gutes zu tun und gleichzeitig auch elegant zu sein.
Ich freue mich auf weitere anregende Kommentare von Ihnen!
Liebe Grüße,
Claire

Antworten
Amalia 3. April 2018 - 19:57

Liebe Claire,
ganz pragmatisch: Mit der klassischen knielangen, aber eben nicht über-knielagen Rock- oder Kleiderlänge kann man (zumindest in beruflichen und förmlichen Zusammenhängen) gar nicht anders sitzen als im Duchess Slant oder Cambridge Cross, auch wenn man auf den ersten Blick denkt, das sei vielleicht doch etwa affektiert. Bei übergeschlagenen Beinen sieht man sonst mehr Oberschenkel, als man seinen Mitmenschen zumuten kann, bei gerade aufgestellten Beinen kann man (speziell bei Konferenzen mit U-förmiger Sitzordung, das gibt genau den richtigen bzw. falschen Abstand) geradewegs auf die Wäsche blicken…
@Melanie: Musste schmunzeln – bei Geradesitzen hilft mir in der Tat das konsequente Training auf dem Pferd!
Liebe Grüße
Amalia

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